Was genau wird bei einer Kernbohrung gemacht?
Eine Kernbohrung erzeugt eine kreisrunde Öffnung in Mauerwerk, Beton oder einem anderen mineralischen Baustoff. Statt das Material mit Hammer und Meißel Stück für Stück herauszubrechen, arbeitet eine Kernbohrmaschine mit einer hohlen Bohrkrone. Häufig kommen diamantbesetzte Bohrkronen zum Einsatz.
Beim Bohren wird dadurch nicht die gesamte Fläche zerkleinert. Im Inneren der Bohrkrone bleibt ein zylindrisches Stück des Baustoffs stehen – der sogenannte Bohrkern. Nach Abschluss der Bohrung kann dieser entfernt werden.
Das Verfahren hat beim Schornsteinanschluss mehrere Vorteile:
- Die Öffnung lässt sich sehr genau positionieren.
- Der Durchmesser kann passend zum vorgesehenen Anschluss hergestellt werden.
- Die Kanten werden vergleichsweise sauber.
- Das umliegende Mauerwerk wird weniger erschüttert als bei groben Stemmarbeiten.
- Der spätere Anschluss lässt sich kontrollierter einsetzen und abdichten.
Je nach Baustoff und eingesetzter Maschine wird trocken oder mit Wasser gearbeitet. Professionelle Kernbohrgeräte können außerdem mit einer Absaugung kombiniert werden. Eine Kernbohrung bedeutet deshalb nicht zwangsläufig, dass anschließend das gesamte Zimmer mit feinem Bohrstaub bedeckt ist.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen einer einfachen Wandöffnung und einem Eingriff in einen Schornstein. Beim Schornstein geht es nicht nur darum, irgendwie ein Loch in die Wand zu bekommen. Die Abgasanlage muss anschließend weiterhin dicht, betriebssicher und für die angeschlossene Feuerstätte geeignet sein.
Bevor gebohrt wird, müssen Position und Anschluss feststehen
Der eigentliche Bohrvorgang ist häufig der unkomplizierteste Teil. Mehr Planung steckt in der Frage, wo und in welcher Größe gebohrt werden soll.
Zunächst muss geklärt sein, wo der Kaminofen später steht. Daraus ergibt sich die Lage des Rauchrohrs und damit die Position des Schornsteinanschlusses.
Dabei spielen mehrere Punkte zusammen:
Zu prüfen |
Warum es wichtig ist |
|---|---|
Anschluss am Kaminofen |
Je nach Modell befindet er sich oben, hinten oder bietet mehrere Möglichkeiten. |
Rauchrohrdurchmesser |
Er muss zur Feuerstätte und zum vorgesehenen Anschluss passen. |
Höhe der Anschlussöffnung |
Sie bestimmt den Verlauf des Rauchrohrs zwischen Ofen und Schornstein. |
Schornsteinaufbau |
Gemauerte und mehrschalige Systeme werden unterschiedlich bearbeitet. |
Brennbare Bauteile |
Holzdecken, Wandverkleidungen oder andere brennbare Materialien müssen berücksichtigt werden. |
Reinigungs- und Wartungsmöglichkeiten |
Das Verbindungsstück muss später zugänglich und kontrollierbar bleiben. |
Gerade die Höhe sollte deshalb nicht nach Augenmaß festgelegt werden. Ein paar Zentimeter können darüber entscheiden, ob das Rauchrohr anschließend sinnvoll geführt werden kann.
Auch beim Durchmesser ist Vorsicht angebracht. Hat ein Kaminofen beispielsweise einen Rauchrohranschluss mit 150 Millimetern, bedeutet das nicht automatisch, dass einfach eine 150-Millimeter-Kernbohrung gesetzt wird.
Zwischen Rauchrohr und Schornstein sitzt normalerweise ein dafür vorgesehenes Anschlussbauteil, beispielsweise ein Wandfutter. Dessen Außenmaß sowie die Vorgaben des Schornsteinherstellers bestimmen, wie groß die Öffnung tatsächlich werden muss.
Deshalb gilt praktisch: erst Anschlusslösung festlegen und Bauteile prüfen, dann den Bohrdurchmesser bestimmen – nicht andersherum.
So entsteht der Anschluss Schritt für Schritt
Ist geklärt, dass der vorhandene Schornstein für die Feuerstätte geeignet ist und sind Position sowie Anschlussart abgestimmt, kann die Öffnung hergestellt werden.
1. Bohrstelle exakt markieren
Zuerst wird die Mittelachse des späteren Anschlusses festgelegt. Dabei wird der geplante Standort des Ofens ebenso berücksichtigt wie der Verlauf des Rauchrohrs.
Eine falsch gesetzte Öffnung lässt sich nicht einfach verschieben. Vor dem Bohren muss daher nicht nur der Schornsteinaufbau bekannt sein: Lass auch verdeckte Strom-, Gas- und Wasserleitungen sowie tragende Bauteile und Bewehrungen im Bohrbereich prüfen. Eine Kernbohrung darf erst erfolgen, wenn die vorgesehene Stelle technisch und statisch dafür geeignet ist.
2. Kernbohrmaschine ausrichten
Die Maschine muss stabil und möglichst exakt zur geplanten Bohrachse positioniert werden. Je nach Gerät erfolgt die Befestigung beispielsweise über einen Bohrständer.
Anschließend arbeitet sich die Bohrkrone durch das Material. Zurück bleibt eine runde Öffnung mit einem herausnehmbaren Bohrkern.
Wie aufwendig dieser Schritt ist, hängt stark vom Aufbau ab. Eine massive Mauerwerkswand verhält sich anders als Stahlbeton oder ein moderner Systemschornstein.
3. Schornsteinaufbau berücksichtigen
Bei einem einschaligen gemauerten Schornstein führt die Öffnung unmittelbar zum Schornsteinzug. Bei modernen Systemschornsteinen können dagegen mehrere Schichten vorhanden sein, beispielsweise:
- äußerer Mantelstein,
- Dämmschicht,
- keramisches Innenrohr.
Gerade das keramische Innenrohr darf nicht einfach mit groben Schlägen herausgebrochen werden. Keramik kann reißen oder weiter ausbrechen als vorgesehen. Welche Anschlusslösung verwendet wird, richtet sich deshalb nach dem jeweiligen Schornsteinsystem.
Hersteller bieten für solche Fälle häufig passende Anschlussstutzen oder Formteile an.
4. Wandfutter oder Anschlussstutzen einsetzen
In die vorbereitete Öffnung kommt anschließend das vorgesehene Anschlussbauteil. Das kann bei einem gemauerten Schornstein beispielsweise ein Wandfutter sein, bei einem Systemschornstein eine dafür vorgesehene Anschlusslösung.
Das Bauteil bildet den Übergang zwischen Rauchrohr und Schornstein.
Der Bereich rund um den Anschluss wird mit dafür geeigneten Materialien geschlossen. Entscheidend ist, dass die Konstruktion zum jeweiligen Schornsteinsystem passt und der Abgasweg anschließend fachgerecht hergestellt ist.
5. Rauchrohr anschließen
Erst danach wird das Rauchrohr zwischen Kaminofen und Wandanschluss montiert. Es führt die heißen Abgase vom Ofen in den Schornstein.
Dabei müssen neben der Passgenauigkeit auch die notwendigen Abstände zu brennbaren Bauteilen berücksichtigt werden. Welche Werte einzuhalten sind, hängt unter anderem vom Ofen, vom Rauchrohr, von dessen Ausführung sowie von der baulichen Situation ab.
Warum der vorhandene Schornstein entscheidend ist
Eine sauber gebohrte Öffnung nützt wenig, wenn der Schornstein nicht zur Feuerstätte passt. Vor einer Kernbohrung sollte deshalb immer zuerst die Abgasanlage betrachtet werden.
Relevant sind unter anderem Querschnitt, Höhe, Zustand und bisherige Nutzung des Schornsteins. Bei älteren Anlagen kann außerdem eine Sanierung erforderlich werden, bevor ein moderner Kaminofen angeschlossen werden kann.
Besondere Aufmerksamkeit brauchen mehrschalige Systemschornsteine. Ihr keramisches Innenrohr ist ein funktionaler Bestandteil der Abgasführung und darf nicht wie gewöhnliches Mauerwerk behandelt werden.
Auch vorhandene Anschlüsse sind nicht automatisch für einen neuen Ofen geeignet. Vielleicht sitzt die alte Öffnung zu hoch, hat einen anderen Durchmesser oder gehört zu einer Anschlussart, die für die neue Feuerstätte nicht passt. Ein vorhandenes Loch spart deshalb nicht in jedem Fall eine neue Anschlussöffnung.
Kernbohrung und Wanddurchführung sind nicht immer dasselbe
Bei einem außenliegenden Edelstahlschornstein sieht die Situation noch einmal anders aus. Dort muss das Rauchrohr häufig zunächst durch die Außenwand geführt werden, bevor es den Schornstein erreicht.
Dann entsteht eine Wanddurchführung und nicht einfach nur eine Öffnung in einen gemauerten Schornsteinzug. Bei gedämmten Fassaden, Holzkonstruktionen oder anderen brennbaren Baustoffen werden dafür geeignete Durchführungslösungen benötigt.
Gerade hier sollten Brandschutz und Wandaufbau vorher bekannt sein. Eine nachträglich entdeckte Holzständerkonstruktion oder Fassadendämmung kann die ursprünglich geplante Anschlusslösung verändern.
Was Heimwerker bei einer Kernbohrung häufig unterschätzen
Technisch betrachtet lässt sich eine Kernbohrmaschine mieten. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass der Schornsteinanschluss ein sinnvoller Versuch für den ersten Umgang mit dem Gerät ist.
Einige Fehler lassen sich nachträglich nur mit zusätzlichem Aufwand korrigieren.
Zu früh gebohrt
Der Ofen ist noch nicht endgültig ausgewählt, das Wandfutter noch nicht vorhanden und trotzdem wird bereits eine Öffnung hergestellt. Später stellt sich heraus, dass Höhe oder Durchmesser nicht passen.
Nur den Rauchrohrdurchmesser berücksichtigt
Der Nenndurchmesser des Rauchrohrs ist nicht zwangsläufig der benötigte Bohrdurchmesser. Maßgeblich ist die komplette Anschlusskonstruktion.
Schornsteinaufbau nicht geprüft
Von außen sieht man einem Schornstein nicht immer an, welche Schichten sich dahinter befinden. Besonders keramische Innenrohre verlangen eine passende Bearbeitung.
Brennbare Bauteile erst später bemerkt
Holzbalken, Holzdecken, Verkleidungen oder eine brennbare Dämmung können Einfluss auf die Position und Ausführung des Rauchrohrs haben.
Ofen direkt nach der Montage benutzt
Eine neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungsanlage muss vor der ersten Inbetriebnahme geprüft werden. Außerdem müssen eingesetzte Mörtel und andere Montagewerkstoffe gegebenenfalls zunächst ausreichend abbinden.
Der sinnvollste Ablauf beginnt deshalb nicht mit der Bohrmaschine, sondern mit der Planung der gesamten Feuerstätte: Ofen, Aufstellort, Schornstein, Anschluss und Verbrennungsluft müssen zusammenpassen.
Gut geplant ist die Bohrung meist der kurze Teil
Eine Kernbohrung schafft eine präzise Öffnung für den Rauchrohranschluss und ist bei vielen nachträglich eingebauten Kaminöfen ein normaler Arbeitsschritt. Entscheidend ist jedoch, was vor und nach der Bohrung passiert.
Position und Durchmesser sollten erst festgelegt werden, wenn Ofen, Rauchrohr und Anschlussbauteile bekannt sind. Ebenso muss klar sein, welcher Schornsteintyp vorhanden ist. Bei Systemschornsteinen mit keramischem Innenrohr gelten andere Anforderungen als bei einfachem Mauerwerk.
Wer den Anschluss vorab mit dem zuständigen Schornsteinfeger beziehungsweise einem Fachbetrieb abstimmt, verhindert vor allem eines: ein technisch sauber gebohrtes Loch an der falschen Stelle.




