Die zehn häufigsten Fehler beim Heizen und wie Sie sie vermeiden

Die zehn häufigsten Fehler beim Heizen und wie Sie sie vermeiden

Beim Heizen passieren viele Fehler nicht aus Nachlässigkeit, sondern weil sich bestimmte Gewohnheiten hartnäckig halten. Das Thermostat wird auf Stufe 5 gedreht, damit es schneller warm wird. Das Fenster bleibt stundenlang gekippt, weil das vermeintlich sparsamer erscheint als kräftiges Lüften. Oder einzelne Zimmer werden überhaupt nicht beheizt, um Heizkosten zu sparen.

Einige dieser Methoden bewirken genau das Gegenteil. Der Energieverbrauch kann steigen, Räume kühlen unnötig aus und bei ungünstigen Bedingungen erhöht sich das Risiko für Feuchtigkeit und Schimmel. Gleichzeitig gibt es keine einzelne Raumtemperatur, die für jede Wohnung und jeden Menschen gleichermaßen richtig ist. Gebäudestandard, Nutzung, Außentemperatur und Luftfeuchtigkeit spielen ebenfalls eine Rolle.

Wer die grundlegenden Zusammenhänge kennt, kann seine Heizung wesentlich sinnvoller nutzen. Die folgenden zehn Fehler gehören zu den häufigsten – und lassen sich meistens ohne großen Aufwand vermeiden.

Die ersten Fehler beginnen direkt am Thermostat

1. Das Thermostat auf Stufe 5 drehen, damit es schneller warm wird

Dieser Irrtum ist besonders verbreitet. Ein klassisches Heizkörperthermostat funktioniert jedoch nicht wie das Gaspedal eines Autos. Eine höhere Stufe bedeutet nicht, dass der Heizkörper den Raum automatisch schneller erwärmt.

Das Thermostat legt vielmehr fest, bis zu welcher ungefähren Raumtemperatur geheizt werden soll. Bei vielen üblichen Modellen gelten folgende Orientierungswerte:

  • Stufe 1: etwa 12 °C
  • Stufe 2: etwa 16 °C
  • Stufe 3: etwa 20 °C
  • Stufe 4: etwa 24 °C
  • Stufe 5: etwa 28 °C

Drehst du auf Stufe 5 und vergisst später herunterzuregeln, wird der Raum lediglich wärmer als eigentlich geplant.

Besser: Stelle direkt die gewünschte Temperatur ein. Für Wohnräume sind etwa 20 °C häufig ein sinnvoller Ausgangspunkt. Entscheidend bleibt jedoch, welche Temperatur du als angenehm empfindest und wie gut das Gebäude gedämmt ist.

2. Räume dauerhaft zu warm halten

Ein oder zwei Grad fallen auf dem Thermometer kaum auf, beim Energiebedarf können sie dagegen einen spürbaren Unterschied machen. Als grobe Orientierung wird häufig davon ausgegangen, dass ein Grad weniger Raumtemperatur den Heizenergieverbrauch um ungefähr sechs Prozent reduzieren kann.

Das bedeutet nicht, dass du frieren solltest. Vielmehr lohnt sich die Frage, ob beispielsweise 23 oder 24 °C im Wohnzimmer tatsächlich notwendig sind.

Für viele Haushalte funktionieren ungefähr folgende Temperaturen:

Raum

Häufig sinnvoller Bereich

Wohnzimmer

etwa 20 °C

Schlafzimmer

etwa 16–18 °C; bei kalten Wänden oder hoher Feuchte kann mehr nötig sein

Küche

etwa 18 °C

wenig genutzte Räume

nicht auskühlen lassen; Temperatur nach Gebäude und Feuchte wählen

Diese Werte sind Orientierungspunkte und keine starren Vorgaben.

3. Die Heizung bei kurzer Abwesenheit komplett ausschalten

Wer morgens das Haus verlässt, dreht manchmal sämtliche Heizkörper vollständig ab. Abends sind dann Räume, Möbel und Wandoberflächen deutlich ausgekühlt.

Eine moderate Temperaturabsenkung ist meistens sinnvoller als das vollständige Auskühlen. Besonders in Gebäuden mit eher kalten Außenwänden muss außerdem die Feuchtigkeit berücksichtigt werden.

Praktischer Ansatz: Senke die Temperatur während längerer Abwesenheitszeiten oder nachts etwas ab. Programmierbare Thermostate können solche Zeitpläne automatisch übernehmen.

Falsches Lüften kostet Wärme und kann Feuchtigkeit fördern

4. Fenster stundenlang auf Kipp lassen

Ein gekipptes Fenster wirkt zunächst praktisch: Ein wenig Frischluft kommt hinein und das Fenster muss nicht komplett geöffnet werden. Während der Heizperiode ist diese Methode jedoch häufig ineffizient.

Der Luftaustausch dauert vergleichsweise lange, während Bereiche rund um Fenster und Außenwand stark auskühlen können. Gleichzeitig heizt ein Heizkörper unter dem geöffneten Fenster unter Umständen gegen die hereinströmende kalte Luft an.

Sinnvoller ist meistens Stoßlüften:

  1. Thermostat während des Lüftens herunterdrehen.
  2. Fenster vollständig öffnen.
  3. Für einige Minuten kräftig lüften.
  4. Wenn möglich gegenüberliegende Fenster für Durchzug öffnen.
  5. Fenster schließen und anschließend wieder normal heizen.

Wie lange gelüftet werden sollte, hängt von Jahreszeit, Außentemperatur und Raum ab. Im Winter reichen häufig wenige Minuten.

5. Beim Lüften die Heizung weiterlaufen lassen

Direkt unter vielen Fenstern befindet sich ein Heizkörper. Öffnest du das Fenster, registriert das Thermostat die kalte Luft und öffnet das Ventil möglicherweise stärker.

Das Ergebnis: Der Heizkörper wird heiß, während die erzeugte Wärme zum Teil direkt nach draußen verschwindet.

Bei kurzem Stoßlüften solltest du das Thermostat deshalb herunterdrehen und anschließend wieder auf die gewünschte Einstellung stellen.

6. Nach Duschen oder Kochen zu spät lüften

Beim Duschen, Baden und Kochen gelangt innerhalb kurzer Zeit viel Wasserdampf in die Raumluft. Auch Menschen geben durch Atmung kontinuierlich Feuchtigkeit ab.

Diese Feuchtigkeit sollte nicht unnötig lange in der Wohnung bleiben. Besonders an kühlen Wandoberflächen kann die relative Luftfeuchtigkeit deutlich höher sein als mitten im Raum.

Nach dem Duschen oder Kochen empfiehlt sich deshalb zeitnahes Lüften. Ein Hygrometer hilft, die tatsächliche Luftfeuchtigkeit einzuschätzen. Werte von ungefähr 40 bis 60 Prozent gelten in vielen Wohnsituationen als brauchbarer Orientierungsbereich.

Wichtig ist allerdings: Ein einzelner Messwert erzählt nicht die ganze Geschichte. An schlecht gedämmten Außenwänden oder Wärmebrücken können deutlich feuchtere Bedingungen entstehen als dort, wo das Hygrometer steht.

Auch zu wenig Heizen kann Probleme verursachen

7. Ungenutzte Zimmer vollständig auskühlen lassen

Das Gästezimmer wird kaum genutzt, also bleibt die Heizung aus. Klingt zunächst logisch, kann aber ungünstige Folgen haben.

Je kälter die Raumluft und insbesondere die Wandoberflächen sind, desto schneller steigt dort bei gleicher Wassermenge die relative Luftfeuchtigkeit. Das kann die Voraussetzungen für Schimmel verbessern.

Auch wenig genutzte Wohnräume sollten während der Heizperiode nicht dauerhaft stark auskühlen. Rund 16 °C sind keine allgemeingültige sichere Untergrenze: Bei kalten Außenwänden oder hoher Luftfeuchtigkeit können höhere Temperaturen erforderlich sein. Raumtemperatur, Oberflächentemperaturen und Feuchte müssen zusammen betrachtet werden.

Besonders aufmerksam solltest du sein, wenn:

  • Außenwände schlecht gedämmt sind,
  • bereits Feuchtigkeitsprobleme bestehen,
  • Möbel dicht an kalten Außenwänden stehen,
  • die Luftfeuchtigkeit regelmäßig erhöht ist.

Heizen allein kann allerdings keine baulichen Feuchteschäden lösen. Bei dauerhaft nassen Wänden muss die Ursache geprüft werden.

8. Kalte Zimmer durch offene Türen mitheizen

Eine weitere Sparidee klingt zunächst clever: Im Wohnzimmer läuft die Heizung, die Tür zum ungeheizten Schlafzimmer bleibt offen und die Wärme zieht einfach hinüber.

Das Problem ist die mittransportierte Feuchtigkeit. Warme Raumluft kann relativ viel Wasserdampf enthalten. Gelangt sie in ein deutlich kühleres Zimmer und kühlt dort ab, steigt ihre relative Luftfeuchtigkeit.

Deshalb ist es meist besser, unterschiedlich temperierte Räume voneinander zu trennen.

Besser: Türen zu kühleren Räumen geschlossen halten und diese Räume moderat selbst beheizen.

Wenn die Wärme nicht in den Raum gelangt

9. Heizkörper und Thermostate verdecken

Ein Sofa steht direkt vor dem Heizkörper, lange Vorhänge hängen darüber oder eine Verkleidung verdeckt große Teile der Heizfläche. Das sieht vielleicht ordentlich aus, erschwert aber die Wärmeverteilung.

Besonders problematisch ist ein verdeckter Thermostatkopf. Staut sich dort warme Luft, kann das Thermostat den Eindruck bekommen, der gesamte Raum sei bereits warm genug. Das Ventil schließt, obwohl es an anderen Stellen noch kühl ist.

Darum gilt:

  • Heizkörper möglichst frei lassen,
  • größere Möbel mit Abstand aufstellen,
  • Thermostatköpfe nicht hinter Vorhängen verstecken,
  • Heizkörperverkleidungen kritisch prüfen.

Auch Möbel unmittelbar vor sehr kalten Außenwänden können problematisch sein. Kann dort kaum Luft zirkulieren, bleiben Wandoberflächen besonders kalt.

10. Auffälligkeiten der Heizungsanlage dauerhaft ignorieren

Nicht jeder hohe Energieverbrauch entsteht durch falsches Verhalten. Manchmal arbeitet die Anlage selbst nicht optimal.

Ein Heizkörper, der gluckert oder nur teilweise warm wird, kann beispielsweise Luft enthalten. Auch ungeeignete Einstellungen der Heizungsanlage, eine zu hohe Vorlauftemperatur oder eine schlechte hydraulische Verteilung können den Betrieb verschlechtern.

Hellhörig solltest du werden, wenn:

  • Heizkörper regelmäßig gluckern,
  • einzelne Heizkörper kaum warm werden,
  • manche Räume überhitzen, während andere kalt bleiben,
  • Heizkörper trotz weit geöffnetem Thermostat nur teilweise warm werden,
  • die Heizung ungewöhnlich häufig startet und stoppt.

Einige Dinge wie das Entlüften eines Heizkörpers lassen sich je nach Anlage selbst erledigen. Bei wiederkehrenden Problemen sollte dagegen geprüft werden, ob die Heizungsanlage technisch richtig eingestellt ist.

Welche Heizgewohnheiten besonders viel ausmachen

Viele Heizfehler wirken für sich genommen klein. Entscheidend ist jedoch, dass sie über Wochen oder Monate täglich auftreten.

Besonders sinnvoll ist es deshalb, sich zunächst um die einfachen Dinge zu kümmern:

Temperatur kontrollieren: Statt nach Gefühl ständig am Thermostat zu drehen, lohnt sich ein normales Raumthermometer.

Luftfeuchtigkeit beobachten: Ein Thermo-Hygrometer macht sichtbar, ob ein vermeintlich trockenes Zimmer tatsächlich dauerhaft zu feucht ist.

Kurz und kräftig lüften: Das ist während der Heizperiode meistens sinnvoller als stundenlange Kipplüftung.

Temperaturen nach Nutzung wählen: Ein Schlafzimmer muss nicht dieselbe Temperatur haben wie das Wohnzimmer.

Heizflächen freihalten: Die erzeugte Wärme sollte sich möglichst ungehindert im Raum verteilen können.

Auch das Gebäude selbst setzt Grenzen. In einer gut gedämmten Wohnung verhalten sich Temperatur und Wandoberflächen anders als in einem unsanierten Altbau. Wer trotz vernünftigem Heiz- und Lüftungsverhalten dauerhaft mit sehr kalten Wänden, Feuchtigkeit oder auffällig hohen Heizkosten kämpft, sollte deshalb nicht automatisch das eigene Verhalten dafür verantwortlich machen. Undichte Fenster, Wärmebrücken oder Probleme der Heizungsanlage können ebenfalls eine Rolle spielen.

Mit wenigen Gewohnheiten sinnvoller heizen

Richtiges Heizen bedeutet weder, jeden Raum ständig warm zu halten, noch möglichst wenig zu heizen. Entscheidend ist ein vernünftiges Gleichgewicht aus Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Lüftung.

Die größten Fehler sind meist erstaunlich unspektakulär: ein zu hoch eingestelltes Thermostat, dauerhaft gekippte Fenster, komplett ausgekühlte Zimmer oder zugestellte Heizkörper. Wer diese Punkte korrigiert, kann den Energiebedarf reduzieren und gleichzeitig ungünstige Feuchtigkeitsbedingungen vermeiden.

Ein Thermometer und ein Hygrometer sind dabei oft hilfreicher als das eigene Gefühl. Sie zeigen, was im Raum tatsächlich passiert, und machen es deutlich leichter, die Heizung passend zur eigenen Wohnung einzustellen.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Sollte man die Heizung nachts komplett ausschalten?

In den meisten Wohnungen ist eine Temperaturabsenkung sinnvoller als ein vollständiges Abschalten. Wie stark abgesenkt werden kann, hängt unter anderem vom Gebäude, der Außentemperatur und der Feuchtigkeit ab.

Wie erkennt man, ob ein Raum zu feucht ist?

Am einfachsten mit einem Hygrometer. Etwa 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchtigkeit dienen als Orientierung, garantieren aber keinen Schutz vor Schimmel. In schlecht gedämmten Wohnungen empfiehlt das Umweltbundesamt im Winter normalerweise Werte unter 50 Prozent. Kalte Wandoberflächen und Wärmebrücken können auch bei unauffälligen Messwerten mitten im Raum feucht werden.

Warum ist der Heizkörper heiß, obwohl der Raum kühl bleibt?

Mögliche Ursachen sind zugestellte Heizkörper, ungünstige Luftzirkulation, zu hohe Wärmeverluste des Raumes oder Probleme an der Heizungsanlage. Bleibt das Problem bestehen, sollte die Ursache genauer geprüft werden.

Sollten alle Heizkörper in einem Raum gleich eingestellt sein?

Befinden sich mehrere Heizkörper in einem Raum, ist es normalerweise sinnvoll, die Thermostate auf dieselbe gewünschte Raumtemperatur einzustellen. Dadurch verteilt sich die Heizleistung besser.

Wie oft sollte man im Winter lüften?

Das lässt sich nicht für jede Wohnung pauschal festlegen. Mehrmals täglich kurzes Stoß- oder Querlüften ist meist sinnvoll. Nach Duschen, Baden oder Kochen sollte zusätzliche Feuchtigkeit möglichst zeitnah abgeführt werden.

Kann falsches Heizen tatsächlich Schimmel verursachen?

Ungünstiges Heiz- und Lüftungsverhalten kann das Schimmelrisiko erhöhen, insbesondere bei kalten Oberflächen und hoher Luftfeuchtigkeit. Schimmel kann aber ebenso bauliche Ursachen haben. Bei wiederkehrender oder großflächiger Feuchtigkeit sollte deshalb die eigentliche Ursache untersucht werden.