Was bei einer Verpuffung im Kaminofen passiert
Holz beginnt bei ausreichender Erwärmung verschiedene gasförmige Bestandteile freizusetzen. Diese Holzgase sollen im normalen Betrieb zusammen mit Sauerstoff verbrennen. Deshalb reicht es für eine saubere Holzverbrennung nicht, wenn ein Holzscheit lediglich glüht. Im Feuerraum müssen auch genügend Sauerstoff und eine ausreichend hohe Temperatur vorhanden sein.
Wird die Verbrennungsluft zu stark reduziert, kann ein ungünstiger Zustand entstehen: Das Holz ist bereits heiß und gast weiter aus, während die vorhandenen Gase nicht vollständig verbrennen. Es bildet sich ein zündfähiges Gemisch.
Kommt plötzlich Sauerstoff hinzu, beispielsweise durch das Öffnen der Feuerraumtür oder eine Änderung der Luftzufuhr, kann dieses Gemisch schlagartig zünden. Dabei steigt der Druck im Feuerraum kurzzeitig an.
Das kann sich unterschiedlich bemerkbar machen:
- ein dumpfes „Puff“ oder ein kräftiger Schlag
- plötzlich aufflammende Flammen
- eine kurzzeitig nach außen gedrückte Feuerraumtür
- Rauch oder Asche, die aus Undichtigkeiten austreten
- ein Stoß im Rauchrohr
- im stärkeren Fall verrutschte oder gelockerte Bauteile
Nicht jedes Geräusch aus einem Kaminofen ist deshalb sofort eine Verpuffung. Metallteile können sich beim Erwärmen und Abkühlen hörbar ausdehnen. Auch Holzscheite knacken oder rutschen während des Abbrands zusammen. Charakteristisch für eine Verpuffung ist eher eine plötzliche Zündung mit einem deutlich wahrnehmbaren Druckstoß.
Welche Situationen eine Verpuffung begünstigen
Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Besonders häufig spielt eine zu knapp eingestellte Verbrennungsluft eine Rolle.
Die Luftzufuhr wurde zu früh reduziert
Nach dem Anzünden benötigt das Feuer zunächst viel Sauerstoff und genügend Zeit, um den Feuerraum auf Temperatur zu bringen. Werden die Luftregler bereits stark geschlossen, während das Holz noch intensiv ausgast, können unverbrannte Gase entstehen.
Ähnliches gilt während des normalen Abbrands. Holz sollte nicht über längere Zeit nur vor sich hin schwelen.
Eine deutlich dunkle, träge Verbrennung ohne erkennbare Flammen ist deshalb kein sinnvolles Mittel, um einen Holzscheit besonders lange brennen zu lassen.
Neues Holz wird auf einen heißen Glutstock gelegt
Auch beim Nachlegen kann eine kritische Phase entstehen. Legst du Holz auf kräftige Glut, erwärmt es sich innerhalb kurzer Zeit und beginnt auszugasen.
Ist die Luftzufuhr gleichzeitig weit geschlossen, fehlen die Bedingungen für eine sofortige Verbrennung dieser Gase. Werden anschließend die Luftregler oder die Feuerraumtür plötzlich geöffnet, kann sich das Gemisch entzünden.
Deshalb sind die Vorgaben des jeweiligen Ofenherstellers zum Nachlegen wichtig. Die richtige Reglerstellung unterscheidet sich je nach Konstruktion.
Der Schornstein zieht nicht ausreichend
Die Verbrennung hängt auch vom vorhandenen Förderdruck des Schornsteins ab. Ist dieser zeitweise zu gering, werden Rauchgase schlechter abgeführt und Verbrennungsluft strömt möglicherweise nicht wie vorgesehen nach.
Mögliche Gründe sind unter anderem:
- ein noch kalter Schornstein beim Anheizen
- ungünstige Witterungsverhältnisse
- ein ungeeigneter oder problematischer Schornsteinquerschnitt
- Ablagerungen oder Verengungen im Abgasweg
- ungünstige Druckverhältnisse am Gebäude
- technische Veränderungen an Ofen oder Schornstein
Tritt eine Verpuffung immer wieder unter ähnlichen Bedingungen auf, sollte deshalb nicht nur die Bedienung betrachtet werden.
Im Raum herrscht Unterdruck
Raumluftabhängige Kaminöfen entnehmen ihre Verbrennungsluft aus dem Raum. Gleichzeitig betriebene Abluftgeräte können dort Unterdruck erzeugen.
Dazu gehören beispielsweise:
- Dunstabzugshauben im Abluftbetrieb
- zentrale Lüftungsanlagen
- Abluftventilatoren
- bestimmte Wohnraumlüftungen
Besonders in sanierten oder sehr dichten Gebäuden kann die Verbrennungsluftversorgung ein wichtiger Punkt sein.
Brennstoff und Brennstoffmenge passen nicht
Auch die Beschickung beeinflusst den Verbrennungsablauf. Sehr große Brennstoffmengen können innerhalb kurzer Zeit erhebliche Mengen an Holzgas freisetzen.
Feuchtes Holz wiederum verbrennt schlechter, senkt zunächst die Feuerraumtemperatur und fördert eine unvollständige Verbrennung.
Für Kaminöfen sollte deshalb nur geeigneter und ausreichend trockener Brennstoff verwendet werden. Bei Scheitholz wird für den Betrieb üblicherweise ein Wassergehalt von ungefähr 15 bis 20 Prozent angestrebt.
Was du direkt nach einer Verpuffung tun solltest
Nach einem kräftigen Druckstoß sollte der Ofen nicht einfach unbeobachtet weiterlaufen. Zunächst zählt, ob sich Hinweise auf einen Brand, austretende Rauchgase oder Schäden zeigen.
Gehe dabei ruhig und systematisch vor:
-
Öffne die Feuerraumtür nicht unmittelbar und ruckartig.
Im Feuerraum können weiterhin brennbare Gase vorhanden sein. Beachte die Bedienhinweise des Herstellers und vermeide abrupte Eingriffe. -
Kontrolliere den Ofen von außen.
Achte darauf, ob Rauch an Tür, Rohrverbindungen oder anderen Stellen austritt. -
Beobachte Rauchrohr und Schornsteinbereich.
Ungewöhnlich starke Erhitzung, Funkenflug aus dem Schornstein oder ein deutliches Dröhnen können auf ein anderes und ernsteres Problem hinweisen. -
Lege vorerst kein weiteres Holz nach.
Erst sollte klar sein, dass Feuerstätte und Abgasweg weiter ordnungsgemäß funktionieren. -
Lüfte den Raum, falls Rauchgase eingetreten sind.
Bei deutlichem Rauchaustritt sollte der Raum verlassen und für ausreichenden Luftwechsel gesorgt werden.
Bei Verdacht auf einen Schornsteinbrand, bei sichtbarem Feuer außerhalb des vorgesehenen Feuerraums oder bei starker Rauchentwicklung ist die Feuerwehr die richtige Anlaufstelle. Ein Schornsteinbrand darf nicht mit Wasser gelöscht werden.
Auch Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder Übelkeit nach Rauchgasaustritt solltest du ernst nehmen. Kohlenmonoxid ist weder sichtbar noch riechbar.
Wann Ofen und Schornstein kontrolliert werden sollten
Wie umfangreich die Kontrolle nach einer Verpuffung sein muss, hängt von ihrer Stärke und den Begleitumständen ab.
Nach einem sehr leichten einmaligen Ereignis, das eindeutig während einer ungünstigen Nachlegesituation entstanden ist, muss nicht zwingend ein Defekt vorliegen. Wiederholte oder kräftige Verpuffungen gehören dagegen fachlich abgeklärt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen folgende Anzeichen:
Beobachtung |
Sinnvolle Reaktion |
|---|---|
Feuerraumtür wurde deutlich aufgedrückt |
Ofen vor weiterer Nutzung kontrollieren |
Rauchrohr hat sich verschoben |
Verbindung und Abgasweg prüfen lassen |
Rauch tritt aus Rohrverbindungen aus |
Betrieb stoppen und Ursache klären |
Dichtungen sitzen nicht mehr sauber |
Dichtheit prüfen lassen |
Sichtscheibe oder Feuerraumbauteile sind beschädigt |
Ofen nicht weiter betreiben |
Ereignis wiederholt sich |
Verbrennung, Luftversorgung und Schornsteinzug untersuchen |
Abgase gelangen in den Raum |
Betrieb beenden und Ursache fachlich prüfen lassen |
Schornstein wird ungewöhnlich heiß oder Funken treten aus |
möglichen Schornsteinbrand ernst nehmen |
Auch ein unauffälliger Kaminofen kann nach einem stärkeren Ereignis einen Blick auf das Rauchrohr und dessen Steckverbindungen verdienen. Ein kurzer Druckstoß kann Verbindungen belasten, insbesondere wenn sie zuvor bereits locker waren.
Für die Beurteilung des Schornsteins und der Abgasführung ist der zuständige Schornsteinfeger eine passende Ansprechperson. Bei möglichen Schäden an der Feuerstätte selbst kann zusätzlich ein Ofenfachbetrieb oder der Hersteller weiterhelfen.
So lässt sich das Risiko künftig verringern
Die wichtigste Maßnahme besteht nicht darin, den Ofen dauerhaft mit maximal geöffneter Luftzufuhr zu betreiben. Entscheidend ist vielmehr eine Verbrennung entsprechend der Konstruktion und Bedienungsanleitung des jeweiligen Modells.
Beim Anheizen sollte der Feuerraum zügig eine ausreichend hohe Temperatur erreichen. Die Luftzufuhr wird erst anschließend so weit reduziert, wie es der Hersteller für den laufenden Abbrand vorsieht.
Beim Nachlegen gilt ebenfalls: Erst die vorgesehene Luftstellung herstellen, anschließend die Tür kontrolliert öffnen und die passende Brennstoffmenge nachlegen.
Hilfreich sind außerdem folgende Punkte:
- nur zugelassene Brennstoffe verwenden
- trockenes Scheitholz einsetzen
- vorgeschriebene Brennstoffmengen beachten
- Luftregler nicht eigenmächtig vollständig schließen
- Holz nicht dauerhaft schwelen lassen
- Rauchrohr und Feuerstätte regelmäßig reinigen
- ausreichende Verbrennungsluft sicherstellen
- Wechselwirkungen mit Dunstabzug oder Lüftung berücksichtigen
- wiederkehrende Zugprobleme untersuchen lassen
Ein verbreiteter Fehler besteht darin, die Brenndauer durch möglichst wenig Luft verlängern zu wollen. Das kann genau den gegenteiligen Effekt haben: Die Verbrennung verschlechtert sich, die Emissionen steigen und es können mehr unverbrannte Gase entstehen.
Bei einem richtig betriebenen Scheitholzofen sind sichtbare Flammen während der eigentlichen Holzgasverbrennung normal und erwünscht. Erst wenn der Brennstoff weitgehend ausgegast ist, bleibt überwiegend Glut zurück.
Nach einem kräftigen Schlag besser die Ursache klären
Eine Verpuffung ist eine schlagartige Verbrennung zuvor angesammelter brennbarer Gase. Häufig entsteht sie durch eine ungünstige Kombination aus heißem Holz, zu wenig Verbrennungsluft und einer anschließenden Sauerstoffzufuhr. Sie kann aber auch Hinweise auf Probleme mit Schornsteinzug, Luftversorgung oder Abgasweg geben.
Nach einem kleinen einmaligen Ereignis lohnt sich deshalb zumindest die Frage, wie der Ofen unmittelbar davor betrieben wurde. Nach einer stärkeren oder wiederkehrenden Verpuffung sollte dagegen nicht weiter experimentiert werden. Dann ist eine Kontrolle sinnvoll, bevor der nächste Abbrand gestartet wird.






