Zuerst prüfen, was beim Brennholz überhaupt vereinbart wurde
Ob eine Lieferung mangelhaft ist, lässt sich nur beurteilen, wenn klar ist, welche Eigenschaften zugesagt wurden. Deshalb gehören Bestellung, Rechnung, Angebotsseite und gegebenenfalls Nachrichten mit dem Händler an den Anfang der Prüfung.
Relevant können beispielsweise sein:
- bestellte Holzart oder Holzmischung
- Scheitlänge, etwa 25, 30 oder 33 cm
- Liefermenge
- Maßeinheit wie Raummeter (Rm) oder Schüttraummeter (Srm)
- Zustand des Holzes, beispielsweise „trocken“ oder „ofenfertig“
- konkret zugesicherte Holzfeuchte
- gespaltene oder ungespaltene Ware
- Lieferform, etwa lose gekippt, in Boxen oder gestapelt
- Preis je Einheit und eventuell separat berechnete Lieferkosten
Gerade bei Begriffen wie „trocken“ und „ofenfertig“ solltest du noch einmal in der ursprünglichen Produktbeschreibung nachsehen. Wurde dort zusätzlich ein konkreter Feuchtewert genannt, lässt sich die Lieferung wesentlich eindeutiger überprüfen.
Ähnliches gilt für die Menge. Drei Raummeter sind nicht dasselbe wie drei Schüttraummeter. Ein Raummeter beschreibt einen Kubikmeter geschichtetes Holz einschließlich der Zwischenräume. Bei einem Schüttraummeter liegen die Scheite dagegen lose in einem Volumen von einem Kubikmeter. Dadurch entstehen deutlich größere Hohlräume.
Auch Scheitlänge und Art der Aufbereitung beeinflussen das Verhältnis der Raummaße. Eine pauschale Umrechnung nach dem Muster „1 Rm entspricht immer exakt x Srm“ eignet sich deshalb nicht dazu, eine kleine Fehlmenge zweifelsfrei nachzuweisen.
Feuchtes Brennholz richtig kontrollieren und dokumentieren
Bei einer Lieferung, die als trocken oder unmittelbar verwendbar verkauft wurde, gehört die Feuchtemessung zu den wichtigsten Kontrollen. Dabei ist die Messmethode mindestens so wichtig wie der angezeigte Prozentwert.
Eine Messung außen auf einem Scheit kann täuschen. Die Oberfläche trocknet während der Lagerung schneller als das Innere. Für eine aussagekräftigere Prüfung wird ein Scheit deshalb frisch gespalten und anschließend an der neu freigelegten Innenfläche gemessen.
Für eine private Dokumentation bietet sich folgendes Vorgehen an:
- Wähle mehrere Scheite aus unterschiedlichen Bereichen der Lieferung.
- Fotografiere die ausgewählten Stücke vor der Messung.
- Spalte jeden Scheit frisch.
- Prüfe die Feuchte an mehreren Stellen der inneren Spaltfläche.
- Beachte die Vorgaben des Messgeräteherstellers, etwa zur Holzarteneinstellung und Messrichtung.
- Fotografiere die angezeigten Werte.
- Notiere Datum, Holzart, Messgerät und sämtliche Einzelwerte.
Verlasse dich nicht auf einen einzigen Scheit. Holz ist ein Naturprodukt und innerhalb einer Lieferung können Feuchtewerte schwanken. Fünf oder zehn nachvollziehbar untersuchte Stücke aus verschiedenen Bereichen sind für die eigene Dokumentation wesentlich aussagekräftiger als eine einzelne Messung am trockensten oder feuchtesten Stück.
Holzfeuchte und Wassergehalt nicht verwechseln
Bei Prozentangaben entsteht zusätzlich ein häufiger Stolperstein: Holzfeuchte und Wassergehalt werden unterschiedlich berechnet.
Die für Scheitholz relevante Vorgabe der 1. BImSchV bezieht sich auf die Feuchte im Verhältnis zur Trockenmasse des Holzes. Für die betreffenden Brennstoffe muss sie beim Verbrennen unter 25 Prozent liegen. Dieser Wert entspricht ungefähr einem Wassergehalt von 20 Prozent bezogen auf die feuchte Gesamtmasse.
Prüfe deshalb, welche Größe dein Messgerät tatsächlich anzeigt. Ein Prozentwert ist ohne diese Information nicht eindeutig einzuordnen.
Noch wichtiger für eine Reklamation ist die konkrete Bestellung. Wurden beispielsweise höchstens 18 Prozent Holzfeuchte zugesichert, muss sich die Lieferung an dieser Vereinbarung messen lassen und nicht nur daran, ob sie gerade noch für die Verbrennung zulässig wäre.
Fehlmengen prüfen, ohne Raummeter und Schüttraummeter durcheinanderzubringen
Bei vermeintlichen Fehlmengen wird die Dokumentation schwieriger. Ein loser Haufen auf der Einfahrt lässt sich optisch kaum zuverlässig einschätzen.
Zunächst muss die verkaufte Einheit feststehen.
Lieferangabe |
Was damit gemeint ist |
|---|---|
Festmeter (Fm) |
Ein Kubikmeter reine Holzmasse ohne Zwischenräume |
Raummeter (Rm/Ster) |
Ein Kubikmeter geschichtetes Holz einschließlich Zwischenräumen |
Schüttraummeter (Srm) |
Ein Kubikmeter lose geschüttete Scheite einschließlich größerer Hohlräume |
Wurde nach Schüttraummetern verkauft, ist das Volumen der Schüttung entscheidend. Kommt das Holz beispielsweise in einem bekannten Behälter oder Anhänger, können Länge, Breite und nutzbare Füllhöhe Hinweise auf das gelieferte Volumen geben.
Bei einem rechteckigen Laderaum lautet die einfache Rechnung:
Länge × Breite × durchschnittliche Füllhöhe = Schüttvolumen
Ein 2,0 Meter langer und 1,5 Meter breiter Behälter, der durchschnittlich 1,0 Meter hoch mit Holz gefüllt ist, besitzt rechnerisch ein Volumen von 3,0 Kubikmetern. Voraussetzung ist natürlich, dass die genannten Innenmaße tatsächlich zum mit Holz belegten Bereich gehören.
Bei geschichtet verkauftem Holz lässt sich das Volumen eines sauber aufgesetzten Stapels ebenfalls über Länge, Höhe und Tiefe kontrollieren.
Schwieriger wird es, wenn du einen gelieferten Schüttraummeter nachträglich stapelst und aus dem Stapelvolumen eine Fehlmenge ableiten möchtest. Beim Stapeln schließen sich viele der zuvor vorhandenen Hohlräume. Wie stark sich das Volumen reduziert, hängt unter anderem von Scheitlänge, Form, Holzart und Sorgfalt beim Stapeln ab.
Orientierungswerte für die Umrechnung können bei einer Plausibilitätsprüfung helfen. Für eine Reklamation wegen einer kleineren Abweichung solltest du dich aber nicht ausschließlich auf einen allgemeinen Umrechnungsfaktor stützen.
Am besten dokumentierst du das Lieferfahrzeug oder den Behälter bereits vor beziehungsweise während des Abladevorgangs. Sind Zweifel sofort erkennbar, können Fotos und Maße viel Diskussion ersparen.
Welche weiteren Abweichungen eine Reklamation rechtfertigen können
Nicht nur Feuchte und Menge können von der Bestellung abweichen. Auch andere Eigenschaften des gelieferten Holzes sind relevant, sofern sie vereinbart wurden oder für die geschuldete Ware wesentlich sind.
Eine praktische Kontrolle sieht beispielsweise so aus:
- Holzart: Wurde ausschließlich Buche bestellt, sollte nicht in relevantem Umfang anderes Holz enthalten sein.
- Scheitlänge: Einzelne Abweichungen sind bei Brennholz normal. Besteht ein erheblicher Teil der Lieferung jedoch aus deutlich längeren Scheiten als vereinbart und passen diese nicht in den Feuerraum, ist das etwas anderes.
- Aufbereitung: Bestelltes gespaltenes Brennholz sollte nicht zu einem größeren Anteil aus ungespaltenen Rundstücken bestehen.
- Fremdstoffe: Erde, Steine, Kunststoff oder andere nicht bestellte Bestandteile sollten dokumentiert werden.
- Zustand: Auffälliger Schimmel, starke Verschmutzungen oder erkennbare Fäulnis können je nach Ausmaß und Vereinbarung relevant sein.
- Sortierung: Wurde eine bestimmte Sortierung, Scheitstärke oder Holzartmischung vereinbart, gehört auch diese zur Prüfung.
Nicht jede kleine Unregelmäßigkeit macht eine komplette Lieferung mangelhaft. Brennholz besteht nicht aus industriell identischen Bauteilen. Scheite unterscheiden sich in Form, Durchmesser, Rindenanteil und teilweise auch Länge.
Anders sieht es aus, wenn sich eine Abweichung durch große Teile der Charge zieht oder eine ausdrücklich vereinbarte Eigenschaft nicht eingehalten wird.
So reklamierst du die Brennholzlieferung nachvollziehbar
Eine Reklamation sollte möglichst sachlich und konkret sein. Der Händler muss erkennen können, was beanstandet wird und worauf sich die Beanstandung stützt.
Sammle zunächst folgende Unterlagen und Nachweise:
- Bestellung oder Auftragsbestätigung
- Rechnung beziehungsweise Lieferschein
- ursprüngliche Produktbeschreibung
- Fotos der gesamten Lieferung
- Detailaufnahmen auffälliger Scheite
- Messwerte der Holzfeuchte
- Fotos der Feuchtemessungen
- Maße eines Stapels oder Lieferbehälters bei Mengenproblemen
- Datum und Uhrzeit der Lieferung
- gegebenenfalls Nachrichten oder Absprachen mit dem Verkäufer
Beschreibe anschließend möglichst genau die Differenz zwischen Bestellung und Lieferung. Statt „Das Holz ist viel zu nass“ ist beispielsweise aussagekräftiger:
„Bei acht frisch gespaltenen Scheiten aus unterschiedlichen Bereichen der Lieferung wurden auf den inneren Spaltflächen Werte zwischen 29 und 36 Prozent gemessen.“
Bei einer vermuteten Fehlmenge solltest du ebenfalls erklären, wie du gerechnet hast und welche Maße zugrunde liegen.
Handelt es sich um einen Kauf von einem Unternehmen als Verbraucher, stehen bei einem Sachmangel grundsätzlich gesetzliche Gewährleistungsrechte zur Verfügung. Dazu gehört zunächst insbesondere die Nacherfüllung. Je nach Fall kann diese beispielsweise durch Ersatzlieferung beziehungsweise eine Ergänzung der fehlenden oder mangelhaften Ware erfolgen.
Erst wenn eine ordnungsgemäße Nacherfüllung nicht erfolgt, verweigert wird oder weitere gesetzliche Voraussetzungen erfüllt sind, kommen unter anderem Minderung oder Rücktritt in Betracht.
Setze deshalb nicht automatisch selbst einen beliebigen Preisnachlass fest. Teile den Mangel mit und gib dem Verkäufer Gelegenheit, eine Lösung anzubieten beziehungsweise seine gesetzlichen Pflichten zu erfüllen.
Wichtig ist außerdem, die beanstandete Ware nicht vollständig zu verbrauchen. Wer das komplette Holz verfeuert und anschließend eine Fehlmenge oder falsche Beschaffenheit nachweisen möchte, macht sich die eigene Beweisführung unnötig schwer.
Gute Dokumentation spart später Diskussionen
Bei einer mangelhaften Brennholzlieferung entscheidet häufig nicht der erste Eindruck, sondern die Qualität der Dokumentation. Kontrolliere deshalb unmittelbar nach der Lieferung, was bestellt wurde, in welcher Einheit die Abrechnung erfolgt und welche Abweichung tatsächlich vorliegt. Feuchte sollte an mehreren frisch gespaltenen Scheiten gemessen werden; bei einer möglichen Fehlmenge sind Fotos und nachvollziehbare Volumenmaße besonders wichtig.
Vor allem bei Raummaßen lohnt Zurückhaltung mit pauschalen Umrechnungen. Brennholz lässt sich aufgrund seiner Form und Schüttung nicht millimetergenau von einer Einheit in eine andere übertragen. Je konkreter du Bestellung, Messmethode und Abweichung festhältst, desto sachlicher lässt sich anschließend mit dem Verkäufer klären, welche Lösung angemessen ist.




