Erst messen, dann entscheiden, welches Rohrstück gekürzt wird
Bevor die Trennscheibe angesetzt wird, sollte die komplette Verbindung zwischen Ofenstutzen und Schornsteinanschluss probeweise geplant werden. Dabei reicht es nicht, einfach die sichtbare Strecke mit dem Zollstock auszumessen. Rohrteile werden ineinandergesteckt, wodurch sich die tatsächlich wirksame Länge verkürzt.
Ein Beispiel: Zwischen einem Bogen und dem Wandfutter fehlen rechnerisch 420 Millimeter. Ein 500 Millimeter langes Rauchrohr muss deshalb nicht automatisch um 80 Millimeter gekürzt werden. Ein Teil seiner Länge verschwindet beim Zusammenstecken in der Verbindung.
Deshalb sollten vor dem Kürzen mehrere Punkte feststehen:
- Durchmesser des Ofenanschlusses
- Durchmesser des Schornsteinanschlusses
- benötigte Einstecktiefe der Rohrverbindungen
- Position von Bögen und anderen Formteilen
- Einschubtiefe in Wandfutter oder Anschlussstück
- vorgeschriebene Abstände zu brennbaren Bauteilen
- Bewegungsraum für die Montage
Gerade der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Ein Rohr kann auf dem Papier millimetergenau passen und sich trotzdem nicht montieren lassen, weil es zum Zusammenstecken zunächst einige Zentimeter bewegt werden muss.
Hilfreich ist daher eine Probemontage ohne endgültige Befestigung. Erst wenn klar ist, welches gerade Längenelement tatsächlich zu lang ist, sollte die Schnittlinie angezeichnet werden.
Auch Teleskop- oder Schiebeelemente können eine Alternative sein. Sie erlauben innerhalb ihres vorgesehenen Verstellbereichs eine Längenanpassung, ohne ein normales Rohrstück durchtrennen zu müssen.
Nicht jedes Rauchrohr lässt sich auf dieselbe Weise kürzen
Rauchrohr ist nicht gleich Rauchrohr. Schon äußerlich ähnliche Bauteile können verschiedene Verbindungstechniken besitzen. Deshalb ist die Herstelleranleitung wichtiger als eine pauschale Aussage wie „Ofenrohre kann man einfach absägen“.
Bei einem klassischen einwandigen Stahlrohr besteht häufig eine Seite aus einer eingezogenen Steckseite und die andere aus der dazu passenden Aufnahme. Soll ein solches Element gekürzt werden, muss die Seite erhalten bleiben, die für die anschließende Verbindung benötigt wird.
Bei anderen Systemen übernimmt eine Muffe oder Sicke eine feste Funktion. Wird genau dieser Bereich abgeschnitten, fehlt anschließend die vorgesehene Verbindung.
Besondere Vorsicht ist bei folgenden Bauteilen sinnvoll:
Rohrtyp |
Was vor dem Kürzen geprüft werden muss |
|---|---|
Einwandiges Stahlrauchrohr |
Welche Rohrseite für die nächste Steckverbindung benötigt wird |
Emailliertes Rauchrohr |
Ob der Hersteller eine Bearbeitung zulässt und wie mit der beschädigten Oberfläche umzugehen ist |
Edelstahl-Verbindungsstück |
Welche Muffe oder Sicke erhalten bleiben muss |
Doppelwandiges Element |
Ob Innenrohr, Dämmung und Außenmantel nach Herstellervorgabe gekürzt werden dürfen |
Teleskop- oder Schiebeelement |
Ob eine zusätzliche Kürzung überhaupt vorgesehen ist |
Formstück oder Bogen |
In der Regel nicht wie ein gewöhnliches gerades Längenelement behandeln |
Vor allem doppelwandige Elemente solltest du nicht nach dem Prinzip „zwei Rohre und etwas Dämmung dazwischen“ bearbeiten. Innenrohr, Außenmantel, Dämmstoff und Verbindungssystem bilden eine fest definierte Konstruktion. Manche Systeme besitzen ausdrücklich kürzbare Längenelemente und nennen dafür einen konkreten Arbeitsablauf. Bei anderen Bauteilen ist das nicht vorgesehen.
Ist die Montageanleitung nicht eindeutig, ist ein kürzeres Originalelement meist die vernünftigere Wahl.
So entsteht eine gerade und saubere Schnittkante
Ist das Rohr zum Kürzen freigegeben, kommt es vor allem auf einen rechtwinkligen Schnitt an. Eine schräge Kante macht sich spätestens beim Zusammenstecken bemerkbar: Das Rohr sitzt nicht sauber, verkantet oder lässt sich nur auf einer Seite ausreichend tief einschieben.
Schnittlinie vollständig markieren
Die gewünschte Länge sollte an mehreren Stellen rund um das Rohr gemessen werden. Anschließend wird die Schnittlinie einmal vollständig um den Umfang übertragen.
Praktisch funktioniert das beispielsweise mit einem geraden Papier- oder Kartonstreifen, der sauber um das Rohr gelegt wird. Stimmen Anfang und Ende des Streifens überein, entsteht eine rechtwinklige Führung für die Markierung.
Dabei sollte immer berücksichtigt werden, welche Steckseite erhalten bleiben muss. Erst schneiden und anschließend überlegen, wo die Muffe geblieben ist, ist eine überraschend effektive Methode, ein neues Rohr bestellen zu müssen.
Werkzeug passend zum Material wählen
Welche Maschine sinnvoll ist, hängt von Material und Wandstärke ab. Für Stahlrauchrohre kommen beispielsweise Metalltrennwerkzeuge infrage. Wichtig ist eine kontrollierte Schnittführung.
Bei Edelstahl gelten zusätzliche Anforderungen an das Werkzeug. Schleif- und Trennmittel sollten für Edelstahl geeignet sein. Werkzeuge, die zuvor intensiv an gewöhnlichem Stahl verwendet wurden, können Fremdpartikel auf die Oberfläche übertragen und Korrosion begünstigen.
Beim Arbeiten sollte das Rohr außerdem sicher fixiert sein. Ein rollendes Rohr und eine laufende Trennscheibe sind keine besonders überzeugende Kombination.
Nach dem Schnitt gründlich entgraten
Nach dem Kürzen bleiben fast immer scharfe Grate zurück. Sie müssen innen und außen entfernt werden.
Das hat gleich mehrere Gründe:
- Die Rohrteile lassen sich leichter zusammenstecken.
- Die Schnittkante kann andere Bauteile nicht beschädigen.
- Dichtungen werden bei entsprechenden Systemen geschützt.
- Verletzungen bei der Montage werden vermieden.
- Die Steckverbindung sitzt gleichmäßiger.
Anschließend sollten Metallspäne und Schleifrückstände vollständig aus dem Rohr entfernt werden. Fremdkörper haben im späteren Abgasweg nichts verloren.
Beschichtete oder lackierte Rauchrohre können an der Schnittfläche blankes Metall zeigen. Ob und womit diese Stelle behandelt werden darf, richtet sich nach dem jeweiligen Produkt und den Vorgaben des Herstellers.
Steckverbindungen müssen nach dem Kürzen weiterhin vollständig funktionieren
Das eigentliche Ziel ist nicht ein Rohr mit der richtigen Länge, sondern eine dauerhaft passende Verbindung zwischen Feuerstätte und Schornstein.
Die Rohrteile müssen deshalb in der vom jeweiligen System vorgesehenen Orientierung zusammengesteckt werden. Bei einem verbreiteten Prinzip für Verbindungsstücke zeigt die eingezogene Rohrseite in Richtung des Abgasstroms. Andere Systeme können konstruktiv anders aufgebaut sein. Maßgeblich bleibt deshalb die Montageanleitung.
Wichtig ist außerdem eine ausreichende Einstecktiefe. Zwei Rohrstücke sollten nicht nur wenige Millimeter ineinanderstecken, weil die Gesamtlänge sonst zufällig besser passt. Die vorgesehene Verbindung muss vollständig genutzt werden.
Nach der Montage sollte die Strecke kontrolliert werden:
- Sind alle Steckstellen ausreichend tief verbunden?
- Sitzen die Rohrteile spannungsfrei?
- Haben sich Bögen oder Anschlussstücke verdreht?
- Bleibt der erforderliche Abstand zu brennbaren Materialien erhalten?
- Ist das Wandfutter beziehungsweise Anschlussstück korrekt erreicht?
- Sind eventuell vorgesehene Klemmbänder oder Sicherungen montiert?
Rohrteile sollten nicht unter Spannung zwischen Ofen und Wandanschluss gezwängt werden. Wärme führt während des Betriebs zu Materialausdehnung. Eine Konstruktion, die bereits kalt verspannt sitzt, ist keine gute Ausgangslage.
Improvisierte Lösungen mit Schrauben, Klebebändern oder gewöhnlicher Dichtmasse sind ebenfalls keine Ersatzlösung für eine nicht passende Steckverbindung. Befestigungs- und Dichtmittel dürfen nur dort eingesetzt werden, wo sie für das betreffende System vorgesehen und temperaturbeständig sind.
Wann das Kürzen besser dem Fachbetrieb überlassen wird
Ein gerades, vom Hersteller ausdrücklich kürzbares Rohrstück ist technisch etwas anderes als eine komplette Neuplanung des Ofenanschlusses. Sobald mehrere Unsicherheiten zusammenkommen, sollte nicht ausschließlich nach dem verfügbaren Platz entschieden werden.
Das betrifft beispielsweise Situationen, in denen:
- der vorhandene Schornsteinanschluss versetzt werden müsste,
- mehrere Bögen erforderlich sind,
- das Rauchrohr sehr nah an brennbaren Bauteilen verläuft,
- eine Wand oder Decke aus brennbaren Baustoffen durchquert wird,
- der Rohrdurchmesser verändert werden soll,
- ein doppelwandiges System angepasst werden muss,
- die Steckrichtung nicht eindeutig erkennbar ist,
- Bauteile verschiedener Systeme kombiniert werden sollen.
Besonders der letzte Punkt verdient Aufmerksamkeit. Zwei Rohre können denselben Nenndurchmesser besitzen und trotzdem nicht füreinander vorgesehen sein. Materialstärke, Steckmaß, Muffengeometrie und Verbindungstechnik können sich unterscheiden.
Auch Sicherheitsabstände lassen sich nicht allein aus dem Rohrdurchmesser ableiten. Je nach Produkt, Temperaturklassifizierung, Einbausituation und baulicher Umgebung gelten unterschiedliche Vorgaben. Zusätzlich sind die Angaben der Feuerstätte sowie die jeweiligen bau- und feuerungsrechtlichen Anforderungen zu beachten.
Vor der ersten Nutzung muss schließlich die gesamte Feuerungsanlage für den vorgesehenen Betrieb geeignet sein. Deshalb ist es sinnvoll, ungewöhnliche Anschlusslösungen frühzeitig mit dem zuständigen Schornsteinfeger oder Fachbetrieb abzustimmen und nicht erst dann, wenn alle Rohre bereits zugeschnitten sind.
Sauber angepasst heißt mehr als millimetergenau
Ein passend gekürztes Rauchrohr erkennt man nicht nur daran, dass es zwischen Ofen und Schornstein passt. Die vorgesehene Steckseite bleibt erhalten, die Schnittkante ist gerade und entgratet und sämtliche Verbindungen greifen so ineinander, wie es der Hersteller vorgesehen hat.
Vor dem Kürzen lohnt deshalb der Blick in die Montageunterlagen. Gerade bei doppelwandigen, beschichteten oder speziellen Systemelementen ist eine eigenmächtige Bearbeitung nicht automatisch zulässig.
Wenn Standardlängen ungünstig liegen, können kürzere Längenelemente oder verstellbare Bauteile zudem die bessere Lösung sein. Ein paar Zentimeter Material einzusparen ist schließlich wenig gewonnen, wenn anschließend eine Steckverbindung nicht mehr richtig passt.






