Zuerst klären, was vom vorhandenen Kamin weiterverwendet werden kann
Bei einer Kaminkassette bleibt die vorhandene Kaminanlage teilweise bestehen, während die offene Feuerstelle durch eine geschlossene Feuerstätte ergänzt oder technisch verändert wird. Deshalb ist der Zustand des Bestands entscheidend.
Eine reine Messung von Breite, Höhe und Tiefe der Öffnung reicht nicht aus. Geprüft werden sollte beispielsweise, wie der bisherige Rauchgasweg aufgebaut ist, wo sich der Schornsteinanschluss befindet und aus welchen Materialien Feuerraum, Kaminhaube und angrenzende Bauteile bestehen.
Besonders wichtig sind folgende Punkte:
- lichte Breite und Höhe der Kaminöffnung
- nutzbare Einbautiefe
- Verlauf des vorhandenen Rauchgaswegs
- Position und Größe des Schornsteinanschlusses
- Zustand von Feuerraum und Verkleidung
- vorhandene Reinigungs- und Kontrollmöglichkeiten
- Abstände zu brennbaren Bauteilen
- Zustand des Schornsteins
Bei älteren gemauerten Kaminen können sich hinter der sichtbaren Verkleidung Konstruktionen befinden, die für einen neuen Einsatz relevant werden. Holzständer, Balken, Dämmstoffe oder andere temperaturempfindliche Materialien sind von vorne nicht unbedingt zu erkennen.
Auch Risse, lose Bauteile oder beschädigte Schamottsteine sollten vor dem Umbau untersucht werden. Eine Kaminkassette entwickelt und verteilt Wärme anders als eine offen betriebene Feuerstelle. Eine alte Konstruktion sollte deshalb nicht ungeprüft als geeignete Einbauumgebung angesehen werden.
Maßanfertigung löst nicht jedes Problem
Kaminkassetten werden häufig passend für vorhandene Kaminöffnungen gefertigt. Das hilft bei unüblichen Abmessungen, ersetzt aber keine technische Prüfung.
Neben der sichtbaren Größe müssen unter anderem Anschlussposition, Wärmeleistung, erforderliche Abstände und Verbrennungsluft berücksichtigt werden. Die richtige Kassette ist deshalb nicht automatisch diejenige, die den vorhandenen Raum möglichst vollständig ausfüllt.
Der Schornstein muss zur neuen Feuerstätte passen
Durch den Einbau einer geschlossenen Kassette verändern sich die Betriebsbedingungen. Abgastemperatur, Abgasmassenstrom und notwendiger Förderdruck können von denen des bisherigen offenen Kamins abweichen.
Der vorhandene Schornstein muss diese Abgase sicher ins Freie ableiten können. Dabei spielen mehrere Größen zusammen:
Prüfkriterium |
Warum es wichtig ist |
|---|---|
Schornsteinhöhe |
beeinflusst den verfügbaren Förderdruck |
Innenquerschnitt |
muss zum Abgasstrom der Kassette passen |
Bauart und Material |
müssen für die neue Feuerstätte geeignet sein |
Zustand und Dichtheit |
Abgase dürfen nicht unkontrolliert austreten |
Anschlussposition |
beeinflusst Verlauf und Länge des Verbindungsstücks |
weitere angeschlossene Feuerstätten |
können eine zusätzliche Prüfung erforderlich machen |
Ein großer Schornsteinquerschnitt ist dabei nicht automatisch besser. Bei ungünstiger Kombination können die Abgase stark abkühlen. Umgekehrt kann ein zu kleiner oder strömungstechnisch ungeeigneter Abgasweg Probleme beim Abtransport verursachen.
Deshalb werden bei Bedarf die technischen Daten der Kassette mit dem vorhandenen Schornstein abgeglichen. Dazu gehören beispielsweise Nennwärmeleistung, Abgastemperatur, notwendiger Förderdruck und Abgasmassenstrom. Bei nicht eindeutig geeigneten Kombinationen kann eine rechnerische Prüfung des Abgassystems erforderlich werden.
Auch eine vorhandene Mehrfachbelegung des Schornsteins gehört früh auf den Tisch. Sind weitere Feuerstätten angeschlossen, muss geprüft werden, ob deren gemeinsamer Betrieb unter den jeweiligen Bedingungen zulässig und sicher möglich ist.
Wärmeleistung, Luftversorgung und Raum müssen zusammenpassen
Eine häufige Fehlannahme besteht darin, die Leistung einer Kaminkassette hauptsächlich anhand der Größe der Kaminöffnung auszuwählen. Die Öffnung bestimmt zwar, welche Geräte konstruktiv infrage kommen. Wie viel Wärme sinnvoll ist, hängt aber vom Gebäude und vom beheizten Bereich ab.
Relevant sind beispielsweise:
- Größe und Grundriss des Aufstellraums
- energetischer Zustand des Gebäudes
- Dämmstandard und Fensterflächen
- offene Übergänge zu weiteren Räumen
- geplante Nutzung der Feuerstätte
- Wärmebedarf des Gebäudes beziehungsweise Raumes
In einem gut gedämmten Wohnraum kann eine sehr leistungsstarke Kassette schnell zu viel Wärme liefern. Das verleitet dazu, wenig Holz aufzulegen oder die Luftzufuhr stark zu reduzieren. Beides ist kein sinnvoller Ersatz für eine passend dimensionierte Feuerstätte.
Auch die Verbrennung braucht genügend Luft
Holz kann nur sauber verbrennen, wenn ausreichend Verbrennungsluft zur Verfügung steht. Bei älteren Gebäuden gelangt oft vergleichsweise viel Außenluft durch Fugen und Undichtigkeiten ins Gebäude. Nach Fenstertausch oder energetischer Sanierung kann sich diese Situation deutlich verändern.
Deshalb sollte geprüft werden, wie die vorgesehene Kassette ihre Verbrennungsluft erhält.
Je nach Gebäude und Feuerstätte kommen beispielsweise infrage:
- Verbrennungsluft aus dem Aufstellraum
- ein ausreichender Verbrennungsluftverbund mit angrenzenden Räumen
- eine dafür vorgesehene Außenluftzuführung
Welche Lösung erforderlich ist, hängt vom konkreten Gebäude, der Feuerstätte und den landesrechtlichen Vorgaben ab.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Häuser mit kontrollierter Wohnraumlüftung sowie Räume mit Abluftgeräten. Dazu gehören vor allem Dunstabzugshauben im Abluftbetrieb und Abluft-Wäschetrockner. Solche Geräte können Unterdruck erzeugen. Bei einer raumluftabhängigen Feuerstätte muss verhindert werden, dass dadurch Abgase in den Wohnraum gelangen.
Je nach Anlage können technische oder organisatorische Sicherheitsmaßnahmen erforderlich sein.
Brandschutz und Einbausituation nicht erst bei der Montage prüfen
Eine geschlossene Kassette kann wesentlich heißer beziehungsweise anders auf angrenzende Bauteile wirken als die bisherige offene Feuerstelle. Deshalb müssen Herstellerangaben zur Aufstellung und zum Einbau vollständig berücksichtigt werden.
Dabei geht es nicht nur um die sichtbare Front.
Zu prüfen sind unter anderem:
-
Seitliche und rückwärtige Umgebung
Hinter Kaminverkleidungen können brennbare Bauteile liegen, die ausreichenden Abstand oder zusätzlichen Schutz benötigen. -
Boden vor der Feuerstätte
Bei brennbaren Bodenbelägen kann ein geeigneter nichtbrennbarer Schutzbereich erforderlich sein. Maßgeblich sind die konkrete Feuerstätte und die geltenden Vorgaben. -
Warmluftführung
Bei manchen Einbausituationen wird die erwärmte Luft über dafür vorgesehene Bereiche oder Öffnungen abgeführt. Diese dürfen nicht beliebig verkleinert oder verschlossen werden. -
Reinigungszugang
Verbindungsstück und Schornstein müssen auch nach dem Einbau kontrolliert und gereinigt werden können. -
Abgasanschluss
Übergänge zwischen Kassette, Verbindungsstück und Schornstein müssen für die auftretenden Temperaturen geeignet und fachgerecht ausgeführt sein.
Gerade bei individuell gemauerten Altanlagen gibt es deshalb keine universelle Montagelösung. Zwei äußerlich ähnlich große offene Kamine können hinter der Verkleidung völlig unterschiedlich aufgebaut sein.
Welche Unterlagen du vor dem Kauf bereithalten solltest
Die Planung wird deutlich einfacher, wenn nicht erst nach der Bestellung nach technischen Angaben gesucht wird.
Hilfreich ist eine kleine Bestandsaufnahme:
Zum vorhandenen Kamin
- Fotos von Front, Feuerraum und Anschlussbereich
- Breite und Höhe der Öffnung
- Einbautiefe
- vorhandene Unterlagen oder alte Bauzeichnungen
- Informationen über frühere Umbauten
Zum Schornstein
- Querschnitt beziehungsweise vorhandene Abmessungen
- ungefähre wirksame Höhe
- Bauart
- bisher angeschlossene Feuerstätten
- vorhandene Angaben aus Feuerstättenbescheid oder Unterlagen des Schornsteinfegers
Zur geplanten Kassette
- Leistung
- zugelassene Brennstoffe
- notwendiger Förderdruck
- Abgastemperatur
- Abgasmassenstrom
- Rauchrohranschluss
- erforderliche Einbau- und Sicherheitsabstände
- Nachweise zu den geltenden Emissionsanforderungen
Gerade der letzte Punkt ist wichtig: Bei einer neuen Kassette sollte nicht einfach davon ausgegangen werden, dass die bisherige rechtliche Einordnung des offenen Kamins unverändert weitergilt. Die neu eingebaute geschlossene Feuerstätte benötigt die für sie erforderlichen Produkt- und Emissionsnachweise.
Sinnvoll ist deshalb, das konkrete Modell bereits vor dem endgültigen Kauf mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger beziehungsweise dem ausführenden Fachbetrieb abzustimmen. So können problematische Kombinationen erkannt werden, bevor eine maßgefertigte Kassette bestellt wurde.
Erst prüfen, dann Maß nehmen
Eine Kaminkassette kann einen vorhandenen offenen Kamin technisch deutlich verändern, ohne dass die komplette Kaminanlage abgerissen werden muss. Ob der Umbau sinnvoll funktioniert, entscheidet sich jedoch nicht allein an der Größe der Öffnung.
Der Bestand muss den Einbau hinsichtlich Brandschutz und Wärmebelastung zulassen, der Schornstein muss mit den Abgasdaten der neuen Feuerstätte harmonieren und die Versorgung mit Verbrennungsluft muss gesichert sein. Hinzu kommen mögliche Wechselwirkungen mit Lüftungs- und Abluftanlagen.
Am sinnvollsten ist deshalb die Reihenfolge: vorhandene Anlage prüfen, technische Rahmenbedingungen klären, passende Leistung bestimmen und erst anschließend eine geeignete Kassette auswählen beziehungsweise auf Maß fertigen lassen.






