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Luft-Abgas-System für Festbrennstoffe: Wann ist diese Lösung geeignet?

Wer einen Kaminofen oder eine andere Feuerstätte für Holz und ähnliche feste Brennstoffe plant, muss zwei Luftströme im Blick behalten: Sauerstoff muss zur Verbrennung gelangen, während die entstehenden Abgase sicher über Dach abgeführt werden. Ein Luft-Abgas-System kann beide Aufgaben innerhalb eines abgestimmten Schornsteinsystems übernehmen.

Besonders interessant ist dieses Prinzip bei Neubauten und energetisch sanierten Gebäuden mit dichter Gebäudehülle. Dort lässt sich nicht selbstverständlich voraussetzen, dass genügend Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum nachströmt. Gleichzeitig entstehen schnell Missverständnisse. Ein Außenluftanschluss am Kaminofen bedeutet beispielsweise noch nicht automatisch, dass die gesamte Feuerungsanlage raumluftunabhängig betrieben werden darf.

Bei Festbrennstoffen kommen zudem hohe Abgastemperaturen und die Möglichkeit eines Rußbrandes hinzu. Deshalb müssen Feuerstätte, Luftführung, Schornstein, Anschluss und Gebäudetechnik als zusammenhängendes System betrachtet werden. Welche Lösung funktioniert, entscheidet sich nicht allein am Durchmesser eines Rauchrohrs.

Wie ein Luft-Abgas-System bei Festbrennstoffen funktioniert

Bei einer gewöhnlichen raumluftabhängigen Feuerstätte stammt die für das Feuer benötigte Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum beziehungsweise aus dem zugehörigen Raumluftverbund. Ein Luft-Abgas-System verfolgt ein anderes Prinzip: Die benötigte Luft wird von außen bis zur Feuerstätte geführt, während die Verbrennungsgase auf einem getrennten Strömungsweg nach draußen gelangen.

Beide Wege können konstruktiv unterschiedlich angeordnet sein. Möglich sind beispielsweise ein innerer abgasführender Zug mit einem umliegenden Luftbereich oder getrennte, nebeneinanderliegende Schächte innerhalb eines Schornsteinsystems.

Vereinfacht ergibt sich folgender Weg:

  1. Außenluft gelangt an der dafür vorgesehenen Stelle in das Schornsteinsystem.
  2. Sie wird durch einen eigenen Bereich in Richtung Feuerstätte geführt.
  3. Eine geeignete Anschlussleitung verbindet diesen Luftweg mit dem Verbrennungsluftanschluss der Feuerstätte.
  4. Im Brennraum wird die Luft für die Verbrennung genutzt.
  5. Die Verbrennungsgase gelangen über das Rauchrohr in den abgasführenden Schornsteinzug.
  6. Von dort werden sie sicher über Dach abgeführt.

Luft und Abgas teilen sich also nicht denselben freien Querschnitt. Die Strömungswege bleiben voneinander getrennt.

Bei festen Brennstoffen kommt eine wichtige Anforderung hinzu: Die abgasführenden Bereiche müssen für diese Brennstoffart geeignet sein. Bei Holzfeuerungen können sich brennbare Rußablagerungen bilden. Eine dafür vorgesehene Schornsteinanlage muss deshalb unter anderem die erforderliche Rußbrandbeständigkeit besitzen.

Ein System, das beispielsweise ausschließlich für eine Gasfeuerstätte vorgesehen ist, kann daher nicht einfach für einen Kaminofen übernommen werden.

Außenluftanschluss und raumluftunabhängiger Betrieb sind nicht dasselbe

Dieser Unterschied gehört zu den wichtigsten Punkten bei der Planung.

Viele moderne Kaminöfen besitzen einen Anschlussstutzen, über den Verbrennungsluft von außen zugeführt werden kann. Das ist technisch sinnvoll, macht den Ofen allein aber noch nicht zu einer Feuerstätte, die unter allen vorgesehenen Bedingungen raumluftunabhängig betrieben werden darf.

Für einen echten raumluftunabhängigen Betrieb muss die Feuerstätte konstruktiv dafür vorgesehen und entsprechend nachgewiesen sein. Dabei spielt beispielsweise eine Rolle, wie dicht die Feuerstätte gegenüber ihrem Aufstellraum ausgeführt ist und unter welchen Druckbedingungen sie geprüft wurde.

Situation

Einordnung

Kaminofen bezieht seine Verbrennungsluft aus dem Raum

raumluftabhängiger Betrieb

Kaminofen besitzt einen Außenluftanschluss

Außenluftzuführung möglich, weitere Einstufung prüfen

Feuerstätte ist für raumluftunabhängigen Betrieb nachgewiesen

Betrieb mit direkter Verbrennungsluftversorgung von außen nach den jeweiligen Vorgaben möglich

Geeignete Feuerstätte wird mit passendem Luft-Abgas-Schornstein kombiniert

beide Strömungswege können als abgestimmte Anlage geplant werden

Die Unterscheidung wird besonders wichtig, wenn im Gebäude Einrichtungen vorhanden sind, die Luft nach außen fördern. Dazu gehören beispielsweise eine Abluft-Dunstabzugshaube, Wohnraumlüftung, Ablufttrockner oder bestimmte Klimageräte.

Solche Geräte können Druckverhältnisse verändern. Im ungünstigen Fall wird der natürliche Abgastransport einer Feuerstätte beeinträchtigt.

Auch eine raumluftunabhängige Feuerstätte sollte deshalb nicht einfach mit der Annahme geplant werden, Unterdruck spiele überhaupt keine Rolle. Feuerstätten sind für bestimmte Betriebs- und Druckbedingungen ausgelegt. Das gesamte Lüftungs- und Feuerungskonzept muss dazu passen.

Feuerstätte, Schornstein und Luftführung gemeinsam dimensionieren

Bei einem Festbrennstoffofen genügt es nicht, einen passenden Rohrdurchmesser anhand des Rauchrohrstutzens auszuwählen. Ob ein Schornstein zuverlässig funktioniert, hängt von mehreren miteinander verbundenen Größen ab.

Dazu gehören unter anderem:

  • Art und Leistung der Feuerstätte
  • Abgasmassenstrom
  • Abgastemperatur
  • erforderlicher Förderdruck der Feuerstätte
  • wirksame Schornsteinhöhe
  • Querschnitt des Abgasweges
  • Länge und Verlauf des Verbindungsstücks
  • Anzahl und Ausführung von Richtungsänderungen
  • Wärmedämmung der Abgasanlage
  • Druckverluste auf der Verbrennungsluftseite
  • Länge und Querschnitt des Luftweges
  • Lage der Schornsteinmündung

Gerade die Verbrennungsluftseite wird bei der Planung gelegentlich unterschätzt. Luft bewegt sich nicht ohne Widerstand durch lange Leitungen, Bögen und schmale Querschnitte. Jeder zusätzliche Strömungswiderstand kann beeinflussen, wie viel Verbrennungsluft tatsächlich an der Feuerstätte ankommt.

Die Schornsteinberechnung betrachtet mehr als den Durchmesser

Für die Abgasanlage wird geprüft, ob unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen genügend Förderdruck zur Verfügung steht und die Abgase zuverlässig nach außen gelangen können. Dabei werden die technischen Daten der konkreten Feuerstätte benötigt.

Ein größerer Schornsteinquerschnitt ist dabei keineswegs grundsätzlich besser. In einem ungünstig dimensionierten Zug können sich Abgase stärker abkühlen, wodurch sich die Betriebsbedingungen ebenfalls verschlechtern können.

Ebenso wenig sollte man nach dem Prinzip „derselbe Anschlussdurchmesser wird schon passen“ vorgehen. Zwei Öfen mit identischem Rauchrohrdurchmesser können unterschiedliche Abgastemperaturen, Massenströme und Anforderungen an den Förderdruck besitzen.

Auch der Verbrennungsluftweg braucht eine klare Planung

Auf der Zuluftseite sollte geklärt werden:

  • Wo wird Außenluft angesaugt?
  • Wie gelangt sie bis zur Feuerstätte?
  • Welcher freie Querschnitt steht tatsächlich zur Verfügung?
  • Wie lang ist der Strömungsweg?
  • Welche Bögen und Übergänge sind vorgesehen?
  • Welche Anschlussgröße verlangt der Hersteller?
  • Ist die Verbindung zwischen Feuerstätte und Luftweg ausreichend dicht?
  • Bleiben notwendige Prüf- und Reinigungsmöglichkeiten zugänglich?

Improvisierte Reduzierungen oder unnötig lange Anschlusswege können hier genauso problematisch sein wie ein schlecht geplantes Rauchrohr.

Diese Punkte sollten vor der Bestellung geklärt sein

Ein Luft-Abgas-Schornstein lässt sich am einfachsten planen, solange weder Feuerstätte noch Schornsteinsystem endgültig festgelegt wurden. Dann können beide Komponenten passend zueinander ausgewählt werden.

Eine sinnvolle Reihenfolge sieht so aus:

1. Feuerstätte festlegen

Benötigt werden die genauen technischen Daten und Angaben zum vorgesehenen Betriebsprinzip. Wichtig ist insbesondere, ob die Feuerstätte tatsächlich für den geplanten raumluftunabhängigen Betrieb geeignet ist.

2. Gebäudesituation erfassen

Dazu gehören Geschosshöhen, geplanter Standort, Dachform, Verlauf des Schornsteins, mögliche Durchführungen sowie brennbare Bauteile in der Umgebung.

3. Lüftungstechnik berücksichtigen

Dunstabzugshaube, Wohnraumlüftung und andere luftfördernde Geräte sollten von Anfang an in die Betrachtung einbezogen werden.

4. Geeignetes Schornsteinsystem auswählen

Das System muss für die angeschlossene Festbrennstofffeuerstätte sowie die vorgesehene Betriebsweise geeignet sein. Temperaturklasse, Rußbrandbeständigkeit, Abstände und weitere Systemangaben müssen zum konkreten Einsatz passen.

5. Strömungstechnische Funktion prüfen

Abgas- und Verbrennungsluftseite werden anhand der geplanten Konfiguration betrachtet. Änderungen an Schornsteinhöhe, Querschnitt, Rauchrohr oder Luftweg können eine erneute Prüfung erforderlich machen.

6. Schornsteinfeger früh einbeziehen

Die zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin beziehungsweise der zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfeger sollte möglichst vor Bestellung und Einbau hinzugezogen werden. Landesrechtliche Vorgaben und die konkrete Gebäudesituation können die Ausführung beeinflussen.

Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, zuerst einen Ofen, anschließend irgendeinen passenden Schornstein und zum Schluss eine Lösung für die Verbrennungsluft zu suchen. Technisch hängen diese drei Entscheidungen jedoch unmittelbar zusammen.

Wo Planungsspielraum endet

Ein Luft-Abgas-Schornstein kann bei dichter Gebäudehülle eine sehr saubere Lösung für die Verbrennungsluftversorgung ermöglichen. Daraus folgt aber nicht, dass jedes Gebäude, jeder Kaminofen und jede beliebige Systemkombination dafür geeignet ist.

Besonders sorgfältig geprüft werden sollten Konstruktionen mit langen Luftwegen, mehreren Richtungsänderungen, ungewöhnlichen Schornsteinhöhen oder zusätzlichen lufttechnischen Anlagen im Gebäude. Gleiches gilt, wenn mehrere Feuerstätten an einem System betrieben werden sollen. Dann verändern sich die strömungstechnischen Bedingungen deutlich und die konkrete Zulässigkeit der gemeinsamen Belegung muss geprüft werden.

Auch spätere Umbauten verdienen Aufmerksamkeit. Wird beispielsweise eine Ablufthaube eingebaut, die Lüftungsanlage verändert oder die Feuerstätte ersetzt, können sich Voraussetzungen ändern, auf denen die ursprüngliche Planung beruhte.

Der entscheidende Gedanke bleibt deshalb recht simpel: Verbrennungsluftversorgung und Abgasführung sind zwei Seiten desselben Verbrennungsprozesses. Werden sie bereits bei der Planung zusammen betrachtet, lassen sich viele spätere Anschlussprobleme vermeiden.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann jeder Kaminofen an einen Luft-Abgas-Schornstein angeschlossen werden?

Nein. Feuerstätte und Schornsteinsystem müssen für die vorgesehene Kombination und Betriebsweise geeignet sein. Die technischen Unterlagen beider Komponenten sind deshalb entscheidend.

Ist ein Kaminofen mit Außenluftanschluss automatisch raumluftunabhängig?

Nein. Ein Anschluss für externe Verbrennungsluft allein reicht dafür nicht aus. Ob eine Feuerstätte raumluftunabhängig betrieben werden darf, ergibt sich aus ihrer Bauart und den zugehörigen Nachweisen beziehungsweise Herstellerunterlagen.

Kann die Verbrennungsluft über einen normalen Schornsteinzug geführt werden?

Nur wenn das verwendete Schornsteinsystem ausdrücklich dafür vorgesehen ist. Bei Luft-Abgas-Systemen besitzt die Verbrennungsluft einen konstruktiv festgelegten, vom Abgas getrennten Strömungsweg.

Muss ein Luft-Abgas-Schornstein für Holz rußbrandbeständig sein?

Für die Abführung von Abgasen aus festen Brennstoffen muss die verwendete Schornsteinanlage entsprechend geeignet sein. Die mögliche Entstehung und Entzündung von Rußablagerungen wird bei der Auslegung solcher Systeme berücksichtigt.

Kann eine Dunstabzugshaube trotz raumluftunabhängigem Ofen betrieben werden?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Feuerstätte, Druckverhältnisse, Lüftungstechnik und die zugelassene beziehungsweise nachgewiesene Betriebsweise. Der gemeinsame Betrieb sollte deshalb konkret geprüft werden.

Was passiert, wenn später ein anderer Kaminofen angeschlossen wird?

Dann sollte die Anlagenkombination erneut geprüft werden. Ein neuer Ofen kann andere Werte für Abgastemperatur, Abgasmassenstrom, Förderdruck und Verbrennungsluftbedarf besitzen. Ein zuvor passendes System ist deshalb nicht automatisch auch für das neue Modell geeignet.

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