Warum das Anzünden von oben die Verbrennung verbessern kann
Holz beginnt nicht einfach direkt zu brennen. Durch die Erwärmung werden zunächst Feuchtigkeit und anschließend brennbare Bestandteile aus dem Holz freigesetzt. Diese sogenannten Pyrolysegase müssen sich mit genügend Sauerstoff vermischen und bei ausreichend hoher Temperatur verbrennen.
Genau an diesem Punkt unterscheiden sich die beiden Anzündmethoden.
Beim klassischen Anzünden von unten befindet sich das kleine, schnell brennende Anzündfeuer unter den größeren Scheiten. Dadurch werden vergleichsweise große Holzmengen früh erwärmt. Sie beginnen Gase freizusetzen, obwohl der Feuerraum noch kalt ist und die Verbrennung noch nicht stabil läuft. Ein Teil dieser Bestandteile kann deshalb schlechter verbrennen.
Beim Anzünden von oben beginnt das Feuer dagegen mit einer kleinen Brennstoffmenge. Die darunterliegenden größeren Scheite werden schrittweise erwärmt. Gleichzeitig steigt die Temperatur im oberen Bereich des Brennraums.
Das kann mehrere Vorteile haben:
- Der Brennraum erwärmt sich kontrollierter.
- Nicht alle Scheite geben gleichzeitig große Mengen brennbarer Gase ab.
- Entstehende Holzgase gelangen durch einen bereits heißen Flammenbereich.
- Die Verbrennung kann während der Startphase sauberer ablaufen.
- Sichtbarer Rauch und unverbrannte Bestandteile im Abgas können reduziert werden.
Untersuchungen an Kaminöfen zeigen, dass die Anzündmethode einen deutlichen Einfluss auf die Emissionen während des ersten Abbrands haben kann. Wie groß dieser Unterschied ausfällt, hängt allerdings stark vom Ofen, dem Schornsteinzug, der Holzmenge und der Luftführung ab.
Das Anzünden von oben ist deshalb keine Zauberformel für eine grundsätzlich schadstofffreie Holzverbrennung. Es ist vielmehr eine Möglichkeit, eine ohnehin schwierige Betriebsphase günstiger zu gestalten.
So zündest du einen Kaminofen von oben richtig an
Für die Methode brauchst du größere Scheite, dünneres Anzündholz und einen geeigneten Anzünder. Zeitungspapier, Karton oder Verpackungsmaterial gehören nicht in den Feuerraum.
Ein möglicher Aufbau sieht so aus:
- Größere Holzscheite nach unten legen
- Lege zwei oder drei passende Scheite auf den Boden des Brennraums beziehungsweise entsprechend den Vorgaben des Ofenherstellers ein. Die Scheite sollten nicht so groß sein, dass der Feuerraum nahezu vollständig ausgefüllt wird.
- Kleinere Holzstücke darüber stapeln
- Auf die größeren Scheite kommen dünnere Stücke. Sie können mit etwas Abstand kreuzweise angeordnet werden, damit Luft zwischen den Hölzern zirkulieren kann.
- Anzündholz oben platzieren
- Ganz oben befinden sich mehrere dünne, trockene Anzündhölzer. Weichholz eignet sich dafür häufig gut, weil dünne Stücke schnell Feuer fangen.
- Geeigneten Anzünder einsetzen
- Zwischen oder unter die obersten Anzündhölzer kommt beispielsweise ein dafür vorgesehener Holzwolleanzünder.
- Verbrennungsluft öffnen
- Vor dem Entzünden müssen die dafür vorgesehenen Luftregler geöffnet werden. Welche Stellung bei deinem Modell richtig ist, steht in der Bedienungsanleitung.
- Anzünder entzünden und Feuer entwickeln lassen
- Nach dem Anzünden breitet sich die Verbrennung zunächst im oberen Bereich aus. Danach werden nach und nach die darunterliegenden Scheite erfasst.
Die Ofentür sollte anschließend entsprechend den Herstellerangaben geschlossen werden. Manche älteren Geräte benötigen während einer kurzen Startphase eine andere Bedienung. Improvisieren solltest du dabei nicht.
Sind die größeren Holzscheite vollständig entzündet und hat sich ein stabiles Feuer entwickelt, wird die Luftzufuhr entsprechend der Bedienungsanleitung eingestellt.
Trockenes Holz und genügend Luft sind mindestens genauso wichtig
Die beste Anzündtechnik bringt wenig, wenn das Brennholz ungeeignet ist oder dem Feuer Sauerstoff fehlt. Für eine möglichst vollständige Verbrennung müssen mehrere Faktoren zusammenspielen.
Brennholz muss ausreichend trocken sein
Feuchtes Holz muss während der Verbrennung zunächst einen erheblichen Teil der erzeugten Energie dafür verwenden, das enthaltene Wasser zu erwärmen und zu verdampfen.
Dadurch bleibt die Temperatur im Feuerraum niedriger. Gleichzeitig können mehr Rauch, Ablagerungen und unverbrannte Bestandteile entstehen.
Für Scheitholz verlangt die 1. BImSchV einen Feuchtegehalt von unter 25 Prozent bezogen auf die Trockenmasse. Das entspricht einem Wassergehalt von unter 20 Prozent bezogen auf die Gesamtmasse; strengere Herstellerangaben sind zusätzlich zu beachten. Prüfe bei einem Holzfeuchtemessgerät deshalb, welche Messgröße es anzeigt – gleiche Prozentwerte bedeuten nicht automatisch dieselbe Feuchtigkeit.
Wichtig ist, korrekt zu messen. Am aussagekräftigsten ist eine Messung an einer frisch gespaltenen Innenfläche des Scheits.
Das Feuer braucht während der Startphase viel Sauerstoff
Ein häufiger Bedienungsfehler besteht darin, die Luftzufuhr sehr früh zu reduzieren, damit das Holz vermeintlich länger hält.
Das kann genau das Gegenteil einer guten Verbrennung bewirken.
Wird dem Feuer Sauerstoff entzogen, bevor Brennraum und Holz ausreichend heiß sind, verbrennen die entstehenden Gase nur unvollständig. Möglich sind erhöhte Kohlenmonoxid-, Ruß- und Schadstoffemissionen sowie stärkere Ablagerungen im Ofen und Abgasweg.
Ein Holzfeuer sollte deshalb nicht durch starkes Drosseln der Verbrennungsluft künstlich klein gehalten werden.
Auch beim Anzünden von oben gilt: Erst muss sich ein stabiles Feuer entwickeln. Danach wird die Luft nach den Vorgaben für das jeweilige Gerät angepasst.
Ist von oben anzünden grundsätzlich besser als von unten?
Nicht bei jedem Kaminofen.
Die Ergebnisse hängen deutlich von der Feuerstätte ab. Im TFZ-Bericht 61 von 2019 war beim untersuchten Kaminofen das Anzünden von unten günstiger als von oben; frühere Untersuchungen anderer Geräte hatten dagegen Vorteile des oberen Anzündens gezeigt. Auch der UBA-Bericht 51/2024 beschreibt diese Bauartabhängigkeit. Daraus lässt sich keine für alle Kaminöfen bessere Methode ableiten.
Der Grund liegt in der Konstruktion.
Kaminöfen unterscheiden sich beispielsweise bei:
- Größe und Form des Brennraums
- Führung von Primär- und Sekundärluft
- Position der Luftöffnungen
- Feuerraumauskleidung
- Rostkonstruktion
- Abgasführung
- erforderlichem Schornsteinzug
- vorgesehenem Brennstoffaufbau
Bei ungünstigen Bedingungen kann es passieren, dass das obere Anzündfeuer die darunterliegenden Scheite nicht schnell genug erreicht. Beginnt das Holz dann lediglich zu schwelen, entstehen wiederum hohe Emissionen.
Deshalb hat die Bedienungsanleitung Vorrang vor einer allgemeinen Empfehlung aus dem Internet. Gibt der Hersteller einen bestimmten Aufbau oder eine andere Anzündmethode vor, solltest du dich daran halten.
Auch der Schornsteinzug beeinflusst das Ergebnis. Ein kalter Schornstein erzeugt beispielsweise zunächst weniger Zug als ein bereits erwärmter Abgasweg. Besonders bei ungünstigen Witterungsverhältnissen oder problematischen Schornsteinen kann sich das beim Anzünden bemerkbar machen.
Das sinnvollste Verfahren ist daher nicht einfach „immer oben“, sondern: die für das konkrete Gerät vorgesehene Methode korrekt ausführen.
Woran du erkennst, dass das Feuer gut in Gang kommt
Für die Beurteilung musst du nicht jede Verbrennungsreaktion kennen. Einige sichtbare Hinweise verraten bereits viel über den Betriebszustand.
Nach kurzer Zeit sollten sich stabile, lebhafte Flammen entwickeln. Das Anzündholz sollte nicht lange vor sich hin schwelen. Nach und nach werden die größeren Scheite erfasst.
Dauerhaft dunkler oder dichter Rauch ist dagegen ein Hinweis darauf, dass etwas nicht optimal läuft.
Mögliche Ursachen sind:
- zu feuchtes Brennholz
- zu wenig Verbrennungsluft
- zu große Holzscheite
- zu viel Brennstoff auf einmal
- ungünstiger Schornsteinzug
- falsch eingestellte Luftregler
- verschmutzte Luftwege oder Abgaswege
Auch eine schnell schwarz werdende Sichtscheibe kann auf ungünstige Verbrennungsbedingungen hindeuten. Eine dunkle Scheibe allein erlaubt allerdings keine zuverlässige Diagnose, da auch Konstruktion, Holzposition und Luftführung eine Rolle spielen.
Wiederholt starke Rauchentwicklung sollte deshalb nicht einfach als normale Begleiterscheinung des Heizens hingenommen werden. Bleibt das Problem trotz trockenem Holz und korrekter Bedienung bestehen, sollte die Ursache geprüft werden.
Kleine Änderung mit spürbarem Einfluss auf die Startphase
Das Anzünden von oben hat einen nachvollziehbaren technischen Hintergrund: Statt eine große Holzmenge gleichzeitig zu erhitzen, entwickelt sich das Feuer schrittweise. Dadurch können während der kritischen Anheizphase günstigere Bedingungen für die Verbrennung entstehen.
Entscheidend bleibt jedoch das Gesamtpaket. Trockenes Brennholz, die richtige Holzmenge, ausreichende Verbrennungsluft und ein funktionierender Schornstein sind ebenso wichtig wie der Aufbau des Holzstapels.
Wenn der Hersteller deines Kaminofens das obere Anzünden vorsieht oder empfiehlt, lohnt es sich daher, diese Methode konsequent richtig anzuwenden. Gibt die Bedienungsanleitung ein anderes Verfahren vor, ist dieses für dein Gerät die bessere Orientierung.




