Nach der Sanierung kann der Wärmebedarf deutlich niedriger sein
Der erste Prüfpunkt ist die Heizleistung des Kaminofens. Bei einer energetischen Sanierung wird schließlich genau daran gearbeitet, Wärmeverluste des Gebäudes zu reduzieren. Werden beispielsweise Dach und Außenwände gedämmt und alte Fenster ersetzt, verliert der Raum wesentlich langsamer Wärme nach außen.
Damit verändert sich auch die Leistung, die ein Kaminofen sinnvoll bereitstellen sollte.
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt das Problem: Vor der Sanierung konnte ein größerer Wohnbereich an kalten Tagen mehrere Kilowatt Heizleistung benötigen. Nach der Verbesserung der Gebäudehülle kann derselbe Bereich mit erheblich weniger Leistung auskommen. Ein vorhandener Kaminofen mit 7 oder 8 kW Nennwärmeleistung bleibt technisch derselbe – der Raum benötigt seine Wärme aber möglicherweise gar nicht mehr.
Die Folgen können sein:
- Der Raum wird sehr schnell zu warm.
- Der Ofen muss seltener betrieben werden.
- Nutzer legen bewusst weniger Holz auf als vorgesehen.
- Die übrige Heizungsregelung reagiert ständig auf die zusätzliche Wärme.
- Wärme verteilt sich schlechter auf andere Räume als ursprünglich gedacht.
Besonders relevant ist dabei nicht nur die Nennwärmeleistung des Ofens, sondern der Leistungsbereich, in dem er bestimmungsgemäß betrieben werden kann.
Einen Holzofen einfach dauerhaft zu drosseln ist keine gute Lösung
Ein zu leistungsstarker Kaminofen lässt sich nicht beliebig an einen kleineren Wärmebedarf anpassen, indem Luftzufuhr und Holzmenge immer weiter reduziert werden.
Scheitholz benötigt für eine saubere Verbrennung ausreichend Temperatur und Sauerstoff. Wird ein Ofen dauerhaft außerhalb seines vorgesehenen Betriebsbereichs betrieben, können Verbrennungsqualität und Wirkungsgrad leiden. Ablagerungen im Feuerraum, am Rauchrohr oder im Schornstein können ebenfalls zunehmen.
Deshalb sollte nach einer größeren Sanierung nicht nur mit alten Faustformeln wie „Kilowatt pro Quadratmeter“ gerechnet werden. Eine aktuelle Raum- oder Gebäudeheizlast liefert eine wesentlich bessere Grundlage. Für eine fachgerechte Heizlastberechnung werden unter anderem Gebäudegeometrie, Bauteile, Wärmedurchgang, gewünschte Raumtemperaturen und Lüftungswärmeverluste berücksichtigt.
Neue Fenster verändern die Verbrennungsluftversorgung
Ein zweiter Punkt wird bei Sanierungen leicht übersehen: Ein Kaminofen benötigt nicht nur einen passenden Schornstein, sondern auch ausreichend Verbrennungsluft.
Ältere Gebäude sind häufig relativ luftdurchlässig. Durch Fugen an Fenstern und Türen gelangt ständig Außenluft ins Gebäude. Ein raumluftabhängiger Kaminofen kann einen Teil seiner Verbrennungsluft dadurch aus dem Aufstellraum beziehen.
Nach einer Sanierung sieht die Situation häufig anders aus. Moderne Fenster und eine verbesserte Gebäudehülle reduzieren unkontrollierte Luftströmungen erheblich. Genau das ist energetisch erwünscht. Für einen vorhandenen raumluftabhängigen Kaminofen kann sich dadurch jedoch die Luftversorgung verändern.
Hinweise auf Probleme können beispielsweise sein:
- Das Feuer kommt nach dem Anzünden nur schwer in Gang.
- Beim Öffnen der Feuerraumtür tritt Rauch in den Raum.
- Das Flammenbild reagiert auffällig auf geöffnete Fenster.
- Der Schornsteinzug erscheint schwächer als früher.
- Gleichzeitig betriebene Abluftgeräte beeinflussen den Ofen.
Solche Beobachtungen haben allerdings verschiedene mögliche Ursachen. Auch Außentemperatur, Wind, Brennstoff, Schornsteinzustand oder Bedienung spielen eine Rolle. Deshalb sollte nicht automatisch die neue Gebäudeabdichtung verantwortlich gemacht werden.
Außenluftanschluss und raumluftunabhängiger Betrieb sind nicht dasselbe
Ein häufiger Irrtum besteht darin, einen vorhandenen Außenluftanschluss automatisch mit einem raumluftunabhängigen Kaminofen gleichzusetzen.
Ein Ofen kann Verbrennungsluft über eine Leitung von außen erhalten und trotzdem nicht für einen vollständig raumluftunabhängigen Betrieb zugelassen sein. Bei entsprechend ausgeführten Feuerstätten werden besondere Anforderungen an die Dichtheit des Gesamtsystems und die vorgesehene Betriebsweise gestellt.
Entscheidend sind daher die technischen Unterlagen und die konkrete Zulassung des Geräts – nicht allein die sichtbare Luftleitung hinter oder unter dem Ofen.
Lüftungsanlage und Dunstabzug müssen neu mitgedacht werden
Wird im Zuge der Haussanierung eine kontrollierte Wohnraumlüftung eingebaut, verändert sich das Heizkonzept noch einmal stärker. Gleiches gilt für leistungsfähige Abluft-Dunstabzugshauben oder andere Geräte, die Luft aus dem Gebäude nach außen fördern.
Bei einer raumluftabhängigen Feuerstätte darf kein gefährlicher Unterdruck entstehen, durch den Abgase aus dem Feuerraum oder Abgasweg in den Wohnbereich gelangen könnten.
Welche Lösung erforderlich ist, hängt vom Gebäude und den beteiligten Geräten ab.
Situation nach der Sanierung |
Was geprüft werden sollte |
|---|---|
Nur Fenster und Gebäudehülle wurden erneuert |
Reicht die Verbrennungsluftversorgung weiterhin aus? |
Kontrollierte Wohnraumlüftung wurde eingebaut |
Können Lüftungsanlage und Feuerstätte sicher gleichzeitig betrieben werden? |
Abluft-Dunstabzugshaube vorhanden |
Entsteht beim Betrieb ein kritischer Unterdruck? |
Außenluftleitung zum Ofen vorhanden |
Ist der Anschluss fachgerecht dimensioniert und entspricht er den Herstellervorgaben? |
Raumluftunabhängiger Betrieb geplant |
Ist genau das vorhandene Ofenmodell dafür vorgesehen und nachgewiesen? |
Je nach Anlage können technische Sicherheitseinrichtungen erforderlich werden. Dazu gehören beispielsweise Differenzdrucküberwachungen, die eingreifen, wenn zwischen Innenraum und Außenbereich beziehungsweise Abgassystem ein unzulässiger Druckunterschied entsteht.
Auch Fensterkontaktschalter werden in bestimmten Konstellationen eingesetzt. Welche Lösung akzeptiert und technisch sinnvoll ist, sollte jedoch nicht erst nach Abschluss der Sanierung geklärt werden.
Gerade wenn eine neue Lüftungsanlage geplant ist, gehört der Kaminofen deshalb frühzeitig in die Abstimmung.
Auch Schornstein und Abgasweg verdienen einen zweiten Blick
Dass der vorhandene Kaminofen vorher funktioniert hat, bedeutet nicht automatisch, dass nach einer umfangreichen Änderung des Gebäudes keinerlei Prüfung mehr nötig ist.
Der Schornsteinzug entsteht unter anderem durch den Temperaturunterschied zwischen den Abgasen und der Außenluft sowie durch die wirksame Höhe des Schornsteins. Auch Querschnitt, Verlauf und Eigenschaften der Abgasanlage spielen eine Rolle.
Die Sanierung selbst verändert den Schornstein nicht zwingend. Trotzdem können sich Randbedingungen ändern. Das gilt besonders, wenn zusätzlich der Ofen ersetzt, seine Leistung verändert oder der Schornstein saniert wird.
Eine rechnerische Überprüfung der Abgasanlage kann beispielsweise sinnvoll sein, wenn:
- ein anderer Kaminofen angeschlossen werden soll,
- sich die Leistung der Feuerstätte deutlich ändert,
- ein Schornsteinsystem nachgerüstet oder saniert wird,
- es bereits Probleme mit dem Förderdruck gibt,
- mehrere technische Änderungen gleichzeitig vorgenommen werden.
Bei einer solchen Berechnung werden Feuerstätte und Abgasanlage gemeinsam betrachtet. Ein besonders großer Schornsteinquerschnitt ist dabei keineswegs automatisch besser. Abgase können sich in ungünstig dimensionierten Systemen zu stark abkühlen, während ein zu kleiner oder ungeeigneter Querschnitt ebenfalls Probleme verursacht.
Eine Sanierung setzt bestehende Emissionsanforderungen nicht zurück
Ein häufiger Gedanke ist, dass ein älterer Kaminofen nach einer Gebäudesanierung automatisch als „neu installiert“ gilt oder umgekehrt durch die Sanierung Bestandsschutz erhält. Beides lässt sich so pauschal nicht sagen.
Für Einzelraumfeuerungsanlagen gelten Anforderungen der 1. BImSchV. Bei älteren Geräten spielen unter anderem Errichtungszeitpunkt, Gerätetyp, Emissionsnachweis und mögliche Ausnahmen eine Rolle.
Die energetische Sanierung des Hauses allein ersetzt diese Prüfung nicht. Wer einen älteren Ofen weiterverwenden möchte, sollte deshalb unabhängig von der Gebäudesanierung klären, ob die Feuerstätte weiterhin betrieben werden darf und die erforderlichen Nachweise vorhanden sind.
Am Ende zählt das Zusammenspiel mit der neuen Hauptheizung
Nach einer Sanierung wird häufig auch die zentrale Heizung verändert. Wärmepumpe, Fußbodenheizung oder niedrig temperierte Heizflächen reagieren anders auf einen Kaminofen als ein älteres System mit klassischen Heizkörpern.
Der Kaminofen kann dadurch eine andere Rolle bekommen.
Vor der Sanierung: Der Ofen unterstützt eine relativ hohe Heizlast und übernimmt an kalten Tagen einen spürbaren Teil der Raumheizung.
Nach der Sanierung: Der Wärmebedarf ist geringer und die neue Heizung arbeitet kontinuierlicher. Schon wenige Kilowatt zusätzliche Ofenleistung können die Temperatur im Aufstellraum deutlich erhöhen.
Besonders bei Wärmepumpen sollte deshalb nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass ein möglichst leistungsstarker Kaminofen besonders viel Heizenergie einspart. Wird der Wohnbereich durch den Ofen sehr schnell erwärmt, kann die Regelung der übrigen Heizflächen beeinflusst werden. Gleichzeitig erreicht die Ofenwärme entfernt liegende Räume oft nur begrenzt.
Entscheidend ist daher die geplante Aufgabe des Geräts:
- Soll es regelmäßig einen Teil der Heizleistung übernehmen?
- Wird es nur gelegentlich genutzt?
- Soll hauptsächlich der direkte Wohnbereich beheizt werden?
- Muss Wärme auch in andere Räume gelangen?
- Wie niedrig ist die Heizlast des sanierten Wohnbereichs tatsächlich?
Erst mit diesen Antworten lässt sich beurteilen, ob der vorhandene Ofen noch sinnvoll dimensioniert ist.
Nach der Sanierung besser neu rechnen als schätzen
Ein vorhandener Kaminofen muss nach einer Haussanierung keineswegs automatisch weichen. Seine bisherige Auslegung sollte aber nicht ungeprüft übernommen werden. Besonders Dämmung, neue Fenster und Lüftungstechnik können Wärmebedarf und Luftverhältnisse stark verändern.
Im Mittelpunkt stehen deshalb drei Fragen: Passt die Heizleistung noch zum sanierten Raum, ist eine sichere Verbrennungsluftversorgung gewährleistet und funktioniert die Feuerstätte weiterhin mit Schornstein und neuer Haustechnik als Gesamtsystem?
Bei kleinen Sanierungsmaßnahmen fällt die Neubewertung oft unkompliziert aus. Nach einer umfassenden energetischen Modernisierung lohnt sich dagegen eine fachliche Prüfung. Gerade ein früher Blick auf Heizlast und Luftversorgung verhindert, dass ein technisch funktionierender Ofen später schlecht zum sanierten Gebäude passt.






