Schornsteinsanierung mit Edelstahlrohr – verständlich erklärt

Schornsteinsanierung mit Edelstahlrohr – verständlich erklärt

Ein gemauerter Schornstein kann viele Jahrzehnte funktionieren. Trotzdem kommt irgendwann der Punkt, an dem sein Querschnitt, sein baulicher Zustand oder seine Eignung nicht mehr zur angeschlossenen Feuerstätte passen. Besonders nach einem Heizungstausch oder beim Einbau eines neuen Kaminofens stellt sich deshalb häufig die Frage, ob der vorhandene Schornstein weiter genutzt werden kann.

Eine verbreitete Lösung ist der Einbau eines Edelstahlrohres in den bestehenden Schacht. Dabei wird der alte Schornstein nicht komplett ersetzt. Stattdessen entsteht im Inneren eine neue Abgasführung, deren Eigenschaften gezielt auf die Feuerstätte abgestimmt werden können. Das kann beispielsweise bei einem zu großen Schornsteinquerschnitt, Feuchtigkeitsproblemen oder einem ungeeigneten vorhandenen Zug sinnvoll sein.

Ob eine solche Sanierung tatsächlich erforderlich ist, lässt sich allerdings nicht allein am Alter des Schornsteins erkennen. Vor dem Einbau müssen Feuerstätte, Abgaswerte, Schornsteinverlauf und vorhandene Bausubstanz zusammen betrachtet werden.

Wann muss ein Schornstein überhaupt saniert werden?

Nicht jeder ältere Schornstein benötigt automatisch ein neues Innenrohr. Eine Sanierung wird vor allem dann interessant, wenn die vorhandene Abgasanlage technisch nicht mehr zur Feuerstätte passt oder bereits Schäden erkennen lässt.

Ein häufiger Grund ist die sogenannte Versottung. Dabei gelangen Feuchtigkeit und Bestandteile der Abgase in das Mauerwerk. Auf der Außenseite können sich gelbliche oder braune Flecken zeigen, teilweise entsteht zusätzlich ein unangenehmer Geruch.

Das Problem tritt insbesondere auf, wenn die Abgase im Schornstein stark abkühlen. Wasserdampf kann dann kondensieren und sich an den Innenflächen niederschlagen.

Weitere mögliche Gründe für eine Sanierung sind:

  • der vorhandene Schornsteinquerschnitt ist für die neue Feuerstätte zu groß,
  • der Schornstein weist Undichtigkeiten oder Schäden im Inneren auf,
  • eine modernisierte Heizungsanlage arbeitet mit deutlich niedrigeren Abgastemperaturen,
  • die vorhandene Abgasführung ist für die geplante Feuerstätte nicht geeignet,
  • Ablagerungen oder Schäden lassen sich durch eine normale Reinigung nicht beheben,
  • der Schornstein soll für eine andere Feuerstätten- oder Brennstoffart genutzt werden.

Auch ein Kaminofenwechsel kann eine neue Beurteilung erforderlich machen. Ein Schornstein, der mit einer älteren Feuerstätte funktioniert hat, muss nicht automatisch für jedes neue Gerät geeignet sein.

Dabei gilt allerdings: Ein Edelstahlrohr repariert nicht jede Form eines Schornsteinschadens. Ist beispielsweise die Standsicherheit des Schachts beeinträchtigt oder das Mauerwerk erheblich geschädigt, müssen diese Probleme gesondert betrachtet werden.

Was passiert bei einer Sanierung mit Edelstahlrohr?

Bei dieser Sanierungsart bleibt der bestehende gemauerte Schornsteinschacht grundsätzlich erhalten. In ihn wird ein passendes Edelstahl-Abgassystem eingesetzt.

Dadurch übernimmt das neue Rohr die eigentliche Führung der Abgase. Der vorhandene Schacht umgibt und schützt das Rohr weiterhin.

Der grundsätzliche Aufbau lässt sich vereinfacht so darstellen:

Feuerstätte → Rauchrohr → Anschlussstück → Edelstahlrohr im vorhandenen Schacht → Schornsteinmündung

Je nach Anlage kommen weitere Bauteile hinzu, beispielsweise ein Reinigungselement, eine Kondensatableitung, Abstandhalter, eine Abdeckung oder Dämmmaterial.

Starres oder flexibles Edelstahlrohr?

Welche Rohrart eingesetzt wird, hängt unter anderem vom Verlauf des Schornsteins ab.

Ausführung

Geeignet beispielsweise für

Starres Edelstahlrohr

weitgehend gerade Schornsteinzüge

Flexibles Edelstahlrohr

Schornsteine mit Versätzen oder Schrägführungen

Ovales Rohrsystem

enge oder ungünstig geformte vorhandene Schächte

Flexible Systeme können bei vorhandenen Verzügen helfen, weil nicht zwangsläufig der komplette Schacht geöffnet werden muss. Sie dürfen jedoch nicht nach Belieben gebogen oder eingesetzt werden. Auch hier müssen das verwendete System und dessen technische Eigenschaften zur jeweiligen Anlage passen.

Warum der richtige Durchmesser entscheidend ist

Ein Edelstahlrohr wird nicht einfach danach ausgewählt, welches Rohr gerade in den vorhandenen Schacht passt.

Für einen sicheren Betrieb muss der Querschnitt zur Feuerstätte und zur gesamten Abgasanlage passen. Unter anderem spielen dabei eine Rolle:

  • Nennleistung der Feuerstätte,
  • Abgastemperatur,
  • Abgasmassenstrom,
  • notwendiger Förderdruck,
  • wirksame Schornsteinhöhe,
  • Verlauf und Länge der Abgaswege,
  • Brennstoff,
  • Betriebsweise der Anlage.

Ein deutlich zu großer Querschnitt kann dazu führen, dass sich die Abgase stärker abkühlen. Ein zu kleiner Querschnitt kann wiederum den erforderlichen Abtransport der Abgase beeinträchtigen.

Deshalb ist die pauschale Regel „kleiner ist besser“ genauso problematisch wie die Annahme, der vorhandene Durchmesser könne einfach übernommen werden.

So läuft der Einbau in der Praxis ab

Vor der eigentlichen Montage steht die Prüfung des bestehenden Schornsteins. Dabei wird geklärt, ob der Schacht grundsätzlich für die geplante Lösung geeignet ist und welcher Rohrdurchmesser benötigt wird.

Ein üblicher Ablauf kann beispielsweise so aussehen:

  1. Bestehenden Schornstein prüfen
  • Zustand, Querschnitt, Höhe und Verlauf des Schachts werden kontrolliert. Bei schwer einsehbaren Bereichen kann auch eine Kameraprüfung sinnvoll sein.
  1. Feuerstätte und Abgasanlage abstimmen
  • Anhand der technischen Daten wird geprüft, welche Dimensionierung und welche Eigenschaften das Abgassystem benötigt.
  1. Schacht vorbereiten
  • Ablagerungen und lose Bestandteile müssen entfernt werden. Vorhandene Schäden können zusätzliche Arbeiten erforderlich machen.
  1. Edelstahlrohr einsetzen
  • Die einzelnen Rohrsegmente werden je nach System verbunden und gewöhnlich vom oberen Bereich des Schornsteins in den Schacht eingebracht. Bei anderen Montagesituationen kann der Ablauf abweichen.
  1. Anschluss- und Reinigungselemente montieren
  • Im unteren Bereich werden unter anderem Anschluss und Reinigungsöffnung hergestellt. Je nach Betriebsweise kann außerdem eine Möglichkeit zur Kondensatableitung notwendig sein.
  1. Schornsteinmündung fertigstellen
  • Das Rohr muss am oberen Ende fachgerecht geführt und entsprechend dem verwendeten System abgeschlossen werden.
  1. Anlage prüfen lassen
  • Neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungsanlagen und Abgasanlagen müssen vor ihrer Nutzung entsprechend den geltenden Anforderungen geprüft werden. Deshalb ist es sinnvoll, den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger bereits vor dem Umbau einzubeziehen.

Gerade der letzte Punkt erspart unnötige Nacharbeiten. Ein technisch sauber eingebautes Rohr hilft wenig, wenn Dimensionierung oder Systemauswahl nicht zur vorgesehenen Feuerstätte passen.

Welches Edelstahlrohr passt zur Feuerstätte?

„Edelstahlrohr“ ist zunächst nur eine grobe Bezeichnung. Abgassysteme besitzen unterschiedliche Temperatur-, Druck-, Kondensat- und Korrosionsbeständigkeiten.

Für einen Kaminofen mit Scheitholz werden andere Anforderungen relevant als beispielsweise bei einer Öl-, Gas- oder Brennwertanlage.

Bei der Kennzeichnung eines Abgassystems können unter anderem Angaben vorkommen zu:

  • Temperaturklasse,
  • Druckklasse,
  • Beständigkeit gegen Kondensat,
  • Korrosionswiderstand,
  • Material und Materialstärke,
  • Rußbrandbeständigkeit,
  • erforderlichem Abstand zu brennbaren Baustoffen.

Deshalb sollte die Auswahl nicht allein nach Rohrdurchmesser und Edelstahlqualität erfolgen.

Für Feuerstätten mit festen Brennstoffen ist beispielsweise die Rußbrandbeständigkeit ein wichtiger Punkt. Bei Anlagen mit niedrigen Abgastemperaturen kann dagegen die Eignung für feuchte Betriebsweise entscheidend werden.

Auch eine Dämmung des Edelstahlrohres kann je nach Aufbau sinnvoll oder erforderlich sein. Sie reduziert die Wärmeabgabe innerhalb des Schachts und kann dazu beitragen, dass die Abgase weniger stark auskühlen. Ob und wie gedämmt wird, hängt jedoch wiederum vom verwendeten System und der konkreten Einbausituation ab.

Wo die Grenzen einer Edelstahlsanierung liegen

Der Einbau eines Edelstahlrohres ist eine bewährte Methode, aber nicht für jeden alten Schornstein automatisch die richtige Lösung.

Problematisch kann es beispielsweise werden, wenn der vorhandene Schacht sehr klein ist und der berechnete Rohrdurchmesser nicht hineinpasst. Auch starke Verzüge, Hindernisse oder erhebliche bauliche Schäden können die Sanierung erschweren.

Vor der Entscheidung sollten deshalb mehrere Punkte geklärt sein:

Der vorhandene Schacht muss geeignet sein.
Ein Rohr kann Schäden an der eigentlichen Gebäudekonstruktion nicht einfach ausgleichen.

Die Dimensionierung muss stimmen.
Der freie Platz im Schornstein bestimmt nicht automatisch den richtigen Rohrdurchmesser.

Das System muss zur Feuerstätte passen.
Nicht jedes Edelstahl-Abgassystem ist für jede Temperatur, jeden Brennstoff und jede Betriebsweise vorgesehen.

Reinigungsmöglichkeiten müssen erhalten bleiben.
Eine Abgasanlage muss auch nach der Sanierung kontrolliert und gereinigt werden können.

Anschlüsse müssen fachgerecht ausgeführt werden.
Besonders Wanddurchführungen, Feuerstättenanschluss, Reinigungsöffnung und Schornsteinmündung verdienen Aufmerksamkeit.

Bei einem stark beschädigten oder ungeeigneten Bestand kann eine andere Lösung sinnvoller sein, beispielsweise eine neue Abgasanlage. Welche Variante technisch passt, hängt vom Gebäude und von der geplanten Feuerstätte ab.

Gut geplant statt nur ein Rohr eingezogen

Eine Sanierung mit Edelstahl kann einen vorhandenen Schornstein für eine neue oder geänderte Feuerstätte wieder nutzbar machen. Besonders bei ungünstigem Querschnitt, niedrigen Abgastemperaturen oder Problemen mit Feuchtigkeit bietet sich diese Methode häufig an.

Entscheidend ist jedoch nicht allein das Material. Rohrdurchmesser, Temperaturbeständigkeit, Betriebsweise, Schornsteinhöhe und vorhandener Schacht müssen zusammenpassen. Auch Schäden am alten Schornstein sollten vor dem Einbau geklärt werden.

Wer die Anlage vor Beginn technisch prüfen lässt und den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger frühzeitig einbezieht, kann viele typische Planungsfehler vermeiden.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange hält ein Edelstahlrohr im Schornstein?

Eine pauschale Lebensdauer lässt sich nicht nennen. Sie hängt unter anderem vom verwendeten Material, Brennstoff, Betrieb der Feuerstätte, Kondensatanfall und der regelmäßigen Reinigung ab. Ein passend ausgewähltes Abgassystem ist grundsätzlich auf eine langfristige Nutzung ausgelegt.

Kann ein Edelstahlrohr nachträglich gedämmt werden?

Das hängt vom verwendeten System und vom vorhandenen Platz im Schacht ab. Für bestimmte Sanierungssysteme stehen passende Dämmschalen oder andere zugelassene Lösungen zur Verfügung. Eine beliebige Dämmung sollte nicht verwendet werden.

Muss der alte Schornstein vor dem Einbau gereinigt werden?

Der Schacht sollte vor der Sanierung kontrolliert und entsprechend vorbereitet werden. Ablagerungen, lose Bestandteile oder Hindernisse können die Montage beeinträchtigen und müssen gegebenenfalls entfernt werden.

Kann man einen versotteten Schornstein einfach mit Edelstahl sanieren?

Ein Edelstahlrohr kann verhindern, dass neue Abgase weiterhin direkt mit dem alten Schornsteinmauerwerk in Kontakt kommen. Bereits vorhandene Feuchte- oder Versottungsschäden verschwinden dadurch jedoch nicht automatisch. Ihre Ursache und der Zustand des Mauerwerks sollten gesondert geprüft werden.

Muss das Edelstahlrohr denselben Durchmesser wie das Rauchrohr des Kaminofens haben?

Nicht zwingend. Der notwendige Querschnitt der Abgasanlage wird anhand der gesamten Feuerstätten- und Schornsteinsituation bestimmt. Deshalb sollte der Durchmesser nicht allein vom Anschlussmaß des Kaminofens abgeleitet werden.

Kann ein alter gemauerter Schornstein nach der Sanierung weiter genutzt werden?

In vielen Fällen ja. Genau darin liegt der Vorteil dieser Sanierungsart: Der vorhandene Schacht bleibt bestehen und nimmt das neue Abgasrohr auf. Voraussetzung ist allerdings, dass sein baulicher Zustand und seine Abmessungen für die geplante Ausführung geeignet sind.

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