Welche Steuerungsmöglichkeiten Elektrokamine heute bieten
Elektrokamine unterscheiden sich inzwischen deutlich bei ihrer Bedienung. Selbst innerhalb einer Marke können verschiedene Baureihen unterschiedliche Möglichkeiten besitzen.
Die häufigsten Varianten lassen sich in fünf Gruppen einteilen:
Steuerungsart |
Was damit normalerweise möglich ist |
|---|---|
Bedienfeld am Kamin |
Grundfunktionen wie Ein/Aus, Flammenbild und Heizstufe |
Fernbedienung |
Bedienung vom Sofa, teilweise Temperatur- und Timersteuerung |
Bluetooth-App |
Steuerung per Smartphone innerhalb der Funkreichweite |
WLAN-/Cloud-App |
Bedienung über das Heimnetz und je nach System auch aus der Ferne |
Smart-Home-Anbindung |
Sprachsteuerung oder Integration in unterstützte Gebäudeautomationssysteme |
Bei höherwertigen Geräten können über eine App weit mehr Einstellungen erreichbar sein als über die mitgelieferte Fernbedienung. Dazu gehören beispielsweise Flammenintensität, Farbe der Beleuchtung, verschiedene Feuereffekte, Heiztemperatur oder gespeicherte Szenen.
Ein Beispiel dafür sind aktuelle Faber-Modelle: Je nach Baureihe erfolgt die Bedienung direkt am Kamin, über eine Fernbedienung oder über eine herstellereigene App. Bei Kalfire stehen bei bestimmten Elektrokaminen ebenfalls Fernbedienung und KalfireConnected App zur Verfügung.
Andere Hersteller gehen noch einen Schritt weiter. Einige Modelle von Evonic können neben einer App auch über Amazon Alexa oder Google Assistant angesprochen werden. Bei dafür vorgesehenen Geräten ist zudem eine Einbindung in bestimmte Systeme der Hausautomation möglich.
Genau deshalb reicht die Produktangabe „App-Steuerung“ allein noch nicht aus. Sie sagt zunächst nur, dass eine App vorhanden ist – nicht, dass der Kamin mit deinem übrigen Smart Home kommunizieren kann.
Hersteller-App und echtes Smart Home sind nicht dasselbe
Ein WLAN-fähiger Elektrokamin wird gern als „smart“ bezeichnet. Technisch kann er trotzdem ein weitgehend geschlossenes System sein.
Das lässt sich an einem einfachen Beispiel erklären:
Du kannst einen Elektrokamin über seine App einschalten, das Flammenbild ändern und die Temperatur einstellen. Deine Philips-Hue-Beleuchtung, deine Rollläden oder dein Smart-Home-System wissen davon aber nichts. Der Kamin besitzt zwar eine Netzwerkverbindung, bietet jedoch keine Schnittstelle für diese anderen Geräte.
Eine vollständige Smart-Home-Integration setzt voraus, dass der Hersteller eine entsprechende Verbindung unterstützt.
Das können beispielsweise sein:
- Amazon Alexa
- Google Assistant
- Apple Home beziehungsweise Matter
- Control4
- KNX
- proprietäre Smart-Home-Plattformen
- dokumentierte Schnittstellen für Gebäudeautomation
Welche davon vorhanden sind, muss beim konkreten Modell geprüft werden.
WLAN allein ist noch keine offene Schnittstelle
Besonders leicht wird WLAN mit universeller Smart-Home-Kompatibilität verwechselt.
Das WLAN kann ausschließlich dazu dienen, den Kamin mit der App des Herstellers zu verbinden. Technisch kommuniziert das Gerät dann möglicherweise nur mit dem Server beziehungsweise der Cloud des Herstellers.
Ein Zugriff durch andere Smart-Home-Systeme ist dadurch nicht automatisch möglich.
Auch Bluetooth bedeutet lediglich, dass Smartphone und Kamin direkt miteinander kommunizieren können. Häufig funktioniert eine solche Verbindung nur innerhalb begrenzter Entfernung. Eine Steuerung von unterwegs ist damit normalerweise nicht gegeben.
Wer seinen Elektrokamin in bestehende Automationen integrieren möchte, sollte deshalb nicht nur nach „WLAN“ suchen, sondern konkret nach den unterstützten Plattformen und Schnittstellen.
Warum die smarte Steckdose nicht automatisch die richtige Lösung ist
Fehlt eine App, erscheint eine WLAN-Steckdose zunächst als einfacher Umweg: Elektrokamin einschalten, Stecker dazwischen, anschließend die Stromversorgung über Alexa oder eine Smart-Home-App schalten.
Bei einer Lampe funktioniert dieses Prinzip meist problemlos. Bei einem Elektrokamin sollte man deutlich vorsichtiger sein.
Das hat mehrere Gründe.
Nach dem Einschalten muss der Kamin nicht automatisch starten
Viele elektronische Geräte kehren nach einer Unterbrechung der Stromversorgung nicht in den vorherigen Betriebszustand zurück.
Der Elektrokamin erhält dann zwar wieder Strom, bleibt aber im Standby-Modus. Die smarte Steckdose kann in diesem Fall lediglich die Netzspannung herstellen. Das eigentliche Einschalten muss weiterhin über das Bedienfeld, die Fernbedienung oder eine App erfolgen.
Andere Modelle speichern bestimmte Einstellungen, starten nach einer Stromunterbrechung jedoch ebenfalls nicht selbstständig.
Das Verhalten lässt sich daher nicht pauschal vorhersagen.
Die Heizfunktion macht die Sache sicherheitsrelevant
Viele Elektrokamine besitzen zusätzlich einen Heizlüfter mit beispielsweise 1.000 bis 2.000 Watt Leistung. Damit handelt es sich nicht mehr nur um dekorative Beleuchtung, sondern auch um ein elektrisches Heizgerät.
Bei verschiedenen Geräten weisen Hersteller ausdrücklich darauf hin, dass sie nicht über externe Schaltgeräte oder Zeitschaltungen ein- und ausgeschaltet werden sollen. Ein Grund dafür können die integrierten thermischen Schutzfunktionen sein.
Außerdem besitzen manche Elektrokamine nach dem Abschalten eine kurze Nachlaufphase. Der Lüfter läuft dabei noch einige Sekunden weiter, damit sich das Gerät kontrolliert abkühlen kann. Wird stattdessen die komplette Stromversorgung getrennt, kann dieser vorgesehene Ablauf unterbrochen werden.
Deshalb gilt:
Eine smarte Steckdose sollte nur verwendet werden, wenn die Bedienungsanleitung beziehungsweise der Hersteller diese Betriebsweise zulässt.
Auch eine ausreichend hohe Schaltleistung der Steckdose allein beantwortet diese Frage nicht.
Vor dem Kauf besser die konkreten Funktionen prüfen
Wer einen Elektrokamin ohnehin in ein vernetztes Zuhause integrieren möchte, sollte die Steuerung bereits bei der Modellwahl berücksichtigen. Nachträgliche Lösungen sind oft deutlich eingeschränkter.
Dabei helfen einige konkrete Fragen.
1. Gibt es eine Hersteller-App?
Prüfe zunächst, ob das ausgewählte Modell tatsächlich über Smartphone oder Tablet steuerbar ist.
Dabei sollte auch geklärt werden, ob die Verbindung über Bluetooth oder WLAN erfolgt.
2. Welche Funktionen stehen in der App zur Verfügung?
Apps unterscheiden sich deutlich. Je nach Gerät lassen sich beispielsweise folgende Einstellungen steuern:
- Kamin ein- und ausschalten
- Helligkeit des Flammenbildes
- Flammenfarbe
- Glutbettbeleuchtung
- zusätzliche Effektbeleuchtung
- Heizfunktion
- Solltemperatur
- Timer
- gespeicherte Szenen oder Stimmungen
Bei manchen Modellen bietet die App nahezu sämtliche Einstellungen. Bei anderen beschränkt sie sich auf wenige Funktionen.
3. Funktioniert die Bedienung auch außerhalb des eigenen WLANs?
Eine WLAN-Verbindung bedeutet nicht zwangsläufig Fernzugriff.
Manche Systeme funktionieren ausschließlich im lokalen Netzwerk. Cloudbasierte Lösungen können dagegen häufig auch von unterwegs gesteuert werden.
Gerade bei Ferienwohnungen oder Zweitwohnungen kann dieser Unterschied relevant sein.
4. Werden Sprachassistenten unterstützt?
Wenn der Kamin beispielsweise per Alexa eingeschaltet werden soll, sollte genau diese Kompatibilität vom Hersteller genannt werden.
Dass sowohl Kamin als auch Sprachlautsprecher mit demselben WLAN verbunden sind, reicht dafür nicht.
5. Gibt es eine Schnittstelle zur Hausautomation?
Bei aufwendigeren Installationen kann eine professionelle Gebäudeautomation wichtiger sein als Alexa oder eine Smartphone-App.
Einzelne Hersteller beziehungsweise Baureihen unterstützen entsprechende Systeme. Das ist aber weiterhin eher eine spezielle Produkteigenschaft als eine Selbstverständlichkeit bei Elektrokaminen.
Automationen sollten innerhalb der vorgesehenen Funktionen bleiben
Ist eine offizielle Smart-Home-Integration vorhanden, ergeben sich einige sinnvolle Möglichkeiten. Trotzdem sollte zwischen dem dekorativen Flammeneffekt und einer eventuell integrierten Elektroheizung unterschieden werden.
Eine Automation könnte beispielsweise dafür sorgen, dass bestimmte Licht- und Flammeneinstellungen gemeinsam aktiviert werden. Unterstützt der Hersteller entsprechende Befehle, lässt sich auch eine Sprachsteuerung verwenden.
Bei der Heizfunktion sollte dagegen stärker darauf geachtet werden, welche Regelung bereits im Kamin vorhanden ist. Moderne Geräte können eigene Thermostate, Wochenprogramme, Timer und Sicherheitsschaltungen besitzen.
Eine externe Automation sollte diese Funktionen nicht umgehen.
Ein praktisches Beispiel:
Der Kamin besitzt einen integrierten Thermostat und hält selbstständig eine eingestellte Raumtemperatur. In diesem Fall ist es meist sinnvoller, die vorgesehene Temperaturregelung zu verwenden, als die gesamte Stromversorgung abhängig von einem externen Temperatursensor ständig ein- und auszuschalten.
Dasselbe gilt für Zeitprogramme. Besitzt das Gerät bereits einen vom Hersteller vorgesehenen Timer, ist dieser gewöhnlich die sauberere Lösung als eine externe Netztrennung.
Bei der Einrichtung lohnt sich daher diese Reihenfolge:
- Funktionen des Kamins selbst prüfen.
- Möglichkeiten der Hersteller-App ansehen.
- Offizielle Smart-Home-Kompatibilität kontrollieren.
- Erst danach über zusätzliche Automationen nachdenken.
- Externe Schaltlösungen nur einsetzen, wenn sie für das konkrete Gerät zulässig sind.
So bleibt die Steuerung innerhalb der technischen Abläufe, für die der Kamin entwickelt wurde.
Entscheidend ist das konkrete Modell
Bei Elektrokaminen kann „smart“ sehr Unterschiedliches bedeuten. Eine Fernbedienung, Bluetooth-App, WLAN-Verbindung und vollständige Smart-Home-Einbindung sind vier verschiedene Dinge. Wer einen Kamin gezielt vernetzen möchte, sollte deshalb die Bedienungsanleitung und die unterstützten Systeme des gewünschten Modells prüfen.
Besonders bei Geräten mit integrierter Heizfunktion ist eine externe WLAN-Steckdose keine universelle Abkürzung. Hersteller können solche Schaltungen ausdrücklich ausschließen. Am zuverlässigsten funktioniert die Vernetzung deshalb dort, wo App, Sprachsteuerung oder Gebäudeautomation bereits vom Hersteller vorgesehen wurden. Dann bleiben auch Thermostat, Timer, Lüfternachlauf und weitere interne Funktionen Bestandteil der regulären Gerätesteuerung.





