Woran lässt sich eine Versottung erkennen?
Versottung beginnt im Inneren des Schornsteins. Von außen wird sie häufig erst sichtbar, wenn Feuchtigkeit und darin gelöste Stoffe bereits in das Mauerwerk eingedrungen sind.
Besonders auffällig sind Verfärbungen an Wänden und Decken entlang des Schornsteinverlaufs. Sie können gelblich, braun oder dunkelbraun erscheinen und sich mit der Zeit vergrößern.
Weitere mögliche Hinweise sind:
- braune oder gelbliche Flecken auf Putz und Tapeten
- feuchte Stellen entlang des Schornsteins
- ein intensiver, teeriger oder rauchähnlicher Geruch
- Geruch, der bei feuchtem oder warmem Wetter stärker auffällt
- sich lösende Tapeten oder abplatzender Putz
- dunkle Ablagerungen oder feuchte Rückstände im Bereich von Reinigungsöffnungen
- Veränderungen am Mauerwerk oder an Fugen
- wiederkehrende Flecken trotz neuer Farbe oder Tapete
Gerade die Kombination aus Verfärbung und charakteristischem Geruch ist verdächtig. Eine sichere Diagnose lässt sich daraus allein allerdings nicht ableiten.
Braune Flecken können beispielsweise auch durch eindringendes Regenwasser entstehen. Defekte Dachanschlüsse, eine beschädigte Schornsteinabdeckung oder andere Feuchteschäden kommen ebenfalls infrage.
Geruch ist ein wichtiger Hinweis – aber kein CO-Warnzeichen
Der Geruch bei einer Versottung stammt unter anderem von Verbrennungsrückständen, die zusammen mit Feuchtigkeit in das Mauerwerk gelangt sind. Häufig wird er als rauchig, beißend oder teerartig beschrieben.
Wichtig ist die Abgrenzung zu Kohlenmonoxid: CO selbst ist weder sichtbar noch riechbar. Ein ungewöhnlicher Geruch kann daher niemals als zuverlässige Warnung vor Kohlenmonoxid dienen.
Treten während des Betriebs Rauch oder Abgase in einen Raum ein oder schlägt ein CO-Warnmelder Alarm, sollte die Feuerstätte nicht weiter betrieben werden. Bei einem CO-Alarm sind Räume zu verlassen und die Ursache muss fachlich geklärt werden.
Warum ein Schornstein überhaupt versottet
Bei einer Verbrennung entsteht Wasserdampf. Solange die Abgase ausreichend warm bleiben, wird dieser zusammen mit den übrigen Abgasbestandteilen über die Schornsteinmündung abgeführt.
Kühlen die Abgase innerhalb des Schornsteins zu stark ab, kann Wasserdampf kondensieren. Die entstehende Feuchtigkeit verbindet sich mit Bestandteilen aus den Verbrennungsprodukten. Je nach Brennstoff und Anlage können dabei aggressive oder stark riechende Rückstände entstehen.
Dringen diese Stoffe über längere Zeit in einen dafür ungeeigneten Schornstein ein, kann das Mauerwerk durchfeuchten und schließlich sichtbare Verfärbungen zeigen.
Mehrere Faktoren können diesen Prozess begünstigen.
Der Schornsteinquerschnitt ist zu groß
Ein klassischer Fall tritt nach einer Heizungsmodernisierung auf. Alte Heizgeräte gaben häufig deutlich heißere Abgase an den Schornstein ab als moderne Geräte.
Wird eine effizientere Feuerstätte an einen vorhandenen großen Schornstein angeschlossen, können sich die Abgase stärker abkühlen. Ein zu großer Querschnitt kann diesen Effekt zusätzlich fördern.
Ob der vorhandene Schornstein zur jeweiligen Feuerstätte passt, lässt sich deshalb nicht allein anhand seines Durchmessers beurteilen. Für eine belastbare Bewertung kann eine Schornsteinberechnung erforderlich sein.
Die Abgase verlieren zu viel Wärme
Nicht nur der Querschnitt spielt eine Rolle. Ein Schornstein kann beispielsweise durch ungeheizte Gebäudebereiche oder außerhalb der gedämmten Gebäudehülle verlaufen und dort stärker auskühlen.
Auch konstruktive Eigenschaften des vorhandenen Schornsteins beeinflussen, wie schnell die Abgastemperatur sinkt.
Feuchtes Holz verschlechtert die Verbrennung
Bei Holzfeuerstätten kommt der Brennstoff als weitere mögliche Ursache hinzu. Zu feuchtes Brennholz verbraucht zunächst einen Teil der erzeugten Wärme dafür, das enthaltene Wasser zu verdampfen.
Dadurch kann die Verbrennung ungünstiger verlaufen. Gleichzeitig können verstärkt Ruß und teerartige Ablagerungen entstehen.
Trockenes, für die Feuerstätte geeignetes Brennholz und die richtige Luftzufuhr sind deshalb nicht nur für eine saubere Verbrennung wichtig, sondern wirken auch problematischen Ablagerungen entgegen.
Die Feuerstätte wird ungünstig betrieben
Ständiges Heizen mit sehr geringer Leistung, zu wenig Verbrennungsluft oder eine dauerhaft unvollständige Verbrennung können ebenfalls ungünstige Bedingungen schaffen.
Ein Kaminofen sollte deshalb entsprechend den Vorgaben des Herstellers betrieben werden. Die Luftzufuhr stark zu drosseln, damit ein Holzscheit möglichst lange glimmt, ist beispielsweise keine sinnvolle Betriebsweise.
Braune Flecken bedeuten nicht automatisch Versottung
Ein Fleck neben dem Schornstein liefert zunächst nur einen Hinweis auf Feuchtigkeit oder eingetragene Stoffe. Seine Ursache sollte systematisch eingegrenzt werden.
Beobachtung |
Mögliche Erklärung |
|---|---|
Braun-gelbliche Flecken mit teerigem Geruch |
Versottung ist naheliegend |
Feuchte Stelle nach starkem Regen |
Dachanschluss oder Schornsteinkopf prüfen |
Flecken unmittelbar an einer Reinigungsöffnung |
Undichtigkeit oder Ablagerungen möglich |
Verfärbung entlang größerer Bereiche des Schornsteins |
Durchfeuchtung des Schornsteinaufbaus möglich |
Schimmelartige Punkte an kalten Außenflächen |
Auch Raumfeuchte und Wärmebrücken kommen infrage |
Flecken kehren nach dem Überstreichen zurück |
Ursache im Untergrund wurde wahrscheinlich nicht behoben |
Besonders wichtig ist der zeitliche Zusammenhang. Sind die Flecken beispielsweise erst nach dem Einbau einer neuen Feuerstätte aufgetreten, sollte geprüft werden, ob deren Abgaswerte zum bestehenden Schornstein passen.
Treten die Schäden dagegen hauptsächlich nach Niederschlägen auf, kann Regenwasser eine mindestens ebenso plausible Erklärung sein.
Eine optische Ferndiagnose reicht daher nicht aus. Der Schornstein muss einschließlich Feuerstätte und Abgasweg als Gesamtsystem betrachtet werden.
Was du bei Verdacht auf Versottung tun solltest
Ein frischer Anstrich löst das eigentliche Problem nicht. Solange weiterhin Feuchtigkeit und Rückstände durch den Schornstein gelangen, können Verfärbungen und Gerüche erneut entstehen.
Sinnvoll ist ein Vorgehen in mehreren Schritten:
-
Veränderungen dokumentieren
Fotografiere Flecken und betroffene Wandbereiche. So lässt sich erkennen, ob sich die Schäden vergrößern. -
Betriebssituation beobachten
Prüfe, ob Gerüche oder Flecken besonders während oder nach dem Heizen auffallen und ob das Problem erst nach Änderungen an der Heizungsanlage entstanden ist. -
Schornstein und Feuerstätte prüfen lassen
Ein Schornsteinfegerbetrieb kann den Abgasweg, mögliche Ablagerungen, den Zustand des Schornsteins und die Betriebsbedingungen beurteilen. -
Die Ursache technisch eingrenzen
Je nach Situation können Feuerstätte, Brennstoff, Verbrennungsluftversorgung, Schornsteinquerschnitt, wirksame Höhe und Temperaturverhältnisse relevant sein. -
Erst danach sanieren
Putz, Tapete oder Farbe sollten erst dauerhaft erneuert werden, wenn die Ursache behoben und das betroffene Bauteil ausreichend getrocknet ist.
Bei einem Kaminofen sollte zusätzlich geprüft werden, ob geeignetes und ausreichend trockenes Brennholz verwendet wird und ob die Feuerstätte entsprechend der Bedienungsanleitung betrieben wird.
Wie lässt sich ein versotteter Schornstein sanieren?
Die passende Sanierung hängt von der Ursache und vom vorhandenen Schornstein ab. Eine einzelne Standardlösung gibt es deshalb nicht.
Bei einem zu großen oder für die Betriebsweise ungeeigneten Schornstein kann beispielsweise ein geeignetes Innenrohr eingezogen werden. Dadurch lässt sich der wirksame Querschnitt an die Feuerstätte anpassen. Je nach Anlage kommen unterschiedliche Werkstoffe und Systeme infrage.
Auch eine zusätzliche Wärmedämmung kann bei bestimmten Konstruktionen sinnvoll sein, damit die Abgase weniger stark auskühlen.
Bei Schäden durch eindringendes Niederschlagswasser muss dagegen zunächst der betroffene Bereich am Schornsteinkopf, an der Abdeckung oder am Dachanschluss instand gesetzt werden. Ein neues Innenrohr würde eine solche Ursache nicht automatisch beseitigen.
Bei der Planung einer Sanierung können unter anderem folgende Punkte relevant sein:
- Art und Leistung der Feuerstätte
- verwendeter Brennstoff
- Abgastemperatur
- Abgasmassenstrom
- erforderlicher Förderdruck
- Höhe und Verlauf des Schornsteins
- vorhandener Querschnitt
- Material und Zustand des Schornsteins
- vorgesehene trockene oder feuchte Betriebsweise
Bei einer Querschnittsanpassung sollte deshalb nicht nach dem Motto „kleiner wird schon passen“ gearbeitet werden. Die Abgasanlage muss weiterhin einen sicheren Abtransport der Abgase gewährleisten und für die angeschlossene Feuerstätte geeignet sein.
Auch die betroffenen Innenwände brauchen anschließend Aufmerksamkeit. Stark belasteter Putz muss gegebenenfalls entfernt beziehungsweise fachgerecht behandelt werden. Sperrende Beschichtungen können zwar verhindern, dass alte Verfärbungen sofort wieder durchschlagen, ersetzen aber niemals die Beseitigung der Ursache.
Erst die Ursache beheben, dann die Wand
Braune Flecken und ein teeriger Geruch entlang eines Schornsteins solltest du ernst nehmen, ohne vorschnell eine Diagnose zu stellen. Sie können auf eine Versottung hinweisen, kommen aber auch bei anderen Feuchteschäden vor.
Bei einer tatsächlichen Versottung liegt das Problem meist tiefer als an der sichtbaren Wandoberfläche. Entscheidend ist, warum sich Feuchtigkeit im Schornstein bildet oder von außen eindringt. Erst wenn Feuerstätte, Abgasführung und baulicher Zustand geprüft wurden, lässt sich eine passende Lösung festlegen. Einfaches Überstreichen kaschiert den Schaden höchstens vorübergehend. Eine fachliche Prüfung spart deshalb häufig mehrere erfolglose Renovierungsrunden.






