Warum ein Schornstein im Sommer plötzlich nach innen zieht
Der natürliche Schornsteinzug entsteht vor allem durch Temperatur- und damit Dichteunterschiede zwischen der Luft beziehungsweise dem Abgas im Schornstein und der Außenluft. Während des Ofenbetriebs erwärmen die heißen Abgase den Schacht. Die wärmere, leichtere Gassäule steigt nach oben und erzeugt den benötigten Förderdruck.
Während einer längeren Heizpause fehlt dieser Effekt. Der Schornstein kann vollständig auskühlen. An warmen Sommertagen kommt eine besondere Situation hinzu: Die Außenluft kann wärmer sein als die Luft im Gebäude und teilweise auch wärmer als die Luftsäule im Schornstein.
Unter ungünstigen Bedingungen kehrt sich die Strömung dann um. Außenluft gelangt über die Schornsteinmündung nach unten und tritt über den Ofen, das Rauchrohr, Reinigungstüren oder andere Öffnungen in das Gebäude ein.
Das erklärt auch, warum das Problem oft nicht jeden Tag gleich stark ist. Einfluss haben unter anderem:
- hohe Außentemperaturen,
- starke Erwärmung des Daches und Schornsteinkopfes,
- hohe Luftfeuchtigkeit,
- Windrichtung und Windverhältnisse,
- Temperaturunterschiede zwischen Keller, Wohnräumen und Dachgeschoss,
- geöffnete oder geschlossene Fenster und Türen,
- Abluftanlagen innerhalb des Gebäudes.
Ein Geruch, der vor allem an sehr warmen Tagen auftritt und nach dem Öffnen eines Fensters deutlich schwächer wird, spricht beispielsweise dafür, dass Druckverhältnisse im Gebäude eine Rolle spielen.
Woher der eigentliche Geruch kommt
Eine umgekehrte Strömung erklärt zunächst nur, warum Luft aus dem Schornstein in den Raum gelangt. Für den Geruch braucht es zusätzlich Stoffe, die diese Luft aufnehmen kann.
Nach einer Heizperiode befinden sich solche Rückstände praktisch immer im Bereich einer Holzfeuerstätte und ihres Abgasweges. Wie stark sie riechen, hängt unter anderem von Brennstoff, Verbrennung, Verschmutzungsgrad und Zustand der Anlage ab.
Wahrnehmung |
Mögliche Ursache |
|---|---|
klassischer Rauch- oder Aschegeruch |
Rückstände in Brennraum, Rauchrohr oder Schornstein |
kräftiger, teeriger Geruch |
stärkere Ruß- oder Teerablagerungen |
muffiger, feuchter Geruch |
Feuchtigkeit im Schacht oder angrenzenden Bauteilen |
bei schwülem Wetter besonders intensiv |
Feuchtigkeit verstärkt die Geruchswahrnehmung und kann Ablagerungen beeinflussen |
Geruch direkt an einer Reinigungsöffnung |
Undichtigkeit oder Luftströmung durch den Schornstein |
Geruch an Wand oder Schornsteinwange |
möglicher Feuchte- oder Versottungsschaden |
Ruß und Verbrennungsrückstände
Ruß ist nicht geruchsneutral. Besonders Rückstände aus einer unvollständigen oder sehr kühlen Holzverbrennung können organische und teerartige Bestandteile enthalten.
Sind diese Ablagerungen im Schornstein vorhanden und strömt im Sommer Luft nach unten, werden Geruchsstoffe mitgeführt. Hohe Luftfeuchtigkeit kann ihre Wahrnehmbarkeit zusätzlich verstärken.
Auch der Ofen selbst sollte dabei nicht vergessen werden. Aschereste im Brennraum, Verschmutzungen hinter Umlenkplatten sowie Ablagerungen im Rauchrohr können ebenfalls riechen.
Glanzruß und teerartige Ablagerungen
Problematischer sind dickere, teerartige Rußschichten. Sie können beispielsweise durch zu feuchtes Brennholz, ungünstige Verbrennung oder dauerhaft sehr niedrige Verbrennungstemperaturen begünstigt werden.
Solche Ablagerungen sind nicht allein ein Geruchsthema. Glanzruß kann brennbar sein und bei entsprechender Erwärmung ein erhöhtes Rußbrandrisiko darstellen. Ein auffällig intensiver teeriger Geruch sollte deshalb nicht lediglich mit Raumduft oder anderen Mitteln überdeckt werden.
Feuchtigkeit und Versottung als mögliche Ursache
Nicht jeder Sommergeruch entsteht ausschließlich durch normalen Ruß. Bei älteren gemauerten Schornsteinen sollte auch der Zustand des Schachtes berücksichtigt werden.
Wenn Wasserdampf aus Abgasen über längere Zeit an kalten Schornsteinflächen kondensiert, können Feuchtigkeit und Bestandteile aus den Verbrennungsrückständen in das Mauerwerk gelangen. Dieser Vorgang kann zu einer Versottung führen.
Hinweise darauf können sein:
- gelbliche bis bräunliche Verfärbungen an der Schornsteinwand,
- feuchte Stellen,
- abplatzender Putz,
- ein dauerhaft muffiger oder stechender Geruch,
- Geruch, der nicht nur unmittelbar am Ofen wahrnehmbar ist,
- wiederkehrende Flecken trotz Renovierung.
Besonders bei älteren Gebäuden lohnt sich eine genaue Unterscheidung. Ein Schornstein kann außen trocken aussehen und trotzdem im Inneren Ablagerungen oder Feuchteschäden aufweisen.
Regenwasser ist ebenfalls als Ursache denkbar. Defekte Abdeckungen, beschädigte Bauteile am Schornsteinkopf oder andere bauliche Mängel können Feuchtigkeit in den Schacht gelangen lassen. Wie ein Schornsteinkopf ausgeführt werden muss und ob eine zusätzliche Abdeckung sinnvoll oder überhaupt zulässig ist, sollte jedoch fachlich beurteilt werden. Den Schacht einfach möglichst dicht zu verschließen ist keine allgemeingültige Lösung.
Wenn das Haus selbst den Geruch aus dem Schornstein zieht
Manchmal liegt die entscheidende Veränderung gar nicht am Schornstein. Das Gebäude erzeugt einen Unterdruck und verwendet den Schornstein gewissermaßen als Nachströmöffnung.
Das passiert besonders leicht, wenn Luft aktiv aus dem Haus befördert wird.
Dazu gehören beispielsweise:
- Dunstabzugshauben im Abluftbetrieb,
- Bad- und WC-Abluftventilatoren,
- zentrale Abluftanlagen,
- Wäschetrockner mit Abluftführung,
- bestimmte Lüftungsanlagen,
- mobile Klimageräte, die Raumluft über einen Abluftschlauch nach draußen führen.
Wird mehr Luft nach außen transportiert, als über Fenster, Lüftungsöffnungen und andere Wege nachströmen kann, entsteht innerhalb des Gebäudes ein Unterdruck. Dann sucht sich Außenluft einen verfügbaren Weg ins Haus. Ein kalter Schornstein kann genau diesen Weg bieten.
Das Problem kann nach einer Sanierung erstmals auftreten. Neue Fenster und Türen reduzieren beispielsweise unkontrollierte Luftundichtigkeiten der Gebäudehülle. Was vorher ausreichend Nebenluft lieferte, steht danach möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.
Ein einfacher Beobachtungstest kann einen ersten Hinweis geben: Wird der Geruch schwächer, nachdem ein Fenster im betreffenden Raum geöffnet wurde, spricht das für einen Einfluss der Druckverhältnisse. Das ersetzt allerdings keine technische Prüfung.
Besondere Vorsicht ist erforderlich, wenn am gleichen Schornstein oder innerhalb desselben Luftverbundes noch eine Feuerstätte betrieben wird. Auch im Sommer können beispielsweise Heizgeräte für die Warmwasserbereitung aktiv sein. Luftabsaugende Geräte dürfen deshalb nicht pauschal als unproblematisch betrachtet werden.
Wichtig: Kohlenmonoxid selbst kannst du nicht riechen. Ein wahrnehmbarer Rauch- oder Schornsteingeruch ist deshalb kein zuverlässiger Warnindikator dafür, ob CO vorhanden ist oder nicht.
So gehst du bei der Ursachensuche sinnvoll vor
Statt den Geruch sofort mit Duftmitteln zu behandeln, ist eine kleine Bestandsaufnahme deutlich hilfreicher.
1. Zeitpunkt dokumentieren
Notiere für einige Tage, wann der Geruch auftritt:
- nur bei großer Hitze?
- vor allem morgens oder abends?
- nach Regen oder bei schwülem Wetter?
- bei geschlossenen Fenstern?
- sobald Klimagerät oder Dunstabzug läuft?
Solche Zusammenhänge erleichtern die spätere Fehlersuche erheblich.
2. Ofen und erreichbare Bereiche kontrollieren
Bei vollständig kalter Anlage kannst du prüfen, ob noch größere Mengen Asche im Feuerraum liegen oder offensichtliche Verschmutzungen vorhanden sind. Reinigungsarbeiten sollten sich auf die vom Hersteller dafür vorgesehenen Bereiche beschränken.
Den Schornstein selbst solltest du nicht eigenmächtig umbauen oder dauerhaft verschließen.
3. Veränderungen am Gebäude berücksichtigen
Gab es seit dem letzten Sommer neue Fenster, eine energetische Sanierung, eine Lüftungsanlage oder ein neues Klimagerät? Solche Änderungen können die Luftdruckverhältnisse deutlich verändern.
Auch ein Problem, das jahrelang nicht vorhanden war, kann deshalb plötzlich auftreten.
4. Austrittsstelle eingrenzen
Kommt der Geruch eindeutig aus dem Feuerraum oder eher aus einer Reinigungstür? Ist er im Keller stärker als im Wohnzimmer? Sind Verfärbungen an der Schornsteinwand vorhanden?
Je genauer sich der Ursprung bestimmen lässt, desto weniger muss bei einer Fachprüfung im Nebel gesucht werden.
5. Bei anhaltendem Geruch den Schornstein prüfen lassen
Wiederkehrender oder intensiver Geruch sollte fachlich abgeklärt werden. Dabei können unter anderem Verschmutzungen, Ablagerungen, Fremdkörper, Feuchtigkeit, Undichtigkeiten und die Strömungsverhältnisse bewertet werden.
Besonders wichtig ist eine Prüfung, wenn zusätzlich Feuchteflecken, Teerablagerungen, beschädigte Bauteile oder andere Veränderungen am Schornstein auffallen.
Erst die Strömung verstehen, dann die Ursache beheben
Ein riechender Schornstein während der Heizpause bedeutet nicht automatisch, dass ein schwerer Schaden vorliegt. Häufig treffen zwei Dinge zusammen: Im Abgasweg befinden sich riechende Rückstände und die Luft strömt aufgrund sommerlicher Temperatur- oder Druckverhältnisse zeitweise nach unten.
Eine Reinigung kann die Menge der Ablagerungen reduzieren. Bleibt aber die Ursache der Rückströmung bestehen, kann auch ein saubererer Schornstein weiterhin Luft in den Raum führen. Umgekehrt sollte ein intensiver teeriger oder feuchter Geruch nicht einfach als normales Sommerphänomen abgetan werden.
Hilfreich ist deshalb eine systematische Betrachtung von Schornstein, Feuerstätte und Gebäude. Gerade Änderungen an Fenstern, Lüftung oder Klimatisierung gehören dabei genauso auf die Prüfliste wie Ruß und Feuchtigkeit im Schacht.





