Erst klären, welcher Teil des Schornsteins tatsächlich weg soll
„Schornstein kürzen“ kann mehrere völlig unterschiedliche Arbeiten meinen. Entsprechend verschieden sind auch die Folgen.
Maßnahme |
Was verändert wird |
Wichtige Prüfpunkte |
|---|---|---|
Schornsteinkopf kürzen |
Nur der Bereich oberhalb des Daches |
erforderliche Mündungshöhe, Dachabdichtung, Abgasführung |
Schornstein bis unter die Dachfläche zurückbauen |
Oberer Abschnitt verschwindet vollständig |
Stilllegung, Verschluss, Dachkonstruktion, Feuchteschutz |
Teilrückbau innerhalb des Gebäudes |
einzelne Geschosse werden vom Schornstein befreit |
Lastabtragung, Deckenöffnungen, Brandschutz |
vollständiger Rückbau |
Schornstein wird vom Dach bis zum unteren Abschluss entfernt |
Statik, Decken und Dach schließen, angeschlossene Feuerstätten entfernen |
einzelne Züge stilllegen |
Schornsteinkörper bleibt bestehen |
fachgerechter Verschluss, Belüftung und Feuchteschutz |
Besonders wichtig ist die Frage, ob noch eine Feuerstätte angeschlossen ist. Wird beispielsweise ein Kaminofen weiterhin genutzt, kann die Schornsteinhöhe nicht allein nach optischen Gesichtspunkten verändert werden.
Bei einem vollständig stillgelegten Schornstein entfällt zwar die aktive Abgasführung. Das bedeutet aber nicht automatisch, dass der Schornstein ohne weitere Prüfung abschnittsweise entfernt werden kann. Dann rücken statische Fragen und die Anschlüsse an Dach und Geschossdecken stärker in den Vordergrund.
Wer eine spätere Wiederinbetriebnahme nicht ausschließt, sollte ebenfalls vorsichtig planen. Ein heute entfernter Schornsteinabschnitt lässt sich später nicht immer problemlos ersetzen. Besonders bei älteren Gebäuden kann ein kompletter Neuaufbau deutlich aufwendiger sein als der Erhalt eines technisch brauchbaren Bestands.
Beim Rückbau entscheidet die Lastabtragung über das Vorgehen
Gemauerte Schornsteine bringen ein erhebliches Eigengewicht mit. Über mehrere Geschosse können daraus beträchtliche Lasten entstehen. Üblicherweise wird dieses Gewicht nach unten über den Schornsteinkörper beziehungsweise dessen Unterbau abgetragen.
Problematisch wird es deshalb, wenn nicht von oben nach unten gearbeitet wird.
Ein Beispiel: Ein Schornstein verläuft vom Erdgeschoss über das Obergeschoss bis durch das Dach. Soll nur das Stück im Erdgeschoss verschwinden, bleibt darüber weiterhin schweres Mauerwerk stehen. Dieses kann nicht einfach in der Luft verbleiben. Für den oberen Abschnitt wäre anschließend eine neue tragfähige Konstruktion erforderlich.
Der sichere Grundsatz beim klassischen Abbruch ist daher: Ein gemauerter Schornstein wird normalerweise von oben nach unten zurückgebaut. Soll ein mittlerer oder unterer Abschnitt entfernt und der obere Teil erhalten werden, muss vorher geklärt werden, wie dessen Gewicht künftig getragen wird.
Auch angrenzende Bauteile gehören zur Prüfung
Nicht nur der Schornstein selbst ist relevant. Bei älteren Häusern lohnt sich ein genauer Blick auf seine Umgebung.
Zu prüfen sind unter anderem:
- Anschlüsse von Deckenbalken und Dachkonstruktion,
- vorhandene Wechsel um den Schornstein,
- Deckenöffnungen zwischen den Geschossen,
- Verkleidungen und Schächte,
- angrenzendes Mauerwerk,
- mögliche Befestigungen anderer Bauteile,
- Leitungen, die nachträglich am oder im Schacht geführt wurden.
Ein verbreitetes Missverständnis besteht darin, dass ein Schornstein automatisch eine tragende Wand sei. Das ist so pauschal nicht richtig. Trotzdem kann seine Entfernung Auswirkungen auf angrenzende Konstruktionen haben.
Gerade bei alten Gebäuden entspricht die tatsächliche Ausführung zudem nicht immer den heutigen Bauzeichnungen – sofern überhaupt vollständige Unterlagen existieren. Bei unklaren Verhältnissen ist eine statische Beurteilung daher wesentlich sinnvoller als Abbruch nach Augenmaß.
Nach dem Rückbau müssen außerdem die entstandenen Öffnungen fachgerecht geschlossen werden. Bei Geschossdecken betrifft das nicht nur die spätere Oberfläche. Aufbau, Tragfähigkeit, Brandabschnitte sowie Schall- und Wärmeschutz können ebenfalls eine Rolle spielen.
Wird der Schornstein weiter genutzt, darf die Abgasführung nicht schlechter werden
Bei einem aktiven Schornstein ist seine Höhe Teil des funktionierenden Abgassystems. Feuerstätte, Verbindungsstück und Schornstein müssen zusammenpassen.
Bei vielen Feuerstätten entsteht der notwendige Förderdruck durch den Temperaturunterschied zwischen heißen Abgasen im Schornstein und der Außenluft. Vereinfacht gesagt unterstützt die wirksame Schornsteinhöhe diesen natürlichen Zug.
Wird ein Schornstein deutlich verkürzt, kann sich dieses Verhältnis verändern.
Mögliche Folgen sind beispielsweise:
- schlechteres Anheizen,
- Rauchentwicklung beim Öffnen der Feuerraumtür,
- instabile Verbrennung,
- Probleme bei ungünstiger Wetterlage,
- stärkere Empfindlichkeit gegenüber Wind,
- schlechterer Abtransport der Verbrennungsgase.
Ob eine bestimmte Verkürzung tatsächlich problematisch ist, lässt sich nicht allein anhand einer pauschalen Mindesthöhe beurteilen. Entscheidend sind unter anderem Querschnitt, Bauart des Schornsteins, Abgastemperatur, Feuerstättenleistung, Widerstände im Abgasweg und die erforderlichen Förderdruckwerte der angeschlossenen Feuerstätte.
Bei relevanten Änderungen kann deshalb eine neue Schornsteinberechnung erforderlich oder zumindest sinnvoll sein.
Die Mündung kann nicht beliebig nach unten gesetzt werden
Zusätzlich zur technischen Funktion gelten Anforderungen an die Position der Austrittsöffnung über dem Dach.
Bei Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe hängen die Vorgaben unter anderem davon ab, wann die Anlage errichtet beziehungsweise wesentlich verändert wurde. Für neuere Anlagen bestehen Anforderungen an eine firstnahe Anordnung und an die Höhe über dem First. Zusätzlich können Abstände beziehungsweise Höhenunterschiede gegenüber Fenstern, Türen und Lüftungsöffnungen im Umfeld relevant werden.
Deshalb funktioniert die Rechnung „oben 80 Zentimeter wegnehmen, weil noch genug Rohr übrig ist“ nicht.
Entscheidend ist vielmehr:
- Welche Feuerstätte ist angeschlossen?
- Wann wurde die Anlage errichtet beziehungsweise verändert?
- Wo liegt die neue Austrittsöffnung im Verhältnis zum Dach?
- Welche Öffnungen und Gebäude befinden sich in der Umgebung?
- Reicht die verbleibende wirksame Höhe technisch noch aus?
Auch Dachaufbauten, Gauben oder eine veränderte Dachform können Einfluss auf die Beurteilung haben.
Stilllegen ist etwas anderes als vollständig entfernen
Wird eine Feuerstätte dauerhaft entfernt, muss der zugehörige Schornstein nicht zwingend ebenfalls aus dem Gebäude verschwinden. Häufig kann es sinnvoll sein, ihn zunächst stillzulegen.
Das ist beispielsweise interessant, wenn eine spätere Nutzung denkbar ist oder ein vollständiger Rückbau unverhältnismäßig viele Folgearbeiten verursachen würde.
Allerdings bedeutet Stilllegung nicht, sämtliche Öffnungen wahllos luftdicht zuzumauern und den Schacht anschließend zu vergessen. Ein ungenutzter Schornstein kann weiterhin mit Feuchtigkeit belastet werden. Niederschlag, Kondensation und mangelnder Luftaustausch können langfristig Schäden begünstigen.
Welche Ausführung sinnvoll ist, hängt vom vorhandenen System ab. Bei einem gemauerten Altbauschornstein kann eine andere Vorgehensweise erforderlich sein als bei einem modernen mehrschaligen System oder einem Edelstahlschornstein.
Wenn der Schornstein dagegen vollständig zurückgebaut wird, entstehen mehrere neue Bauaufgaben:
Am Dach:
Die bisherige Dachdurchführung muss geschlossen und wieder dauerhaft gegen Niederschlag abgedichtet werden. Unterspannbahn, Dämmung, Dampfbremse und Dacheindeckung müssen passend ergänzt werden.
An den Geschossdecken:
Die ehemaligen Schornsteinöffnungen benötigen einen konstruktiv passenden Deckenverschluss.
An Wänden und Böden:
Nach dem Entfernen bleiben häufig Aussparungen, unterschiedliche Putzflächen oder fehlende Bodenbeläge zurück.
Bei vorhandenen Feuerstätten:
Anschlüsse dürfen nicht bestehen bleiben, wenn die zugehörige Abgasanlage entfernt wurde. Die gesamte Nutzungssituation muss neu bewertet werden.
Der eigentliche Abbruch ist deshalb oft nur ein Teil des Projekts. Gerade bei einem Schornstein, der mehrere Geschosse durchquert, können die anschließenden Arbeiten umfangreicher sein als erwartet.
Vor dem ersten Abbruch sollte die Reihenfolge feststehen
Eine kurze Bestandsaufnahme verhindert viele unnötige Probleme. Sinnvoll ist diese Reihenfolge:
1. Nutzung feststellen
Prüfe, welche Züge vorhanden sind und welche Feuerstätten angeschlossen oder bereits außer Betrieb sind.
2. Bauweise erfassen
Handelt es sich um einen gemauerten Schornstein, ein mehrschaliges System oder einen Edelstahlschornstein? Wo beginnt und endet die Konstruktion?
3. Ziel des Rückbaus festlegen
Soll nur der beschädigte Kopf verschwinden, der Schornstein unter das Dach zurückgebaut oder das gesamte Bauteil entfernt werden?
4. Statik beurteilen
Besonders bei Teilabbrüchen innerhalb des Gebäudes muss geklärt werden, welche Lasten anschließend noch vorhanden sind und wie sie getragen werden.
5. Abgasweg prüfen lassen
Bleibt eine Feuerstätte in Betrieb, sind die neue Mündungssituation und die verbleibende Schornsteinhöhe zu beurteilen.
6. Folgearbeiten mitplanen
Dach, Decken, Wandflächen, Dämmung und gegebenenfalls Brandschutz müssen nach dem Ausbau wieder geschlossen werden.
Auch Genehmigungs- und Anzeigevorgaben können sich je nach Bundesland und Umfang der baulichen Veränderung unterscheiden. Gerade bei größeren Eingriffen sollte deshalb vor Beginn geklärt werden, welche baurechtlichen Anforderungen vor Ort bestehen.
Kürzen funktioniert nur, wenn das Gesamtsystem danach noch passt
Ein paar Steinreihen vom Schornstein abzutragen kann handwerklich überschaubar aussehen. Entscheidend ist aber nicht der Abbruch selbst, sondern der Zustand danach. Ein weiterhin genutzter Schornstein muss trotz veränderter Höhe sicher funktionieren und die Anforderungen an die Abgasableitung erfüllen. Bei einem Teilrückbau innerhalb des Hauses kommt zusätzlich die Lastabtragung ins Spiel.
Bei einem stillgelegten Schornstein verschiebt sich der Schwerpunkt dagegen auf Konstruktion, Feuchtigkeitsschutz und die fachgerechte Wiederherstellung von Dach und Geschossdecken. Deshalb sollte zuerst feststehen, ob der Schornstein erhalten, verkürzt, stillgelegt oder vollständig entfernt werden soll. Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, wie weit der Rückbau tatsächlich gehen kann.





