Gas oder Holz: Was kostet eine Kilowattstunde Wärme?
Für einen sinnvollen Vergleich reicht es nicht, die Preise von Erdgas und Brennholz nebeneinanderzustellen. Brennstoffe enthalten Energie, aber nicht die komplette Energiemenge gelangt später als nutzbare Wärme in den Wohnraum.
Nach Destatis zahlten private Haushalte in Deutschland im zweiten Halbjahr 2025 durchschnittlich rund 12,2 Cent pro Kilowattstunde Erdgas. Das ist zum Stand 6. September 2026 der jüngste verfügbare amtliche Halbjahreswert. Er enthält neben Steuern und Abgaben auch umgelegte feste Preisbestandteile und ist deshalb nicht mit dem reinen Arbeitspreis deines Gasvertrags gleichzusetzen. Dein individueller Tarif kann darüber oder darunter liegen.
Bei Brennholz schwanken die Preise noch stärker. Die TFZ-Erhebung vom Juli 2026 ermittelte für gespaltenes Hartholz mit 33 Zentimetern Scheitlänge im Durchschnitt rund 9,4 Cent pro Kilowattstunde Brennstoffenergie. Die Bruttopreise der 28 befragten Anbieter enthalten die Mehrwertsteuer und eine Lieferung bis 10 Kilometer. Die Spanne reichte von etwa 5 bis 12,4 Cent pro Kilowattstunde.
Damit sieht Holz zunächst günstiger aus. Jetzt kommt jedoch der Wirkungsgrad ins Spiel.
Beispiel |
Preisannahme |
angenommener Wirkungsgrad |
Kosten je nutzbarer kWh Wärme |
|---|---|---|---|
Erdgas (Durchschnitt einschließlich Grundpreisanteil) |
12,2 Cent/kWh |
92 % |
ca. 13,3 Cent |
Scheitholz |
9,4 Cent/kWh |
80 % |
ca. 11,8 Cent |
günstiges Scheitholz |
6 Cent/kWh |
80 % |
ca. 7,5 Cent |
teures Scheitholz |
12 Cent/kWh |
80 % |
ca. 15 Cent |
Die Rechnung dient nur als Orientierung. Bei Gas beziehen sich die angenommenen 92 Prozent auf die abgerechnete Brennwertenergie, bei Holz die 80 Prozent auf die Heizwertenergie. Das sind Rechenannahmen und keine garantierten Werte für deine Anlage. Für die tatsächlich vermeidbaren Gaskosten musst du statt des amtlichen Durchschnitts deinen verbrauchsabhängigen Arbeitspreis einsetzen; der Grundpreis bleibt bei fortbestehendem Vertrag meist bestehen. Gasvertrag, Holzart, Holzfeuchte und Brennholzpreis verändern das Ergebnis erheblich.
Bei Kaminöfen kommt noch etwas hinzu: Werte aus der technischen Prüfung werden unter definierten Bedingungen ermittelt. Im Alltag können falsches Anfeuern, feuchtes Holz, eine ungeeignete Scheitgröße oder stark gedrosselte Luftzufuhr die Verbrennung verschlechtern. Die theoretisch verfügbare Energie sagt deshalb nicht automatisch, wie viel davon sinnvoll genutzt wird.
Wann der Kaminofen beim Heizen tatsächlich Geld sparen kann
Besonders interessant wird Holz, wenn du es deutlich günstiger als zum üblichen Endkundenpreis beziehen kannst. Wer beispielsweise regional kauft, größere Mengen bestellt, selbst aufarbeitet oder eigenes Brennholz zur Verfügung hat, kommt auf eine völlig andere Rechnung als jemand, der kleine Mengen ofenfertiger Buchenscheite liefern lässt.
Auch die Art der Nutzung spielt eine große Rolle.
Der Kaminofen beheizt gezielt den meistgenutzten Raum
Angenommen, Wohnzimmer und Küche bilden einen offenen Bereich, in dem du dich abends überwiegend aufhältst. Statt die Gasheizung mehrere Räume auf voller Temperatur halten zu lassen, übernimmt der Kaminofen einen Teil der Raumheizung.
Dadurch kann der Gasverbrauch sinken. Genau hier liegt die wirtschaftliche Stärke eines gewöhnlichen Kaminofens: Er muss nicht die komplette Zentralheizung ersetzen, um Heizkosten zu reduzieren.
Das Brennholz ist günstig verfügbar
Bei Holz zählt der Einkaufspreis enorm. Ein Beispiel:
Du benötigst 2.000 Kilowattstunden Brennstoffenergie.
Bei 6 Cent pro Kilowattstunde kostet das Holz rund 120 Euro.
Bei 12 Cent sind es bereits 240 Euro.
Allein durch den unterschiedlichen Holzpreis verdoppeln sich die Brennstoffkosten. Deshalb sind pauschale Aussagen wie „Holz ist billiger als Gas“ wenig hilfreich.
Kaminofen und Schornstein sind bereits vorhanden
Wer bereits einen geeigneten Kaminofen besitzt, muss vor allem die laufenden Kosten betrachten. Bei einer Neuanschaffung sieht die Rechnung anders aus.
Dann können unter anderem hinzukommen:
- Anschaffung des Kaminofens
- Ofenrohr und Anschlussmaterial
- Montage
- Boden- oder Funkenschutz
- eventuell notwendige Arbeiten am Schornstein
- Abnahme der Feuerstätte
- regelmäßige Schornsteinfegerarbeiten
- Brennholzlager
Mehrere Tausend Euro Investitionskosten allein durch eingespartes Gas wieder hereinzuholen kann entsprechend lange dauern.
Wer einen Kaminofen ausschließlich kauft, um Heizkosten zu sparen, sollte deshalb vorher rechnen. Ist der Ofen ohnehin gewünscht und wird anschließend regelmäßig zum Heizen genutzt, sieht die Betrachtung anders aus.
Warum die Gasheizung im Kostenvergleich einige Vorteile behält
Die Gasheizung hat einen entscheidenden Vorteil: Sie verteilt Wärme automatisch dort, wo sie benötigt wird. Ein klassischer Kaminofen kann das nur eingeschränkt.
Steht der Ofen beispielsweise im Wohnzimmer im Erdgeschoss, bedeutet eine dort angenehme Temperatur nicht automatisch, dass Schlafzimmer, Bad oder Arbeitszimmer ebenfalls ausreichend beheizt werden.
Die Zentralheizung muss deshalb häufig weiterlaufen.
Auch beim Warmwasser ändert ein gewöhnlicher Kaminofen nichts. Dusche, Waschbecken und Küche werden weiterhin über das vorhandene System versorgt, sofern keine andere Warmwasserlösung vorhanden ist.
Hinzu kommt der Bedienaufwand.
Bei einer Gasheizung erfolgt die Wärmeerzeugung weitgehend automatisch. Beim Kaminofen musst du dagegen:
- Brennholz beschaffen und lagern,
- Holz zum Ofen transportieren,
- den Ofen anfeuern,
- regelmäßig Scheite nachlegen,
- Asche entfernen,
- Feuerraum und Scheibe reinigen.
Wer nur die Brennstoffpreise betrachtet, setzt seine eigene Zeit dabei praktisch mit null Euro an. Das kann für dich völlig in Ordnung sein – es gehört aber zu einem vollständigen Vergleich dazu.
So vergleichst du deine eigenen Heizkosten richtig
Ob sich Holz bei dir rechnet, lässt sich mit einer einfachen Rechnung besser beurteilen als mit allgemeinen Durchschnittswerten.
Schritt 1: Deinen tatsächlichen Gaspreis ermitteln
Nimm deine letzte Gasabrechnung und teile die gesamten verbrauchsabhängigen Kosten durch die verbrauchten Kilowattstunden. Beachte, dass ein Grundpreis häufig unabhängig davon bestehen bleibt, ob du durch den Kaminofen weniger Gas verbrauchst.
Weniger Verbrauch bedeutet deshalb nicht automatisch eine prozentual gleich hohe Ersparnis bei der gesamten Rechnung.
Schritt 2: Brennholz nicht nur nach dem Preis pro Raummeter vergleichen
Ein Preis wie „140 Euro pro Raummeter“ sagt allein wenig aus.
Relevant sind zusätzlich:
- Holzart
- Scheitlänge
- Feuchte
- Raummeter oder Schüttraummeter
- Lieferkosten
- tatsächlich enthaltene Energiemenge
Raummeter und Schüttraummeter solltest du dabei nicht miteinander verwechseln. Ein Schüttraummeter besteht aus lose geschütteten Scheiten und enthält durch die Zwischenräume weniger Holz als ein entsprechend geschichteter Raummeter.
Schritt 3: Wirkungsgrad berücksichtigen
Angenommen, dein Holz kostet rechnerisch 9 Cent pro Kilowattstunde Brennstoffenergie und dein Kaminofen erreicht unter den angenommenen Bedingungen einen Wirkungsgrad von 80 Prozent:
9 Cent ÷ 0,80 = 11,25 Cent
Eine nutzbare Kilowattstunde Wärme kostet damit rechnerisch rund 11,25 Cent.
Das gleiche Prinzip gilt für Gas.
Schritt 4: Nur den tatsächlich ersetzten Gasverbrauch ansetzen
Der häufigste Rechenfehler besteht darin, den gesamten Wärmebedarf des Hauses auf Holz umzurechnen.
Ein normaler Kaminofen ist eine Einzelraumfeuerstätte. Wenn er hauptsächlich Wohnzimmer und Küche beheizt, solltest du nur den Gasverbrauch berücksichtigen, den er dort realistisch ersetzt.
Genau deshalb kann ein Kaminofen die Gasrechnung reduzieren, ohne dass die Gasheizung überflüssig wird.
Was unter dem Strich meist günstiger ist
Bei gekauftem, ofenfertigem Brennholz ist der finanzielle Abstand zwischen Kaminofen und Gasheizung häufig kleiner, als man zunächst vermuten würde. Aktuelle Brennholzpreise zeigen große regionale Unterschiede. Bei teurem Holz kann eine Kilowattstunde nutzbarer Wärme sogar mehr kosten als mit einer bestehenden Gasheizung.
Günstiger wird der Kaminofen vor allem unter drei Bedingungen: Das Holz wird preiswert beschafft, der Ofen arbeitet effizient und seine Wärme ersetzt tatsächlich einen Teil des Gasverbrauchs.
Besonders sinnvoll kann das in Übergangszeiten sein. An einem kühlen Herbstabend muss beispielsweise nicht unbedingt das komplette Heizsystem für das gesamte Gebäude stärker arbeiten, wenn der überwiegend genutzte Wohnbereich anderweitig beheizt wird.
Weniger überzeugend ist die Rechnung, wenn ein neuer Kaminofen samt erforderlicher Anschlussarbeiten ausschließlich gekauft wird, um Gas zu sparen. Dann müssen die Anschaffungskosten gegen die jährliche Einsparung gerechnet werden.
Auch ökologische Aspekte sollten von der Kostenfrage getrennt betrachtet werden. Holzverbrennung verursacht insbesondere bei Einzelraumfeuerstätten Feinstaub und weitere Luftschadstoffe. Billigeres Heizen bedeutet daher nicht automatisch geringere Umweltbelastungen.
Die sinnvollste Einordnung für deinen Haushalt
Ein vorhandener Kaminofen kann die laufenden Heizkosten reduzieren, besonders wenn Brennholz günstig erhältlich ist und du gezielt einen häufig genutzten Wohnbereich beheizt. Einen eindeutigen Kostensieger gibt es aber nicht.
Bei handelsüblichem, trockenem und geliefertem Brennholz können die Kosten je nutzbarer Kilowattstunde inzwischen relativ nah an denen einer Gasheizung liegen. Erst günstige Holzpreise verschieben den Vergleich deutlich zugunsten des Kaminofens.
Wenn du neu investieren müsstest, solltest du neben dem Brennstoff außerdem Ofen, Anschluss, Schornstein, Wartung und laufende Nebenkosten berücksichtigen. Für einen fairen Vergleich zählt am Ende nicht der Preis des Brennstoffs, sondern was eine tatsächlich genutzte Kilowattstunde Wärme kostet.




