Was der Wirkungsgrad eines Kaminofens konkret aussagt
Der Wirkungsgrad beschreibt das Verhältnis zwischen der eingesetzten Energie und der daraus gewonnenen nutzbaren Wärme. Er wird in Prozent angegeben.
Vereinfacht kann man sich die Berechnung so vorstellen:
Wirkungsgrad = nutzbare Wärmeenergie ÷ eingesetzte Brennstoffenergie × 100
Hat ein Kaminofen beispielsweise einen Wirkungsgrad von 80 Prozent, bedeutet das vereinfacht: Von 100 Einheiten Energie, die im Brennstoff stecken, werden unter den jeweiligen Prüfbedingungen etwa 80 Einheiten als nutzbare Wärme abgegeben. Die übrige Energie geht hauptsächlich mit den Abgasen verloren.
Ein Kaminofen kann grundsätzlich niemals die gesamte Energie des Brennstoffs als nutzbare Raumwärme bereitstellen. Abgas muss ausreichend warm durch den Schornstein strömen, damit ein stabiler Zug funktioniert und die Verbrennungsprodukte sicher abgeführt werden.
Ein höherer Wirkungsgrad bedeutet deshalb zunächst, dass ein Ofen die im Brennstoff enthaltene Energie besser verwertet.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, eine bestimmte Holzmenge stellt rechnerisch 20 kWh Energie bereit.
Wirkungsgrad |
Rechnerisch nutzbare Energie |
|---|---|
70 % |
14 kWh |
75 % |
15 kWh |
80 % |
16 kWh |
85 % |
17 kWh |
Der Unterschied zwischen 70 und 80 Prozent erscheint auf den ersten Blick klein. Bezogen auf dieselbe Brennstoffmenge stehen bei 80 Prozent jedoch rund 14 Prozent mehr nutzbare Energie zur Verfügung als bei 70 Prozent.
Das macht deutlich, warum der Wirkungsgrad beim Vergleich von Geräten durchaus relevant ist.
Wirkungsgrad und Heizleistung sind zwei verschiedene Angaben
Besonders häufig werden Wirkungsgrad und Nennwärmeleistung miteinander verwechselt. Beide Werte beschreiben jedoch etwas anderes.
Die Nennwärmeleistung wird in Kilowatt angegeben. Sie beschreibt die Wärmeleistung, die ein Kaminofen bei seinem vorgesehenen Betrieb abgeben kann.
Der Wirkungsgrad wird dagegen in Prozent angegeben und beschreibt, wie effizient die Energie des Brennstoffs genutzt wird.
Ein Beispiel:
Ein Kaminofen mit 5 kW Nennwärmeleistung und 82 Prozent Wirkungsgrad ist nicht automatisch schwächer oder schlechter als ein Modell mit 8 kW und 78 Prozent Wirkungsgrad. Der zweite Ofen besitzt zwar eine höhere Wärmeleistung, benötigt dafür aber einen entsprechend höheren Wärmebedarf im Gebäude.
Für die Auswahl sind deshalb mindestens zwei Fragen wichtig:
- Wie viel Heizleistung benötigt der Raum beziehungsweise das Gebäude?
- Wie effizient arbeitet das dafür geeignete Gerät?
Ein überdimensionierter Kaminofen wird nicht dadurch sinnvoll, dass sein Wirkungsgrad besonders hoch ist. Gerade in gut gedämmten Häusern kann eine zu große Nennwärmeleistung problematisch sein. Der Raum wird schnell zu warm und der Ofen anschließend möglicherweise mit zu wenig Brennstoff oder stark gedrosselter Verbrennung betrieben.
Das kann wiederum die Verbrennungsqualität verschlechtern.
Warum der Wert aus dem Datenblatt im Alltag abweichen kann
Der angegebene Wirkungsgrad eines Kaminofens wird unter festgelegten Prüfbedingungen bestimmt. Bei der Typprüfung erfolgt die Ermittlung bei der vorgesehenen Nennwärmeleistung. Dadurch lassen sich verschiedene Geräte unter vergleichbaren Bedingungen bewerten.
Ein Wohnzimmer ist allerdings kein Prüfstand.
Im täglichen Betrieb beeinflussen mehrere Faktoren, wie effizient das Holz tatsächlich verbrannt wird.
Holzfeuchte
Trockenes Brennholz ist eine wichtige Voraussetzung für eine saubere Verbrennung. Enthält das Holz zu viel Wasser, muss zunächst Energie eingesetzt werden, um dieses Wasser zu erwärmen und zu verdampfen.
Diese Energie steht anschließend nicht mehr vollständig zur Erwärmung des Raums zur Verfügung.
Für Scheitholz wird in der Praxis meist ein Wassergehalt von etwa 15 bis 20 Prozent angestrebt. Sehr feuchtes Holz erschwert außerdem die Verbrennung und kann Emissionen sowie Ablagerungen erhöhen.
Brennstoffmenge
Mehr Holz bedeutet nicht automatisch eine sinnvollere oder effizientere Verbrennung. Wird der Feuerraum deutlich stärker beladen als vom Hersteller vorgesehen, arbeitet der Ofen außerhalb seines vorgesehenen Betriebsbereichs.
Umgekehrt kann eine dauerhaft zu geringe Brennstoffmenge dazu führen, dass die notwendige Verbrennungstemperatur nicht erreicht wird.
Entscheidend sind deshalb die Brennstoffmengen aus der Bedienungsanleitung des jeweiligen Geräts.
Luftzufuhr
Holz benötigt für eine möglichst vollständige Verbrennung ausreichend Sauerstoff. Wird die Luftzufuhr zu früh oder zu stark reduziert, kann das Holz unvollständig verbrennen.
Das erkennt man beispielsweise an:
- dunklen, trägen Flammen,
- zunehmender Rußbildung an der Scheibe,
- starkem Qualm,
- ungewöhnlich vielen Ablagerungen im Feuerraum oder Rauchrohr.
Die Luftregler sollten daher nicht als einfacher Temperaturregler verstanden werden. Einen überdimensionierten Ofen dauerhaft durch Sauerstoffmangel „kleiner zu fahren“ ist keine gute Lösung.
Wartungszustand
Auch Ablagerungen, verschmutzte Rauchgaswege oder beschädigte Bauteile können die Verbrennung beeinflussen. Regelmäßige Reinigung und Wartung gehören deshalb ebenfalls zu einem vernünftigen Betrieb.
Der Wirkungsgrad im Datenblatt zeigt somit, was ein Gerät unter definierten Bedingungen erreicht. Wie nah der reale Betrieb an diesen Wert herankommt, hängt auch vom Nutzer ab.
Welcher Wirkungsgrad ist bei einem Kaminofen gut?
Bei modernen Kaminöfen liegen die angegebenen Wirkungsgrade häufig ungefähr im Bereich von 75 bis über 80 Prozent. Einzelne Geräte erreichen auch höhere Werte.
Für bestimmte Einzelraumfeuerstätten schreibt die 1. BImSchV Mindestwirkungsgrade vor. Bei klassischen Raumheizern liegen diese je nach Bauart beispielsweise bei 70 beziehungsweise 73 Prozent. Andere Feuerstättenarten haben teilweise andere Mindestwerte.
Beim Kauf sollte man jedoch nicht einfach das Modell mit der höchsten Prozentzahl auswählen.
Ein Unterschied zwischen beispielsweise 80 und 82 Prozent ist wesentlich weniger aussagekräftig, als es zwei einzelne Zahlen im Produktvergleich vermuten lassen. Ebenso wichtig sind:
- passende Nennwärmeleistung,
- zulässige Brennstoffe,
- Emissionswerte,
- Bedienbarkeit der Luftzufuhr,
- geeigneter Leistungsbereich,
- Konstruktion und Speicherverhalten,
- Anforderungen des vorhandenen Schornsteins.
Hinzu kommt eine weitere Kennzahl: Bei aktuellen Einzelraumheizgeräten können Angaben zum Raumheizungs-Jahresnutzungsgrad beziehungsweise zur Energieeffizienz auftauchen. Dieser Wert ist nicht mit dem klassischen feuerungstechnischen Wirkungsgrad gleichzusetzen. Für die EU-Ökodesign-Anforderungen werden zusätzliche Faktoren berücksichtigt.
Wer Produktdaten vergleicht, sollte deshalb darauf achten, ob tatsächlich dieselbe Kennzahl gegenübergestellt wird.
Auch das Energielabel ist nicht einfach eine alternative Schreibweise für den Wirkungsgrad. Die Einstufung basiert auf einem Energieeffizienzindex und folgt eigenen Berechnungsregeln. Zwei Prozentwerte aus unterschiedlichen Angaben lassen sich daher nicht immer direkt miteinander vergleichen.
Ein hoher Wirkungsgrad allein macht noch keinen passenden Ofen
Der Wirkungsgrad ist eine wichtige technische Kennzahl, aber eben nur eine von mehreren. Er zeigt, wie gut ein Kaminofen die im Brennstoff enthaltene Energie unter den vorgesehenen Prüfbedingungen verwertet. Eine hohe Prozentzahl kann somit auf eine effiziente Konstruktion hinweisen.
Für den praktischen Betrieb bleibt jedoch entscheidend, dass der Kaminofen zum tatsächlichen Wärmebedarf passt und mit geeignetem, trockenem Brennstoff nach Herstellervorgaben betrieben wird. Ein sehr effizienter, aber deutlich zu leistungsstarker Ofen kann im Alltag die schlechtere Wahl sein.
Beim Vergleich verschiedener Modelle lohnt es sich deshalb, Wirkungsgrad, Nennwärmeleistung und Emissionswerte gemeinsam zu betrachten. Erst zusammen ergeben diese Angaben ein brauchbares Bild.





