Edelstahlschornstein: Ist eine Regenhaube eigentlich sinnvoll?

Edelstahlschornstein: Ist eine Regenhaube eigentlich sinnvoll?

Eine Regenhaube auf dem Edelstahlschornstein wirkt zunächst logisch: Wo oben eine Öffnung ist, kann schließlich Regen hineinfallen. Also Deckel darüber und das Problem ist erledigt. Ganz so einfach ist es allerdings nicht. Viele Systeme führen eindringendes Niederschlagswasser über einen vorgesehenen Ablauf ab. Edelstahl und ein Ablauf allein bedeuten aber nicht, dass die Anlage auch für feuchten Betrieb zugelassen ist: Dafür müssen die ausgewiesene Feuchte- und Korrosionsklasse sowie Brennstoff und Montage zusammenpassen.

Eine Regenhaube ist deshalb nicht automatisch erforderlich. Sie kann unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein, verändert aber gleichzeitig die freie Abströmung der Abgase. Besonders bei ungünstigen Windverhältnissen, niedrigen Abgastemperaturen oder einer nicht zum System passenden Konstruktion kann aus einem vermeintlichen Schutz sogar ein technischer Nachteil werden.

Ob eine Haube sinnvoll ist, hängt daher vom Schornsteinsystem, der angeschlossenen Feuerstätte, dem Standort und der vorgesehenen Ausführung des Herstellers ab.

Warum ein Edelstahlschornstein Regen normalerweise verträgt

Dass Regen von oben in einen offenen Edelstahlschornstein gelangen kann, ist zunächst kein ungewöhnlicher Betriebszustand. Das Innenrohr besteht aus korrosionsbeständigem Edelstahl und viele Systeme besitzen an ihrem unteren Ende eine Möglichkeit zur Ableitung von Kondensat und Niederschlagswasser.

Das Wasser läuft an der Innenwand nach unten und gelangt beispielsweise in eine Grundplatte oder ein Reinigungselement mit Kondensatablauf. Von dort wird es kontrolliert abgeführt.

Das ist wichtig, weil in einem Schornstein ohnehin Feuchtigkeit entstehen kann. Bei der Verbrennung entsteht Wasserdampf. Kühlt das Abgas auf seinem Weg nach oben ausreichend ab, kann ein Teil davon kondensieren. Je nach Feuerstätte und Betriebsweise muss die Abgasanlage daher nicht nur Niederschlag, sondern auch betriebsbedingt entstehende Feuchtigkeit verkraften können.

Bei vielen doppelwandigen Edelstahlschornsteinen ist ein einfacher Mündungsabschluss deshalb völlig normal.

Eine Regenhaube ist also nicht allein deshalb notwendig, weil der Schornstein oben offen erscheint.

Wichtiger ist, dass:

  • das verwendete Schornsteinsystem für die angeschlossene Feuerstätte geeignet ist,
  • Niederschlags- und gegebenenfalls Kondensatwasser sicher abgeführt werden,
  • der Ablauf nicht durch Ruß oder andere Ablagerungen zugesetzt ist,
  • die Herstellervorgaben zur Mündung eingehalten werden.

Gerade bei Festbrennstofffeuerstätten sollte ein vorhandener Ablauf bei Wartungsarbeiten kontrolliert werden. Wasser, Ruß und andere Verbrennungsrückstände können dort zusammenkommen und die Öffnung mit der Zeit beeinträchtigen.

Was eine Regenhaube leisten kann – und was nicht

Die klassische Regenhaube sitzt oberhalb der eigentlichen Schornsteinmündung. Ihre Aufgabe besteht vor allem darin, den direkten Eintrag von Regen und Schnee zu reduzieren.

Je nach Konstruktion können zusätzliche Funktionen hinzukommen.

Ausführung

Möglicher Zweck

Einfache Regenhaube

Verringert direkten Niederschlagseintrag

Haube mit Vogelschutz

Erschwert das Eindringen von Vögeln oder größeren Fremdkörpern

Haube mit Funkenschutz

Kann bei dafür vorgesehenen Anlagen den Austritt größerer Funken begrenzen

Spezieller Wind- oder Mündungsaufsatz

Kann für bestimmte Wind- und Strömungssituationen vorgesehen sein

Eine Regenhaube macht den Schornstein allerdings nicht vollständig wasserdicht. Wind kann Niederschlag seitlich unter eine Abdeckung treiben. Außerdem entsteht im Schornstein weiterhin Feuchtigkeit durch Kondensation.

Der Kondensatablauf wird durch eine Regenhaube deshalb nicht automatisch überflüssig.

Auch ein häufig genanntes Argument sollte differenziert betrachtet werden: Eine beliebige Haube ist kein universelles Mittel gegen schlechten Schornsteinzug. Windprobleme an der Mündung können unterschiedliche Ursachen haben, etwa die Lage des Gebäudes, Dachaufbauten, umliegende Gebäude, Bäume oder eine ungünstige Mündungshöhe.

Bei solchen Problemen sollte zuerst die Ursache geklärt werden, bevor ein bestimmter Aufsatz montiert wird.

Wann eine Regenhaube sinnvoll sein kann

Es gibt durchaus Situationen, in denen die zusätzliche Begrenzung des Niederschlagseintrags praktisch sein kann.

Der Kondensatablauf endet an einer empfindlichen Stelle

Regenwasser, das durch einen Schornstein läuft, kommt nicht unbedingt sauber wieder unten heraus. Auf seinem Weg kann es Ruß und Ablagerungen aufnehmen.

Befindet sich der Ablauf beispielsweise über einer empfindlichen Pflasterfläche, auf einer Terrasse oder an einer anderen ungünstigen Stelle, können dunkle Wasserflecken entstehen. Weniger Niederschlag im Schornstein bedeutet in diesem Fall auch weniger Wasser, das unten aufgefangen oder abgeleitet werden muss.

Die technisch bessere Lösung kann allerdings ebenso darin bestehen, den Kondensatablauf gezielt an eine geeignete Stelle zu führen.

Der Schornstein verläuft innerhalb des Gebäudes

Auch bei bestimmten innenliegenden Anlagen kann es sinnvoll sein, den direkten Wassereintrag möglichst gering zu halten. Entscheidend bleibt jedoch die konkrete Konstruktion des Systems.

Der Hersteller sieht eine entsprechende Haube vor

Das ist einer der wichtigsten Punkte überhaupt.

Edelstahlschornsteine sind geprüfte Systeme aus aufeinander abgestimmten Bauteilen. Ein freigegebener Regenhut oder Mündungsaufsatz kann Bestandteil der Anlage sein. Auch dann müssen seine Strömungswiderstände bei der Auslegung berücksichtigt, eine Vereisung der Mündung ausgeschlossen und die sichere Befestigung sowie die Betriebssicherheit der Feuerstätte gewährleistet sein.

Irgendeine passende Haube nachträglich auf die Mündung zu setzen, ist dagegen keine gute Idee.

Besondere örtliche Bedingungen sprechen dafür

Bei außergewöhnlich starkem Niederschlag oder speziellen Windverhältnissen kann ein geeigneter Mündungsaufsatz helfen. Hier sollte jedoch nicht nach dem Prinzip „viel Schutz hilft viel“ entschieden werden.

Bei Strömungsproblemen muss die konkrete Situation betrachtet werden.

Weshalb eine Regenhaube auch Nachteile haben kann

Abgase sollen die Schornsteinmündung möglichst ungehindert verlassen können. Genau hier liegt der mögliche Nachteil einer Abdeckung.

Eine Haube sitzt direkt im Strömungsbereich und lenkt das austretende Abgas um. Je nach Form wird der Abgasstrom beispielsweise seitlich geführt. Gleichzeitig entsteht ein zusätzlicher Strömungswiderstand.

Bei einer gut dimensionierten Anlage muss daraus nicht zwangsläufig ein Problem entstehen. Bei ohnehin knappen Zugverhältnissen kann ein ungünstiger Aufsatz jedoch einen Unterschied machen.

Mögliche Schwierigkeiten sind:

  • geringerer wirksamer Förderdruck,
  • ungünstige Abgasverteilung bei Wind,
  • Rauchbelästigung in unmittelbarer Umgebung,
  • zusätzliche Kondensatbildung an kalten Metallflächen,
  • Vereisung bei niedrigen Temperaturen,
  • erschwerte Reinigung oder Kontrolle der Mündung.

Besonders interessant ist das Thema Kondensat. Eine Metallhaube befindet sich im Freien und kann entsprechend kalt sein. Treffen feuchte Abgase auf diese Fläche, kann Wasserdampf kondensieren. Bei Frost können daraus Eisablagerungen entstehen.

Bei Feuerstätten beziehungsweise Abgasanlagen mit sehr niedrigen Abgastemperaturen ist deshalb besonders genau zu prüfen, welche Mündungsausführung zulässig und technisch vorgesehen ist.

Auch bei Holzöfen sollte die Mündung nicht ohne Prüfung verändert werden. Ein Bauteil, das bei einem bestimmten Schornsteinsystem vorgesehen ist, muss nicht automatisch bei einem anderen System geeignet sein.

Regenhaube oder offener Mündungsabschluss: Was ist die bessere Lösung?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Für viele Edelstahlschornsteine ist der vom Hersteller vorgesehene offene Mündungsabschluss völlig ausreichend. Niederschlagswasser wird innerhalb des Systems abgeführt und die Abgase können frei austreten.

Eine zusätzliche Regenhaube sollte einen konkreten Zweck erfüllen.

Eine einfache Orientierung:

Eher ohne zusätzliche Regenhaube:

  • Der Hersteller sieht einen offenen Mündungsabschluss vor.
  • Der Schornstein besitzt eine funktionierende Wasserableitung.
  • Es gibt keine besonderen Probleme mit Niederschlag oder Wind.
  • Der Schornsteinzug funktioniert problemlos.
  • Austretendes Wasser wird an einer geeigneten Stelle abgeführt.

Eine Regenhaube kann geprüft werden, wenn:

  • außergewöhnlich viel Niederschlagswasser in die Anlage gelangt,
  • der Wasserablauf an einer ungünstigen Stelle endet,
  • besondere örtliche Bedingungen bestehen,
  • ein bestimmter Mündungsaufsatz ein vorhandenes Windproblem lösen soll,
  • der Hersteller für das verwendete System eine passende Ausführung anbietet.

Vor einer nachträglichen Montage lohnt sich ein Blick in die Montageunterlagen des Schornsteins. Dort ist häufig bereits festgelegt, welche Mündungselemente zum System gehören.

Bei einer neuen Anlage sollte die gewünschte Ausführung außerdem frühzeitig mit dem zuständigen Schornsteinfeger beziehungsweise dem planenden Fachbetrieb abgestimmt werden. Das gilt besonders dann, wenn nicht der reguläre Mündungsabschluss des Herstellers verwendet werden soll.

Entscheidend ist das Gesamtsystem

Eine Regenhaube ist beim Edelstahlschornstein weder grundsätzlich notwendig noch grundsätzlich problematisch. Ein korrekt ausgeführtes System kann Niederschlagswasser normalerweise kontrolliert aufnehmen und wieder ableiten. Deshalb besteht kein Grund, allein wegen einer offenen Schornsteinmündung sofort eine Abdeckung nachzurüsten.

Sinnvoll wird eine Haube dort, wo sie ein konkretes Problem löst und als passendes Bauteil für das verwendete System vorgesehen ist. Gleichzeitig darf sie die Abgasströmung, Reinigung und sichere Funktion der Anlage nicht beeinträchtigen.

Wer bereits einen problemlos funktionierenden Edelstahlschornstein mit regulärem Mündungsabschluss besitzt, braucht eine Regenhaube daher meist nicht vorsorglich nachzurüsten.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie viel Regen kommt überhaupt in einen offenen Schornstein?

Das hängt vom Innendurchmesser, der Niederschlagsmenge und den Windverhältnissen ab. Bei einem geeigneten Edelstahlschornsteinsystem wird eindringendes Wasser nach unten geführt und über einen vorgesehenen Ablauf abgeführt.

Kann Regenwasser einen Edelstahlschornstein rosten lassen?

Geeignete Edelstahlschornsteine bestehen im abgasführenden Bereich aus korrosionsbeständigen Werkstoffen und sind für die vorgesehenen Betriebsbedingungen ausgelegt. Entscheidend sind die richtige Systemauswahl, Montage und Wasserableitung.

Muss der Kondensatablauf eines Edelstahlschornsteins kontrolliert werden?

Ja. Besonders bei Festbrennstoffanlagen können sich Ruß und andere Rückstände im Bereich des Ablaufs sammeln. Ein zugesetzter Ablauf kann verhindern, dass Niederschlags- oder Kondensatwasser zuverlässig abfließt.

Schützt eine Regenhaube vor Vögeln?

Eine einfache Regenhaube nur eingeschränkt. Soll das Eindringen von Vögeln verhindert werden, muss eine dafür vorgesehene Konstruktion verwendet werden. Dabei darf der freie Abgasquerschnitt nicht unzulässig eingeschränkt werden.

Kann man jede Regenhaube auf jeden Edelstahlschornstein setzen?

Nein. Durchmesser allein reicht als Auswahlkriterium nicht aus. Bauteile sollten zum jeweiligen Schornsteinsystem passen und für dessen Betriebsbedingungen vorgesehen sein.

Darf eine Regenhaube nachträglich montiert werden?

Das hängt vom Schornsteinsystem und der angeschlossenen Feuerstätte ab. Vor einer Nachrüstung sollten deshalb die Herstellervorgaben geprüft und bei Bedarf der zuständige Schornsteinfeger oder Fachbetrieb einbezogen werden.

Passend zum Thema

Passende Kategorien

Gezielt ausgewählt

Passende Auswahl

Weiterlesen

Weitere Ratgeber