Was muss ein Schornstein für einen Kaminofen erfüllen?
Ein Kaminofen benötigt einen Schornstein, der für die Abführung der Verbrennungsgase aus einer Feuerstätte für feste Brennstoffe geeignet ist. Entscheidend ist dabei unter anderem, dass die Abgasanlage den auftretenden Temperaturen standhält und bei einem möglichen Rußbrand ausreichend widerstandsfähig ist.
Bei modernen Kaminöfen kommt ein weiterer Punkt hinzu. Durch bessere Wirkungsgrade gelangt weniger Wärme in den Schornstein. Die Abgastemperaturen können dadurch niedriger ausfallen als bei älteren Öfen. Je nach Anlage kann deshalb ein Schornstein erforderlich sein, der neben der Rußbrandbeständigkeit auch gegen Feuchtigkeit und Korrosion ausreichend widerstandsfähig ist.
Für die Beurteilung spielen mehrere Werte zusammen:
- Nennwärmeleistung des Kaminofens
- Abgastemperatur
- Abgasmassenstrom
- erforderlicher Förderdruck des Ofens
- Innenquerschnitt des Schornsteins
- wirksame Schornsteinhöhe
- Verlauf und Länge des Rauchrohrs
- Wärmedämmung und Bauweise des Schornsteins
- Lage der Schornsteinmündung
Die notwendigen Angaben zur Feuerstätte findest du normalerweise in den technischen Unterlagen des Herstellers.
Besonders wichtig ist der Förderdruck, oft auch als Schornsteinzug bezeichnet. Durch die Temperaturdifferenz zwischen den heißen Abgasen im Schornstein und der Außenluft entsteht ein Unterdruck, der die Verbrennungsgase nach oben transportiert.
Ist der Förderdruck zu gering, kann das Feuer schlecht brennen, die Scheibe stärker verrußen oder beim Öffnen der Ofentür Rauch in den Raum gelangen. Ein deutlich zu hoher Förderdruck ist ebenfalls ungünstig, weil das Holz schneller abbrennen und sich das Betriebsverhalten des Ofens verändern kann.
Der Schornstein muss daher nicht möglichst groß oder möglichst hoch sein. Er muss zur Feuerstätte passen.
Welcher Schornsteindurchmesser ist richtig?
Bei Kaminöfen findet man häufig Rauchrohranschlüsse mit 130, 150 oder 160 Millimetern Durchmesser. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, welchen Innenquerschnitt der gesamte Schornstein benötigt.
Ein weit verbreiteter Denkfehler lautet: Je größer der Schornstein, desto besser zieht er. Tatsächlich kann auch ein zu großer Querschnitt problematisch sein. Die Abgase verteilen sich auf eine größere Fläche, können stärker abkühlen und dadurch an Geschwindigkeit verlieren. Bei ungünstigen Bedingungen reicht der thermische Auftrieb dann nicht mehr für einen stabilen Betrieb.
Ein zu kleiner Querschnitt kann wiederum den Abgasstrom behindern.
Eine grobe Übersicht:
Situation |
Mögliche Folge |
|---|---|
Schornsteinquerschnitt zu klein |
Abgase können nicht ausreichend abgeführt werden |
Schornsteinquerschnitt deutlich zu groß |
Abgase kühlen stärker aus, Förderdruck kann ungünstig werden |
Schornstein zu niedrig |
möglicherweise zu geringer natürlicher Förderdruck |
sehr starker Förderdruck |
schneller Abbrand und verändertes Verbrennungsverhalten |
ungeeigneter oder kalter Schornstein |
Kondensat, Ablagerungen oder Betriebsprobleme möglich |
Ob die Dimensionierung tatsächlich funktioniert, kann über eine Schornsteinberechnung beziehungsweise Querschnittsberechnung geprüft werden. Dafür werden die Daten der konkreten Feuerstätte und der geplanten Abgasanlage berücksichtigt. Für entsprechende Berechnungen wird unter anderem die DIN EN 13384 herangezogen.
Deshalb ist auch die häufig genannte Empfehlung „Für einen Kaminofen nimmt man einfach 150 Millimeter“ zu pauschal. 150 Millimeter sind bei vielen Anlagen anzutreffen, aber keineswegs eine allgemeingültige Vorgabe.
Muss der Schornstein genauso groß sein wie das Rauchrohr?
Nicht zwingend. Der Durchmesser des Rauchrohranschlusses am Ofen und der Innenquerschnitt des Schornsteins sind zwei unterschiedliche Größen.
Übergänge können abhängig von Feuerstätte und Abgasanlage technisch möglich sein. Ob eine Kombination funktioniert, sollte jedoch nicht nach Augenmaß entschieden werden. Maßgeblich sind die Herstellerangaben und gegebenenfalls die rechnerische Prüfung der Abgasanlage.
Gemauerter, keramischer oder Edelstahlschornstein?
Für einen Kaminofen kommen unterschiedliche Schornsteinarten infrage. Welches System sinnvoll ist, hängt vor allem davon ab, was am Gebäude bereits vorhanden ist und wo der Ofen aufgestellt werden soll.
Bestehender gemauerter Schornstein
In vielen älteren Häusern ist bereits ein gemauerter Schornstein vorhanden. Er kann grundsätzlich eine gute Ausgangsbasis sein, sofern Zustand, Querschnitt, Belegung und technische Eigenschaften zur neuen Feuerstätte passen.
Vor dem Anschluss sollte unter anderem geprüft werden:
- Ist der Schornstein noch in einem ordnungsgemäßen Zustand?
- Ist der betreffende Zug frei?
- Passt der Querschnitt zum Kaminofen?
- Ist der Schornstein für feste Brennstoffe geeignet?
- Bestehen Schäden oder Undichtigkeiten?
- Sind weitere Feuerstätten angeschlossen?
- Ist eine Sanierung des Schornsteins erforderlich?
Gerade alte Schornsteine besitzen teilweise große Querschnitte. Bei einem modernen Kaminofen mit niedrigeren Abgastemperaturen kann deshalb eine Sanierung mit einem geeigneten Innenrohr sinnvoll oder notwendig werden.
Systemschornstein mit keramischem Innenrohr
Bei Neubauten werden häufig mehrschalige Systemschornsteine eingesetzt. Sie bestehen beispielsweise aus einem keramischen Innenrohr, Dämmung und einem äußeren Mantel.
Solche Systeme können bereits während der Gebäudeplanung auf die spätere Feuerstätte abgestimmt werden. Je nach Ausführung eignen sie sich für unterschiedliche Brennstoffe und Betriebsweisen. Wer einen Neubau plant, sollte deshalb möglichst früh klären, welcher Kaminofen oder zumindest welche Art von Feuerstätte später angeschlossen werden soll.
Edelstahlschornstein
Ist kein geeigneter Schornstein vorhanden, kann ein doppelwandiger Edelstahlschornstein eine praktische Alternative sein. Er wird häufig außen an der Fassade geführt, kann unter bestimmten Voraussetzungen aber auch innerhalb eines Gebäudes errichtet werden.
Bei einem Außenschornstein ist eine gute Wärmedämmung wichtig. Sie hilft dabei, die Abgase auf Temperatur zu halten und einen stabilen Förderdruck zu unterstützen.
Ein Edelstahlschornstein ist also keineswegs nur eine Notlösung. Bei nachträglich eingebauten Kaminöfen kann er baulich sogar die unkompliziertere Variante sein.
Wie hoch muss der Schornstein sein?
Auch bei der Schornsteinhöhe gibt es keine pauschale Zahl wie „mindestens vier“ oder „mindestens fünf Meter“, die für jedes Gebäude und jeden Kaminofen gleichermaßen passt.
Für die Funktion ist zunächst die wirksame Schornsteinhöhe entscheidend. Je größer der Höhenunterschied innerhalb der Abgasanlage ist, desto stärker kann grundsätzlich der thermische Auftrieb ausfallen. Gleichzeitig beeinflussen Querschnitt, Abgastemperatur, Schornsteinbauart und Druckverluste das Ergebnis.
Daneben gibt es gesetzliche Anforderungen an die Position und Höhe der Schornsteinmündung.
Für nach dem 31. Dezember 2021 neu errichtete Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe gelten nach der 1. BImSchV besondere Ableitbedingungen. Die Austrittsöffnung muss grundsätzlich firstnah angeordnet sein und den Dachfirst mindestens 40 Zentimeter überragen. Für flach geneigte Dächer wird dabei mit einem rechnerischen Dachfirst gearbeitet.
Zusätzlich müssen umliegende Öffnungen berücksichtigt werden. Bei Feuerungsanlagen bis 50 kW muss die Schornsteinmündung innerhalb eines Umkreises von 15 Metern die Oberkanten vorhandener Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen grundsätzlich um mindestens einen Meter überragen.
Für bestimmte Bestandsgebäude, ältere Anlagen und wesentliche Änderungen gelten teilweise andere Regelungen beziehungsweise Ausnahmen. Auch die Bebauung in der Umgebung oder eine besondere Hanglage kann dazu führen, dass eine individuelle Berechnung der erforderlichen Mündungshöhe notwendig wird.
Die sichtbare Länge eines Edelstahlschornsteins an einer Fassade lässt daher noch keinen Rückschluss darauf zu, ob die Anlage technisch und rechtlich richtig dimensioniert ist.
Bestehenden Schornstein zuerst prüfen lassen
Wer bereits einen Schornstein besitzt, kann sich unter Umständen den Bau einer neuen Abgasanlage sparen. Das sollte jedoch geklärt werden, bevor der Kaminofen gekauft wird.
Ein sinnvoller Ablauf sieht so aus:
-
Geplanten Standort des Kaminofens festlegen.
Dabei bereits an den Verlauf des Rauchrohrs und mögliche Abstände denken. -
Bestehenden Schornstein prüfen lassen.
Material, Innenquerschnitt, Höhe, Zustand und bestehende Anschlüsse sind dabei relevant. -
Technische Daten des gewünschten Kaminofens abgleichen.
Besonders wichtig sind Abgastemperatur, Abgasmassenstrom und erforderlicher Förderdruck. -
Bei Bedarf eine Schornsteinberechnung durchführen.
Damit lässt sich prüfen, ob die Kombination unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen funktioniert. - Erst danach die endgültige Ausführung festlegen.
Auch eine Mehrfachbelegung eines Schornsteins ist nicht automatisch ausgeschlossen. Ob mehrere Feuerstätten an denselben Schornsteinzug angeschlossen werden können, hängt jedoch von der Bauart der Geräte, der Abgasanlage, den Herstellerangaben und der konkreten Einbausituation ab. Eine bestehende Belegung sollte deshalb immer in die Planung einbezogen werden.
Bevor eine neu errichtete oder wesentlich veränderte Feuerungsanlage erstmals genutzt wird, erfolgt außerdem die vorgeschriebene Überprüfung durch den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Es ist deshalb sinnvoll, diesen bereits vor dem Kauf beziehungsweise vor baulichen Änderungen einzubeziehen. So lässt sich vermeiden, dass ein Ofen ausgewählt wird, der mit dem vorhandenen Schornstein nicht sinnvoll betrieben werden kann.
Entscheidend ist das gesamte Abgassystem
Für einen Kaminofen brauchst du keinen bestimmten Schornsteintyp, der grundsätzlich für alle Modelle funktioniert. Ein vorhandener gemauerter Schornstein kann ebenso geeignet sein wie ein moderner keramischer Systemschornstein oder ein nachträglich montierter Edelstahlschornstein.
Entscheidend ist, dass Material, Querschnitt, wirksame Höhe und Mündung zur konkreten Feuerstätte passen und der notwendige Förderdruck erreicht wird. Gerade bei bestehenden Schornsteinen lohnt sich deshalb die Prüfung vor dem Ofenkauf. Ein vorhandener Schornstein ist zwar ein guter Ausgangspunkt, aber noch keine Garantie dafür, dass sich jeder beliebige Kaminofen daran anschließen lässt.





