Was beim Einbrennen eines neuen Kaminofens passiert
Viele Stahlkaminöfen werden mit einem hitzebeständigen Ofenlack beschichtet. Dieser besitzt nach Herstellung und Transport noch nicht unbedingt seine endgültigen mechanischen Eigenschaften. Die nötige Aushärtung erfolgt erst durch die Temperatur während der ersten Heizvorgänge.
Dabei können flüchtige Bestandteile aus verschiedenen Materialien freigesetzt werden. Betroffen sein können beispielsweise:
- die Lackbeschichtung des Ofenkorpus,
- Dichtmaterialien,
- Schmierstoffe an beweglichen Bauteilen,
- Produktions- oder Montagerückstände.
Deshalb sind ein chemisch wirkender Geruch und teilweise ein sichtbarer Dunst während der ersten Betriebsstunden nicht ungewöhnlich. Wie ausgeprägt das ausfällt, hängt unter anderem vom Modell, der erreichten Temperatur und der Dauer des Heizvorgangs ab.
Auch Knack- oder leichte Spannungsgeräusche können erstmals auftreten. Metallteile erwärmen sich, dehnen sich aus und ziehen sich beim Abkühlen wieder zusammen.
Bei manchen Öfen spielt zusätzlich die Brennraumauskleidung eine Rolle. Feuerfeste Materialien können produktionsbedingt noch Feuchtigkeit enthalten. Einige Hersteller schreiben deshalb zunächst eine eher vorsichtige Erwärmung vor. Andere verlangen dagegen einen längeren Betrieb im Bereich der Nennwärmeleistung, damit die Beschichtung ausreichend heiß wird.
Genau hier liegt der Grund, warum eine allgemeine Regel wie „den neuen Ofen immer erst mit ganz wenig Holz einbrennen“ problematisch ist.
Vor dem ersten Feuer solltest du den Ofen gründlich vorbereiten
Bevor Holz in den Brennraum kommt, lohnt sich eine kurze Kontrolle. Manche Punkte wirken banal, verhindern aber ziemlich lästige Überraschungen beim ersten Aufheizen.
Bedienungsanleitung zum Erstbetrieb heraussuchen
Suche gezielt nach Kapiteln wie:
- Erste Inbetriebnahme
- Erstes Anheizen
- Einbrennen
- Inbetriebnahme
- Hinweise zur Lackaushärtung
Dort sollte stehen, welche Brennstoffmenge vorgesehen ist, wie die Luftregler eingestellt werden und ob besondere Vorgaben für die ersten Heizzyklen bestehen.
Auch Hinweise zur Feuerraumtür sind wichtig. Bei einzelnen Modellen soll sie während eines Teils des ersten Heizvorgangs beispielsweise nicht vollständig verriegelt werden, damit eine Dichtung nicht an einer noch empfindlichen Oberfläche festklebt. Das darf jedoch keinesfalls ungeprüft auf andere Kaminöfen übertragen werden.
Verpackung und lose Teile entfernen
Kontrolliere Brennraum, Aschekasten und den Bereich um den Ofen. Dort dürfen keine Transportmaterialien, Anleitungen, Kunststoffteile oder andere Gegenstände zurückbleiben.
Prüfe außerdem, ob Feuerraumplatten, Zugumlenkungen und andere herausnehmbare Bauteile an ihrem vorgesehenen Platz sitzen. Beim Transport können sich einzelne Elemente verschieben.
Oberfläche vor dem Aufheizen kontrollieren
Fingerabdrücke, Staub oder Montagespuren lassen sich besser entfernen, bevor der Ofen heiß wird. Anschließend sollte die Oberfläche trocken sein.
Während der Lack aushärtet, kann er vorübergehend empfindlicher werden. Deshalb solltest du frisch beschichtete Metallflächen während dieser Phase möglichst nicht anfassen oder reinigen.
Für kräftigen Luftaustausch sorgen
Plane das Einbrennen möglichst für einen Zeitpunkt, an dem sich der Raum über längere Zeit gut lüften lässt.
Sinnvoll ist beispielsweise:
- Fenster vollständig öffnen.
- Wenn möglich, einen zusätzlichen Luftweg über ein weiteres Fenster oder eine Außentür schaffen.
- Türen zu anderen Wohnbereichen gegebenenfalls schließen.
- Den Raum während starker Geruchsentwicklung nicht unnötig nutzen.
Ein gekipptes Fenster reicht bei kräftiger Ausdünstung unter Umständen nicht aus.
Der erste Heizvorgang ist daher eher etwas für einen milden Tag als für einen frostigen Abend, an dem niemand mehrere Stunden die Fenster öffnen möchte.
Beim ersten Heizvorgang entscheidet die Herstellervorgabe
Für den eigentlichen Einbrennvorgang begegnen einem im Internet sehr unterschiedliche Empfehlungen. Das liegt nicht zwingend daran, dass eine davon falsch ist. Verschiedene Kaminöfen können tatsächlich unterschiedliche Verfahren benötigen.
Ein Beispiel:
mögliche Herstellervorgabe |
technischer Hintergrund |
|---|---|
zunächst mit kleiner Brennstoffmenge heizen |
Bauteile und Brennraumauskleidung sollen sich schrittweise erwärmen |
Heizleistung über mehrere Zyklen steigern |
Materialien werden kontrolliert an höhere Temperaturen herangeführt |
mehrere Stunden mit Nennwärmeleistung betreiben |
der Lack muss eine ausreichende Oberflächentemperatur erreichen |
mehrere Heizzyklen durchführen |
die vollständige Aushärtung erfolgt schrittweise |
Halte dich deshalb bei Brennstoffmenge, Brenndauer und Stellung der Luftregler an die Angaben für dein Modell.
Nur geeigneten Brennstoff verwenden
Für einen Scheitholzofen gehört trockenes, unbehandeltes Brennholz in den Brennraum. Gut getrocknetes Scheitholz liegt meist ungefähr bei 15 bis 20 Prozent Wassergehalt.
Feuchtes Holz erschwert gerade beim ersten Betrieb einen sauberen Abbrand. Ein Teil der Energie wird zunächst dafür benötigt, Wasser aus dem Holz zu verdampfen. Das senkt die Verbrennungstemperatur und erhöht Rauch sowie Ablagerungen.
Nicht in den Kaminofen gehören beispielsweise:
- lackiertes oder beschichtetes Holz,
- Span- und Faserplatten,
- behandeltes Bauholz,
- Verpackungsmaterial,
- Müll,
- brennbare Flüssigkeiten zum Anzünden.
Zum Start eignen sich dafür vorgesehene Kaminanzünder und trockenes Anzündholz.
Nicht eigenmächtig möglichst heiß heizen
Der Gedanke ist nachvollziehbar: Wenn Wärme den Lack aushärtet, müsste besonders viel Wärme den Vorgang beschleunigen.
So einfach ist es nicht.
Eine höhere Brennstoffmenge als vom Hersteller vorgesehen kann den Ofen thermisch stärker belasten, als es für den regulären Betrieb vorgesehen ist. Die maximale Brennstoffmenge aus der Bedienungsanleitung sollte deshalb nicht aufgrund allgemeiner Einbrenn-Tipps überschritten werden.
Dasselbe gilt in die andere Richtung. Wenn ein Hersteller für die Lackaushärtung mehrere Stunden im Bereich der Nennwärmeleistung verlangt, kann ein dauerhaft kleines Feuer dazu führen, dass einige Bereiche des Ofens die erforderliche Temperatur zunächst gar nicht erreichen.
Geruch und Dunst richtig einordnen
Gerade beim ersten Feuer ist es wichtig, zwei Dinge auseinanderzuhalten: Ausdünstungen während des Einbrennens und austretendes Rauchgas aus der Feuerstätte.
Ein neuer Ofen kann während der Lackaushärtung ungewöhnlich riechen. Dieser Geruch kann bei steigender Temperatur stärker werden und nach einigen Betriebsstunden wieder abnehmen. Auch bei späteren Heizzyklen kann er nochmals kurz auftreten, wenn bestimmte Oberflächen erstmals eine höhere Temperatur erreichen.
Das ist etwas anderes als Holzrauch, der aus Feuerraumtür, Rauchrohr oder einer undichten Verbindung in den Wohnraum gelangt.
Hinweise auf ein Problem sind beispielsweise
- sichtbar austretender Rauch an Rohrverbindungen,
- Rauch, der dauerhaft aus der Feuerraumtür drückt,
- ungewöhnliche Flammen außerhalb des Brennraums,
- Bauteile, die sich auffällig stark verformen,
- ein eindeutig verschmorter Geruch aus Gegenständen neben dem Ofen,
- ungewöhnlich starke Erwärmung angrenzender brennbarer Materialien.
In solchen Situationen solltest du nicht einfach davon ausgehen, dass sich lediglich der Lack einbrennt.
Auch bei starkem Unwohlsein, gereizten Atemwegen oder anderen Beschwerden ist es sinnvoll, den Bereich zu verlassen und gründlich zu lüften.
Wann der Einbrenngeruch verschwinden sollte
Eine feste Zahl von Heizvorgängen lässt sich nicht für jeden Ofen nennen. Manche Hersteller beschreiben einen mehrstündigen Einbrennvorgang, bei anderen kann sich die Aushärtung über mehrere Heizzyklen verteilen.
Entscheidend ist die Entwicklung: Die Geruchsbildung sollte mit den ersten ordnungsgemäßen Heizvorgängen deutlich zurückgehen.
Kommt nach zahlreichen Betriebsstunden weiterhin bei jedem Feuer ein intensiver ungewöhnlicher Geruch hinzu, sollte geprüft werden, ob tatsächlich die Beschichtung dafür verantwortlich ist oder ob sich beispielsweise Staub, Fremdmaterial oder ein anderes Bauteil erhitzt.
Nach dem ersten Feuer: vollständig abkühlen lassen und kontrollieren
Nach dem Ausbrand solltest du den Ofen nicht unmittelbar reinigen oder an heißen Bauteilen arbeiten. Lass ihn vollständig abkühlen.
Danach ist eine kurze Sichtkontrolle sinnvoll.
Achte insbesondere auf:
- die Position der Feuerraumplatten,
- sichtbare Veränderungen an Dichtungen,
- auffällige Verfärbungen,
- lose Bauteile,
- ungewöhnliche Rückstände,
- Veränderungen am Rauchrohranschluss.
Kleine Veränderungen müssen nicht automatisch einen Defekt bedeuten. Feuerfeste Brennraumplatten können beispielsweise im Betrieb Gebrauchsspuren bekommen. Auch das Metall des Ofens arbeitet bei Temperaturänderungen.
Solltest du dagegen deutliche Schäden, stark gelöste Beschichtungen oder verschobene Bauteile feststellen, ist eine Klärung mit Fachbetrieb oder Hersteller sinnvoll, bevor der Ofen erneut betrieben wird.
Wichtig ist außerdem: Ein Kaminofen darf in Deutschland nicht einfach nach dem Anschließen eigenmächtig betrieben werden. Vor der regulären Nutzung muss die Feuerstätte entsprechend den geltenden Vorgaben geprüft beziehungsweise abgenommen sein. Der erste Heizvorgang gehört daher nicht zum Ausprobieren einer noch ungeprüften Installation.
Gut vorbereitet ist der erste Heizvorgang ziemlich unspektakulär
Beim Einbrennen eines Kaminofens werden Beschichtung und weitere Bauteile erstmals hohen Temperaturen ausgesetzt. Geruch, leichter Dunst und Materialgeräusche können dabei vorkommen. Entscheidend ist eine gute Vorbereitung: Verpackungsreste entfernen, den Raum kräftig lüften, trockenes geeignetes Brennholz verwenden und lackierte Flächen während der Aushärtung möglichst nicht anfassen.
Bei Brennstoffmenge und Heizdauer sollte jedoch die Anleitung des jeweiligen Kaminofens entscheiden. Die Unterschiede zwischen den Herstellern sind dafür zu groß. Wer diese Vorgaben beachtet und den ersten Betrieb aufmerksam verfolgt, kann normale Begleiterscheinungen meist gut von Problemen an Feuerstätte oder Abgasführung unterscheiden.




