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Verputzter Speicherbereich neben einem geschlossenen Heizkamin

Nachheizflächen am Kamin: Wann bringen sie wirklich mehr nutzbare Wärme?

Ein Teil der beim Holzbrand entstehenden Energie steckt noch in den heißen Heizgasen, wenn diese den Feuerraum verlassen. Bei manchen Feuerstätten wird diese Wärme nicht direkt zum Schornstein geführt, sondern zunächst über zusätzliche Flächen oder Züge abgegeben. Genau hier kommen Nachheizflächen ins Spiel. Sie können Wärme an den Raum, an Speichermasse oder bei entsprechenden Systemen an Heizungswasser übertragen.

Das klingt zunächst nach einer einfachen Möglichkeit, mehr aus dem Brennstoff herauszuholen. Ganz so simpel ist die Sache allerdings nicht. Eine Nachheizfläche verändert den gesamten Weg der Heizgase. Sie senkt deren Temperatur, erzeugt zusätzlichen Strömungswiderstand und beeinflusst damit auch die Bedingungen im Schornstein. Größe, Bauart und Länge lassen sich deshalb nicht beliebig wählen.

Ob eine solche Lösung sinnvoll ist, hängt vor allem von der Feuerstätte, den technischen Herstellerdaten, dem Wärmebedarf und der vorhandenen Abgasanlage ab.

Was eine Nachheizfläche mit den heißen Heizgasen macht

Nach dem Verbrennen des Holzes sind die Heizgase noch deutlich wärmer als die Raumluft. Würden sie unmittelbar durch ein kurzes Verbindungsstück in den Schornstein gelangen, würde ein entsprechender Teil dieser Energie zusammen mit dem Abgas abgeführt.

Eine Nachheizfläche verlängert den Wärmeübergang zwischen Feuerstätte und Abgasanlage. Die heißen Gase werden über wärmeaufnehmende Bauteile geführt. Dabei geben sie Energie ab und erreichen den Schornstein mit einer niedrigeren Temperatur.

Welche Wirkung dabei entsteht, hängt von der Konstruktion ab.

Bauweise

Was mit der Wärme geschieht

Charakter der Wärmeabgabe

Metallische Nachheizfläche

Heizgase erwärmen Metallflächen und die umgebende Luft

vergleichsweise schnelle Wärmeabgabe

Keramische Heizgaszüge

Schamotte oder andere Speichermaterialien nehmen Energie auf

verzögerte Wärmeabgabe über längere Zeit

Speicherregister oder Speichermodule

kompakte Speichermasse wird von heißen Gasen durchströmt

Wärme wird zunächst gespeichert

Wasserwärmetauscher

Heizgasenergie erwärmt Heizungswasser

Energie kann über Pufferspeicher und Heizsystem verteilt werden

Keramische Züge kennt man vor allem aus Grund- und Kachelöfen. Dort werden die Heizgase durch Kanäle innerhalb einer größeren Speichermasse geführt. Diese nimmt während des Abbrands Energie auf und gibt sie anschließend nach und nach über die Ofenoberfläche ab.

Bei metallischen Lösungen steht eher die direkte Wärmeübertragung im Vordergrund. Wasserführende Systeme gehen noch einen Schritt weiter: Ein Teil der verfügbaren Energie landet nicht ausschließlich im Aufstellraum, sondern kann über einen Wärmetauscher in das Heizsystem gelangen.

Wann zusätzliche Wärmenutzung technisch sinnvoll sein kann

Entscheidend ist nicht allein, dass die Rauchgase heiß sind. Die Feuerstätte muss konstruktiv dafür vorgesehen oder entsprechend planbar sein.

Bei handwerklich errichteten Kachelöfen und Heizkaminen werden Nachheizflächen häufig bereits bei der Anlagenplanung berücksichtigt. Hersteller technischer Heizeinsätze geben dafür beispielsweise Werte zur Heizgastemperatur am Ausgang, zum Abgasmassenstrom und zum notwendigen Förderdruck an.

Aus diesen Angaben lässt sich bestimmen, welche Nachheizfläche technisch möglich ist.

Besonders interessant kann sie sein, wenn:

  • der Heizeinsatz ausreichend hohe Heizgastemperaturen zur Verfügung stellt,
  • ein größerer Anteil der erzeugten Energie gespeichert werden soll,
  • die Wärme nicht ausschließlich während des Abbrands benötigt wird,
  • eine wasserführende Einbindung geplant ist,
  • der Schornstein trotz zusätzlicher Widerstände einen sicheren Abtransport der Abgase ermöglicht,
  • Feuerstätte und Nachheizsystem konstruktiv miteinander abgestimmt sind.

Ein klassisches Beispiel ist ein Heizeinsatz innerhalb eines Kachelofens. Direkt nach dem Feuerraum können die Heizgase noch mehrere hundert Grad Celsius heiß sein. Durch eine fachgerecht dimensionierte keramische Nachheizfläche lässt sich ein erheblicher Teil dieser Energie an die Speichermasse übertragen, bevor die Gase zum Schornstein gelangen.

Das Ziel besteht dabei ausdrücklich nicht darin, die Abgastemperatur möglichst weit abzusenken. Sie muss am Ende weiterhin zu Feuerstätte und Schornstein passen.

Speicherwirkung statt möglichst hoher Raumtemperatur

Nachheizflächen können auch dabei helfen, die Wärmeabgabe zeitlich zu verschieben.

Ein stark beheizter Kamin oder Heizeinsatz kann während des Abbrands viel Wärme direkt in den Aufstellraum geben. In gut gedämmten Gebäuden ist das nicht immer erwünscht. Wird ein Teil der Energie dagegen in keramischer Masse gespeichert, verteilt sich die Wärmeabgabe über einen längeren Zeitraum.

Das kann insbesondere bei Anlagen interessant sein, die bewusst im Speicherbetrieb geplant werden.

Warum der Schornstein die Grenze vorgibt

Hier liegt einer der wichtigsten Punkte: Der Schornstein benötigt passende Abgasbedingungen, damit die Verbrennungsprodukte zuverlässig ins Freie gelangen.

Bei vielen Festbrennstofffeuerstätten entsteht der erforderliche Förderdruck durch den Temperaturunterschied zwischen den warmen Abgasen im Schornstein und der Außenluft. Werden den Heizgasen vorher immer größere Wärmemengen entzogen, sinkt ihre Temperatur.

Gleichzeitig verursacht jede Umlenkung, jeder längere Heizgasweg und jeder Wärmetauscher einen zusätzlichen Strömungswiderstand.

Eine zu große Nachheizfläche kann deshalb genau den gegenteiligen Effekt haben: Statt die Feuerstätte sinnvoll zu ergänzen, kann sie die Abgasführung verschlechtern.

Mögliche Folgen einer ungeeigneten Auslegung sind beispielsweise:

  • schwacher Förderdruck,
  • Schwierigkeiten beim Anheizen,
  • Rauchgasaustritt beim Öffnen der Feuerraumtür,
  • verstärkte Ablagerungen,
  • ungünstiger Abbrand,
  • zu niedrige Temperaturen in der Abgasanlage,
  • Feuchteprobleme innerhalb eines dafür ungeeigneten Schornsteins.

Deshalb gehören Feuerstätte, Nachheizfläche und Schornstein technisch zusammen betrachtet.

Entscheidend ist die gesamte Abgasstrecke

Bei der Planung spielen unter anderem folgende Größen eine Rolle:

  1. Abgastemperatur beziehungsweise Heizgastemperatur: Wie heiß verlassen die Gase die Feuerstätte und welche Temperatur bleibt nach der Nachheizfläche?
  2. Abgasmassenstrom: Welche Gasmenge muss durch Nachheizfläche, Verbindungsstück und Schornstein transportiert werden?
  3. Notwendiger Förderdruck: Welchen Unterdruck benötigt die Feuerstätte für einen sicheren Betrieb?
  4. Widerstand der Heizgaswege: Länge, Querschnitt, Umlenkungen und Bauart beeinflussen die Strömung.
  5. Schornstein: Höhe, Querschnitt, Dämmung, Bauart und Temperaturverhalten bestimmen mit, wie viel Förderdruck tatsächlich zur Verfügung steht.

Eine längere Nachheizstrecke ist deshalb nicht automatisch die bessere Lösung. Die Wärmeentnahme endet dort, wo die sichere Funktion der Abgasanlage beeinträchtigt würde.

Keramisch, metallisch oder wassergeführt: Die Nutzung entscheidet

Welche Nachheizfläche sinnvoll ist, hängt wesentlich davon ab, was anschließend mit der gewonnenen Wärme passieren soll.

Keramische Züge für zeitversetzte Wärme

Keramische Heizgaszüge bestehen meist aus feuerfesten, wärmespeichernden Materialien. Die Heizgase durchströmen diese Kanäle und erwärmen die umgebende Masse.

Diese Bauweise eignet sich vor allem, wenn Wärme gespeichert und langsam über die Ofenoberfläche abgegeben werden soll. Sie ist eng mit dem traditionellen Kachel- und Grundofenbau verbunden.

Die Dimensionierung von Zuglänge und Querschnitt gehört dabei zur fachlichen Planung. Einfach mehrere zusätzliche Meter Heizgasweg einzubauen, wäre technisch keine brauchbare Vorgehensweise.

Metallische Flächen für schnellere Wärmeabgabe

Metall nimmt Wärme schnell auf und gibt sie ebenfalls relativ schnell wieder ab. Metallische Nachheizflächen können deshalb eingesetzt werden, wenn ein größerer Anteil der Heizgasenergie unmittelbar an Luft beziehungsweise an den Aufstellbereich übertragen werden soll.

Auch hier müssen zulässige Kombinationen und Herstellerwerte berücksichtigt werden.

Wasserwärmetauscher für die Heizungsanlage

Bei wasserführenden Systemen wird die Energie teilweise auf Heizungswasser übertragen. Dieses kann beispielsweise in einen Pufferspeicher geleitet und später über Heizkörper oder Flächenheizungen genutzt werden.

Die technische Einbindung ist deutlich umfangreicher als bei einer rein keramischen Speicherlösung. Neben der Abgasseite müssen Hydraulik, Pufferspeicher, Temperaturregelung und Sicherheitseinrichtungen berücksichtigt werden.

Ein Wasserwärmetauscher ist deshalb kein einfaches Zusatzteil für ein vorhandenes Ofenrohr, sondern Bestandteil eines abgestimmten Heizsystems.

Nachrüsten ist nicht dasselbe wie neu planen

Bei einem neu gebauten Kachelofen oder Heizkamin kann die Nachheizfläche von Anfang an in das Gesamtkonzept einbezogen werden. Bei einer bestehenden Feuerstätte ist die Situation schwieriger.

Vor einer Nachrüstung sollte zunächst geklärt werden:

  • Ist der vorhandene Heizeinsatz für eine zusätzliche Nachheizfläche vorgesehen?
  • Gibt es dafür Herstellerangaben oder zulässige Systemkomponenten?
  • Welche Abgastemperatur steht am Ausgang tatsächlich zur Verfügung?
  • Verfügt der vorhandene Schornstein über ausreichende Reserven?
  • Wie verändert sich der notwendige Förderdruck?
  • Ist genügend Platz für Reinigung und Wartung vorhanden?
  • Handelt es sich durch den Umbau um eine wesentlich geänderte Feuerungsanlage?

Gerade der letzte Punkt sollte nicht erst nach dem Umbau geklärt werden. Neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungsanlagen müssen vor der Inbetriebnahme entsprechend geprüft werden.

Auch vermeintlich einfache Abgaswärmetauscher im Rauchrohr sollten deshalb nicht allein nach dem Gedanken ausgewählt werden, möglichst viel Wärme aus dem Abgas herauszuholen. Das Verbindungsstück ist Teil der Abgasführung. Jede Änderung daran kann das Betriebsverhalten beeinflussen.

Eine vorherige Abstimmung mit Ofenfachbetrieb und bevollmächtigtem Bezirksschornsteinfeger erspart hier deutlich mehr Arbeit, als eine nachträgliche Korrektur einer ungeeigneten Konstruktion.

Wärme nutzen, ohne die Abgasführung auszubremsen

Nachheizflächen können die in heißen Heizgasen enthaltene Energie sinnvoll nutzen und je nach Bauart direkt abgeben, speichern oder in ein Heizsystem übertragen. Besonders bei handwerklich geplanten Kachelöfen und Heizkaminen sind sie ein wichtiger Bestandteil des Wärmekonzepts.

Ihre Größe lässt sich jedoch nicht nach dem Prinzip „mehr Fläche bringt mehr Nutzen“ bestimmen. Sinkende Abgastemperaturen und zusätzliche Strömungswiderstände setzen klare technische Grenzen. Deshalb werden Feuerstätte, Heizgaswege und Schornstein gemeinsam betrachtet. Bei bestehenden Anlagen kommt hinzu, dass nicht jede Feuerstätte für eine Nachrüstung vorgesehen ist. Gute Planung bedeutet hier vor allem, genügend Wärme zu entziehen, ohne die sichere Abgasführung zu beeinträchtigen.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist ein langes Ofenrohr bereits eine Nachheizfläche?

Ein längeres Ofenrohr gibt zwar mehr Wärme an seine Umgebung ab, ist aber nicht automatisch eine fachgerecht dimensionierte Nachheizfläche. Länge, Abgastemperatur und Schornsteinbedingungen müssen weiterhin zur Feuerstätte passen.

Müssen keramische Heizgaszüge regelmäßig gereinigt werden?

Ja. In Heizgaswegen können sich mit der Zeit Asche und Verbrennungsrückstände ablagern. Deshalb werden bei der Planung geeignete Reinigungsmöglichkeiten vorgesehen.

Kann eine Nachheizfläche den Holzverbrauch reduzieren?

Eine besser genutzte Abgaswärme kann den Gesamtwirkungsgrad eines passend konstruierten Systems verbessern. Wie groß der praktische Effekt ausfällt, hängt jedoch von Feuerstätte, Nachheizfläche, Betriebsweise und Wärmebedarf ab.

Wird die Ofenscheibe durch eine Nachheizfläche weniger heiß?

Nicht zwingend. Die direkte Wärmeabstrahlung über die Sichtscheibe entsteht bereits am Feuerraum. Die Nachheizfläche nutzt vor allem Energie der anschließend weiterströmenden Heizgase.

Kann man einen Rauchgaswärmetauscher einfach in jedes Ofenrohr einsetzen?

Nein. Ein Wärmetauscher verändert Temperatur und Strömungswiderstand der Abgase. Vor einer Nachrüstung müssen die Eignung der Feuerstätte und die Bedingungen der Abgasanlage geprüft werden.

Was passiert mit der gespeicherten Wärme nach dem Abbrand?

Bei keramischen Speicherflächen bleibt ein Teil der Energie zunächst in der Speichermasse. Diese gibt sie anschließend nach und nach über ihre Oberfläche an den Raum ab, obwohl im Feuerraum bereits kein aktiver Abbrand mehr stattfindet.

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