Zuerst klären, welche Wärmebereiche rund um den Kamin entstehen
Ein Kaminofen erwärmt seine Umgebung hauptsächlich durch Wärmestrahlung und Konvektion. Für die Sitzbank ist besonders die Strahlungswärme wichtig. Sie trifft Oberflächen direkt und kann Materialien erheblich erwärmen.
Der kritischste Bereich befindet sich häufig vor der Feuerraumscheibe. Je nach Bauform kann sich der Strahlungsbereich auch deutlich seitlich erstrecken. Bei einem Kaminofen mit großen Seitenscheiben sieht die Situation daher anders aus als bei einem Modell mit ausschließlich frontaler Scheibe.
Hersteller geben für ihre Geräte konkrete Mindestabstände zu brennbaren oder wärmeempfindlichen Materialien an. Diese Werte können beispielsweise unterscheiden zwischen:
- Abstand vor der Sichtscheibe,
- seitlichem Abstand zum Ofenkörper,
- Abstand hinter dem Gerät,
- Abstand im seitlichen Strahlungsbereich,
- Abstand nach oben,
- Abstand zum Rauchrohr.
Die Unterschiede zwischen einzelnen Modellen sind erheblich. Bei manchen Geräten werden vor der Scheibe beispielsweise 80 Zentimeter gefordert, bei anderen 100 Zentimeter oder mehr. Seitlich können wiederum wesentlich kleinere Werte zulässig sein.
Deshalb sollte zuerst die Montage- oder Bedienungsanleitung des konkreten Geräts geprüft werden. Ein allgemeiner Wert aus einem Ratgeber kann diese Herstellerangaben nicht ersetzen.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen Eckscheiben, dreiseitig verglaste Öfen und Tunnelkamine. Hier kann die Wärmestrahlung genau in den Bereich gelangen, in dem eine seitlich angeordnete Sitzbank geplant wird.
Welches Material eignet sich für eine Sitzbank am Kamin?
Bei der Materialwahl sollte zwischen der eigentlichen Konstruktion und der späteren Sitzfläche unterschieden werden. Eine massive Bank aus mineralischen Baustoffen kann brandschutztechnisch deutlich unproblematischer sein als eine Bank aus Holz. Sobald jedoch eine Holzauflage oder ein dickes Sitzpolster daraufliegt, verändert sich die Situation.
Eine grobe Einordnung hilft bei der Planung:
Material |
Verhalten in Kaminnähe |
Worauf du achten solltest |
|---|---|---|
Naturstein |
nichtbrennbar und wärmespeichernd |
Oberfläche kann sehr warm werden |
Beton |
nichtbrennbar und robust |
Wärmestau und Oberflächentemperatur berücksichtigen |
Ziegel oder mineralisches Mauerwerk |
gut für feste Konstruktionen geeignet |
fachgerechten Aufbau beachten |
Keramik |
temperaturbeständig |
Untergrund und Kleber müssen ebenfalls geeignet sein |
Holz |
brennbar |
vorgeschriebene Sicherheitsabstände zwingend einhalten |
Holzwerkstoffe |
brennbar und teilweise wärmeempfindlich |
Klebstoffe und Beschichtungen berücksichtigen |
Polster und Textilien |
meist brennbar und wärmeempfindlich |
nicht in vorgeschriebene Sicherheitsbereiche hineinragen lassen |
Naturstein und gemauerte Sitzflächen
Naturstein, Ziegel oder andere mineralische Materialien sind für feste Kaminbänke naheliegend. Sie können Wärme aufnehmen und langsam wieder abgeben.
Das bedeutet allerdings nicht, dass eine Steinbank beliebig nah an der Feuerstätte stehen darf. Auch nichtbrennbare Bauteile können die Luftzirkulation am Kamin beeinflussen oder konstruktiv unzulässig angeordnet sein.
Außerdem muss die Nutzung berücksichtigt werden. Eine Oberfläche, die technisch problemlos eine höhere Temperatur erreicht, kann zum Sitzen bereits unangenehm sein.
Holz benötigt deutlich mehr Aufmerksamkeit
Eine Holzbank kann gestalterisch gut funktionieren, muss jedoch als brennbares Bauteil behandelt werden. Das gilt nicht nur für die sichtbare Sitzfläche.
Zur Konstruktion gehören möglicherweise auch:
- Holzlatten,
- Träger,
- Span- oder MDF-Platten,
- Rückenlehnen,
- Sockel,
- Befestigungselemente,
- Wandverkleidungen.
Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, eine Steinplatte zwischen Kamin und Holzbank vorzusehen und davon auszugehen, dass damit automatisch kleinere Abstände möglich werden. Ein solcher Wärmeschutz muss jedoch fachlich passend aufgebaut sein. Eine einzelne Platte direkt vor einem brennbaren Bauteil erfüllt diese Aufgabe nicht zwangsläufig.
Sicherheitsabstände nicht nur vom Ofenkörper aus messen
Bei der Planung lohnt es sich, den Grundriss rund um die Feuerstätte in verschiedene Bereiche aufzuteilen. Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Wie weit steht die Bank vom Kamin entfernt?“
Wichtiger ist: Von welchem Bauteil wird der Abstand gemessen und in welchem Wärmebereich befindet sich die Bank?
Der Bereich vor der Feuerraumscheibe
Vor der Sichtscheibe entstehen meist die höchsten Anforderungen gegenüber brennbaren Möbeln und Einrichtungsgegenständen. Eine quer vor dem Kamin verlaufende Holzbank kann deshalb problematisch sein, selbst wenn der Abstand zum Metallgehäuse auf den ersten Blick ausreichend erscheint.
Auch ein Polster auf einer ansonsten mineralischen Bank zählt hier als wärmeempfindliches beziehungsweise brennbares Material.
Seitlich neben dem Kamin
Seitliche Sitzbänke sind häufig einfacher zu planen. Trotzdem darf nicht automatisch der normale seitliche Wandabstand des Ofens übernommen werden.
Die Feuerraumscheibe kann Wärme schräg zur Seite abstrahlen. Einige Hersteller unterscheiden daher ausdrücklich zwischen dem normalen Seitenabstand und einem größeren Abstand innerhalb des Strahlungsbereichs.
Bei einem Ofen mit seitlicher Verglasung wird dieser Punkt noch wichtiger.
Rauchrohr nicht vergessen
Über einer Sitzbank können Regale, Rückenlehnen oder Wandverkleidungen geplant sein. Befindet sich dort gleichzeitig das Rauchrohr, entsteht ein weiterer Sicherheitsbereich.
Auch Verbindungsstücke zwischen Feuerstätte und Schornstein benötigen ausreichenden Abstand zu brennbaren Baustoffen. Deshalb sollte nicht ausschließlich die Position des eigentlichen Ofens betrachtet werden.
Funkenschutz vor der Feuerungsöffnung
Bei brennbaren Fußböden ist vor Feuerstätten für feste Brennstoffe normalerweise ein nichtbrennbarer Schutz erforderlich. Häufig erstreckt sich dieser mindestens 50 Zentimeter nach vorn und 30 Zentimeter seitlich über die Feuerungsöffnung; konkrete Herstellerangaben können hiervon abweichen oder weitergehende Anforderungen stellen.
Eine fest eingebaute Bank darf die sichere Bedienung der Feuerraumtür und den erforderlichen Bodenbereich nicht beeinträchtigen.
Sitzkomfort und Brandschutz gemeinsam planen
Brandschutz ist nur die eine Hälfte der Planung. Eine Bank kann sämtliche Mindestabstände erfüllen und trotzdem an einer ungünstigen Stelle stehen.
Direkte Wärmestrahlung fühlt sich in kurzer Entfernung schnell intensiv an. Besonders Beine und Gesicht können unangenehm warm werden, obwohl die Raumtemperatur noch moderat ist.
Eine praktische Sitzbank sollte daher genügend Distanz bieten und möglichst nicht direkt vor der größten Glasfläche liegen.
Auch diese Punkte sind sinnvoll:
Genügend Bewegungsraum:
Die Feuerraumtür muss sich vollständig öffnen lassen. Holzscheite sollten nachgelegt werden können, ohne dass eine sitzende Person oder die Bank im Weg ist.
Reinigung ermöglichen:
Asche, Holzreste und Staub sammeln sich rund um Feuerstätten schnell. Eine fest gemauerte Konstruktion sollte deshalb keine schwer erreichbaren Zwischenräume erzeugen.
Polster abnehmbar planen:
Lose Sitzkissen lassen sich außerhalb der Heizsaison verwenden und bei starkem Betrieb entfernen. Entscheidend bleibt allerdings, dass sie während der Nutzung niemals innerhalb eines für brennbare Gegenstände freizuhaltenden Bereichs liegen.
Temperatur der Sitzfläche bedenken:
Stein und Keramik können Wärme speichern. Je näher die Sitzfläche an der Feuerstätte liegt, desto sinnvoller ist es, bereits in der Planung abzuschätzen, wie stark sie sich bei längerer Nutzung erwärmt.
Luftzirkulation nicht blockieren:
Bei konvektionsgeführten Geräten befinden sich teilweise Luftein- oder Luftaustritte an bestimmten Stellen des Gehäuses. Eine Bank darf solche Öffnungen nicht verdecken.
Gerade bei individuell errichteten Heizkaminen oder Kachelöfen lässt sich eine Sitzbank teilweise konstruktiv in die gesamte Anlage integrieren. Dann sollte sie jedoch Bestandteil der fachlichen Planung sein und nicht nachträglich unmittelbar an die Feuerstätte angebaut werden.
So gehst du bei einer festen Kaminbank sinnvoll vor
Bei einer mobilen Bank kannst du den Standort später verändern. Bei einer gemauerten oder fest verschraubten Konstruktion wird eine falsche Position dagegen schnell teuer. Deshalb lohnt sich eine klare Reihenfolge.
-
Exaktes Kaminmodell festlegen.
Erst wenn das Gerät bekannt ist, lassen sich dessen Sicherheitsabstände zuverlässig berücksichtigen. -
Herstellerunterlagen prüfen.
Markiere Front-, Seiten-, Rück- und Strahlungsbereiche direkt im Grundriss. -
Bankmaterial vollständig erfassen.
Nicht nur die sichtbare Oberfläche zählt. Auch Unterkonstruktion, Rückenlehne, Polster und angrenzende Verkleidungen gehören dazu. -
Feuerraumtür und Bedienbereich einzeichnen.
Plane genügend Platz für Öffnen, Nachlegen und Reinigen ein. -
Rauchrohr in die Betrachtung einbeziehen.
Besonders bei hohen Rückenlehnen und Wandverkleidungen wird dieser Bereich leicht vergessen. -
Bodenaufbau kontrollieren.
Bei Holzböden, Laminat oder anderen brennbaren Belägen muss der notwendige Funkenschutz berücksichtigt werden. -
Planung vor dem Bau abstimmen.
Bei einer fest eingebauten Bank sollte die geplante Konstruktion bereits vor der Umsetzung mit dem Fachbetrieb und gegebenenfalls mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger geklärt werden.
Welche brandschutzrechtlichen Vorgaben im Einzelnen gelten, hängt auch vom Bundesland und von der konkreten Feuerstätte ab. Maßgeblich sind deshalb neben den Herstellerunterlagen die für den Standort geltenden Vorschriften.
Eine gute Kaminbank beginnt mit dem Grundriss
Eine Sitzbank neben einer Feuerstätte lässt sich gut umsetzen, wenn sie von Anfang an gemeinsam mit dem Kamin geplant wird. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen brennbaren und nichtbrennbaren Materialien sowie zwischen normalen Geräteabständen und dem Strahlungsbereich der Sichtscheibe.
Bei festen Konstruktionen lohnt es sich, nicht auf vermeintliche Standardmaße zu vertrauen. Zeichne Ofen, Scheiben, Rauchrohr, Türbewegung und Bank vollständig in einen Grundriss ein und gleiche diesen mit den Angaben des konkreten Geräts ab. Ein paar zusätzliche Zentimeter können außerdem sinnvoll sein, wenn dadurch die Sitzfläche angenehmer bleibt und der Kamin besser bedient werden kann.






