Wie ein kanalisierbarer Pelletofen die Wärme verteilt
Bei einem normalen Warmluft-Pelletofen erwärmt ein Wärmetauscher die vorbeiströmende Raumluft. Ein Gebläse gibt sie anschließend wieder in den Aufstellraum ab.
Ein kanalisierbares Modell besitzt zusätzlich einen oder mehrere Anschlüsse für Warmluftleitungen. Darüber kann erwärmte Luft gezielt in andere Räume transportiert werden. Am Ende des Kanals befinden sich Ausströmgitter oder spezielle Luftauslässe.
Je nach Modell gibt es unterschiedliche Systeme:
- ein Gebläse für Aufstellraum und Kanal
- getrennte Gebläse für Raum und Warmluftkanal
- zwei unabhängig regelbare Kanalausgänge
- Systeme mit mehreren getrennten Ventilatoren
- Modelle mit Temperatursensoren oder Raumregelung für die angeschlossenen Bereiche
Gerade diese Unterschiede sind für die Planung wichtiger als die bloße Angabe „kanalisierbar“.
Ein Ofen mit zwei unabhängig regelbaren Kanälen bietet beispielsweise mehr Möglichkeiten als ein Gerät, bei dem mehrere Räume über eine einzige Leitung mit Abzweigungen versorgt werden müssen.
Auch die mögliche Leitungslänge unterscheidet sich erheblich. Bei manchen Systemen sind nur wenige Meter vorgesehen, andere Hersteller geben für bestimmte Geräte Reichweiten von etwa acht Metern je Ausgang an. Leistungsfähigere Systeme können auch deutlich längere Kanalstrecken versorgen.
Solche Angaben gelten jedoch immer für das konkrete System. Sie lassen sich nicht pauschal auf andere Pelletöfen übertragen.
Zuerst den Wärmebedarf der Räume bestimmen
Die häufigste Fehlannahme bei der Auswahl lautet: Ein 10-kW-Pelletofen kann einfach zehn Kilowatt auf mehrere Räume verteilen.
So funktioniert die Planung nicht.
Die Gesamtleistung verteilt sich zunächst auf den Aufstellraum, die Warmluftkanäle und weitere Wärmeverluste des Geräts. Wie viel Leistung tatsächlich am Ende eines Kanals ankommt, hängt unter anderem von Luftmenge, Leitungslänge und Dämmung ab.
Deshalb sollten zunächst die zu beheizenden Räume betrachtet werden.
Wichtige Punkte sind:
Prüffrage |
Warum sie wichtig ist |
|---|---|
Wie groß ist der Raum? |
Größere Räume benötigen meist mehr Heizleistung. |
Wie gut ist das Gebäude gedämmt? |
Ein unsaniertes Gebäude verliert wesentlich mehr Wärme als ein gut gedämmtes Haus. |
Welche Raumtemperatur wird gewünscht? |
Schlafzimmer und Wohnräume haben oft unterschiedliche Anforderungen. |
Gibt es weitere Heizflächen? |
Heizkörper oder Fußbodenheizung können einen Teil der Heizlast übernehmen. |
Wie häufig wird der Raum genutzt? |
Ein selten genutztes Gästezimmer muss nicht zwingend dauerhaft versorgt werden. |
Wie weit liegt der Raum vom Ofen entfernt? |
Mit zunehmender Kanalstrecke steigen die Verluste und Anforderungen an das Gebläse. |
Hersteller nennen bei Pelletöfen häufig ein beheizbares Raumvolumen. Solche Werte können zur ersten Orientierung dienen, ersetzen aber keine Betrachtung des Gebäudes.
Dasselbe Raumvolumen kann je nach Dämmstandard einen vollkommen unterschiedlichen Wärmebedarf haben. Bei gut gedämmten Gebäuden genügt wesentlich weniger Heizleistung pro Kubikmeter als bei älteren Häusern mit hohen Wärmeverlusten.
Auch der Aufstellraum darf nicht vergessen werden
Besonders wichtig ist die Mindestleistung des Ofens.
Steht beispielsweise ein leistungsstarker Pelletofen in einem kleinen, gut gedämmten Wohnzimmer, kann der Raum bereits warm genug sein, während das Schlafzimmer am Ende der Warmluftleitung noch zusätzliche Wärme benötigt.
Der Ofen kann seine Leistung jedoch nur bis zu einem bestimmten Wert reduzieren. Wird der Aufstellraum regelmäßig zu warm, ist eine große Nennleistung deshalb keine gute Lösung für lange Warmluftwege.
Besser ist ein Gerät, bei dem sich die Wärme gezielt zwischen Aufstellraum und Kanälen verteilen lässt.
Warmluftkanäle möglichst kurz und strömungsgünstig planen
Ein Warmluftkanal verursacht Widerstand. Das Gebläse muss diesen Widerstand überwinden, damit am Luftauslass noch genügend warme Luft ankommt.
Dabei spielt nicht nur die reine Entfernung eine Rolle.
Problematisch sind beispielsweise:
- viele Richtungsänderungen
- enge Bögen
- unnötig lange Leitungen
- starke Querschnittsänderungen
- mehrere Abzweigungen
- ungeeignete oder zusammengedrückte flexible Leitungen
- schlecht gedämmte Kanalabschnitte
Zwei Räume, die jeweils sechs Meter vom Ofen entfernt liegen, müssen deshalb nicht automatisch gleich gut versorgt werden. Eine nahezu gerade Leitung kann einen deutlich günstigeren Strömungsweg bieten als eine Strecke mit mehreren Bögen und Abzweigen.
Abzweigungen verändern die Luftverteilung
Wird eine Leitung auf zwei Räume aufgeteilt, verteilt sich auch der Luftstrom.
Dabei sollte nicht davon ausgegangen werden, dass automatisch an beiden Auslässen dieselbe Luftmenge ankommt. Unterschiedliche Leitungslängen und Widerstände können dazu führen, dass ein Raum wesentlich stärker versorgt wird als der andere.
Bei einer symmetrischen Aufteilung helfen ähnlich lange Leitungswege. Noch besser steuerbar sind Systeme mit getrennten Kanalausgängen und unabhängig regelbaren Ventilatoren.
Welche Aufteilung zulässig ist, ergibt sich aus den Installationsvorgaben des jeweiligen Geräts.
Dämmung verhindert unnötige Wärmeverluste
Führt ein Warmluftkanal durch einen unbeheizten Bereich, kann unterwegs ein erheblicher Teil der Wärme verloren gehen.
Das betrifft beispielsweise Leitungen in:
- kalten Kellerräumen
- unbeheizten Dachbereichen
- Installationsschächten
- Vorsatzschalen an Außenwänden
Eine passende Wärmedämmung reduziert diese Verluste. Gleichzeitig müssen die verwendeten Kanäle, Dämmstoffe, Durchführungen und Abstände für die auftretenden Temperaturen geeignet sein.
Die Warmluftführung sollte deshalb nicht wie ein gewöhnlicher Lüftungsschlauch behandelt werden.
Luftauslässe und Regelung entscheiden über den Komfort
Nicht nur der Weg zum Raum ist entscheidend. Ebenso wichtig ist die Stelle, an der die warme Luft austritt.
Ein Auslass sollte so sitzen, dass sich die Wärme möglichst gut im Raum verteilen kann und nicht direkt hinter Möbeln, Vorhängen oder anderen Hindernissen verschwindet.
Je nach Ofensystem können die Auslässe beispielsweise an einer Wand, in Bodennähe oder in einem dafür vorgesehenen Einbaubereich angeordnet werden. Welche Positionen möglich sind, hängt vom verwendeten Kanalsystem ab.
Auch die Regelung verdient Aufmerksamkeit.
Bei einfachen Geräten wird lediglich die Gebläsestufe eingestellt. Komfortablere Systeme ermöglichen eine getrennte Steuerung verschiedener Ventilatoren oder beziehen Temperaturfühler in den angeschlossenen Räumen ein.
Das macht besonders dann einen Unterschied, wenn die Räume unterschiedlich genutzt werden.
Ein Beispiel:
Das Wohnzimmer soll 21 °C erreichen, ein Arbeitszimmer tagsüber ebenfalls beheizt werden und im Schlafzimmer reichen 18 °C. Eine einzige starre Luftverteilung kann diese drei Anforderungen nur schwer gleichzeitig erfüllen.
Unabhängig regelbare Kanäle bieten hier deutlich mehr Spielraum.
Geräusche vor der Installation berücksichtigen
Warmluft wird mechanisch bewegt. Dadurch entstehen Geräusche am Ofen, in den Leitungen und an den Luftauslässen.
Bei einem Wohnzimmer fällt das möglicherweise wenig ins Gewicht. In einem Schlafzimmer kann ein hörbarer Luftstrom dagegen störend sein.
Vor der Planung sollte deshalb geklärt werden:
- Welche Gebläsestufen werden im Alltag benötigt?
- Lassen sich Kanalventilatoren getrennt reduzieren?
- Wo befinden sich die Luftauslässe?
- Liegen Kanäle unmittelbar neben Schlaf- oder Arbeitsbereichen?
- Können Körperschall oder Strömungsgeräusche über Bauteile übertragen werden?
Sehr kleine Auslässe oder hohe Luftgeschwindigkeiten können Geräusche zusätzlich verstärken.
Vor dem Einbau muss das gesamte Ofensystem passen
Die Warmluftkanäle sind nur ein Teil der Installation. Ein Pelletofen benötigt außerdem eine geeignete Abgasanlage, ausreichend Verbrennungsluft, einen elektrischen Anschluss und die für das konkrete Gerät vorgesehenen Sicherheitsabstände.
Gerade bei einem Ofen, der mehrere Räume unterstützen soll, besteht die Gefahr, zuerst nur nach Heizleistung und Kanalanschlüssen zu schauen. Der vorgesehene Schornstein muss aber ebenfalls zum Gerät passen.
Vor der endgültigen Entscheidung sollten deshalb mindestens folgende Punkte geklärt sein:
- Wärmebedarf und Nutzung der zu beheizenden Räume
- erforderliche Leistung im Aufstellraum
- Anzahl der gewünschten Warmluftausgänge
- mögliche Länge und Führung der Kanäle
- zulässige Kanalquerschnitte und Abzweigungen
- Regelbarkeit der einzelnen Gebläse
- Position der Luftauslässe
- Zugang zu Leitungen und Gerät für Wartungsarbeiten
- Eignung der Abgasanlage
- Verbrennungsluftversorgung und weitere Lüftungsanlagen im Gebäude
Bei neuen Feuerstätten sollte der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger möglichst früh einbezogen werden. So lässt sich prüfen, ob der vorgesehene Standort und die Abgasführung grundsätzlich umsetzbar sind, bevor Wanddurchführungen oder Kanäle gebaut werden.
Auch die Installationsunterlagen des ausgewählten Pelletofens sind verbindlich für die Planung. Kanalanschlüsse, zulässige Leitungslängen oder Durchmesser verschiedener Hersteller sind nicht beliebig austauschbar.
Entscheidend ist die Verteilung, nicht nur die Ofenleistung
Ein kanalisierbarer Pelletofen kann mehrere Räume mit Wärme versorgen, ersetzt aber nicht automatisch eine vollständig berechnete Zentralheizung. Seine Stärke liegt darin, einen Teil der erzeugten Warmluft gezielt dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.
Gut funktioniert das vor allem bei überschaubaren Leitungslängen, sinnvoll angeordneten Räumen und einem Gerät, dessen Ventilatoren zur geplanten Kanalführung passen. Schwieriger wird es bei vielen Räumen, stark unterschiedlichen Heizlasten und langen verzweigten Leitungswegen.
Deshalb sollte zuerst feststehen, welche Räume wie stark beheizt werden sollen. Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, welche Ofenleistung, Anzahl an Kanälen und Regelung dafür geeignet sind.





