Entscheidend ist nicht das Alter, sondern ob der Ofen heute betrieben werden darf
Bei gebrauchten Kaminöfen sorgt die 1. BImSchV regelmäßig für Verwirrung. Ein häufiger Denkfehler: Wenn ein alter Ofen bisher betrieben werden durfte, könne er einfach verkauft, an einem anderen Ort angeschlossen und dort weiterverwendet werden.
So einfach ist es nicht.
Wird eine gebrauchte Feuerstätte an einem neuen Standort errichtet, muss geprüft werden, welche Anforderungen für diese Neuerrichtung gelten. Bei einem klassischen Kaminofen sind dabei insbesondere die vorgeschriebenen Emissionswerte und der Mindestwirkungsgrad relevant.
Für Raumheizer mit Flachfeuerung gelten bei der Stufe 2 beispielsweise folgende Werte:
Prüfwert |
Anforderung |
|---|---|
Kohlenmonoxid (CO) |
maximal 1,25 g/m³ |
Staub |
maximal 0,04 g/m³ |
Mindestwirkungsgrad |
mindestens 73 % |
Entscheidend ist allerdings immer die konkrete Feuerstättenart. Für Pelletöfen, Herde, Kamineinsätze oder andere Bauarten gelten teilweise andere Werte.
Das Baujahr allein beantwortet deshalb nicht die entscheidende Frage. Ein älteres Modell kann die notwendigen Werte durchaus erfüllen, während bei einem anderen Gerät aus einem ähnlichen Zeitraum der erforderliche Nachweis fehlt.
Diese Angaben solltest du vor dem Kauf verlangen
Am besten lässt du dir vom Verkäufer bereits vor einer Besichtigung folgende Informationen schicken:
- Hersteller
- genaue Modell- oder Typbezeichnung
- Foto des Typenschildes
- Herstellungsjahr beziehungsweise Angaben zur Bauart
- Nennwärmeleistung
- vorhandene Bedienungs- und Montageanleitung
- Prüfbescheinigung oder Herstellerunterlagen
- Angaben zu Staub, CO und Wirkungsgrad
Mit diesen Daten kannst du recherchieren, ob das Modell die notwendigen Anforderungen erfüllt.
Fehlen die ursprünglichen Dokumente, ist das noch nicht zwangsläufig das Ende der Suche. Für zahlreiche Feuerstätten sind technische Daten beispielsweise in der HKI-Feuerstättendatenbank hinterlegt. Auch der Hersteller kann bei älteren Modellen teilweise noch entsprechende Nachweise bereitstellen.
Bei einem Ofen ohne eindeutig lesbares Typenschild und ohne nachvollziehbare Modellbezeichnung wäre ich dagegen sehr zurückhaltend. Ein Verkäuferhinweis wie „Der Schornsteinfeger hatte nie etwas dagegen“ ersetzt keinen Nachweis für die neue Installation.
Vorher klären, ob Ofen und geplanter Standort zusammenpassen
Selbst ein technisch einwandfreier und emissionsrechtlich geeigneter Kaminofen kann für dein Haus die falsche Wahl sein.
Denn für die spätere Nutzung zählt das gesamte System aus Feuerstätte, Verbindungsstück, Schornstein, Verbrennungsluftversorgung und Aufstellraum.
Deshalb ist es sinnvoll, den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger bereits vor dem Kauf einzubeziehen. Mit Hersteller, Modell, Leistung und technischen Unterlagen kann er wesentlich besser einschätzen, ob das Gerät am vorgesehenen Standort grundsätzlich infrage kommt.
Unter anderem können folgende Punkte relevant sein:
- vorhandener Schornstein und dessen Querschnitt
- wirksame Schornsteinhöhe
- vorgesehener Rauchrohranschluss
- notwendige Abstände zu brennbaren Bauteilen
- Boden- und Wandaufbau
- Verbrennungsluftversorgung
- gleichzeitiger Betrieb einer Lüftungsanlage oder Dunstabzugshaube
- vorhandene weitere Feuerstätten am selben Schornstein
Auch die Leistung solltest du nicht ignorieren. Ein alter 9-kW-Ofen wird nicht dadurch sinnvoller, dass er gebraucht nur 400 Euro kostet. In einem kleinen oder gut gedämmten Raum kann ein zu leistungsstarkes Gerät schnell dazu führen, dass der Raum unangenehm warm wird und der Ofen ständig gedrosselt betrieben werden soll.
Nach dem Einbau muss die Feuerstätte vor der regulären Nutzung entsprechend geprüft beziehungsweise abgenommen werden. Den gebrauchten Ofen einfach anschließen und ausprobieren solltest du daher nicht als Abkürzung einplanen.
Beim Zustand zählt mehr als eine saubere Lackierung
Ein frisch gereinigter Kaminofen kann auf Bildern erstaunlich gut aussehen. Interessanter ist, was sich hinter der Feuerraumtür befindet.
Gebrauchsspuren sind bei einem gebrauchten Gerät normal. Bestimmte Schäden können dagegen Reparaturen notwendig machen oder gegen den Kauf sprechen.
Feuerraumauskleidung
Je nach Modell besteht die Auskleidung beispielsweise aus Vermiculite, Schamotte oder anderen feuerfesten Materialien.
Kleine oberflächliche Risse müssen nicht automatisch problematisch sein. Deutlich ausgebrochene Platten, fehlende Stücke oder stark beschädigte Formteile solltest du jedoch berücksichtigen.
Prüfe vor allem, ob Ersatz erhältlich ist. Bei einem verbreiteten Modell kann ein neuer Satz Feuerraumplatten unkompliziert zu beschaffen sein. Bei einem seit vielen Jahren eingestellten Modell kann genau das schwierig werden.
Tür, Scharniere und Dichtungen
Die Feuerraumtür sollte sich sauber schließen lassen und nicht sichtbar hängen.
Achte auf:
- leichtgängige, aber nicht ausgeschlagene Scharniere
- funktionierenden Türverschluss
- intakte Dichtung
- gleichmäßigen Sitz der Tür
- Beschädigungen am Türrahmen
Eine Türdichtung ist ein klassisches Verschleißteil und normalerweise kein Grund, einen ansonsten guten Ofen auszuschließen. Problematischer sind verzogene Türen, beschädigte Verschlüsse oder Bauteile, die für das betreffende Modell nicht mehr erhältlich sind.
Sichtscheibe
Eine verrußte Scheibe sieht unschön aus, sagt allein aber wenig über ihren Zustand aus. Ruß lässt sich häufig entfernen.
Anders sieht es bei Rissen, Abplatzungen oder mechanischen Beschädigungen aus. Eine neue Ofenscheibe kann zwar häufig beschafft werden, doch Formscheiben oder gebogene Spezialgläser können deutlich teurer sein als einfache rechteckige Scheiben.
Korpus und Feuerraum
Schau dir den Ofen nach Möglichkeit nicht nur von vorne an. Kontrolliere auch Rückseite, Anschlüsse und den inneren Feuerraum.
Starke Verformungen, ungewöhnliche Risse, massive Korrosion oder offensichtlich reparierte Bauteile sollten genauer untersucht werden.
Auch selbst ausgeführte Veränderungen sind ein Warnsignal. Zusätzliche Bohrungen, veränderte Luftführungen oder improvisierte Bauteile können die geprüfte Konstruktion des Geräts verändern.
Ersatzteile können über den tatsächlichen Wert des Ofens entscheiden
Bei einem gebrauchten Kaminofen ist nicht nur interessant, was heute kaputt ist. Ebenso wichtig ist die Frage, was du in fünf Jahren noch reparieren kannst.
Viele Bauteile eines Ofens unterliegen Verschleiß. Dazu gehören beispielsweise:
- Tür- und Scheibendichtungen
- Feuerraumauskleidungen
- Roste
- Aschekästen
- Türverschlüsse
- Griffe
- Zugumlenkungen
- Scheiben
- einzelne Elemente der Luftregelung
Bei einem bekannten Hersteller mit langfristiger Ersatzteilversorgung ist ein zehn oder fünfzehn Jahre altes Modell deshalb unter Umständen wesentlich interessanter als ein ähnlich alter Ofen eines Herstellers, der nicht mehr existiert.
Vor dem Kauf lohnt sich eine kleine Ersatzteilprobe: Suche nicht nur allgemein nach dem Modellnamen, sondern gezielt nach zwei oder drei typischen Teilen.
Zum Beispiel:
„Hersteller + Modell + Türdichtung“
„Hersteller + Modell + Feuerraumauskleidung“
„Hersteller + Modell + Sichtscheibe“
Findest du die Teile bei mehreren Händlern oder direkt beim Hersteller, ist das ein gutes Zeichen. Gibt es dagegen praktisch keine Informationen mehr zu dem Modell, solltest du einen deutlich höheren Reparaturaufwand einkalkulieren.
Ein sehr niedriger Kaufpreis relativiert sich schnell, wenn anschließend mehrere Spezialteile benötigt werden.
Diese Checkliste hilft vor der endgültigen Entscheidung
Ein guter Gebrauchtkauf beginnt deshalb nicht mit der Frage „Was kostet der Ofen?“, sondern mit „Was weiß ich über diesen Ofen?“.
Vor der Zahlung sollten möglichst viele der folgenden Punkte geklärt sein:
Unterlagen und Identifikation
- Typenschild vollständig lesbar
- Hersteller eindeutig bekannt
- exakte Typbezeichnung vorhanden
- technische Unterlagen verfügbar
- erforderliche Emissionswerte nachweisbar
- Wirkungsgrad dokumentiert
Technischer Zustand
- Tür schließt korrekt
- Scharniere und Verschluss funktionieren
- Scheibe ohne Risse
- Korpus ohne erkennbare gravierende Schäden
- Feuerraumauskleidung kontrolliert
- keine fragwürdigen Umbauten erkennbar
- Rauchrohranschluss unbeschädigt
Ersatzteile
- Türdichtung erhältlich
- Feuerraumauskleidung erhältlich
- Scheibe oder passende Ersatzlösung verfügbar
- wichtige modellspezifische Bauteile noch beschaffbar
Geplanter Einbau
- Leistung passt zum vorgesehenen Einsatz
- Anschlussart ist geeignet
- Anforderungen an Abstände bekannt
- Schornstein grundsätzlich geeignet
- geplanter Standort mit dem Schornsteinfeger geklärt
Gerade beim Kauf über Kleinanzeigen solltest du diese Informationen möglichst vor einer längeren Anfahrt einholen. Drei Fotos vom Ofen im Wohnzimmer reichen dafür nicht. Bitte gezielt um Bilder vom Typenschild, Feuerraum, Türbereich, Rauchrohranschluss und von der Rückseite.
Ein niedriger Kaufpreis allein ist kein gutes Auswahlkriterium
Ein gebrauchter Kaminofen kann eine vernünftige Option sein, wenn das Modell eindeutig identifiziert werden kann, die notwendigen Nachweise vorhanden sind und der technische Zustand stimmt. Besonders interessant sind Geräte, bei denen Hersteller und Ersatzteilversorgung weiterhin bestehen.
Bei Feuerstätten ohne Typenschild, ohne technische Dokumentation oder mit unklarer Zulässigkeit steigt dagegen das Risiko erheblich. Dann kaufst du im Zweifel erst den Ofen und stellst anschließend fest, dass er am vorgesehenen Standort nicht genutzt werden kann.
Deshalb sollte die Reihenfolge immer sein: Modell identifizieren, Anforderungen prüfen, Standort klären, Zustand kontrollieren und erst anschließend über den Preis entscheiden. Das erspart deutlich mehr Ärger als eine besonders erfolgreiche Preisverhandlung.





