Zuerst prüfen, welchen Brennstoff der Kaminhersteller freigibt
Die Bedienungsanleitung des Kamins beziehungsweise Brenners ist die wichtigste Grundlage für die Brennstoffwahl. Dort kann beispielsweise stehen, dass ausschließlich Bioethanol verwendet werden darf, dass ein bestimmter Alkoholgehalt einzuhalten ist oder dass nur ein vom Hersteller geprüfter Brennstoff vorgesehen ist.
Diese Vorgaben sind wichtiger als allgemeine Empfehlungen aus Produktbeschreibungen anderer Anbieter. Zwei Ethanolbrenner können konstruktiv unterschiedlich aufgebaut sein und deshalb verschiedene Anforderungen an den Brennstoff stellen.
Bei der Prüfung solltest du besonders auf folgende Angaben achten:
- zulässige Brennstoffart
- geforderter oder erlaubter Ethanolgehalt
- Hinweise zur Vergällung
- ausgeschlossene Brennstoffarten
- konkrete Herstellerfreigaben
- Vorgaben für automatische Brennersysteme
- Hinweise zu Garantie und Wartung
Ein gutes Beispiel dafür sind die unterschiedlichen Konzentrationsbereiche am Markt. Manche Systeme werden ausdrücklich für Bioethanol mit ungefähr 95 bis 96,6 Volumenprozent Ethanol ausgelegt. Andere Hersteller schreiben einen eigenen Brennstoff mit einer genau definierten Zusammensetzung vor.
Eine allgemeine Empfehlung wie „Nimm immer Bioethanol mit 96,6 Prozent“ greift deshalb zu kurz.
Das gilt besonders für automatische Ethanolfeuerstellen. Hier wird der Brennstoff teilweise aus einem Tank zum Brenner transportiert, verdampft oder elektronisch überwacht. Die Eigenschaften des Brennstoffs können deshalb unmittelbar mit der Funktionsweise des Systems zusammenhängen.
Auch bei einem einfachen manuellen Brenner solltest du nicht experimentieren. Brennspiritus, Isopropanol, Methanol, Benzin oder beliebige Industriealkohole sind kein Ersatz, nur weil sie ebenfalls brennbar sind.
Was sagt die Reinheit von Bioethanol tatsächlich aus?
Auf vielen Kanistern finden sich Angaben wie 96 %, 96,6 % oder 97 %. Damit ist normalerweise der Ethanolanteil gemeint. Die restlichen Bestandteile können unter anderem Wasser und Vergällungsmittel sein.
Eine höhere Zahl bedeutet dabei nicht automatisch einen besseren Brennstoff.
Bei vielen für Feuerstellen entwickelten Produkten liegt der Ethanolanteil ungefähr im mittleren 90-Prozent-Bereich. Das hat auch technische Gründe: Ethanol und Wasser bilden bei der normalen Destillation ein Gemisch, dessen Zusammensetzung sich nur mit zusätzlichen Verfahren weiter in Richtung nahezu wasserfreies Ethanol verändern lässt.
Für den Kamin ist aber ohnehin nicht die chemisch höchstmögliche Reinheit das Ziel. Relevant ist die Zusammensetzung, für die der jeweilige Brenner konstruiert wurde.
Angabe auf dem Brennstoff |
Was sie dir sagt |
Was sie nicht automatisch bedeutet |
|---|---|---|
95–96 % Ethanol |
hoher Ethanolanteil |
für jeden Kamin geeignet |
96,6 % Ethanol |
sehr verbreiteter Bereich bei Bioethanol |
grundsätzlich bessere Verbrennung |
über 97 % Ethanol |
besonders geringer Wasseranteil möglich |
automatisch bessere Wahl |
„Bioethanol“ ohne genaue Prozentangabe |
Brennstoff basiert auf biologisch erzeugtem Ethanol |
Zusammensetzung passt zum eigenen Brenner |
„hochrein“ oder ähnliche Begriffe |
meist Hinweis auf geringen Fremdstoffanteil |
technische Freigabe durch den Kaminhersteller |
Gerade Bezeichnungen wie „Premium“, „hochrein“ oder „besonders sauber“ solltest du deshalb nicht isoliert bewerten. Aussagekräftiger sind eine nachvollziehbare Zusammensetzung und eindeutige Herstellerinformationen.
Mehr Ethanol ist nicht automatisch besser
Bei Alkoholbrennstoffen verändern sich mit der Zusammensetzung unter anderem Verdampfung, Zündverhalten und Verbrennungsverhalten. Das kann für einen Brenner relevant sein.
Deshalb sollte beispielsweise ein Gerät, für das der Hersteller 95 bis 96,6 % Bioethanol vorsieht, nicht ohne Weiteres mit einem nahezu wasserfreien Industrieethanol betrieben werden. Selbst wenn beide Produkte überwiegend aus demselben Alkohol bestehen, sind sie technisch nicht zwingend austauschbar.
Entscheidend bleibt die Freigabe für das Gerät.
Vergällungsmittel und andere Zusätze richtig bewerten
Ethanol, das nicht zum Trinken bestimmt ist, wird häufig vergällt. Dabei werden Stoffe zugesetzt, die es für den menschlichen Verzehr ungeeignet machen.
Das bedeutet: Ein Ethanolbrennstoff besteht nicht zwingend ausschließlich aus Ethanol und Wasser.
Je nach Produkt können unterschiedliche Vergällungsmittel verwendet werden. Dazu gehören beispielsweise sehr bitter schmeckende Stoffe wie Denatoniumbenzoat, auch unter der Bezeichnung Bitrex bekannt. Bei bestimmten Produkten können außerdem andere Alkohole oder Lösungsmittelbestandteile Teil der Vergällung sein.
Eine Vergällung ist deshalb nicht automatisch ein Qualitätsmangel. Entscheidend ist vielmehr, welche Zusätze enthalten sind und ob diese Zusammensetzung für den vorgesehenen Kamin geeignet ist.
Bei der Auswahl lohnt sich ein Blick auf:
- Produktetikett: Dort sollten Brennstoffart, Gefahrenhinweise und Anbieter eindeutig erkennbar sein.
- Sicherheitsdatenblatt: Es enthält weitergehende Angaben zu Inhaltsstoffen, Gefahren, Lagerung und Handhabung.
- Herstellerfreigabe des Kamins: Sie entscheidet letztlich darüber, welche Brennstoffzusammensetzung eingesetzt werden darf.
Vorsicht ist bei Produkten angebracht, die zusätzliche Duft-, Farb- oder Effektstoffe enthalten. Solche Zusätze können das Verbrennungsverhalten verändern oder Rückstände verursachen. Wenn der Hersteller sie nicht ausdrücklich zulässt, gehören sie nicht in den Brenner.
Auch Duftöle sollten niemals eigenständig in den Brennstoff gemischt werden. Ein Ethanolbrenner ist kein Aroma-Diffusor mit Flamme.
Ist geruchsfreies Bioethanol wirklich geruchsfrei?
„Geruchsfrei“ sollte nicht so verstanden werden, dass bei Betrieb unter allen Bedingungen überhaupt kein Geruch wahrnehmbar sein kann.
Bereits unverbrannter Ethanol besitzt einen eigenen Geruch. Zusätzlich können Vergällungsmittel oder Verunreinigungen wahrnehmbar sein. Beim Anzünden und Löschen kann ebenfalls kurzfristig ein Geruch entstehen, weil der Brennstoff in diesen Phasen nicht unter denselben Bedingungen verbrennt wie bei einer stabilen Flamme.
Ein deutlich stechender oder ungewöhnlicher Geruch sollte trotzdem nicht einfach hingenommen werden. Mögliche Ursachen sind unter anderem:
- ungeeigneter Brennstoff
- Verunreinigungen
- Zusätze im Brennstoff
- verschüttetes Bioethanol
- Rückstände im Brenner
- unzureichende Luftzufuhr
- ein technisches Problem des Brenners
Tritt der Geruch erst nach einem Brennstoffwechsel auf, ist das ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, zuerst dessen Eignung und Zusammensetzung zu überprüfen.
Woran du einen geeigneten Brennstoff vor dem Kauf erkennst
Die Vorderseite eines Kanisters liefert oft nur einen Teil der benötigten Informationen. Bezeichnungen wie „Kamin-Bioethanol“ oder „Bioethanol Premium“ sind allein noch kein ausreichender Nachweis dafür, dass das Produkt zum eigenen Gerät passt.
Eine sinnvolle Prüfung funktioniert in dieser Reihenfolge:
1. Bedienungsanleitung des Kamins ansehen
Notiere die dort genannte Brennstoffart und gegebenenfalls den zulässigen Ethanolbereich.
2. Produktbeschreibung vergleichen
Der angebotene Brennstoff sollte diese Vorgaben eindeutig erfüllen. Im Zweifel ist eine konkrete Herstellerangabe besser als eine vage Aussage wie „für alle Ethanolfeuerstellen“.
3. Zusammensetzung prüfen
Achte auf den angegebenen Ethanolanteil und Informationen zur Vergällung beziehungsweise zu weiteren Bestandteilen.
4. Sicherheitsdatenblatt ansehen
Seriöse Anbieter können für einen chemischen Brennstoff entsprechende Sicherheitsinformationen bereitstellen. Besonders bei unbekannten Produkten lohnt sich dieser Schritt.
5. Zusätze kritisch betrachten
Duftstoffe, Farbstoffe und andere Beimischungen bringen für die eigentliche Verbrennung keinen notwendigen Vorteil. Ohne ausdrückliche Freigabe des Brennerherstellers solltest du solche Produkte meiden.
6. Kanister und Verschluss kontrollieren
Der Behälter muss für den Brennstoff geeignet, dicht und unbeschädigt sein. Auch Hinweise zur sicheren Lagerung und Verwendung gehören zu einem ordentlich gekennzeichneten Produkt.
Bei automatisch betriebenen Feuerstellen sollte die Prüfung noch strenger ausfallen. Manche Hersteller stimmen Pumpen, Tanktechnik, Sensorik und Verbrennungssystem auf einen bestimmten Brennstoff ab. Hier kann bereits ein vermeintlich ähnliches Produkt außerhalb der vorgesehenen Spezifikation liegen.
Die Brennstoffqualität endet nicht beim Einkauf
Auch geeignetes Bioethanol kann Probleme verursachen, wenn es falsch gelagert oder beim Befüllen verunreinigt wird.
Ethanol ist leicht entzündlich und sollte immer entsprechend den Herstellerangaben sowie den geltenden Vorgaben gelagert und gehandhabt werden. Der Behälter gehört geschlossen und fern von Zündquellen aufbewahrt. Kinder dürfen keinen Zugriff darauf haben.
Beim Befüllen gilt außerdem eine zentrale Sicherheitsregel: Niemals Brennstoff in einen noch brennenden oder heißen Brenner geben. Ethanolflammen können bei ungünstigen Lichtverhältnissen schwer erkennbar sein. Deshalb muss der Brenner vollständig gelöscht und entsprechend der Bedienungsanleitung abgekühlt sein, bevor nachgefüllt wird.
Weitere sinnvolle Punkte sind:
- verschütteten Brennstoff vollständig aufnehmen
- erst nach vollständigem Trocknen entzünden
- keine unterschiedlichen Brennstoffe miteinander mischen
- keine eigenen Zusätze einfüllen
- Brennstoff nicht in ungeeignete Getränkeflaschen umfüllen
- Herstellerangaben zum Befüllen beachten
- für ausreichende Raumlüftung sorgen
Besonders das Mischen verschiedener Produkte ist unnötig. Selbst wenn beide als Bioethanol verkauft werden, können sich Ethanolgehalt und Vergällung unterscheiden. Möchtest du auf einen anderen freigegebenen Brennstoff wechseln, ist es besser, die Hinweise des Geräteherstellers zum Brennstoffwechsel zu beachten.
Entscheidend ist die passende Spezifikation
Beim Bioethanol für eine Feuerstelle geht es weniger darum, den Kanister mit der höchsten Prozentzahl zu finden. Die sinnvollste Wahl ist der Brennstoff, dessen Zusammensetzung zu den Vorgaben des jeweiligen Brenners passt. Ethanolgehalt, Vergällungsmittel und weitere Zusätze müssen deshalb gemeinsam betrachtet werden.
Bei einfachen manuellen Brennern sind die Anforderungen oft überschaubarer, während automatische Systeme sehr konkrete Vorgaben haben können. Deshalb sollte die Bedienungsanleitung immer vor allgemeinen Empfehlungen aus dem Handel stehen. Bei einem unbekannten Produkt helfen Etikett und Sicherheitsdatenblatt dabei, die Zusammensetzung besser einzuschätzen. Eigene Mischungen oder nicht freigegebene Alternativalkohole gehören dagegen nicht in eine Ethanolfeuerstelle.





