Warum neue Fenster den Betrieb eines Kaminofens verändern können
Ein Holzfeuer benötigt kontinuierlich Sauerstoff. Bei einem raumluftabhängigen Kaminofen stammt die Verbrennungsluft aus dem Raum, in dem der Ofen steht beziehungsweise aus einem dafür vorgesehenen Raumverbund.
Das war in vielen älteren Gebäuden lange kein Problem. Undichte Fensterfugen, Türen und andere Stellen der Gebäudehülle sorgten dafür, dass Außenluft nahezu unbemerkt nachströmen konnte. Solche Undichtigkeiten sind allerdings kein sinnvoll geplantes Lüftungssystem – sie haben lediglich dazu geführt, dass dem Raum ständig Luft zugeführt wurde.
Werden alte Fenster gegen moderne, dicht schließende Modelle ausgetauscht oder zusätzlich Fassade und Dach saniert, verändert sich diese Situation. Der Kaminofen verbraucht weiterhin Verbrennungsluft, doch diese kann unter Umständen nicht mehr ausreichend nachströmen.
Mögliche Anzeichen dafür sind:
- Das Holz lässt sich schwer entzünden.
- Die Flamme wirkt schwach oder instabil.
- Das Feuer brennt bei geöffnetem Fenster deutlich besser.
- Beim Nachlegen gelangt Rauch in den Raum.
- Die Sichtscheibe verrußt ungewöhnlich schnell.
- Das Feuer reagiert ungewöhnlich stark auf das Öffnen einer Tür oder eines Fensters.
- Probleme treten besonders auf, wenn gleichzeitig Abluftgeräte laufen.
Ein geöffnetes Fenster kann deshalb als Hinweis bei der Fehlersuche dienen. Funktioniert die Feuerstätte mit geöffnetem Fenster deutlich besser, spricht einiges dafür, dass die Luftversorgung eine Rolle spielt.
Das bedeutet allerdings nicht, dass „Fenster öffnen“ automatisch die dauerhafte technische Lösung ist.
Abluftgeräte können die Druckverhältnisse zusätzlich verschärfen
Eine dichte Gebäudehülle allein muss noch kein Problem verursachen. Kritischer kann die Situation werden, sobald Geräte Luft aus dem Gebäude nach draußen fördern.
Dazu gehören beispielsweise:
- Dunstabzugshauben im Abluftbetrieb
- zentrale oder dezentrale Abluftanlagen
- Wohnraumlüftungen
- Abluft-Wäschetrockner
- bestimmte Bad- und WC-Ventilatoren
Eine Abluftanlage transportiert Raumluft nach draußen. Kann nicht ausreichend Außenluft nachströmen, entsteht im Gebäude ein Unterdruck gegenüber der Umgebung.
Beim Kaminofen kann dadurch eine Konkurrenzsituation entstehen: Der Schornstein soll die Verbrennungsgase nach draußen transportieren, während eine Abluftanlage gleichzeitig Luft aus dem Gebäude absaugt. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich die Strömungsrichtung im Bereich der Feuerstätte verändern.
Das ist nicht nur lästig, sondern sicherheitsrelevant. Verbrennungsgase können Kohlenmonoxid enthalten. Dieses Gas lässt sich weder sehen noch riechen.
Deshalb gelten für den gemeinsamen Betrieb raumluftabhängiger Feuerstätten und luftabsaugender Anlagen besondere Anforderungen. Welche konkrete Lösung erforderlich und zulässig ist, hängt von der Feuerstätte, dem Gebäude, der vorhandenen Lüftungstechnik und den landesrechtlichen Vorgaben ab.
Infrage kommen beispielsweise zugelassene Sicherheitseinrichtungen, die den Öffnungszustand eines Fensters überwachen oder Druckunterschiede kontrollieren. Sie können verhindern, dass eine problematische Betriebssituation entsteht.
Ein improvisierter Fensterschalter oder die bloße Gewohnheit, beim Heizen „irgendwo ein Fenster zu kippen“, ersetzt eine fachliche Beurteilung nicht.
Nicht jeder schlechte Zug entsteht durch fehlende Verbrennungsluft
Der zeitliche Zusammenhang mit einer Sanierung ist ein wichtiger Hinweis, aber kein Beweis. Ein Kaminofen kann auch aus anderen Gründen schlecht ziehen.
Besonders hilfreich ist deshalb die Unterscheidung zwischen Problemen auf der Luftseite und Problemen auf dem Abgasweg.
Beobachtung |
Mögliche Ursache |
|---|---|
Feuer brennt bei geöffnetem Fenster deutlich besser |
Verbrennungsluftversorgung möglicherweise unzureichend |
Probleme entstehen erst beim Einschalten der Dunstabzugshaube |
Unterdruck durch Abluftanlage möglich |
Rauch tritt vor allem beim kalten Start aus |
Schornstein zunächst zu kalt oder schwacher thermischer Zug |
Problem besteht auch bei weit geöffnetem Fenster |
Abgasweg, Schornstein oder Feuerstätte genauer prüfen |
Verhalten verschlechterte sich schleichend |
Verschmutzungen oder Ablagerungen möglich |
Probleme treten hauptsächlich bei bestimmten Wetterlagen auf |
Wind- und Druckverhältnisse am Schornstein können beteiligt sein |
Rauch tritt beim Öffnen der Feuerraumtür aus |
Bedienung, Luftversorgung und Schornsteinzug kommen infrage |
Auch der Schornstein braucht passende Betriebsbedingungen
Der natürliche Zug eines Schornsteins entsteht unter anderem durch den Temperaturunterschied zwischen warmen Verbrennungsgasen und der Außenluft. Warme Gase sind leichter und steigen im Schornstein auf. Dadurch entsteht der notwendige Förderdruck.
Wie gut dieser Vorgang funktioniert, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab:
- wirksame Schornsteinhöhe
- Querschnitt
- Abgastemperatur
- Bauart der Feuerstätte
- Verlauf des Rauchrohres
- Außentemperatur
- Windverhältnisse
- Zustand und Sauberkeit des Abgaswegs
Besonders während der Übergangszeit kann der Start schwieriger sein. Ist es draußen relativ warm und der Schornstein vollständig ausgekühlt, steht zunächst nur ein geringer thermischer Auftrieb zur Verfügung.
Auch Verschmutzungen dürfen nicht außer Acht gelassen werden. Ablagerungen im Ofenrohr, in Rauchgaszügen oder im Schornstein können den freien Querschnitt beeinträchtigen.
Deshalb wäre es zu kurz gedacht, unmittelbar nach dem Fenstertausch eine zusätzliche Außenluftöffnung einzubauen, ohne vorher das gesamte System zu beurteilen.
So lässt sich die Ursache systematisch eingrenzen
Bei Zugproblemen hilft eine geordnete Prüfung mehr als wahlloses Verändern der Luftregler.
1. Zeitpunkt der Veränderung betrachten
Überlege zunächst, was sich seit dem früher störungsfreien Betrieb geändert hat. Wurden lediglich Fenster erneuert oder gleichzeitig Außenwände beziehungsweise Dach gedämmt? Kam eine neue Dunstabzugshaube hinzu? Wurde die Lüftungsanlage verändert?
Je genauer sich der Beginn des Problems eingrenzen lässt, desto hilfreicher ist diese Information für die spätere Prüfung.
2. Verhalten verschiedener Abluftgeräte beobachten
Treten Schwierigkeiten nur auf, wenn beispielsweise die Küchenhaube läuft, liegt ein Zusammenhang mit den Druckverhältnissen nahe.
Der Kaminofen sollte dabei nicht absichtlich unter problematischen Bedingungen weiterbetrieben werden, um den Effekt immer wieder zu testen.
3. Unterschiede bei geöffnetem Fenster feststellen
Verbessert sich das Anzünd- und Abbrandverhalten deutlich, sobald ein Fenster geöffnet wird, ist das ein wichtiger Hinweis auf fehlende Nachströmung.
Der Test sagt jedoch noch nicht, welche dauerhafte Lösung fachlich geeignet ist.
4. Feuerstätte und Abgasweg prüfen lassen
Bleibt das Problem auch bei ausreichender Luftzufuhr bestehen, müssen Feuerstätte und Abgasführung genauer betrachtet werden.
Geprüft werden können beispielsweise:
- Rauchrohr und Verbindungsstück
- Reinigungszustand der Feuerstätte
- freie Rauchgaswege
- Schornsteinquerschnitt
- nutzbare Schornsteinhöhe
- mögliche Verengungen oder Ablagerungen
- Betriebsweise und Brennstoff
- Zusammenspiel von Feuerstätte und Schornstein
Gerade wenn Rauch oder Abgase in den Raum gelangen, sollte der Betrieb nicht einfach mit veränderten Luftschieberstellungen fortgesetzt werden.
Welche Lösungen nach einer energetischen Sanierung infrage kommen
Welche Maßnahme sinnvoll ist, lässt sich nicht pauschal für jedes Gebäude festlegen. Die Lösung muss zur Feuerstätte und zur vorhandenen Gebäudetechnik passen.
Bei raumluftabhängigen Feuerstätten kann eine gezielt geplante Verbrennungsluftversorgung notwendig werden. Außenluft kann beispielsweise über geeignete Öffnungen oder Leitungen bereitgestellt werden. Dimensionierung und Ausführung müssen dabei ausreichend sein und dürfen nicht durch ungeeignete Gitter, Klappen oder lange Leitungswege unzulässig eingeschränkt werden.
Eine andere Ausgangssituation besteht bei Feuerstätten, die für einen raumluftunabhängigen Betrieb vorgesehen und entsprechend ausgeführt sind. Hier wird die Verbrennungsluft kontrolliert von außen zur Feuerstätte geführt. Entscheidend ist jedoch die konkrete Zulassung beziehungsweise Bauart des Geräts. Ein vorhandener Außenluftanschluss macht einen beliebigen Kaminofen nicht automatisch zu einer raumluftunabhängigen Feuerstätte.
Besteht zusätzlich eine Abluftanlage, können geeignete Sicherheitssysteme erforderlich sein. Dazu zählen je nach Anlagenkonzept unter anderem Fensterkontaktschalter oder Differenzdrucküberwachungen.
Welche Variante akzeptiert werden kann, sollte vor Umbauten mit der zuständigen Schornsteinfegerin oder dem zuständigen Schornsteinfeger beziehungsweise einem entsprechend qualifizierten Fachbetrieb abgestimmt werden. Die Anforderungen der jeweiligen Landes-Feuerungsverordnung und die technischen Unterlagen der Feuerstätte spielen dabei ebenfalls eine Rolle.
Erst Ursache klären, dann umbauen
Wenn ein Kaminofen nach neuen Fenstern oder einer energetischen Sanierung schlechter funktioniert, ist eine veränderte Verbrennungsluftversorgung eine naheliegende Erklärung. Besonders deutlich wird der Zusammenhang, wenn sich das Feuer bei geöffnetem Fenster normal verhält oder Probleme gleichzeitig mit Dunstabzug und anderen Abluftgeräten auftreten.
Trotzdem gehört der Abgasweg immer mit auf die Prüfliste. Ein kalter, verschmutzter oder ungünstig dimensionierter Schornstein kann sehr ähnliche Symptome verursachen.
Dauerhafte Lösungen sollten deshalb nicht nach dem Prinzip Versuch und Irrtum entstehen. Entscheidend ist, dass Verbrennungsluftversorgung, Feuerstätte, Lüftungstechnik und Schornstein als zusammenhängendes System funktionieren.






