Der entscheidende Unterschied liegt in der Konstruktion
Ein einwandiges Edelstahlsystem besteht aus einem abgasführenden Metallrohr. Eine integrierte äußere Wärmedämmung besitzt es nicht. Deshalb wird ein solches Rohr normalerweise nicht einfach frei an einer Hausfassade nach oben geführt.
Seine Stärke liegt an anderer Stelle: Es kann beispielsweise in einen vorhandenen Schornsteinschacht eingezogen werden. Der bestehende Schacht übernimmt dann einen Teil der konstruktiven Aufgaben, während das Edelstahlrohr die Abgase sicher durch den vorhandenen Schornstein führt. Hersteller bieten hierfür spezielle einwandige Sanierungssysteme an. Auch Jeremias führt beispielsweise einwandige Systeme für diesen Anwendungsbereich neben seinen doppelwandigen Schornsteinsystemen.
Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein besitzt dagegen drei funktionale Ebenen:
- ein Innenrohr zur Führung der Abgase,
- eine Wärmedämmung,
- einen äußeren Edelstahlmantel.
Bei handelsüblichen Systemen kann die Dämmung beispielsweise etwa 25 oder 30 Millimeter stark sein; die genaue Konstruktion unterscheidet sich jedoch je nach Hersteller und Baureihe. Ein geprüftes System von Poujoulat arbeitet beispielsweise mit 25 Millimetern Dämmung, während andere Systeme größere Dämmstärken verwenden.
Die Dämmung reduziert die Wärmeabgabe nach außen und hilft gleichzeitig dabei, die Temperatur der Abgase innerhalb des Schornsteins zu halten. Das ist vor allem bei einer Führung außerhalb des beheizten Gebäudes von Bedeutung.
Einwandig |
Doppelwandig |
|---|---|
Eine abgasführende Edelstahlschale |
Innenrohr, Dämmung und Außenmantel |
Keine integrierte Wärmedämmung |
Werkseitig gedämmtes System |
Häufig für bestehende Schächte und Sanierungen |
Häufig als neu errichteter Außenschornstein |
Geringerer Außendurchmesser |
Größerer Außendurchmesser durch Dämmung und Außenmantel |
Nicht automatisch die einfachere Lösung |
Nicht automatisch für jede Situation erforderlich |
Damit wird bereits klar: Doppelwandig bedeutet nicht automatisch besser. Ein zusätzlich gedämmtes System dort einzubauen, wo ein geeigneter vorhandener Schacht genutzt werden kann, kann unnötig sein. Umgekehrt lässt sich ein klassisches einwandiges Sanierungsrohr nicht einfach wie ein gedämmter Außenschornstein behandeln.
Wann ein einwandiger Edelstahlschornstein sinnvoll ist
Der häufigste Anwendungsfall ist die Sanierung eines vorhandenen Schornsteins.
Ältere gemauerte Schornsteine können beispielsweise einen zu großen Querschnitt besitzen oder nicht mehr gut zur vorgesehenen Feuerstätte passen. Je nach Zustand und Planung kann dann ein Edelstahlrohr in den vorhandenen Zug eingezogen werden.
Das kann mehrere Vorteile haben. Der vorhandene Schacht bleibt nutzbar, große bauliche Veränderungen an der Fassade sind häufig nicht notwendig und der Querschnitt der Abgasführung kann an die Feuerstätte angepasst werden.
Einwandige Systeme kommen daher besonders infrage, wenn:
- bereits ein geeigneter Schornsteinschacht vorhanden ist,
- der bestehende Schornstein saniert werden soll,
- eine neue Innenführung innerhalb eines vorhandenen Schachts benötigt wird,
- oder ein bestehendes System entsprechend geplant ergänzt werden soll.
Wichtig ist allerdings, „einwandig“ nicht mit einem beliebigen Edelstahlrohr gleichzusetzen. Abgasanlagen sind geprüfte Systeme mit festgelegten Eigenschaften hinsichtlich Temperatur, Druck, Kondensat- und Korrosionsbeständigkeit sowie gegebenenfalls Rußbrandbeständigkeit. Welche Ausführung benötigt wird, hängt unter anderem von Feuerstätte und Brennstoff ab.
Gerade bei einer Sanierung muss außerdem geprüft werden, ob der bestehende Schacht überhaupt geeignet ist. Querschnitt, Höhe, Verlauf und Zustand des vorhandenen Schornsteins spielen dabei eine Rolle. Ein Edelstahlrohr löst nicht automatisch jedes Problem eines alten Schornsteins.
Wann die doppelwandige Variante die bessere Lösung ist
Soll ein Schornstein neu an der Außenwand eines Gebäudes errichtet werden, ist ein doppelwandiges Edelstahlsystem der gängige Ansatz.
Hier fehlt schließlich ein vorhandener gemauerter Schacht, der das innenliegende Rohr umgibt. Das Schornsteinsystem muss deshalb selbst ausreichend geschützt und für diese Einbausituation konstruiert sein.
Die integrierte Dämmung erfüllt dabei eine wichtige technische Aufgabe. Abgase verlieren auf ihrem Weg nach oben Wärme. Besonders deutlich kann sich das bei einem Schornstein bemerkbar machen, der vollständig außerhalb des beheizten Gebäudes verläuft. Durch die Dämmung werden Wärmeverluste reduziert und günstigere Betriebsbedingungen innerhalb des Abgaswegs unterstützt.
Doppelwandige Systeme eignen sich deshalb häufig für:
-
nachträglich errichtete Außenschornsteine
Wenn ein Gebäude keinen nutzbaren Schornstein besitzt, kann ein Edelstahlschornstein an der Fassade nachgerüstet werden. -
Neubauten ohne gemauerten Schornsteinschacht
Auch hier kann ein geprüftes Edelstahlsystem eine eigenständige Abgasführung bilden. -
bestimmte Innenführungen ohne vorhandenen Schacht
Eine solche Planung ist möglich, stellt aber zusätzliche Anforderungen an Brandschutz, Geschossdurchführungen und gegebenenfalls die Feuerwiderstandsdauer. -
bestimmte Schornsteinverlängerungen oder Sonderlösungen
Je nach bestehender Anlage gibt es sowohl einwandige als auch doppelwandige Verlängerungen. Welche verwendet werden darf, richtet sich nach dem vorhandenen System und der geplanten Konstruktion.
Bei Wand-, Decken- oder Dachdurchführungen wird die Sache ebenfalls deutlich anspruchsvoller. Besonders bei Bauteilen mit brennbaren Bestandteilen müssen die Vorgaben des jeweiligen Systems und die baurechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden. Spezielle geprüfte Wanddurchführungen können dafür vorgesehen sein.
Nicht die Wandzahl entscheidet allein über die Eignung
Beim Vergleich entsteht schnell der Eindruck, man müsse lediglich zwischen einem oder zwei Rohren wählen. Tatsächlich steckt hinter einem Schornsteinsystem deutlich mehr.
Auf der Kennzeichnung beziehungsweise in der Leistungserklärung finden sich technische Klassen, die beschreiben, wofür das jeweilige Produkt vorgesehen ist.
Dazu gehören beispielsweise:
- Temperaturklasse,
- Druckklasse,
- Kondensatbeständigkeit,
- Korrosionsbeständigkeit,
- Rußbrandbeständigkeit,
- erforderlicher Abstand zu brennbaren Baustoffen.
Gerade der letzte Punkt wird bei Ratgebern häufig zu stark vereinfacht. Es gibt nicht den einen Abstand, der für jeden doppelwandigen Edelstahlschornstein gilt. Bei der Kennzeichnung eines rußbrandbeständigen Systems steht beispielsweise ein „G“ für die entsprechende Rußbrandbeständigkeit; die daran angegebene Zahl bezeichnet den geprüften Mindestabstand zu brennbaren Baustoffen in Millimetern. Ein System mit der Klassifizierung G50 weist damit einen anderen geprüften Abstand aus als ein System mit G70.
Für Feuerstätten mit festen Brennstoffen ist dieser Punkt besonders wichtig. Das DIBt weist darauf hin, dass bei der Verbrennung fester Brennstoffe Rußablagerungen entstehen können und Schornsteine hierfür entsprechend rußbrandbeständig ausgeführt sein müssen. Bei einem Rußbrand können sehr hohe Temperaturen auftreten.
Deshalb sollte beim Kauf nicht nur „doppelwandig, 150 mm“ auf der Liste stehen. Mindestens ebenso wichtig ist, ob das gesamte System zur Feuerstätte, zum Brennstoff und zur vorgesehenen Betriebsweise passt.
So findest du die passende Variante für dein Haus
In vielen Fällen lässt sich die grundsätzliche Richtung mit wenigen Fragen bestimmen.
Ein vorhandener, geeigneter Schornsteinschacht soll saniert werden?
Dann ist häufig ein einwandiges Sanierungssystem die naheliegende Lösung.
Es gibt keinen nutzbaren Schornstein und die neue Abgasführung soll außen am Gebäude verlaufen?
Dann kommt in der Regel ein doppelwandiges, gedämmtes Edelstahlsystem infrage.
Der Schornstein soll durch mehrere Geschosse innerhalb des Hauses geführt werden?
Dann reicht die Einteilung „einwandig oder doppelwandig“ für die Planung nicht aus. Feuerwiderstand, Durchführungen, Abstände und der gesamte Aufbau müssen berücksichtigt werden.
Du kennst zwar den Rohrdurchmesser deines Ofens, aber noch nicht den benötigten Schornsteindurchmesser?
Nicht einfach denselben Wert übernehmen. Die Dimensionierung einer Abgasanlage hängt unter anderem von Feuerstätte, Abgastemperatur, Förderdruck, wirksamer Höhe und Verlauf ab. Für die wärme- und strömungstechnische Berechnung von Abgasanlagen sind unter anderem die Verfahren nach DIN EN 13384 relevant.
Sinnvoll ist deshalb, die geplante Anlage bereits vor Bestellung der Schornsteinbauteile mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abzustimmen. So lassen sich Probleme vermeiden, die später nicht mit einem zusätzlichen Rohrstück oder Adapter behoben werden können.
Welche Variante passt nun zu welchem Vorhaben?
Die Entscheidung zwischen beiden Bauweisen hängt vor allem vom Verlauf der Abgasanlage ab. Für einen bestehenden geeigneten Schornsteinschacht ist ein einwandiges Edelstahlsystem häufig genau das Richtige. Wird dagegen ein eigenständiger Schornstein an der Außenfassade errichtet, spricht vieles für ein doppelwandiges, gedämmtes System.
Wichtiger als die Anzahl der Wände ist am Ende jedoch die technische Eignung des kompletten Systems. Feuerstätte, Brennstoff, Schornsteinhöhe, Querschnitt, Einbauort, Abstände und Brandschutz müssen zusammenpassen. Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein anhand des Preises oder des Rohrdurchmessers getroffen werden. Eine frühzeitige Abstimmung spart hier meist deutlich mehr Aufwand als eine nachträgliche Änderung einer bereits bestellten Anlage.







