Die Kennzeichnung beschreibt den geprüften Einsatzbereich
Die europäische Klassifizierung von Abgasanlagen folgt einem festen Prinzip. Statt lediglich Material oder Bauform zu nennen, werden mehrere Eigenschaften hintereinander angegeben. Bei einem metallischen Schornsteinsystem kann eine Kennzeichnung beispielsweise so aussehen:
EN 1856-1 T400 N1 W V2 L50060 G50
Die Angaben gehören zusammen. Einzelne Zeichen herauszugreifen und daraus allein die Eignung abzuleiten, wäre deshalb zu kurz gedacht.
Kennzeichen |
Aussage |
|---|---|
T400 |
Temperaturklasse |
N1 |
Druck- beziehungsweise Gasdichtheitsklasse |
W |
Eignung für feuchte Betriebsweise |
V2 |
geprüfter Korrosionswiderstand |
L50060 |
Werkstoff- und Materialstärkenangabe bei Metall-Abgasanlagen |
G50 |
rußbrandbeständig, hier mit angegebenem Abstand von 50 mm zu brennbaren Baustoffen |
Die genaue Zeichenfolge hängt auch von der jeweiligen Produktnorm und Bauart ab. Deshalb sehen Kennzeichnungen keramischer und metallischer Systeme nicht zwingend identisch aus.
Für die Auswahl zählt immer die vollständige Klassifizierung zusammen mit der Leistungserklärung und den Herstellerangaben. Ein einzelnes „T400“ sagt beispielsweise noch nichts darüber aus, ob das System für feuchten Betrieb oder für einen Rußbrand geprüft wurde.
T400 und N1 erklären Temperatur und Druckverhältnisse
Zwei Angaben stehen bei vielen Schornsteinsystemen weit vorne: die Temperaturklasse und die Druckklasse.
T400 bedeutet nicht „kurzzeitig 400 Grad“
Das „T“ kennzeichnet die Temperaturklasse. Die Zahl dahinter nennt die zugehörige maximale Nennbetriebstemperatur der Klassifizierung.
T400 steht damit für eine Nennbetriebstemperatur bis 400 °C.
Weitere gebräuchliche Klassen sind beispielsweise T200, T450 oder T600. Welche Klasse benötigt wird, hängt von der Feuerstätte und deren Abgastemperaturen ab.
Bei einem Holzofen kann deshalb eine andere Temperaturklasse erforderlich sein als bei einer modernen Gas-Brennwertanlage. T600 ist dabei nicht grundsätzlich die bessere Wahl. Entscheidend ist vielmehr, dass die Schornsteinklasse die Anforderungen der angeschlossenen Feuerstätte erfüllt.
Auch darf die Angabe nicht mit einer beliebigen kurzzeitigen Spitzentemperatur gleichgesetzt werden. Für außergewöhnliche Belastungen wie einen Rußbrand gelten zusätzliche Prüfanforderungen, die separat gekennzeichnet werden.
N1 steht für eine Abgasanlage im Unterdruckbetrieb
Die nächste wichtige Angabe beschreibt die Druckverhältnisse.
N1 gehört zu den Unterdruckklassen. Dabei werden die Abgase durch den natürlichen oder technisch erzeugten Schornsteinzug abgeführt, während im Abgasweg gegenüber der Umgebung Unterdruck besteht.
N1 ist für einen Prüfdruck von 40 Pa vorgesehen. Daneben gibt es unter anderem N2 sowie die Überdruckklassen P1 und P2 und die Hochdruckklassen H1 und H2.
Für einen klassischen Kaminofen mit natürlichem Schornsteinzug findet man deshalb häufig N1. Bei anderen Feuerstätten kann dagegen eine druckdichtere Abgasanlage erforderlich sein. Brennwertgeräte oder technische Anlagen mit Gebläse können beispielsweise andere Druckklassen verlangen.
Die Druckklasse lässt sich daher nicht unabhängig von der Feuerstätte auswählen.
W und G beantworten zwei völlig unterschiedliche Fragen
Die Kürzel W und G werden leicht miteinander vermischt, weil beide etwas mit besonderen Belastungen der Abgasanlage zu tun haben. Technisch beschreiben sie jedoch getrennte Eigenschaften.
W erlaubt eine planmäßig feuchte Betriebsweise
„W“ steht für eine Abgasanlage, die für feuchte Betriebsbedingungen geprüft ist. Gemeint ist ein Betrieb, bei dem Kondensat innerhalb der Abgasanlage entstehen kann.
Der Gegenbegriff ist D für trockene Betriebsbedingungen.
Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Abgastemperaturen niedrig genug sind, dass Wasserdampf aus dem Abgas kondensiert. Bei modernen Heizgeräten kann das ausdrücklich Teil des vorgesehenen Betriebs sein.
Eine W-Klassifizierung sagt dagegen nicht automatisch, dass jedes angeschlossene Gerät Kondensat erzeugt. Sie besagt zunächst, dass die betreffende Abgasanlage für diese Betriebsweise geeignet ist.
Bei einer reinen Trockenanwendung kann ein entsprechend freigegebenes System ebenfalls verwendet werden. Entscheidend bleiben jedoch die konkrete Produktklassifizierung und die Herstellerunterlagen.
G zeigt die Rußbrandbeständigkeit
Das „G“ betrifft einen anderen Belastungsfall: einen Rußbrand innerhalb der Abgasanlage.
Bei Feuerstätten für feste Brennstoffe können sich unter ungünstigen Betriebsbedingungen brennbare Ablagerungen im Schornstein bilden. Entzünden sie sich, entstehen erheblich höhere Temperaturen als im normalen Heizbetrieb.
Ein System mit der Kennzeichnung G wurde für Rußbrandbeständigkeit klassifiziert.
Das Gegenstück ist O. Eine O-Klassifizierung bedeutet, dass die Abgasanlage nicht als rußbrandbeständig eingestuft ist.
Gerade bei Holzfeuerstätten ist dieser Unterschied wichtig. Allerdings reicht auch hier der Buchstabe allein nicht aus. Bei vielen Systemen folgt auf G eine Zahl, beispielsweise:
G50
Die Zahl bezeichnet den bei der Klassifizierung festgelegten Abstand zu brennbaren Baustoffen in Millimetern. G50 bedeutet demnach rußbrandbeständig mit einem angegebenen Abstand von 50 mm unter den für das Produkt festgelegten Bedingungen.
Bei konkreten Einbausituationen müssen zusätzlich Montageanleitung, Leistungserklärung und nationale Bauvorgaben berücksichtigt werden.
Warum T400-N1-W-G nicht automatisch die richtige Kombination ist
Eine häufige Fehlannahme besteht darin, aus den verschiedenen Kennzeichen eine vermeintlich optimale Wunschkombination zusammenzustellen. In der Praxis funktioniert die Auswahl anders.
Eine Abgasanlage muss zu mehreren Eigenschaften der Feuerstätte passen:
- zur maximal maßgeblichen Abgastemperatur,
- zur Betriebsweise mit Unter- oder Überdruck,
- zu trockenen oder feuchten Abgasbedingungen,
- zum verwendeten Brennstoff,
- zur erforderlichen Korrosionsbeständigkeit,
- zur notwendigen Rußbrandbeständigkeit,
- zu den vorgeschriebenen Abständen und zur jeweiligen Einbausituation.
Gerade bei Metall-Abgassystemen zeigt sich, warum die komplette Kennzeichnung wichtig ist. Ein Hersteller kann dasselbe Grundsystem beispielsweise in mehreren Klassifizierungen ausweisen. Eine Variante kann für T400, N1 und trockenen Betrieb mit Rußbrandbeständigkeit vorgesehen sein, während eine andere Klassifizierung desselben Systems feuchten Betrieb erlaubt, dafür aber als nicht rußbrandbeständig ausgewiesen wird.
W und G sollten deshalb nie einfach als zwei Eigenschaften betrachtet werden, die bei jedem Schornstein zwingend gemeinsam vorhanden sein müssen.
Für einen Kaminofen mit Scheitholz sind andere Anforderungen relevant als für eine Gastherme, einen Pelletkessel oder ein Brennwertgerät. Selbst innerhalb einer Brennstoffart können sich Abgastemperatur, Betriebsdruck und Feuchtebedingungen unterscheiden.
So liest du eine vollständige Kennzeichnung richtig
Nehmen wir als Beispiel:
T400-N1-D-V2-L50060-G50
Von links nach rechts lässt sich daraus folgende technische Einordnung ableiten:
T400: Das System gehört zur Temperaturklasse bis 400 °C Nennbetriebstemperatur.
N1: Es ist für die entsprechende Unterdruck-Betriebsweise klassifiziert.
D: Der vorgesehene Einsatz erfolgt unter trockenen Betriebsbedingungen.
V2: Diese Angabe beschreibt bei einer Metall-Abgasanlage die geprüfte Korrosionsbeständigkeit nach der entsprechenden Produktnorm.
L50060: Das Kürzel enthält Angaben zum verwendeten Werkstoff sowie zur Materialdicke. Die genaue Interpretation gehört zur Metall-Abgasnorm und sollte bei einem konkreten Produkt mit der Leistungserklärung abgeglichen werden.
G50: Das System ist rußbrandbeständig klassifiziert; die angegebene Abstandsklasse beträgt in diesem Beispiel 50 mm.
Damit wird auch deutlich, warum eine Produktbezeichnung nicht auf die ersten vier Zeichen reduziert werden sollte. Die Korrosionsbeständigkeit und die Abstandsklasse können für die tatsächliche Verwendung genauso relevant sein.
Bei der Planung sollte außerdem nicht nur geprüft werden, ob ein Schornstein theoretisch die passenden Klassen besitzt. Durchmesser, wirksame Höhe, Feuerstättenleistung, Abgaswerte, Verbindungsstück und Schornsteinführung müssen ebenfalls zusammenpassen. Die technische Dimensionierung der Abgasanlage ist deshalb ein eigener Planungsschritt.
Entscheidend ist die gesamte Systemfreigabe
T400, N1, W und G lassen sich relativ schnell übersetzen. Die eigentliche Auswahl eines Schornsteins beginnt jedoch erst danach.
T400 beschreibt eine Temperaturklasse. N1 kennzeichnet eine Unterdruckklasse. W erlaubt planmäßig feuchte Betriebsbedingungen und G steht für Rußbrandbeständigkeit. Keines dieser Kürzel sollte isoliert als Qualitätsmerkmal verstanden werden.
Bei einer konkreten Feuerstätte sind deren technische Daten der Ausgangspunkt. Anschließend wird geprüft, welche Klassifizierung die Abgasanlage benötigt und ob das gewählte System diese Anforderungen vollständig erfüllt. Gerade bei Festbrennstoffanlagen lohnt sich zusätzlich ein genauer Blick auf Rußbrandklasse, Korrosionsbeständigkeit und den vorgeschriebenen Abstand zu brennbaren Bauteilen.






