Zuerst prüfen, wohin der Elektrokamin seine Wärme abgibt
Bei der Planung ist nicht allein entscheidend, wie heiß ein Elektrokamin wird. Viel wichtiger ist, in welche Richtung der Heizlüfter die erwärmte Luft transportiert.
Elektrokamine arbeiten ohne Verbrennung. Es entstehen also weder Rauch noch Abgase, die über einen Schornstein abgeführt werden müssten. Modelle mit Heizfunktion besitzen stattdessen meist ein elektrisches Heizelement und ein Gebläse. Der Luftstrom kann je nach Konstruktion nach vorn, nach oben oder bei einzelnen Geräten über einen anders positionierten Auslass geführt werden.
Für einen Fernseher oberhalb des Kamins ergeben sich daraus deutliche Unterschiede:
Wärmeführung |
Bedeutung für den Fernseher |
|---|---|
Warmluft nach vorn |
Häufig günstig für die Montage unter einem TV, weil der Hauptluftstrom in den Raum gerichtet wird |
Warmluft schräg nach vorn/oben |
Abstand besonders sorgfältig prüfen, da ein Teil der Wärme Richtung Bildschirm steigen kann |
Warmluft nach oben |
Kritischer, weil warme Luft unmittelbar in Richtung Fernseher geführt werden kann |
Kamin ohne Heizfunktion |
Keine Heizluft, dennoch Belüftungs- und Montagevorgaben des Geräts beachten |
Gerade bei wandhängenden Elektrokaminen sollte man sich deshalb nicht von Produktbildern täuschen lassen. Von vorn ist häufig gar nicht zu erkennen, wo sich Ansaug- und Ausblasöffnungen befinden.
Auch ein Kamin mit frontalem Luftauslass benötigt freie Luftwege. Lüftungsschlitze dürfen weder durch eine Wandverkleidung noch durch Möbel, Sockelleisten oder einen zu knapp gebauten Rahmen verdeckt werden.
Wie viel Abstand zwischen Elektrokamin und Fernseher erforderlich ist
Eine pauschale Zentimeterangabe gibt es nicht. Die erforderliche Distanz ergibt sich zunächst aus der Montageanleitung des konkreten Elektrokamins.
Hersteller unterscheiden teilweise sogar innerhalb einer Modellreihe zwischen Wandmontage und Einbau. Bei einigen Geräten mit frontalem Heizluftaustritt werden beispielsweise Abstände von ungefähr 20 bis 30 cm zu Gegenständen oberhalb genannt. Andere wandhängende Konstruktionen, deren Heizluft stärker nach oben geführt wird, können wesentlich größere Distanzen benötigen.
Deshalb sollte die Reihenfolge bei der Planung so aussehen:
- Genaues Kaminmodell bestimmen.
- Position des Heizluftauslasses prüfen.
- Vorgeschriebenen oberen Mindestabstand nachlesen.
- Vorgaben des Fernsehherstellers zur Belüftung berücksichtigen.
- Erst anschließend die Höhen von Kamin und TV festlegen.
Wichtig ist außerdem, von welchem Punkt der Abstand gemessen wird. Manche Hersteller beziehen sich auf die Oberkante des gesamten Geräts, andere auf den Warmluftauslass oder die sichtbare Kaminöffnung.
Ein vorhandener Zwischenraum von beispielsweise 20 cm bedeutet daher nicht automatisch, dass die Installation geeignet ist.
Auch der Fernseher benötigt Luft
Fernseher geben während des Betriebs selbst Wärme ab. Die Elektronik muss diese Wärme über Gehäuseflächen und Lüftungsbereiche an die Umgebung abgeben können.
Problematisch wird es, wenn zwei Wärmequellen zusammenkommen: Der Fernseher erwärmt sich im Betrieb bereits selbst und erhält zusätzlich warme Luft vom Kamin darunter. Bei sehr flachen Medienwänden kann sich dahinter außerdem ein Bereich bilden, in dem warme Luft nur schlecht entweicht.
Deshalb sollten auch die Lüftungsanforderungen des TV-Herstellers berücksichtigt werden. Wandhalterungen, Kabelkanäle und Verkleidungen dürfen vorgesehene Lüftungsbereiche nicht blockieren.
Medienwand und Einbaukamin gemeinsam planen
Besonders sauber wirkt die Kombination aus eingebautem Elektrokamin und wandmontiertem Fernseher in einer durchgehenden Medienwand. Technisch benötigt diese Konstruktion allerdings etwas mehr Planung als ein frei an der Wand hängender Kamin.
Ein Einbaugerät darf nicht einfach vollständig von Trockenbauplatten oder Möbelplatten umschlossen werden. Die Einbaunische muss den vorgesehenen Abmessungen entsprechen und gegebenenfalls Raum für Luftzirkulation bieten.
Vor dem Bau sollten deshalb mindestens folgende Punkte feststehen:
- Einbaumaße des Kamins
- erforderliche Einbautiefe
- Position der Luftansaugung
- Position des Warmluftauslasses
- vorgeschriebene Freiräume
- Position der Steckdose oder des elektrischen Anschlusses
- Verlauf der TV-Kabel
- Befestigungspunkte der TV-Wandhalterung
Gerade der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Ein großer Fernseher kann inklusive Wandhalterung ein erhebliches Gewicht erreichen. Die Befestigung sollte daher nicht lediglich in einer dünnen Gipskartonplatte erfolgen, wenn deren Konstruktion dafür nicht ausgelegt ist. Bei geplanten Medienwänden lässt sich an der späteren TV-Position bereits während des Aufbaus eine entsprechend tragfähige Unterkonstruktion vorsehen.
Kabel nicht durch warme Bereiche führen
HDMI-, Netzwerk- und Stromleitungen werden in Medienwänden häufig unsichtbar verlegt. Dabei sollte der Kabelweg nicht direkt an Heizelementen oder Warmluftkanälen des Kamins vorbeiführen.
Auch die Steckdose für den Elektrokamin sollte erreichbar bleiben. Bei leistungsstärkeren Geräten gelten zudem die elektrischen Vorgaben des Herstellers. Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdosen sind bei Heizgeräten häufig ausdrücklich ausgeschlossen.
Wer einen Kamin fest anschließen oder zusätzliche Leitungen innerhalb einer Wand verlegen möchte, sollte die Elektroinstallation entsprechend fachgerecht ausführen lassen.
Eine Ablage zwischen Kamin und TV kann Wärme abschirmen
Zwischen Elektrokamin und Fernseher wird manchmal eine schmale Konsole, ein Sims oder ein Regalbrett eingeplant. Das kann gestalterische Gründe haben, kann bei bestimmten Konstruktionen aber auch die direkte Wärmeströmung beeinflussen.
Ein vorspringendes Element kann aufsteigende warme Luft weiter in den Raum lenken, bevor sie den Fernseher erreicht. Darauf sollte man sich allerdings nicht als Ersatz für vorgeschriebene Abstände verlassen.
Ob ein solches Bauteil sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Tiefe des Vorsprungs
- Abstand zum Heizluftauslass
- Material
- Richtung des Luftstroms
- Abstand zwischen Vorsprung und Fernseher
Auch hier muss die Konstruktion zu den Vorgaben des gewählten Elektrokamins passen. Ein Brett direkt vor einem Luftauslass wäre beispielsweise kontraproduktiv, weil es die Wärmeabfuhr behindern könnte.
TV-Höhe nicht erst nach dem Kamin festlegen
Bei der Planung entsteht schnell ein anderes Problem: Der Fernseher rutscht immer weiter nach oben.
Angenommen, der Elektrokamin wird bereits relativ hoch montiert. Darüber kommen der vorgeschriebene Sicherheitsabstand, eventuell ein Sims und anschließend der Fernseher. Bei großen Bildschirmen kann dessen Mittelpunkt dadurch deutlich oberhalb einer angenehmen Blickhöhe liegen.
Deshalb sollte die gesamte Wand als Einheit geplant werden.
Ein einfaches Beispiel:
Ein 65-Zoll-Fernseher ist ungefähr 81 cm hoch. Wird seine Unterkante bereits bei 120 cm positioniert, liegt die Bildschirmmitte rund 160 cm über dem Boden. Von einem normalen Sofa aus kann das auf Dauer unangenehm hoch sein.
Oft ist es sinnvoller, den Elektrokamin niedriger zu setzen, statt den Fernseher zugunsten einer symmetrischen Wandgestaltung weiter nach oben zu verschieben.
Vor dem Bohren hilft ein einfacher Praxistest: Die Konturen von Kamin und Fernseher mit Malerkrepp an der Wand markieren und sich anschließend auf den üblichen Sitzplatz setzen. So wird schnell sichtbar, ob die geplante TV-Höhe tatsächlich angenehm ist.
Vor der endgültigen Montage einen Wärmetest einplanen
Selbst wenn alle vorgeschriebenen Abstände eingehalten werden, lässt sich die konkrete Temperaturentwicklung am besten unter realistischen Bedingungen beurteilen.
Nach der Installation kann der Kamin deshalb zunächst mit eingeschalteter Heizfunktion betrieben werden. Beobachte anschließend den Bereich unterhalb und hinter dem Fernseher.
Auffällig wären beispielsweise:
- sehr warme Luft direkt an der TV-Unterkante,
- ungewöhnlich stark erwärmte Gehäuseteile,
- ein Wärmestau hinter dem Bildschirm,
- beeinträchtigte Lüftungsöffnungen,
- Kabel, die sich deutlich erwärmen.
Die zulässigen Umgebungstemperaturen unterscheiden sich je nach Fernseher. Elektronik sollte deshalb nicht dauerhaft einer zusätzlichen Hitzequelle ausgesetzt werden, nur weil der Bildschirm unmittelbar nach dem Einschalten zunächst problemlos funktioniert.
Ein Infrarotthermometer kann bei der Kontrolle hilfreich sein. Entscheidend bleiben jedoch die Temperatur- und Montagevorgaben des jeweiligen TV-Modells.
Gute Planung beginnt bei den beiden konkreten Geräten
Ein Elektrokamin kann problemlos mit einem darüber montierten Fernseher kombiniert werden, wenn beide Geräte dafür geeignet sind und gemeinsam geplant werden. Entscheidend ist weniger eine pauschale Distanz als die tatsächliche Wärmeführung. Ein frontal ausblasender Kamin stellt andere Anforderungen als ein Modell, das seine Heizluft nach oben abgibt.
Vor dem Bau einer Medienwand sollten daher Kaminmodell, Einbaumaße, Luftwege und TV-Position bereits feststehen. Berücksichtige zusätzlich die Belüftung des Fernsehers und eine tragfähige Befestigung. So muss der Bildschirm später weder unnötig hoch hängen noch mit einem ungünstig platzierten Heizluftstrom zurechtkommen.






