Welche Grillflächen überhaupt eingebrannt werden sollten
Einbrennen ist vor allem bei Eisenwerkstoffen sinnvoll, deren Oberfläche nicht dauerhaft durch eine andere Beschichtung geschützt wird. Dazu gehören viele Feuerplatten, Plancha-Platten und Grillflächen aus Kohlenstoffstahl sowie unbeschichtete Gusseisenroste und Gussplatten.
Die Patina ist dabei keine aufgesprühte Beschichtung. Sie entsteht direkt auf dem Metall. Öl wird in einer sehr dünnen Schicht erhitzt und verändert sich dabei chemisch. Bestandteile des Öls polymerisieren und bilden mit weiteren Anwendungen nach und nach eine festere Oberfläche.
Material |
Einbrennen sinnvoll? |
Besonderheit |
|---|---|---|
Unbeschichteter Stahl |
Ja |
Rostet ohne ausreichenden Schutz relativ schnell |
Kohlenstoffstahl |
Ja |
Baut durch Einbrennen und Benutzung eine dunkle Patina auf |
Unbeschichtetes Gusseisen |
Ja |
Benötigt besonders sorgfältigen Schutz vor Feuchtigkeit |
Bereits vorbehandeltes Gusseisen |
Häufig ja |
Herstellerhinweise beachten; eine Grundpatina kann bereits vorhanden sein |
Emailliertes Gusseisen |
Nicht pauschal notwendig |
Die Emaille schützt das Metall bereits; Pflegehinweise des Herstellers gehen vor |
Edelstahl |
In der Regel nein |
Eine klassische eingebrannte Patina ist hier normalerweise nicht erforderlich |
Gerade bei Gusseisen lohnt es sich, genau hinzusehen. Ein schwarzer Rost ist nicht automatisch blankes Gusseisen. Manche Grillroste besitzen eine Emaillebeschichtung, andere wurden bereits werkseitig mit Öl eingebrannt.
Bei neuen Grillteilen solltest du deshalb zunächst prüfen, wie der Hersteller die Oberfläche beschreibt. Eine vorhandene Beschichtung mit aggressiven Bürsten, Schleifmitteln oder unnötigem Einbrennen zu bearbeiten, kann mehr schaden als helfen.
Was beim Einbrennen mit dem Öl passiert
Der Begriff „Einbrennen“ führt leicht zu der Vorstellung, dass Öl einfach möglichst heiß verbrannt werden soll. Tatsächlich soll auf dem Metall eine möglichst gleichmäßige, feste Schicht entstehen.
Wird ein dünner Ölfilm ausreichend erhitzt, beginnen Bestandteile des Öls miteinander zu reagieren und größere Molekülstrukturen zu bilden. Vereinfacht gesagt wird aus einem flüssigen Fettfilm eine deutlich festere Schicht, die am Metall haftet.
Diese Patina erfüllt zwei praktische Aufgaben:
- Sie reduziert den direkten Kontakt zwischen Feuchtigkeit und Metall.
- Sie verbessert mit zunehmender Nutzung die Trenneigenschaften der Oberfläche.
Eine eingebrannte Grillplatte wird deshalb normalerweise zunehmend dunkler. Die Färbung muss dabei keineswegs sofort überall tiefschwarz und vollkommen gleichmäßig sein. Gerade bei großen Stahlplatten können zunächst braune, bronzefarbene und dunkle Bereiche nebeneinander entstehen.
Die Patina wächst durch weitere dünne Ölschichten und durch das Grillen weiter. Eine einzelne Einbrennrunde muss daher keine perfekte Oberfläche erzeugen.
Warum eine dicke Ölschicht problematisch ist
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, möglichst großzügig Öl aufzutragen. Dadurch entstehen jedoch leicht weiche oder klebrige Rückstände.
Die bessere Faustregel lautet: Nach dem Einölen sollte die Oberfläche fast so aussehen, als hättest du das Öl wieder vollständig abgewischt.
Mehrere sehr dünne Schichten sind sinnvoller als eine dicke.
Das gilt sowohl für Stahlplatten als auch für Gusseisen. Ölansammlungen in Vertiefungen, an Kanten oder zwischen Roststäben solltest du deshalb vor dem Erhitzen entfernen.
Grillplatte oder Gussrost Schritt für Schritt einbrennen
Vor dem ersten Einbrennen solltest du zunächst die Bedienungs- und Pflegehinweise des jeweiligen Grillteils kontrollieren. Manche Produkte sind bereits vorbehandelt, andere müssen vor der ersten Verwendung gründlicher gereinigt werden.
Für unbeschichtete Stahl- und Gusseisenflächen funktioniert das Prinzip meist folgendermaßen:
1. Produktionsrückstände entfernen
Eine neue Grillfläche sollte sauber sein, bevor Öl eingebrannt wird. Entferne Staub, Verpackungsreste und mögliche Produktionsrückstände entsprechend den Herstellerangaben.
Bei einer Erstreinigung kann warmes Wasser mit einem geeigneten milden Reinigungsmittel vorgesehen sein. Entscheidend ist anschließend, sämtliche Rückstände abzuspülen.
2. Das Metall vollständig trocknen
Dieser Schritt wird gern unterschätzt. Besonders Gusseisen und blanker Stahl sollten nach Kontakt mit Wasser nicht längere Zeit feucht herumliegen.
Trockne die Fläche gründlich ab. Anschließendes kurzes Erwärmen kann helfen, Restfeuchtigkeit aus Vertiefungen und Porenbereichen zu entfernen.
Öl sollte erst aufgetragen werden, wenn die Oberfläche wirklich trocken ist.
3. Eine hauchdünne Ölschicht auftragen
Gut geeignet sind geschmacksneutrale Pflanzenöle, die für höhere Temperaturen verwendet werden können. Häufig kommen beispielsweise raffiniertes Raps- oder Sonnenblumenöl infrage.
Verteile eine kleine Menge über die gesamte betreffende Oberfläche. Bei Gusseisenrosten gehören auch Seiten, Zwischenräume und schwer erreichbare Bereiche dazu, sofern sie unbeschichtet sind.
Danach kommt der entscheidende Schritt: überschüssiges Öl mit einem fusselfreien Tuch oder stabilem Küchenpapier wieder abnehmen.
Die Oberfläche soll nur einen sehr dünnen Film behalten.
4. Gleichmäßig erhitzen
Jetzt wird die eingeölte Fläche stark erhitzt. Welche Temperatur und Dauer sinnvoll sind, hängt vom Produkt und vom Grill ab. Hersteller von Gusseisenprodukten nennen beispielsweise häufig Bereiche von rund 175 bis über 230 °C sowie Einbrennzeiten von etwa 30 bis 60 Minuten. Andere Systeme arbeiten auf höchster Grillstufe und orientieren sich daran, wann die Rauchentwicklung deutlich nachlässt.
Deshalb ist eine starre Temperaturangabe für sämtliche Grillflächen wenig sinnvoll.
Wichtiger ist das Prinzip:
- Grillfläche kontrolliert aufheizen.
- Ölfilm erhitzen, bis er reagiert und die Oberfläche trockener beziehungsweise dunkler wird.
- Fläche nicht mit großen Ölmengen tränken.
- Bei Bedarf nach dem Abkühlen weitere dünne Schichten aufbauen.
Beim Erhitzen von Öl entsteht Rauch. Das Einbrennen sollte deshalb ausschließlich in einer dafür geeigneten, gut belüfteten Umgebung und unter Beachtung der Vorgaben des Grills stattfinden.
5. Vorgang gegebenenfalls wiederholen
Eine belastbare Patina entsteht meist nicht aus einer einzigen dicken Schicht. Zwei, drei oder mehrere dünne Durchgänge können eine gleichmäßigere Grundlage schaffen.
Bei manchen Grillplatten empfehlen Hersteller beim ersten Einbrennen mehrere Wiederholungen hintereinander. Andere Produkte sind bereits vorbehandelt und benötigen weniger Arbeit.
Das Grillen selbst entwickelt die Oberfläche später weiter.
So bleibt die Patina beim Grillen erhalten
Nach erfolgreichem Einbrennen besteht die eigentliche Aufgabe darin, die entstandene Oberfläche nicht jedes Mal wieder vollständig abzutragen.
Bei Stahlplatten lassen sich Speisereste häufig noch im warmen Zustand mit einem geeigneten Schaber lösen. Gusseisenroste können je nach Hersteller nach dem Grillen erhitzt und mit einer dafür vorgesehenen Grillbürste gereinigt werden.
Danach sollte das Metall trocken bleiben.
Eine dünne Ölschicht nach der Reinigung kann besonders bei unbeschichtetem Stahl und Gusseisen zusätzlichen Korrosionsschutz bieten. Auch hier reicht wenig Öl vollkommen aus.
Bei der laufenden Pflege helfen vier einfache Grundregeln:
- Essensreste entfernen, bevor sie dauerhaft festbrennen.
- Feuchtigkeit nicht auf der Oberfläche stehen lassen.
- Nach einer gründlichen Reinigung vollständig trocknen.
- Blank gewordene oder rostige Bereiche bei Bedarf neu einbrennen.
Spülmittel wird dabei häufig unnötig pauschal zum Feind jeder Patina erklärt. Die sinnvollste Vorgehensweise hängt vom jeweiligen Grillteil ab. Manche Hersteller sehen eine Reinigung mit mildem Spülmittel vor, andere empfehlen für ihre eingebrannten Flächen eine andere Methode. Starke Fettlöser und langes Einweichen sind bei unbeschichtetem Eisen jedoch generell keine gute Idee, wenn die vorhandene Schutzschicht erhalten bleiben soll.
Bei Gusseisen gehört das Teil außerdem nicht automatisch in die Spülmaschine. Hohe Feuchtigkeit, Reiniger und lange Waschprogramme können Korrosion begünstigen und vorhandene Einbrennschichten angreifen.
Klebrige Stellen, Rost und beschädigte Patina richtig behandeln
Eine Patina ist eine Gebrauchsschicht. Kratzer, unterschiedliche Farbtöne oder einzelne hellere Stellen bedeuten deshalb nicht, dass die komplette Grillfläche erneut von Grund auf bearbeitet werden muss.
Problematisch wird es vor allem bei klebrigen Belägen, stark abblätternden Schichten oder Rost.
Klebrige Oberfläche:
Meist wurde zu viel Öl verwendet oder die Schicht nicht ausreichend erhitzt. Überschüssige Rückstände sollten entfernt werden. Anschließend lässt sich die Fläche erneut mit einer sehr dünnen Ölschicht einbrennen.
Leichter Flugrost:
Kleine Roststellen bedeuten bei einer unbeschichteten Stahlplatte oder einem Gussrost nicht zwangsläufig das Ende des Bauteils. Rost kann mechanisch entfernt werden. Danach wird die Fläche gereinigt, vollständig getrocknet, dünn geölt und erneut eingebrannt.
Patina löst sich stellenweise:
Einzelne beschädigte Bereiche können häufig lokal nachbehandelt werden. Die gesamte Platte bis auf blankes Metall abzuschleifen ist normalerweise unnötig.
Starker Rost oder tiefe Korrosion:
Hier sollte genauer geprüft werden, wie weit das Material bereits angegriffen ist. Bei sicherheitsrelevanten oder stark geschädigten Grillteilen ist eine bloße neue Ölschicht keine Reparatur.
Auch längere Standzeiten verdienen Aufmerksamkeit. Eine Feuerplatte, die über Wochen draußen Regen und Kondenswasser ausgesetzt ist, benötigt mehr Schutz als eine trocken gelagerte Grillplatte. Eine Abdeckung hilft nur dann zuverlässig, wenn sich darunter nicht dauerhaft Feuchtigkeit sammelt.
Eine gute Patina entsteht eher dünn als schnell
Beim Einbrennen geht es nicht darum, möglichst viel Öl auf dem Metall zu verkohlen. Gute Ergebnisse entstehen durch eine saubere und trockene Oberfläche, sehr dünne Ölschichten und genügend Wärme. Unbeschichteter Stahl und Gusseisen profitieren davon besonders, weil beide Materialien gegenüber Feuchtigkeit korrosionsanfällig sind.
Nach dem ersten Einbrennen entwickelt sich die Oberfläche beim Grillen weiter. Unterschiedliche Braun- und Schwarztöne sind dabei zunächst normal. Wichtiger als eine optisch makellose Fläche ist eine trockene, feste und nicht klebrige Schicht. Wird das Metall anschließend regelmäßig gereinigt, getrocknet und sparsam geölt, muss die Patina normalerweise nicht ständig komplett erneuert werden.





