Den Anzündkamin richtig befüllen und sicher aufstellen
Ein Anzündkamin nutzt den Kamineffekt. Durch die Öffnungen im unteren Bereich strömt Luft ein, erwärmt sich und steigt durch die Kohle nach oben. Dadurch breitet sich die Glut vergleichsweise gleichmäßig vom unteren zum oberen Bereich aus.
Für den Einsatz eignen sich Grill-Holzkohle oder dafür vorgesehene Grillbriketts. Die Gebrauchsanweisung des Anzündkamins gibt vor, welche Brennstoffmenge maximal eingefüllt werden darf. Diese Grenze sollte nicht überschritten werden. Ein bis zum Rand gepresster Kamin bringt keinen Vorteil, wenn die Luft schlechter zwischen den Stücken zirkulieren kann oder beim späteren Ausgießen Kohle herausfällt.
Holzkohle und Briketts verhalten sich dabei etwas unterschiedlich:
Brennstoff |
Verhalten beim Anheizen |
Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
Holzkohle |
erreicht meist vergleichsweise schnell hohe Temperaturen |
gut, wenn zügig eine kräftige Glut benötigt wird |
Grillbriketts |
brauchen häufig länger zum Durchglühen |
eignen sich gut für eine länger anhaltende, gleichmäßigere Glut |
Mischung |
verbindet beide Eigenschaften teilweise |
nur sinnvoll, wenn das Brennverhalten bekannt ist |
Die tatsächliche Anheizzeit hängt von Kohle, Füllmenge, Stückgröße, Wind und Konstruktion des Anzündkamins ab. Eine feste Minutenangabe ist deshalb weniger hilfreich als der Blick auf den Zustand der Kohle.
Der Anzündkamin gehört während des Anheizens auf einen nicht brennbaren, hitzebeständigen und ebenen Untergrund. Gut geeignet kann beispielsweise die dafür vorgesehene Feuerstelle des Grills sein, sofern die Bedienungsanleitungen von Grill und Anzündkamin das zulassen. Gras, trockener Bodenbelag, Holzterrassen oder Kunststoffflächen sind dagegen ungeeignet.
Wichtig ist außerdem genügend Abstand zu brennbaren Gegenständen. Funken können durch Wind seitlich oder nach oben getragen werden.
Holzkohle sollte grundsätzlich nur im Freien betrieben werden. Das gilt auch für den Anzündkamin. Garage, Gartenhaus, Wohnraum oder Zelt werden durch offene Türen oder Fenster nicht zu sicheren Betriebsorten. Bei der Verbrennung entsteht Kohlenmonoxid, das sich in teilweise oder vollständig geschlossenen Bereichen gefährlich anreichern kann.
Wann ist die Holzkohle bereit zum Umfüllen?
Der richtige Zeitpunkt lässt sich besser am Erscheinungsbild als an der Uhr erkennen. Nach dem Entzünden beginnen zunächst die unteren Kohlen zu glühen. Von dort wandert die Hitze nach oben.
Bereit zum Weiterverwenden ist die Kohle normalerweise dann, wenn ein großer Teil durchgeglüht ist und sich an den oberen Stücken bereits eine helle, grau-weiße Ascheschicht zeigt. Einzelne dunklere Stellen müssen nicht automatisch bedeuten, dass der gesamte Inhalt noch unbrauchbar ist. Die oberen Stücke sollten jedoch deutlich von der Glut erfasst worden sein.
Ein paar Hinweise helfen bei der Einschätzung:
- Im unteren Bereich ist eine kräftige Glut erkennbar.
- Auch die Kohle weiter oben zeigt deutliche Glüh- oder Aschespuren.
- Starker Rauch vom Anzündvorgang hat weitgehend nachgelassen.
- Die Oberfläche vieler Stücke ist teilweise grau oder weißlich.
- Die Kohle wirkt nicht mehr wie eine Ansammlung überwiegend schwarzer, kalter Stücke.
Wer den Kamin deutlich zu früh ausleert, verlagert den eigentlichen Anzündvorgang lediglich in die Feuerstelle. Dort können anschließend einzelne Kohlen stark brennen, während andere noch kaum Temperatur erreicht haben. Das erschwert eine gleichmäßige Glutzone unter dem Schwenkrost.
Umgekehrt sollte ein vollständig durchgeglühter Anzündkamin auch nicht unnötig lange stehen bleiben. Metallkörper und Griffbereich werden während des Betriebs sehr heiß. Bei manchen Modellen besitzt der Griff einen Hitzeschutz, trotzdem ersetzt dieser keinen vorsichtigen Umgang.
Glühende Kohle kontrolliert in die Feuerstelle geben
Bevor du den Anzündkamin anhebst, sollte der weitere Weg bereits frei sein. Genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zum normalen Vorbereiten eines Grills: Sobald der Behälter voller Glut in der Hand ist, sollte nichts mehr umgestellt oder gesucht werden müssen.
Praktisch bedeutet das:
-
Schwenkrost aus dem Arbeitsbereich bringen.
Der Rost sollte hoch genug hängen oder seitlich geschwenkt werden, damit du die Feuerstelle ohne Hindernis erreichst. -
Feuerstelle kontrollieren.
Sie muss standsicher, frei von ungeeigneten Brennstoffen und für die verwendete Kohle vorgesehen sein. -
Arbeitsweg freihalten.
Keine Taschen, Holzscheite, Verpackungen oder Werkzeuge zwischen Anzündkamin und Feuerstelle liegen lassen. -
Geeigneten Hitzeschutz verwenden.
Hitzebeständige Grillhandschuhe können besonders beim Ausgießen sinnvoll sein. Dünne Haushaltshandschuhe bieten dafür keinen geeigneten Schutz. -
Anzündkamin am vorgesehenen Griff aufnehmen.
Zusätzliche Bügel oder Klappgriffe dienen bei manchen Modellen dazu, den Behälter beim Ausgießen besser zu kontrollieren. Hier gilt die jeweilige Herstelleranleitung. -
Glut langsam ausschütten.
Der Anzündkamin wird über der vorgesehenen Feuerstelle kontrolliert gekippt. Ein ruckartiges Ausschütten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Funken, Asche oder kleine Kohleteile aufgewirbelt werden.
Beim Umfüllen solltest du dich nicht mit Gesicht und Oberkörper direkt über der Glut befinden. Heiße Luft steigt sofort nach oben, während Wind zusätzlich Funken und leichte Asche versetzen kann.
Ein weiterer Punkt wird leicht vergessen: Auch ein scheinbar leerer Anzündkamin bleibt nach dem Ausschütten sehr heiß. Er gehört anschließend auf eine feuerfeste Unterlage, an der niemand versehentlich dagegenfasst oder darüber stolpert.
Die Glut unter dem Schwenkrost sinnvoll verteilen
Nach dem Ausschütten muss die Kohle nicht automatisch über die komplette Feuerstelle verteilt werden. Beim Schwenkgrill lässt sich die Hitze nicht nur durch die Kohlemenge steuern. Auch der Abstand zwischen Glut und Grillrost spielt eine wichtige Rolle.
Eine gleichmäßig verteilte Kohleschicht eignet sich beispielsweise dann, wenn die gesamte Rostfläche ähnlich stark erhitzt werden soll. Häufig ist eine Aufteilung in unterschiedliche Temperaturbereiche jedoch praktischer.
Direkte und schwächere Bereiche einplanen
Du kannst einen größeren Teil der glühenden Kohle beispielsweise in der Mitte oder auf einer Seite konzentrieren. Ein angrenzender Bereich mit weniger oder keiner Kohle dient dann als Zone mit geringerer direkter Strahlungshitze.
Das kann hilfreich sein, wenn Lebensmittel unterschiedliche Garzeiten haben oder bereits fertig gegarte Stücke nicht weiter stark erhitzt werden sollen.
Beim Schwenkgrill kommt die Höhenverstellung des Rostes hinzu:
- Rost näher an der Glut: stärkere Hitzeeinwirkung
- Rost weiter entfernt: geringere Hitzeeinwirkung
- Kohle konzentriert: intensivere Hitze in einem begrenzten Bereich
- Kohle breit verteilt: größere, dafür oft weniger konzentrierte Hitzezone
Eine lange Grillzange oder ein dafür geeignetes Feuerwerkzeug kann helfen, einzelne Kohlen nach dem Ausschütten zu verteilen. Mit den Händen oder kurzen Küchenwerkzeugen sollte an glühender Kohle nicht gearbeitet werden.
Auch beim Verteilen gilt: Funkenflug möglichst gering halten. Kohle deshalb nicht unnötig werfen, schieben oder aus größerer Höhe fallen lassen.
Diese Fehler machen die Übergabe unnötig riskant
Viele Probleme entstehen weniger beim Anheizen selbst als durch Improvisation unmittelbar danach.
Flüssige Brandbeschleuniger verwenden
Benzin, Spiritus und vergleichbare Flüssigkeiten sind keine geeigneten Mittel zum Anzünden von Holzkohle. Besonders gefährlich wird es, wenn brennbare Flüssigkeit auf bereits warme oder glimmende Kohle gegeben wird. Für Grillanwendungen sollten geeignete Anzündhilfen entsprechend ihrer Gebrauchsanweisung verwendet werden.
Den Kamin auf einen ungeeigneten Untergrund stellen
Die Hitze wirkt nicht nur nach oben. Auch der untere Bereich eines Anzündkamins kann sehr heiß werden. Holz, trockene Vegetation und wärmeempfindliche Bodenbeläge sind deshalb problematisch.
Mit glühender Kohle längere Wege zurücklegen
Der Anzündplatz sollte möglichst nah an der vorgesehenen Feuerstelle liegen. Einen gefüllten, heißen Anzündkamin quer durch den Garten zu tragen, erhöht das Risiko unnötig.
Den Rost erst beim Umfüllen verschieben
Wenn eine Hand bereits den heißen Anzündkamin hält, ist der falsche Zeitpunkt gekommen, den Schwenkarm oder Rost noch schnell neu auszurichten. Die Feuerstelle sollte vorher frei zugänglich sein.
Zu viel Kohle vorbereiten
Mehr Kohle bedeutet nicht automatisch besseres Grillen. Ein Schwenkgrill reagiert stark auf die Menge und Verteilung der Glut sowie auf die Höhe des Rostes. Eine unnötig große Kohlemenge kann die Temperatursteuerung erschweren.
Heiße Kohlereste unbeaufsichtigt lassen
Auch dunkel wirkende Kohle kann im Inneren noch sehr heiß sein. Glut und Asche müssen vollständig ausgekühlt sein, bevor sie entsorgt werden. Wasser sollte nur dann zum Ablöschen eingesetzt werden, wenn die jeweilige Feuerstelle und deren Herstellerangaben dies zulassen. Bei heißen Metallteilen kann schlagartige Abkühlung Material belasten, außerdem entsteht heißer Wasserdampf.
Gut vorbereitet ist das Umfüllen schnell erledigt
Der Anzündkamin nimmt dem Anheizen von Holzkohle viel Arbeit ab. Beim Schwenkgrill entscheidet aber die Vorbereitung darüber, wie kontrolliert die heiße Kohle anschließend in die Feuerstelle gelangt. Stelle den Kamin standsicher und ausschließlich im Freien auf, verwende geeignete Grillkohle und warte, bis die Glut weit nach oben durchgezogen ist. Bevor du den Behälter anhebst, sollten Feuerstelle, Rostposition und Arbeitsweg bereits vorbereitet sein. Die Kohle wird anschließend langsam ausgeschüttet und passend zur gewünschten Hitze verteilt. So bleibt der kritische Moment kurz: aufnehmen, kontrolliert ausgießen, Anzündkamin sicher abstellen.






