Edelstahlschornstein: einwandig oder doppelwandig?

Edelstahlschornstein: einwandig oder doppelwandig?

Wer einen Edelstahlschornstein plant, stößt ziemlich schnell auf zwei Varianten: einwandig und doppelwandig. Auf den ersten Blick scheint der Unterschied überschaubar zu sein – beim einen besteht das Rohr im Wesentlichen aus einer Edelstahlschale, beim anderen kommen Außenmantel und Wärmedämmung hinzu. Für die Auswahl ist dieser konstruktive Unterschied jedoch entscheidend.

Denn beide Systeme sind für unterschiedliche Einbausituationen gedacht. Ein einwandiger Edelstahlschornstein wird häufig genutzt, wenn bereits ein geeigneter gemauerter Schornsteinschacht vorhanden ist und dieser saniert oder an eine neue Feuerstätte angepasst werden soll. Ein doppelwandiges System kommt dagegen häufig dann zum Einsatz, wenn ein neuer Schornstein beispielsweise an der Außenwand errichtet wird.

Die Entscheidung sollte deshalb nicht mit der Frage beginnen, welche Variante hochwertiger ist. Wichtiger ist: Wo soll die Abgasanlage verlaufen, welche Feuerstätte wird angeschlossen und welche Anforderungen muss das konkrete System erfüllen?

Der entscheidende Unterschied liegt in der Konstruktion

Ein einwandiges Edelstahlsystem besteht aus einem abgasführenden Metallrohr. Eine integrierte äußere Wärmedämmung besitzt es nicht. Deshalb wird ein solches Rohr normalerweise nicht einfach frei an einer Hausfassade nach oben geführt.

Seine Stärke liegt an anderer Stelle: Es kann beispielsweise in einen vorhandenen Schornsteinschacht eingezogen werden. Der bestehende Schacht übernimmt dann einen Teil der konstruktiven Aufgaben, während das Edelstahlrohr die Abgase sicher durch den vorhandenen Schornstein führt. Hersteller bieten hierfür spezielle einwandige Sanierungssysteme an. Auch Jeremias führt beispielsweise einwandige Systeme für diesen Anwendungsbereich neben seinen doppelwandigen Schornsteinsystemen.

Ein doppelwandiger Edelstahlschornstein besitzt dagegen drei funktionale Ebenen:

  • ein Innenrohr zur Führung der Abgase,
  • eine Wärmedämmung,
  • einen äußeren Edelstahlmantel.

Bei handelsüblichen Systemen kann die Dämmung beispielsweise etwa 25 oder 30 Millimeter stark sein; die genaue Konstruktion unterscheidet sich jedoch je nach Hersteller und Baureihe. Ein geprüftes System von Poujoulat arbeitet beispielsweise mit 25 Millimetern Dämmung, während andere Systeme größere Dämmstärken verwenden.

Die Dämmung reduziert die Wärmeabgabe nach außen und hilft gleichzeitig dabei, die Temperatur der Abgase innerhalb des Schornsteins zu halten. Das ist vor allem bei einer Führung außerhalb des beheizten Gebäudes von Bedeutung.

Einwandig

Doppelwandig

Eine abgasführende Edelstahlschale

Innenrohr, Dämmung und Außenmantel

Keine integrierte Wärmedämmung

Werkseitig gedämmtes System

Häufig für bestehende Schächte und Sanierungen

Häufig als neu errichteter Außenschornstein

Geringerer Außendurchmesser

Größerer Außendurchmesser durch Dämmung und Außenmantel

Nicht automatisch die einfachere Lösung

Nicht automatisch für jede Situation erforderlich

Damit wird bereits klar: Doppelwandig bedeutet nicht automatisch besser. Ein zusätzlich gedämmtes System dort einzubauen, wo ein geeigneter vorhandener Schacht genutzt werden kann, kann unnötig sein. Umgekehrt lässt sich ein klassisches einwandiges Sanierungsrohr nicht einfach wie ein gedämmter Außenschornstein behandeln.

Wann ein einwandiger Edelstahlschornstein sinnvoll ist

Der häufigste Anwendungsfall ist die Sanierung eines vorhandenen Schornsteins.

Ältere gemauerte Schornsteine können beispielsweise einen zu großen Querschnitt besitzen oder nicht mehr gut zur vorgesehenen Feuerstätte passen. Je nach Zustand und Planung kann dann ein Edelstahlrohr in den vorhandenen Zug eingezogen werden.

Das kann mehrere Vorteile haben. Der vorhandene Schacht bleibt nutzbar, große bauliche Veränderungen an der Fassade sind häufig nicht notwendig und der Querschnitt der Abgasführung kann an die Feuerstätte angepasst werden.

Einwandige Systeme kommen daher besonders infrage, wenn:

  • bereits ein geeigneter Schornsteinschacht vorhanden ist,
  • der bestehende Schornstein saniert werden soll,
  • eine neue Innenführung innerhalb eines vorhandenen Schachts benötigt wird,
  • oder ein bestehendes System entsprechend geplant ergänzt werden soll.

Wichtig ist allerdings, „einwandig“ nicht mit einem beliebigen Edelstahlrohr gleichzusetzen. Abgasanlagen sind geprüfte Systeme mit festgelegten Eigenschaften hinsichtlich Temperatur, Druck, Kondensat- und Korrosionsbeständigkeit sowie gegebenenfalls Rußbrandbeständigkeit. Welche Ausführung benötigt wird, hängt unter anderem von Feuerstätte und Brennstoff ab.

Gerade bei einer Sanierung muss außerdem geprüft werden, ob der bestehende Schacht überhaupt geeignet ist. Querschnitt, Höhe, Verlauf und Zustand des vorhandenen Schornsteins spielen dabei eine Rolle. Ein Edelstahlrohr löst nicht automatisch jedes Problem eines alten Schornsteins.

Wann die doppelwandige Variante die bessere Lösung ist

Soll ein Schornstein neu an der Außenwand eines Gebäudes errichtet werden, ist ein doppelwandiges Edelstahlsystem der gängige Ansatz.

Hier fehlt schließlich ein vorhandener gemauerter Schacht, der das innenliegende Rohr umgibt. Das Schornsteinsystem muss deshalb selbst ausreichend geschützt und für diese Einbausituation konstruiert sein.

Die integrierte Dämmung erfüllt dabei eine wichtige technische Aufgabe. Abgase verlieren auf ihrem Weg nach oben Wärme. Besonders deutlich kann sich das bei einem Schornstein bemerkbar machen, der vollständig außerhalb des beheizten Gebäudes verläuft. Durch die Dämmung werden Wärmeverluste reduziert und günstigere Betriebsbedingungen innerhalb des Abgaswegs unterstützt.

Doppelwandige Systeme eignen sich deshalb häufig für:

  1. nachträglich errichtete Außenschornsteine
    Wenn ein Gebäude keinen nutzbaren Schornstein besitzt, kann ein Edelstahlschornstein an der Fassade nachgerüstet werden.
  2. Neubauten ohne gemauerten Schornsteinschacht
    Auch hier kann ein geprüftes Edelstahlsystem eine eigenständige Abgasführung bilden.
  3. bestimmte Innenführungen ohne vorhandenen Schacht
    Eine solche Planung ist möglich, stellt aber zusätzliche Anforderungen an Brandschutz, Geschossdurchführungen und gegebenenfalls die Feuerwiderstandsdauer.
  4. bestimmte Schornsteinverlängerungen oder Sonderlösungen
    Je nach bestehender Anlage gibt es sowohl einwandige als auch doppelwandige Verlängerungen. Welche verwendet werden darf, richtet sich nach dem vorhandenen System und der geplanten Konstruktion.

Bei Wand-, Decken- oder Dachdurchführungen wird die Sache ebenfalls deutlich anspruchsvoller. Besonders bei Bauteilen mit brennbaren Bestandteilen müssen die Vorgaben des jeweiligen Systems und die baurechtlichen Anforderungen berücksichtigt werden. Spezielle geprüfte Wanddurchführungen können dafür vorgesehen sein.

Nicht die Wandzahl entscheidet allein über die Eignung

Beim Vergleich entsteht schnell der Eindruck, man müsse lediglich zwischen einem oder zwei Rohren wählen. Tatsächlich steckt hinter einem Schornsteinsystem deutlich mehr.

Auf der Kennzeichnung beziehungsweise in der Leistungserklärung finden sich technische Klassen, die beschreiben, wofür das jeweilige Produkt vorgesehen ist.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Temperaturklasse,
  • Druckklasse,
  • Kondensatbeständigkeit,
  • Korrosionsbeständigkeit,
  • Rußbrandbeständigkeit,
  • erforderlicher Abstand zu brennbaren Baustoffen.

Gerade der letzte Punkt wird bei Ratgebern häufig zu stark vereinfacht. Es gibt nicht den einen Abstand, der für jeden doppelwandigen Edelstahlschornstein gilt. Bei der Kennzeichnung eines rußbrandbeständigen Systems steht beispielsweise ein „G“ für die entsprechende Rußbrandbeständigkeit; die daran angegebene Zahl bezeichnet den geprüften Mindestabstand zu brennbaren Baustoffen in Millimetern. Ein System mit der Klassifizierung G50 weist damit einen anderen geprüften Abstand aus als ein System mit G70.

Für Feuerstätten mit festen Brennstoffen ist dieser Punkt besonders wichtig. Das DIBt weist darauf hin, dass bei der Verbrennung fester Brennstoffe Rußablagerungen entstehen können und Schornsteine hierfür entsprechend rußbrandbeständig ausgeführt sein müssen. Bei einem Rußbrand können sehr hohe Temperaturen auftreten.

Deshalb sollte beim Kauf nicht nur „doppelwandig, 150 mm“ auf der Liste stehen. Mindestens ebenso wichtig ist, ob das gesamte System zur Feuerstätte, zum Brennstoff und zur vorgesehenen Betriebsweise passt.

So findest du die passende Variante für dein Haus

In vielen Fällen lässt sich die grundsätzliche Richtung mit wenigen Fragen bestimmen.

Ein vorhandener, geeigneter Schornsteinschacht soll saniert werden?
Dann ist häufig ein einwandiges Sanierungssystem die naheliegende Lösung.

Es gibt keinen nutzbaren Schornstein und die neue Abgasführung soll außen am Gebäude verlaufen?
Dann kommt in der Regel ein doppelwandiges, gedämmtes Edelstahlsystem infrage.

Der Schornstein soll durch mehrere Geschosse innerhalb des Hauses geführt werden?
Dann reicht die Einteilung „einwandig oder doppelwandig“ für die Planung nicht aus. Feuerwiderstand, Durchführungen, Abstände und der gesamte Aufbau müssen berücksichtigt werden.

Du kennst zwar den Rohrdurchmesser deines Ofens, aber noch nicht den benötigten Schornsteindurchmesser?
Nicht einfach denselben Wert übernehmen. Die Dimensionierung einer Abgasanlage hängt unter anderem von Feuerstätte, Abgastemperatur, Förderdruck, wirksamer Höhe und Verlauf ab. Für die wärme- und strömungstechnische Berechnung von Abgasanlagen sind unter anderem die Verfahren nach DIN EN 13384 relevant.

Sinnvoll ist deshalb, die geplante Anlage bereits vor Bestellung der Schornsteinbauteile mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abzustimmen. So lassen sich Probleme vermeiden, die später nicht mit einem zusätzlichen Rohrstück oder Adapter behoben werden können.

Welche Variante passt nun zu welchem Vorhaben?

Die Entscheidung zwischen beiden Bauweisen hängt vor allem vom Verlauf der Abgasanlage ab. Für einen bestehenden geeigneten Schornsteinschacht ist ein einwandiges Edelstahlsystem häufig genau das Richtige. Wird dagegen ein eigenständiger Schornstein an der Außenfassade errichtet, spricht vieles für ein doppelwandiges, gedämmtes System.

Wichtiger als die Anzahl der Wände ist am Ende jedoch die technische Eignung des kompletten Systems. Feuerstätte, Brennstoff, Schornsteinhöhe, Querschnitt, Einbauort, Abstände und Brandschutz müssen zusammenpassen. Deshalb sollte die Entscheidung nicht allein anhand des Preises oder des Rohrdurchmessers getroffen werden. Eine frühzeitige Abstimmung spart hier meist deutlich mehr Aufwand als eine nachträgliche Änderung einer bereits bestellten Anlage.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ein einwandiger Edelstahlschornstein außen montiert werden?

Ein klassisches einwandiges Sanierungssystem ist grundsätzlich für andere Einbausituationen gedacht als ein gedämmter Außenschornstein. Entscheidend ist immer die vorgesehene Verwendung und Klassifizierung des konkreten Systems.

Wie dick ist die Dämmung bei einem doppelwandigen Edelstahlschornstein?

Das unterscheidet sich je nach Hersteller und System. Es gibt beispielsweise Systeme mit etwa 25 Millimetern und andere mit mehr als 30 Millimetern Dämmung. Die Dämmstärke allein sagt jedoch noch nicht aus, ob ein System für eine bestimmte Anlage geeignet ist.

Kann man einwandige und doppelwandige Schornsteinrohre miteinander verbinden?

Innerhalb dafür vorgesehener Systeme können spezielle Übergangselemente eingesetzt werden. Hersteller bieten beispielsweise Übergänge von einwandigen auf doppelwandige Bauteile an. Die Komponenten müssen jedoch zueinander und zum zugelassenen beziehungsweise deklarierten Systemaufbau passen.

Muss ein Edelstahlschornstein immer aus demselben System bestehen?

Bei einer System-Abgasanlage ist der Hersteller für die Zusammenstellung der Bestandteile verantwortlich. Komponenten sollten daher nicht beliebig zwischen verschiedenen Systemen kombiniert werden. Für Montage-Abgasanlagen gelten wiederum eigene Anforderungen an die verwendeten Bauteile und Nachweise.

Braucht ein doppelwandiger Edelstahlschornstein einen bestimmten Abstand zu Holz?

Ja, wenn sich brennbare Bauteile in der Nähe befinden, müssen die für das konkrete System und die Einbausituation geltenden Abstände eingehalten werden. Eine pauschale Zentimeterangabe für sämtliche doppelwandigen Schornsteine wäre jedoch falsch. Der geprüfte Abstand ist Bestandteil der jeweiligen Klassifizierung und kann sich zwischen Systemen unterscheiden.

Muss der Schornsteinfeger einen Edelstahlschornstein abnehmen?

Eine neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungs- beziehungsweise Abgasanlage muss die geltenden Anforderungen erfüllen und vor der regulären Nutzung entsprechend geprüft werden. Deshalb ist es sinnvoll, den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger bereits in die Planung einzubeziehen – nicht erst, wenn der Schornstein fertig montiert ist.

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