Zuerst klären: Ist das Treppenhaus ein notwendiger Rettungsweg?
Der wichtigste Punkt ist nicht die Heizleistung, sondern die baurechtliche Funktion des Treppenbereichs. Feuerstätten dürfen grundsätzlich nicht in notwendigen Treppenräumen, notwendigen Fluren oder in Bereichen zwischen einem notwendigen Treppenraum und dem Ausgang ins Freie aufgestellt werden.
Der Hintergrund ist nachvollziehbar: Ein notwendiger Treppenraum soll im Brandfall möglichst lange nutzbar bleiben. Eine Feuerstätte würde dort eine zusätzliche Brand- und Rauchquelle darstellen.
Allerdings ist nicht jede Treppe in einem Wohnhaus automatisch Teil eines solchen geschützten Treppenraums.
Eine grobe Orientierung:
Situation |
Einordnung des Ofenstandorts |
|---|---|
Abgeschlossener notwendiger Treppenraum eines Mehrfamilienhauses |
Feuerstätte dort grundsätzlich nicht zulässig |
Notwendiger Flur oder Bereich des Rettungswegs |
Als Standort grundsätzlich ausgeschlossen |
Offene Treppe innerhalb einer einzelnen Wohnung |
Muss individuell geprüft werden |
Offener Wohn- und Treppenbereich im Einfamilienhaus |
Kann grundsätzlich infrage kommen, sofern weitere Anforderungen erfüllt sind |
Treppe zwischen zwei Ebenen derselben Nutzungseinheit |
Baurechtliche Situation hängt von Gebäude und Rettungswegkonzept ab |
Gerade bei Einfamilienhäusern gibt es Grundrisse, bei denen die Treppe offen in den Wohnbereich integriert ist. Umgangssprachlich wird auch dieser Bereich schnell als Treppenhaus bezeichnet, obwohl baurechtlich eine andere Situation bestehen kann.
Deshalb sollte nicht allein anhand des Grundrisses entschieden werden. Gebäudeklasse, Nutzung, Zahl der Wohnungen und vorhandene Rettungswege können die Bewertung verändern.
Wärme steigt nach oben – aber verteilt sich nicht automatisch gleichmäßig
Aus heiztechnischer Sicht hat ein Standort an einer offenen Treppe durchaus einen interessanten Effekt. Die vom Kaminofen erwärmte Raumluft besitzt eine geringere Dichte und steigt auf. Ein offener Treppenbereich bietet dafür einen direkten Weg in das nächste Geschoss.
Das bedeutet jedoch nicht, dass ein einziger Ofen automatisch mehrere Etagen gleichmäßig beheizt.
Häufig entsteht vielmehr eine deutliche Temperaturschichtung:
- Im Bereich oberhalb der Treppe sammelt sich viel warme Luft.
- Das Obergeschoss kann deutlich wärmer werden als erwartet.
- Räume mit geschlossenen Türen erhalten nur wenig Wärme.
- Seitlich gelegene Zimmer profitieren wesentlich weniger als der Flur.
- Im unteren Geschoss können Bereiche weiter vom Ofen entfernt vergleichsweise kühl bleiben.
Besonders stark kann dieser Effekt bei hohen, offenen Treppenräumen oder Galerien sein. Dort entsteht ein ausgeprägter Luftstrom nach oben. Gleichzeitig muss kühlere Luft zurück zum unteren Geschoss gelangen. Ohne einen funktionierenden Rückströmweg wird die Wärmeverteilung schlechter.
Türen und Grundriss entscheiden mit
Ein häufiger Denkfehler besteht darin, die gesamte Wohnfläche für die Ofenauslegung zusammenzurechnen. Entscheidend ist aber nicht nur, wie viele Quadratmeter das Gebäude besitzt.
Eine Treppe verbindet zwar zwei Ebenen, aber keine geschlossenen Räume miteinander.
Stehen beispielsweise Schlafzimmer, Arbeitszimmer und Bad im Obergeschoss überwiegend hinter geschlossenen Türen, gelangt dort wesentlich weniger Ofenwärme hinein als in einen offenen Flurbereich.
Auch ein leistungsstärkerer Kaminofen löst dieses Problem nicht unbedingt. Im Gegenteil: Ein zu großer Ofen kann den offenen Bereich stark aufheizen, bevor entfernte Räume merklich wärmer werden. Die passende Nennwärmeleistung sollte deshalb anhand des tatsächlichen Wärmebedarfs und des verbundenen Raumvolumens gewählt werden.
Rund um Treppe und Ofen muss genügend sicherer Raum bleiben
Ist die Aufstellung im betreffenden Treppenbereich grundsätzlich zulässig, beginnt die eigentliche Standortplanung. Dabei reicht es nicht, dass der Kaminofen geometrisch in eine freie Ecke passt.
Hersteller geben für jedes Modell Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen und Einrichtungsgegenständen vor. Diese Angaben können je nach Konstruktion erheblich voneinander abweichen.
Zu prüfen sind insbesondere:
- Abstand zu Treppenstufen aus Holz
- Abstand zu Treppenwangen und Geländern
- Wandmaterialien hinter und neben dem Ofen
- Abstand des Rauchrohrs zu brennbaren Bauteilen
- Platz vor der Feuerraumtür
- Schutz eines brennbaren Fußbodens
- Bewegungsfläche rund um die Treppe
Bei Feuerstätten für feste Brennstoffe muss ein brennbarer Boden vor herausfallender Glut geschützt werden. Dafür wird üblicherweise eine nicht brennbare Fläche vor und seitlich der Feuerraumöffnung benötigt. Die erforderlichen Maße und die Herstellerangaben sind bei der konkreten Planung zusammen zu betrachten.
Gerade bei schmalen Fluren kann daraus ein praktisches Problem entstehen: Ofenkorpus, Sicherheitsabstände und Bodenschutz beanspruchen zusammen deutlich mehr Fläche als das Gerät allein.
Die Treppe darf nicht zum Engpass werden
Auch wenn es sich nicht um einen notwendigen Treppenraum handelt, sollte der Ofen keinen problematischen Durchgang erzeugen.
Vor der Feuerraumtür muss außerdem genügend Platz bleiben, um Holz nachzulegen und Asche zu entnehmen. Wer dafür mitten im Laufweg einer Treppe stehen muss, hat einen schlechten Standort gewählt.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Handläufe und Geländer. Metallische Bauteile reagieren anders auf Wärmestrahlung als Holz, doch auch hier darf nicht einfach angenommen werden, dass jede geringe Entfernung unproblematisch ist. Maßgeblich sind die Einbaubedingungen des jeweiligen Ofens und die konkrete Konstruktion vor Ort.
Schornstein und Verbrennungsluft können den Wunschstandort verhindern
Ein freier Platz neben der Treppe bedeutet noch lange nicht, dass dort sinnvoll ein Kaminofen angeschlossen werden kann. Der Abgasweg gehört deshalb möglichst früh zur Planung.
Bei einem vorhandenen Schornstein muss unter anderem geprüft werden, ob dessen Querschnitt, Höhe, Bauart und Zustand zur vorgesehenen Feuerstätte passen. Auch die Lage des Anschlusses kann entscheidend sein. Ein langes oder ungünstig geführtes Rauchrohr nur deshalb einzuplanen, um einen bestimmten Ofenstandort zu ermöglichen, ist nicht automatisch eine gute Lösung.
Fehlt ein geeigneter Schornstein, kann je nach Gebäude beispielsweise ein neuer Abgasweg erforderlich werden. Dann kommen zusätzlich Wand- oder Deckendurchführungen, Brandschutzabstände und die Position der Schornsteinmündung ins Spiel.
Ein zweiter Punkt ist die Verbrennungsluft. Raumluftabhängige Kaminöfen beziehen die notwendige Luft aus dem Gebäude. In modernen oder sanierten Häusern kann die Gebäudehülle jedoch so dicht sein, dass die vorhandene Luftnachströmung nicht ohne Prüfung vorausgesetzt werden sollte.
Besonders relevant sind gleichzeitig betriebene Anlagen wie:
- Dunstabzugshauben mit Abluftbetrieb
- kontrollierte Wohnraumlüftungen
- Abluftanlagen
- bestimmte Abluft-Wäschetrockner
Sie können Unterdruck erzeugen und dadurch die sichere Abgasführung einer raumluftabhängigen Feuerstätte beeinträchtigen. Je nach Gebäude und Anlagentechnik können deshalb zusätzliche technische Maßnahmen oder eine entsprechend geeignete Feuerstätte erforderlich werden.
Genehmigung und Abstimmung besser vor dem Ofenkauf erledigen
Bei Kaminöfen wird häufig von einer „Genehmigung“ gesprochen, obwohl mehrere unterschiedliche Prüfungen gemeint sein können.
Für die Planung sind vier Ebenen auseinanderzuhalten:
- Feuerungsrecht: Darf eine Feuerstätte an dieser Stelle grundsätzlich stehen?
- Baurecht: Sind Rettungswege, Brandschutz und gegebenenfalls bauliche Veränderungen zulässig?
- Abgasanlage: Kann der geplante Ofen sicher an den vorhandenen oder vorgesehenen Schornstein angeschlossen werden?
- Abnahme: Kann die Feuerungsanlage nach Fertigstellung ordnungsgemäß geprüft und in Betrieb genommen werden?
Welche zusätzlichen Verfahren notwendig sind, richtet sich unter anderem nach Bundesland, Gebäude und Umfang der baulichen Änderungen.
Deshalb empfiehlt es sich, den geplanten Standort bereits vor dem Kauf mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abzustimmen. Bei unklaren Rettungswegen oder größeren baulichen Änderungen kann zusätzlich die Bauaufsichtsbehörde beziehungsweise eine fachkundige Planung erforderlich sein.
In einer Mietwohnung kommt die Zustimmung des Eigentümers hinzu. Bei Wohnungseigentum können außerdem Gemeinschaftseigentum, Außenfassade, Dach oder bestehende Abgasanlagen betroffen sein. Dann reicht die technische Machbarkeit allein nicht aus.
Wichtig ist auch die Reihenfolge: Erst Standort und Schornstein prüfen, danach ein dazu passendes Ofenmodell auswählen. Andersherum kann es passieren, dass ein bereits gekaufter Kaminofen wegen seiner Abstände, Leistung oder Anschlussbedingungen am gewünschten Platz nicht eingesetzt werden kann.
Erst den Treppenbereich einordnen, dann die Heizwirkung bewerten
Ein Standort an einer offenen Treppe kann thermisch interessant sein, weil warme Luft vergleichsweise einfach in das Obergeschoss gelangt. Daraus sollte aber nicht abgeleitet werden, dass ein Kaminofen automatisch das ganze Haus gleichmäßig beheizt. Offene Bereiche profitieren deutlich stärker als Zimmer hinter geschlossenen Türen.
Noch wichtiger ist die rechtliche Einordnung des Standorts. Handelt es sich um einen notwendigen Treppenraum oder einen anderen geschützten Rettungsweg, scheidet die Aufstellung grundsätzlich aus. Bei einer offenen Treppe innerhalb einer Nutzungseinheit kann die Situation anders aussehen. Sicherheitsabstände, Abgasweg, Verbrennungsluft und die konkrete Gebäudesituation müssen trotzdem zusammenpassen.





