Besonders sinnvoll ist die Technik bei regelmäßigem Heizbetrieb
Der größte Vorteil eines wasserführenden Kaminofens entsteht dann, wenn genügend Wärme produziert wird, um nicht nur den Aufstellraum, sondern tatsächlich auch das Heizsystem regelmäßig zu unterstützen.
Dafür wird im Ofen Heizungswasser erwärmt. Dieses fließt normalerweise nicht direkt zu den Heizkörpern, sondern zunächst in einen Pufferspeicher. Dort kann die erzeugte Wärme zwischengespeichert und später an die Heizkreise abgegeben werden. Je nach Anlagenkonzept lässt sie sich außerdem in die Warmwasserbereitung einbeziehen.
Ein solcher Aufbau kann besonders interessant sein, wenn:
- du während der Heizperiode häufig mit Holz heizt,
- ausreichend günstig verfügbares und trockenes Brennholz vorhanden ist,
- bereits eine wassergeführte Zentralheizung existiert,
- Platz für einen geeigneten Pufferspeicher vorhanden ist,
- mehrere Räume von der erzeugten Wärme profitieren sollen,
- der Kaminofen bewusst als Bestandteil des Heizsystems geplant wird.
Je häufiger und länger der Ofen sinnvoll betrieben wird, desto eher kommt sein wasserführender Teil tatsächlich zum Einsatz. Bei wenigen Feuerstunden pro Monat bleibt der energetische Nutzen dagegen begrenzt, während Einbau, Hydraulik und Wartung trotzdem aufwendiger sind.
Der Pufferspeicher spielt eine zentrale Rolle
Holzfeuer lässt sich nicht innerhalb weniger Sekunden abschalten. Brennt eine Holzladung, entsteht weiterhin Wärme – auch dann, wenn die Heizkörper gerade wenig Energie benötigen.
Deshalb nimmt ein Pufferspeicher überschüssige Wärme auf und stellt sie später wieder zur Verfügung. Seine Größe muss zum Ofen, zur wasserseitigen Leistung, zum Heizsystem und zum Wärmebedarf des Gebäudes passen. Eine pauschale Speichergröße für jeden wasserführenden Kaminofen gibt es deshalb nicht.
Ein zu klein dimensionierter Speicher kann die Wärme nur begrenzt aufnehmen. Ein sehr großer Speicher benötigt dagegen mehr Platz, verursacht zusätzliche Kosten und bringt ebenfalls Wärmeverluste mit sich. Die Dimensionierung gehört daher in die Anlagenplanung und sollte nicht erst nach dem Kauf des Ofens geklärt werden.
Entscheidend ist nicht nur die Gesamtleistung des Ofens
Bei wasserführenden Modellen reicht es nicht, lediglich auf eine Angabe wie „10 kW Nennwärmeleistung“ zu schauen. Wichtig ist die Aufteilung zwischen raumseitiger und wasserseitiger Leistung.
Ein Beispiel:
Ein Ofen besitzt 10 kW Gesamtleistung. Davon können beispielsweise rund 4 kW direkt an den Aufstellraum und etwa 6 kW an das Heizungswasser abgegeben werden.
Für die Planung sind beide Werte relevant.
Leistungsanteil |
Wofür er wichtig ist |
|---|---|
Raumseitige Leistung |
Bestimmt, wie stark sich der Raum mit dem Ofen erwärmt |
Wasserseitige Leistung |
Bestimmt, wie viel Wärme dem Heizsystem zur Verfügung gestellt wird |
Gesamtleistung |
Beschreibt die gesamte Wärmeleistung des Geräts |
Gerade in gut gedämmten Häusern kann eine zu hohe raumseitige Leistung problematisch sein. Wird das Wohnzimmer bereits nach kurzer Zeit sehr warm, muss der Ofen trotzdem weiter mit ausreichender Verbrennungstemperatur betrieben werden. Holzöfen dauerhaft stark gedrosselt zu betreiben, nur damit der Raum nicht zu warm wird, ist keine gute Lösung.
Für einen wasserführenden Kaminofen ist deshalb häufig ein Modell interessant, das einen vergleichsweise großen Anteil seiner Leistung an das Wasser abgibt. Welche Aufteilung passt, muss jedoch anhand des Gebäudes und des tatsächlichen Wärmebedarfs berechnet werden.
Ein Beispiel aus der Praxis
Angenommen, ein gut gedämmtes Wohnzimmer benötigt an einem normalen Wintertag nur relativ wenig Heizleistung. Ein großer Ofen mit hoher direkter Wärmeabgabe kann diesen Raum schnell stärker erwärmen als gewünscht.
Ein wasserführendes Modell kann hier einen Vorteil haben, wenn ein erheblicher Teil der erzeugten Energie in den Pufferspeicher geschickt wird. Die Wärme bleibt dadurch nicht vollständig im Wohnzimmer, sondern kann später beispielsweise im Bad, Schlafzimmer oder über eine Fußbodenheizung genutzt werden.
Das funktioniert allerdings nur, wenn das Gesamtsystem entsprechend geplant ist. Ein wasserführender Ofen löst eine falsche Dimensionierung nicht automatisch.
Gut geeignet als Ergänzung zu einer bestehenden Heizungsanlage
In vielen Häusern übernimmt ein wasserführender Kaminofen nicht die komplette Wärmeversorgung, sondern arbeitet zusammen mit einem weiteren Wärmeerzeuger.
Das kann beispielsweise eine Wärmepumpe, eine bestehende Gas- oder Ölheizung, eine Pelletheizung oder eine andere Zentralheizung sein. Der Pufferspeicher bildet dabei häufig die Schnittstelle zwischen den verschiedenen Wärmeerzeugern.
Ein mögliches Prinzip sieht so aus:
- Der Kaminofen wird angeheizt.
- Das Wasser im Wärmetauscher erwärmt sich.
- Eine Ladegruppe transportiert die Wärme zum Pufferspeicher.
- Die Heizungsanlage nutzt die gespeicherte Energie für die Heizkreise.
- Reicht die gespeicherte Wärme nicht aus, übernimmt der andere Wärmeerzeuger.
Dadurch lässt sich ein Teil des ansonsten benötigten Brennstoffs oder der Energie des Hauptheizsystems ersetzen.
Besonders interessant kann diese Kombination in Gebäuden sein, in denen ohnehin ein Pufferspeicher vorhanden ist oder im Rahmen einer Heizungsmodernisierung eingeplant wird. Dann lassen sich mehrere Wärmeerzeuger hydraulisch miteinander verbinden.
Bei einer Wärmepumpe muss die Kombination allerdings besonders sorgfältig geplant werden. Wärmepumpen arbeiten bevorzugt mit niedrigen Systemtemperaturen, während ein Holzofen hohe Wassertemperaturen erzeugt. Speicher, Regelung und Hydraulik müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein. Einfach beide Wärmeerzeuger irgendwie an denselben Heizkreis anzuschließen, ist keine sinnvolle Anlagenplanung.
Wann sich der zusätzliche Aufwand eher nicht rechnet
Ein wasserführender Kaminofen ist technisch deutlich anspruchsvoller als ein klassischer Kaminofen. Neben dem Gerät selbst werden weitere Bauteile und Installationsarbeiten benötigt.
Je nach Anlage gehören dazu unter anderem:
- Pufferspeicher,
- Rohrleitungen zwischen Ofen und Heizsystem,
- Pumpen beziehungsweise Ladegruppe,
- Regelungstechnik,
- Rücklaufanhebung,
- Sicherheitsventile und weitere Sicherheitseinrichtungen,
- thermische Ablaufsicherung beziehungsweise die vom Gerät vorgeschriebene Sicherheitstechnik,
- fachgerechte hydraulische Einbindung.
Hinzu kommen Planung, Montage und gegebenenfalls Änderungen am vorhandenen Heizsystem.
Wer lediglich gelegentlich ein Feuer anzünden möchte, profitiert von diesem zusätzlichen Aufwand häufig nur wenig. Ein normaler Kaminofen kann in diesem Fall die deutlich einfachere Lösung sein.
Auch folgende Situationen sprechen eher gegen die wasserführende Variante:
Der Ofen wird nur selten genutzt.
Wenige Betriebsstunden liefern entsprechend wenig Wärme für das Heizsystem. Die zusätzliche Technik bleibt trotzdem vorhanden.
Es fehlt Platz für einen Pufferspeicher.
Je nach benötigter Speichergröße kann dieser erheblichen Raum beanspruchen. Besonders bei einer Nachrüstung ist das häufig ein praktisches Problem.
Der Aufstellraum benötigt bereits sehr wenig Heizenergie.
Dann muss genau geprüft werden, ob die raumseitige Leistung des gewünschten Modells überhaupt zum Raum passt.
Die Leitungswege zum Heizraum sind kompliziert.
Befindet sich der Kaminofen weit entfernt vom Pufferspeicher, können zusätzliche Rohrleitungen und bauliche Arbeiten erforderlich werden.
Das Ziel besteht hauptsächlich darin, Heizkosten zu sparen.
Ob sich die Investition finanziell amortisiert, hängt stark von Anschaffungskosten, Holzpreis, bisherigem Heizsystem und tatsächlicher Nutzung ab. Ein wasserführender Ofen ist deshalb nicht automatisch die günstigste Heizlösung.
Vor dem Kauf sollte das komplette Heizsystem betrachtet werden
Bei einem klassischen Kaminofen lassen sich viele Fragen auf Aufstellraum, Schornstein und benötigte Heizleistung begrenzen. Bei einem wasserführenden Modell reicht das nicht.
Vor der Entscheidung sollten mindestens folgende Punkte geklärt sein:
- Wie hoch ist der Wärmebedarf des Gebäudes?
- Wie hoch darf die direkte Wärmeabgabe im Aufstellraum sein?
- Welche wasserseitige Leistung wird benötigt?
- Wie häufig soll tatsächlich mit Holz geheizt werden?
- Welche Zentralheizung ist bereits vorhanden?
- Wie wird der Ofen hydraulisch eingebunden?
- Welche Speichergröße ist für das Anlagenkonzept erforderlich?
- Wo kann der Pufferspeicher stehen?
- Welche Leitungswege sind notwendig?
- Welche Sicherheitskomponenten verlangt das Gerät?
- Ist der vorhandene Schornstein für die Feuerstätte geeignet?
Wasserführende Öfen arbeiten mit hohen Temperaturen und werden in das zentrale Heizsystem integriert. Planung und Anschluss gehören deshalb in die Hände eines Fachbetriebs. Auch der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger sollte frühzeitig einbezogen werden, damit Schornstein, Verbrennungsluftversorgung und Feuerstätte zusammenpassen.
Entscheidend ist die tatsächliche Nutzung
Ein wasserführender Kaminofen kann eine gute Ergänzung zur Zentralheizung sein, wenn regelmäßig mit Holz geheizt wird und die erzeugte Wärme nicht nur in einem einzelnen Raum benötigt wird. Besonders interessant wird die Technik, wenn bereits ein geeignetes Heizsystem mit Pufferspeicher vorhanden ist oder ohnehin entsprechend geplant wird.
Für gelegentliche Kaminabende ist der technische und finanzielle Aufwand dagegen meist schwer zu rechtfertigen. Noch wichtiger als die reine Nennwärmeleistung ist die passende Aufteilung zwischen Raum- und Wasserleistung. Wer die Entscheidung nicht isoliert am Ofenmodell festmacht, sondern Gebäude, Speicher, vorhandene Heizung und Heizgewohnheiten gemeinsam betrachtet, kann deutlich besser einschätzen, ob die wasserführende Variante wirklich passt.




