Welche Materialien sich für selbst gemachte Anzünder eignen
Für einen einfachen festen Anzünder braucht es grundsätzlich zwei Bestandteile: ein Material mit viel Oberfläche, das eine Flamme gut annimmt, und einen brennbaren Stoff, der die Brenndauer verlängert.
Eine bewährte Kombination besteht aus unbehandelter Holzwolle und Wachs. Die feinen Holzfasern fangen vergleichsweise leicht Feuer. Das Wachs sorgt dafür, dass die Flamme länger erhalten bleibt und genügend Zeit hat, dünnes Anzündholz oder Grillkohle zu entzünden.
Geeignet sein können beispielsweise:
- trockene Holzwolle aus unbehandeltem Holz
- saubere, trockene Hobel- oder Holzspäne
- kleine Stücke unbehandelten Weichholzes
- Kerzenwachsreste ohne Dekorationen oder Fremdkörper
- Paraffin- oder Pflanzenwachs, sofern keine unbekannten Zusätze enthalten sind
Bei Kerzenresten lohnt sich ein genauer Blick. Stark parfümierte Kerzen, Glitzerkerzen, beschichtete Dekokerzen oder Produkte mit unbekannter Zusammensetzung sind für diesen Zweck keine besonders gute Resteverwertung. Nur weil etwas aus Wachs besteht, bedeutet das nicht automatisch, dass man seine Verbrennungsprodukte im Grill oder Ofen haben möchte.
Holzwolle-Wachs-Anzünder einfach herstellen
Eine unkomplizierte Variante funktioniert so:
- Trockene Holzwolle zu kleinen, lockeren Bündeln formen.
- Saubere Wachsreste vorsichtig erwärmen.
- Die Holzwolle teilweise mit dem flüssigen Wachs benetzen.
- Überschüssiges Wachs abtropfen lassen.
- Die Anzünder auf einer nicht brennbaren Unterlage vollständig erkalten lassen.
- Trocken und getrennt von Wärmequellen lagern.
Die Holzwolle sollte dabei nicht vollständig in einem massiven Wachsblock verschwinden. Freie Holzfasern erleichtern das Anzünden.
Beim Erwärmen des Wachses ist Vorsicht nötig. Wachs ist selbst brennbar. Es sollte nicht direkt über einer offenen Flamme erhitzt und währenddessen nicht unbeaufsichtigt gelassen werden. Gerät heißes Wachs in Brand, darf nicht mit Wasser gelöscht werden.
Warum Eierkartons, Zeitung und andere Haushaltsreste problematisch sein können
Im Internet findet man zahlreiche Anleitungen, bei denen Eierkartons mit Sägespänen gefüllt und anschließend mit Wachs ausgegossen werden. Technisch kann eine solche Mischung durchaus brennen. Daraus folgt aber noch nicht, dass sie für jede Feuerstätte eine sinnvolle Lösung ist.
Gerade beim Kaminofen sollte zwischen einer Anzündhilfe und beliebigem brennbarem Abfall unterschieden werden. Papier, Pappe, Verpackungen sowie behandeltes oder beschichtetes Holz sind kein Ersatz für geeigneten Brennstoff.
Bei Zeitungspapier kommt ein weiteres praktisches Problem hinzu: Leichte Asche kann beim Öffnen der Feuerraumtür oder bei starkem Zug aufgewirbelt werden. Außerdem brennt dünnes Papier schnell ab, während etwas länger brennende Holzwolle leichter genügend Wärme auf das Anzündholz übertragen kann.
Material |
Einschätzung |
Warum? |
|---|---|---|
Unbehandelte Holzwolle |
gut geeignet |
große Oberfläche, gut dosierbar |
Saubere Holzspäne |
geeignet |
funktionieren trocken und locker verarbeitet |
Naturbelassenes Anzündholz |
sehr gut geeignet |
gehört ohnehin zum klassischen Anzündaufbau |
Sauberes Wachs |
als Bestandteil geeignet |
verlängert die Brenndauer |
Zeitungspapier |
eher vermeiden |
kurze Brenndauer und leichte Asche |
Eierkartons |
besonders beim Ofen kritisch prüfen |
Pappe ist nicht als regulärer Brennstoff gedacht |
Lackiertes Holz |
ungeeignet |
Beschichtungen können problematische Verbrennungsprodukte erzeugen |
Spanplatten oder MDF |
ungeeignet |
enthalten Bindemittel und weitere Bestandteile |
Kunststoff |
ungeeignet |
gehört weder in Grill noch Kaminofen |
Auch Sägemehl ist nicht automatisch unproblematisch. Stammt es aus einer Werkstatt, in der Spanplatten, beschichtete Möbelplatten oder lackiertes Holz bearbeitet werden, lässt sich oft nicht mehr sicher nachvollziehen, welche Stoffe enthalten sind. Für Anzünder sollte ausschließlich Material aus eindeutig unbehandeltem Holz verwendet werden.
Beim Grill gelten strengere Anforderungen an die Materialwahl
Ein selbst hergestellter Kaminanzünder und ein Grillanzünder erfüllen zwar dieselbe Grundfunktion, ihre Einsatzbedingungen unterscheiden sich jedoch.
Beim Holzkohlegrill werden anschließend Lebensmittel über der Glut gegart. Deshalb solltest du besonders zurückhaltend mit Materialien sein, deren Zusammensetzung nicht eindeutig bekannt ist.
Für industriell angebotene Grillanzündhilfen existieren Sicherheitsanforderungen und Prüfverfahren. Ein selbst hergestellter Anzünder besitzt diese geprüften Eigenschaften naturgemäß nicht. Du weißt beispielsweise nicht anhand einer standardisierten Prüfung, wie gleichmäßig er abbrennt oder welche Rückstände entstehen.
Für selbst gemachte Varianten bedeutet das:
- nur eindeutig saubere Ausgangsmaterialien verwenden
- keine Farben, Lacke oder Klebstoffreste einsetzen
- keine parfümierten oder dekorierten Wachsprodukte verwenden
- möglichst kleine Mengen einsetzen
- mit dem Grillen erst beginnen, wenn der Anzünder vollständig verbrannt ist und sich eine geeignete Glut gebildet hat
Wer maximale Berechenbarkeit möchte, ist beim Holzkohlegrill mit einer geprüften festen Grillanzündhilfe oder einem Anzündkamin besser bedient. Selbst gemachte Anzünder sind nicht automatisch gefährlich, aber ihre Eigenschaften hängen vollständig von Material und Herstellung ab.
Flüssige Brandbeschleuniger sind keine Abkürzung
Besonders deutlich ist die Grenze bei Spiritus, Benzin und vergleichbaren brennbaren Flüssigkeiten. Sie sollten weder Bestandteil selbst gemachter Anzünder sein noch nachträglich auf Holz oder Grillkohle gegeben werden.
Das Problem besteht nicht nur darin, dass die Flüssigkeit selbst brennt. Brennbare Dämpfe können sich ausbreiten und schlagartig entzünden. Beim Nachgießen auf bereits warme Kohle oder vermeintlich erloschene Glut lässt sich außerdem nur schwer erkennen, wo noch ausreichend Hitze für eine Entzündung vorhanden ist.
Auch folgende Experimente solltest du vermeiden:
- Holzwolle mit Benzin oder Spiritus tränken
- Grillkohle mit brennbaren Flüssigkeiten übergießen
- Alkohol in selbst gebaute Behälter oder Kartonformen füllen
- Anzünder mit Lösungsmitteln herstellen
- einen schwach brennenden Anzünder durch Nachgießen „unterstützen“
Ein fester Anzünder muss nicht explosionsartig Feuer fangen. Im Gegenteil: Seine Aufgabe besteht darin, einige Zeit kontrolliert zu brennen und dadurch das darüberliegende Material schrittweise zu entzünden.
So verwendest du selbst gemachte Anzünder sinnvoll
Auch ein vernünftig hergestellter Anzünder funktioniert nur dann gut, wenn der restliche Aufbau stimmt. Ein großer Holzscheit wird durch eine kleine Flamme nur schwer direkt entzündet.
Im Kaminofen
Bei vielen modernen Scheitholzöfen wird das Feuer von oben angezündet. Dabei liegen die größeren Scheite unten. Darüber kommen kleinere Holzstücke beziehungsweise Anzündholz und ganz oben die Anzündhilfe.
Wichtig ist, dass genügend Luft zwischen den Holzstücken vorhanden bleibt. Ein dicht gepackter Holzstapel kann die Verbrennung erschweren.
Die konkrete Vorgehensweise richtet sich allerdings immer nach der Bedienungsanleitung des Ofens. Luftregler, Brennraumkonstruktion und Herstellerempfehlungen unterscheiden sich.
Verwende außerdem ausschließlich trockenes und unbehandeltes Brennholz. Ein guter Anzünder kann feuchtes Holz nicht sinnvoll kompensieren. Statt einer sauberen Verbrennung entstehen dann leichter Rauch und unnötige Emissionen.
Am Holzkohlegrill
Beim Grill sollte der Anzünder so positioniert werden, dass sich seine Flamme auf mehrere Kohlestücke übertragen kann. Je nach Grill funktioniert das direkt im Kohlehaufen oder in einem Anzündkamin.
Nach dem Entzünden gilt:
- Grill stabil und möglichst windgeschützt aufstellen.
- Feuer und Glut nicht unbeaufsichtigt lassen.
- Brennbare Gegenstände auf Abstand halten.
- Keine brennbaren Flüssigkeiten nachgießen.
- Erst grillen, wenn die Anzündhilfe vollständig abgebrannt ist.
- Glut nach der Nutzung vollständig auskühlen lassen.
Holzkohlegrills gehören ausschließlich in geeignete Außenbereiche. Auch scheinbar ausgekühlte Kohle kann noch Kohlenmonoxid freisetzen. Deshalb sollte ein Grill weder in geschlossenen Räumen betrieben noch zum Auskühlen ins Gebäude gestellt werden.
Selbermachen ja – aber mit überschaubaren Zutaten
Für einfache selbst gemachte Anzünder braucht es keine komplizierte Mischung. Trockene Holzwolle oder saubere Holzspäne in Verbindung mit geeignetem Wachs reichen meist aus. Je weniger unbekannte Bestandteile beteiligt sind, desto besser lässt sich einschätzen, was anschließend verbrannt wird.
Bei Kaminöfen sind zusätzlich die Herstellerangaben und die zulässigen Brennstoffe entscheidend. Beim Grill kommt hinzu, dass nach der Anzündphase Lebensmittel über der Glut liegen. Hier kann ein geprüfter fester Grillanzünder die sinnvollere Wahl sein.
Von improvisierten Mischungen mit Spiritus, Benzin, Lösungsmitteln, Kunststoffen oder behandeltem Holz solltest du grundsätzlich Abstand nehmen. Entscheidend ist nicht eine möglichst aggressive Flamme, sondern ein kontrollierter Start des eigentlichen Brennstoffs.





