Wie weit muss der Schornstein wirklich über das Dach ragen?

Wie weit muss der Schornstein wirklich über das Dach ragen?

Bei der Höhe eines Schornsteins über dem Dach hält sich eine einfache Zahl besonders hartnäckig: 40 Zentimeter. Ganz falsch ist sie nicht – als pauschale Antwort reicht sie inzwischen aber oft nicht mehr aus. Vor allem bei neuen Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe spielt nicht nur die Höhe über dem Dach eine Rolle, sondern auch die Position der Schornsteinmündung zum First. Hinzu kommen Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen in der Umgebung sowie besondere bauliche Situationen.

Deshalb kann ein Schornstein bei einem Haus relativ kurz über dem Dach enden, während bei einem anderen Gebäude ein deutlich längerer Aufbau notwendig wird. Auch Dachform, Dachneigung und benachbarte Gebäude können die Planung beeinflussen.

Wer einen Kaminofen, Pelletofen oder eine andere Festbrennstoffanlage anschließen möchte, sollte die erforderliche Höhe deshalb nicht allein anhand einer allgemeinen Zentimeterangabe bestimmen. Entscheidend ist immer die konkrete Situation am Gebäude.

Bei neuen Festbrennstoffanlagen sind 40 Zentimeter über dem First entscheidend

Für Feuerungsanlagen mit festen Brennstoffen, die nach dem 31. Dezember 2021 neu errichtet werden, gelten verschärfte Anforderungen an die Ableitung der Abgase.

Grundsätzlich muss die Austrittsöffnung des Schornsteins:

  • firstnah angeordnet sein
  • den Dachfirst um mindestens 40 Zentimeter überragen

Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder beliebige Schornstein einfach bis 40 Zentimeter oberhalb des Firstes verlängert werden kann. Auch seine Position auf dem Dach ist relevant.

Als firstnah gilt die Mündung nur, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind:

  1. Der horizontale Abstand zum First ist kleiner als der horizontale Abstand zur Traufe.
  2. Der vertikale Abstand der Mündung zum First ist größer als ihr horizontaler Abstand zum First.

Damit soll erreicht werden, dass Abgase möglichst außerhalb ungünstiger Luftströmungen am Dach austreten und anschließend besser abtransportiert werden können.

Ein einfaches Beispiel

Steht ein Edelstahlschornstein direkt oder relativ dicht am First, lässt sich die vorgeschriebene Mündungshöhe häufig mit einem vergleichsweise kurzen Stück oberhalb des Daches erreichen.

Verläuft der Schornstein dagegen weit unten an einer Außenwand und tritt nahe der Traufe nach oben, kann eine erhebliche zusätzliche Höhe notwendig werden. Bei ungünstigen Gebäudegeometrien muss deshalb schon bei der Planung geprüft werden, ob die vorgesehene Position überhaupt sinnvoll ist.

Gerade bei außen montierten Edelstahlschornsteinen kann die Wahl der Wandseite daher einen erheblichen Unterschied machen.

Dachneigung und Schornsteinposition verändern die erforderliche Höhe

Die sichtbare Länge oberhalb der Dachfläche lässt sich nicht mit einer einzigen festen Zahl bestimmen. Entscheidend ist, von welchem Bezugspunkt aus gemessen wird.

Bei einem klassischen Satteldach mit einer ausreichend großen Dachneigung ist der tatsächliche First der entscheidende Orientierungspunkt. Die Mündung muss bei den genannten Neuanlagen mindestens 40 Zentimeter darüber liegen.

Bei flachen Dächern wird es etwas komplizierter.

Hat das Dach eine Neigung von weniger als 20 Grad, wird für die Berechnung ein fiktiver Dachfirst mit einer angenommenen Dachneigung von 20 Grad zugrunde gelegt. Ein nahezu flaches Dach bedeutet deshalb nicht automatisch, dass wenige Zentimeter Rohr oberhalb der tatsächlichen Dachfläche genügen.

Eine grobe Einordnung:

Situation

Wichtiger Bezugspunkt

Neues Festbrennstoffsystem ab 2022

mindestens 40 cm über dem First und firstnah

Dachneigung unter 20°

rechnerischer First bei angenommener 20°-Dachneigung

Schornstein weit von der Firstzone entfernt

individuelle Prüfung kann erforderlich werden

Besondere Gebäudegeometrie

gegebenenfalls Berechnung nach VDI 3781 Blatt 4

Hohe Nachbargebäude oder Hanglage

zusätzliche Bewertung der Abgasableitung möglich

Die 40 Zentimeter beschreiben also nicht zwingend die Strecke zwischen Dachhaut und Schornsteinmündung. Je nachdem, wo der Schornstein durch das Dach geführt wird oder an der Außenwand verläuft, kann der tatsächlich sichtbare Aufbau deutlich länger sein.

Fenster und Türen in der Umgebung können den Schornstein noch höher machen

Selbst wenn die Mündung 40 Zentimeter oberhalb des Firstes liegt, ist die Planung damit nicht automatisch abgeschlossen.

Für Feuerungsanlagen bis 50 Kilowatt muss die Schornsteinmündung zusätzlich innerhalb eines Umkreises von 15 Metern die Oberkanten bestimmter Öffnungen um mindestens einen Meter überragen. Dazu gehören insbesondere:

  • Fenster
  • Türen
  • Lüftungsöffnungen

Das betrifft nicht nur das eigene Gebäude. Auch Öffnungen benachbarter Gebäude können relevant werden, sofern sie innerhalb des maßgeblichen Bereichs liegen.

Für einen gewöhnlichen Kaminofen mit beispielsweise 6 oder 8 Kilowatt liegt die Anlage deutlich unter der Grenze von 50 Kilowatt. Trotzdem gilt der entsprechende Abstand zu den Öffnungen.

Ein typisches Beispiel zeigt, warum das wichtig ist:

Auf einem eingeschossigen Anbau soll ein Schornstein für einen Kaminofen installiert werden. Direkt daneben befindet sich ein zweigeschossiges Wohnhaus mit einem geöffneten Schlafzimmerfenster in deutlich größerer Höhe. Obwohl der Schornstein die Anforderungen des eigenen Daches erfüllen könnte, kann die Mündung gegenüber dem Fenster noch zu niedrig liegen.

Die benötigte Höhe ergibt sich daher nicht ausschließlich aus dem Dach, auf dem der Schornstein steht.

Bei größeren Feuerungsleistungen steigen sowohl die vorgeschriebenen Höhenunterschiede als auch die zu berücksichtigenden Umkreise. Für normale Einzelraumfeuerstätten im Wohnbereich ist allerdings meist die Regelung bis 50 Kilowatt relevant.

Warum ältere Schornsteine teilweise anders aussehen

Wer durch ein Wohngebiet geht, entdeckt schnell Schornsteine, die scheinbar überhaupt nicht zu den heutigen Anforderungen passen. Manche enden nur wenig oberhalb einer Dachfläche, andere liegen deutlich entfernt vom First.

Das muss nicht bedeuten, dass diese Anlagen falsch ausgeführt wurden.

Für ältere Feuerungsanlagen gelten teilweise andere Regelungen. Relevant sind unter anderem das Errichtungsdatum und die Frage, ob eine Anlage später wesentlich geändert oder die Feuerstätte ausgetauscht wurde.

Bei Festbrennstoffanlagen, die bereits vor dem 1. Januar 2022 errichtet und in Betrieb genommen wurden und anschließend wesentlich verändert werden, bestehen beispielsweise weiterhin alternative Vorgaben abhängig von der Dachneigung.

Dabei können unter bestimmten Voraussetzungen folgende Abstände maßgeblich sein:

Dachneigung bis einschließlich 20 Grad

Die Mündung muss entweder

  • den First mindestens 40 Zentimeter überragen oder
  • mindestens einen Meter von der Dachfläche entfernt sein.

Dachneigung über 20 Grad

Hier muss die Mündung entweder

  • den First mindestens 40 Zentimeter überragen oder
  • einen horizontal gemessenen Abstand von mindestens 2,30 Metern zur Dachfläche besitzen.

Auch beim Austausch einer Feuerstätte können entsprechende Vorgaben relevant werden.

Deshalb sollte man einen älteren Schornstein nicht einfach als Vorlage für eine neue Anlage verwenden. Ein Gebäude, dessen Schornstein seit Jahrzehnten besteht, kann nach anderen Voraussetzungen geplant worden sein als ein heute neu errichtetes System.

Bei Bestandsgebäuden kann es außerdem Sonderfälle geben, wenn die aktuellen Anforderungen im konkreten Fall unverhältnismäßig wären. Solche Fälle müssen individuell bewertet werden.

Mehr Höhe ist nicht automatisch besser

Ein Schornstein muss hoch genug sein, damit die gesetzlichen und technischen Anforderungen erfüllt werden. Daraus folgt jedoch nicht, dass man vorsorglich einfach mehrere Meter zusätzlich montieren sollte.

Bei einem Edelstahlschornstein spielt beispielsweise auch die Statik eine Rolle. Je länger das Rohr oberhalb der letzten Befestigung frei steht, desto größer werden die Belastungen durch Wind.

Hersteller geben deshalb für ihre Schornsteinsysteme maximale freie Höhen oberhalb der letzten Halterung vor. Wird diese Grenze überschritten, können je nach System zusätzliche Maßnahmen erforderlich sein, beispielsweise:

  • ein statisch ausgelegter Wandhalter
  • ein Kragarm
  • zusätzliche Befestigungspunkte
  • eine geeignete Abspannung

Auch die gesamte Schornsteinhöhe ist für die Funktion der Feuerstätte relevant. Sie beeinflusst unter anderem die Druckverhältnisse im Schornstein. Der erforderliche Förderdruck hängt wiederum von Feuerstätte, Abgasweg, Querschnitt, Temperatur und weiteren Faktoren ab.

Eine hohe Schornsteinmündung löst daher nicht automatisch jedes Zugproblem.

Vor der Montage sollten diese Punkte geklärt sein

Für eine belastbare Planung sollten mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

  • Welche Feuerstätte wird angeschlossen?
  • Welcher Brennstoff wird verwendet?
  • Handelt es sich um eine Neuinstallation oder eine bestehende Anlage?
  • Wie hoch und wie steil ist das Dach?
  • Wo befindet sich der Dachfirst?
  • An welcher Stelle soll der Schornstein verlaufen?
  • Welche Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen befinden sich im maßgeblichen Umfeld?
  • Gibt es höhere Nachbargebäude?
  • Befindet sich das Gebäude in einer Hanglage?
  • Welche freie Höhe erlaubt das verwendete Schornsteinsystem statisch?

Besonders bei einem außen geführten Edelstahlschornstein lohnt es sich, diese Fragen vor der Bestellung der einzelnen Bauteile zu klären. Schon eine andere Position an der Fassade kann die benötigte Gesamthöhe deutlich verändern.

Entscheidend ist die Mündung – nicht eine pauschale Rohrlänge

Für einen neu errichteten Kaminofen oder eine andere Festbrennstoffanlage lässt sich die nötige Höhe nicht seriös mit „ein Meter über Dach“ oder einer ähnlichen Faustregel beantworten. Bei neuen Anlagen steht grundsätzlich die firstnahe Mündung mindestens 40 Zentimeter über dem First im Mittelpunkt. Zusätzlich müssen Öffnungen im Umfeld und gegebenenfalls besondere Gebäude- oder Geländesituationen berücksichtigt werden.

Bei älteren Anlagen können andere Vorgaben gelten. Gleichzeitig setzt die Statik Grenzen dafür, wie weit ein Edelstahlschornstein ohne zusätzliche Sicherung frei nach oben geführt werden darf.

Deshalb wird die endgültige Schornsteinhöhe sinnvollerweise für das konkrete Gebäude bestimmt und vor der Montage mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abgestimmt.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Muss ein Schornstein immer höher sein als das Nachbarhaus?

Nicht grundsätzlich. Entscheidend sind unter anderem die Position und Höhe relevanter Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen sowie die konkrete Bebauung. Bei besonderen Situationen kann eine weitergehende Berechnung erforderlich werden.

Wird die Schornsteinhöhe senkrecht oder entlang des Daches gemessen?

Das hängt von der jeweiligen Anforderung ab. Höhenunterschiede werden grundsätzlich vertikal betrachtet, während manche ältere Regelungen einen horizontalen Abstand zur Dachfläche vorsehen. Deshalb sollte genau darauf geachtet werden, welches Maß gemeint ist.

Darf ein Edelstahlschornstein mehrere Meter frei über das Dach hinausragen?

Nur wenn das verwendete System dafür statisch geeignet ist. Hersteller legen fest, welche freie Höhe oberhalb der letzten Befestigung zulässig ist. Bei größeren Höhen können zusätzliche Halterungen, Kragarme oder Abspannungen erforderlich werden.

Kann ein zu kurzer Schornstein nachträglich verlängert werden?

Grundsätzlich können viele Systemschornsteine erweitert werden. Vorher muss jedoch geprüft werden, ob Befestigungen, Statik, Querschnitt und die übrige Auslegung weiterhin passen. Eine Verlängerung sollte deshalb nicht nur aus zusätzlichen Rohrelementen bestehen.

Muss der Schornsteinfeger die geplante Höhe vorher prüfen?

Eine vorherige Abstimmung ist sehr sinnvoll. Besonders bei neuen Feuerstätten können Position und Höhe dadurch geklärt werden, bevor Durchbrüche hergestellt oder Schornsteinbauteile bestellt werden.

Gilt die Regelung auch für einen Pelletofen?

Ein Pelletofen verwendet feste Brennstoffe und fällt grundsätzlich ebenfalls unter die entsprechenden Anforderungen für Festbrennstoffanlagen. Die konkrete Ausführung hängt jedoch von der Feuerstätte, der Abgasanlage und der jeweiligen Gebäudesituation ab.

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