Warum der Kaminofen die Zentralheizung ausbremsen kann
Bei einer raumtemperaturgeführten Heizungsregelung wird ein Raum als Referenz für einen ganzen Heizkreis verwendet. Dort misst ein Raumfühler oder eine Bedieneinheit die aktuelle Temperatur und vergleicht sie mit dem eingestellten Sollwert.
Angenommen, im Wohnzimmer sind 21 °C eingestellt. Ohne Kaminofen muss die Zentralheizung diesen Raum erwärmen. Brennt dagegen der Ofen und erhöht die Raumtemperatur auf 24 °C, erkennt der Regler keinen weiteren Wärmebedarf.
Je nach Regelung kann daraufhin beispielsweise:
- der Wärmeerzeuger abgeschaltet werden,
- die Vorlauftemperatur sinken,
- die Heizkreispumpe ihren Betrieb verändern,
- oder der gesamte Heizkreis weniger Wärme erhalten.
Das Wohnzimmer selbst merkt davon wenig – schließlich liefert der Kaminofen genug Wärme. Ein entferntes Bad kann gleichzeitig von 22 auf 19 °C absinken.
Genau deshalb ist ein Raum mit regelmäßig betriebenem Kaminofen häufig kein guter Referenzraum. Neben dem Ofen können übrigens auch starke Sonneneinstrahlung, viele Personen oder andere interne Wärmequellen die Messung beeinflussen.
Ein wichtiger Unterschied wird dabei oft übersehen: Heizkörperthermostate und ein zentraler Raumthermostat erfüllen nicht dieselbe Aufgabe. Das Ventil am Heizkörper begrenzt normalerweise den Heizwasserdurchfluss dieses einzelnen Heizkörpers. Ein zentraler Raumregler kann dagegen Einfluss auf den kompletten Heizkreis nehmen.
Erst klären, welche Heizungsregelung vorhanden ist
Bevor Du Thermostate umstellst oder einen Sensor versetzen lässt, sollte klar sein, wie Deine Heizung geregelt wird. Besonders relevant sind vier Varianten.
Regelungsart |
Einfluss der Ofenwärme |
Versorgung anderer Räume |
|---|---|---|
Rein raumtemperaturgeführt |
Kann sehr groß sein |
Kann reduziert oder unterbrochen werden |
Außentemperaturgeführt mit Raumeinfluss |
Je nach Einstellung unterschiedlich stark |
Vorlauftemperatur kann für den gesamten Heizkreis sinken |
Außentemperaturgeführt ohne Raumeinfluss |
Ofenzimmer beeinflusst die Heizkurve nicht direkt |
Andere Räume können weiterhin versorgt werden |
Einzelraum- oder Zonenregelung |
Meist auf den jeweiligen Raum begrenzt |
Andere Räume können eigenen Wärmebedarf melden |
Bei einer witterungsgeführten Regelung bestimmt hauptsächlich die Außentemperatur die erforderliche Vorlauftemperatur. Dafür arbeitet die Heizungsanlage mit einer Heizkurve. Sinkt die Außentemperatur, wird normalerweise wärmeres Heizwasser bereitgestellt.
Manche Systeme kombinieren diese Regelung jedoch mit einem Raumfühler. Die gemessene Innentemperatur korrigiert dann die Heizkurve. Hersteller verwenden dafür Bezeichnungen wie „Raumeinfluss“, „Raumtemperaturaufschaltung“ oder ähnliche Begriffe.
Damit gibt es einen wichtigen Unterschied:
Außenfühler vorhanden bedeutet nicht automatisch, dass der Kaminofen keinen Einfluss auf die übrigen Räume hat.
Ist zusätzlich ein kräftiger Raumeinfluss eingestellt, kann die hohe Wohnzimmertemperatur weiterhin dazu führen, dass die Vorlauftemperatur für den Heizkreis abgesenkt wird.
Ein erster Blick in das Menü der Heizungsregelung kann deshalb hilfreich sein. Einstellungen rund um Heizkreis, Heizkurve, Raumtemperaturregelung oder Raumeinfluss geben häufig Hinweise. Änderungen an Fachhandwerkerparametern sollten allerdings nicht auf Verdacht vorgenommen werden.
So können andere Räume trotz warmem Ofenzimmer weiter beheizt werden
Welche Lösung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie das Gebäude und die Heizungsanlage aufgebaut sind. In vielen Fällen gibt es mehrere Möglichkeiten.
Den Raumeinfluss reduzieren oder deaktivieren
Bei einer witterungsgeführten Anlage lässt sich bei manchen Regelungen festlegen, wie stark die gemessene Raumtemperatur die Heizkurve korrigiert.
Wird der Raumeinfluss reduziert oder vollständig ausgeschaltet, orientiert sich die Zentralheizung stärker an der Außentemperatur. Das Ofenzimmer kann dann über seine Heizkörperventile begrenzt werden, während Bad, Schlafzimmer oder Arbeitszimmer weiterhin Heizwasser erhalten.
Das kann gerade bei regelmäßigem Kaminbetrieb sinnvoll sein.
Allerdings sollte eine solche Änderung zur Anlage passen. Heizkurve, Vorlauftemperatur und hydraulische Verhältnisse müssen anschließend weiterhin stimmen. Einfach irgendeinen Parameter auf null zu setzen, ohne seine Funktion zu kennen, ist keine gute Idee.
Einen geeigneteren Referenzraum wählen
Bei einer rein raumtemperaturgeführten Regelung kann es sinnvoller sein, den Raumfühler an einem anderen Ort zu installieren.
Ein geeigneter Referenzraum sollte möglichst repräsentativ für den Heizbedarf des Gebäudes sein und nicht ständig durch zusätzliche Wärme beeinflusst werden.
Ungünstig sind beispielsweise Räume mit:
- regelmäßig betriebenem Kaminofen,
- besonders starker Sonneneinstrahlung,
- stark schwankender Nutzung,
- ungewöhnlich hoher oder niedriger gewünschter Raumtemperatur.
Auch der Montageort innerhalb des Raumes spielt eine Rolle. Direkt neben einem Heizkörper, an einer kalten Außenwand, hinter einem Vorhang oder in unmittelbarer Nähe des Ofens kann die Temperaturmessung verfälscht werden.
Räume getrennt regeln
Komfortabler wird es, wenn verschiedene Gebäudebereiche unabhängig Wärme anfordern können. Möglich ist das beispielsweise über getrennte Heizkreise, Zonenregelungen oder kompatible Einzelraumregelungen.
Bei einer gut integrierten Einzelraumregelung kann etwa das Bad melden: „Ich brauche Wärme“, obwohl das Wohnzimmer durch den Kaminofen bereits warm genug ist.
Wichtig ist dabei das Wort integriert. Elektronische Heizkörperthermostate allein bedeuten nicht automatisch, dass sie mit dem Wärmeerzeuger kommunizieren. Ein intelligentes Thermostat kann zwar sein Heizkörperventil öffnen – wenn die zentrale Regelung gleichzeitig den gesamten Heizkreis abgeschaltet hat, kommt trotzdem keine Wärme.
Bei der Nachrüstung sollte deshalb geprüft werden, ob Raumregler, Heizkörperventile und Heizungssteuerung tatsächlich miteinander kommunizieren können.
Heizkörperthermostate im Ofenzimmer richtig einordnen
Es liegt nahe, bei brennendem Kaminofen einfach den Heizkörper im Wohnzimmer herunterzudrehen. Das kann grundsätzlich sinnvoll sein: Wird der Raum durch den Ofen warm genug, muss der Heizkörper dort nicht gleichzeitig kräftig weiterheizen.
Bei einem klassischen thermostatischen Heizkörperventil passiert das meist ohnehin automatisch. Steigt die Raumtemperatur über den eingestellten Wert, reduziert das Ventil den Heizwasserdurchfluss.
Anders sieht es aus, wenn sich im selben Raum der maßgebliche Raumfühler der Heizungsanlage befindet. Bei vielen raumtemperaturgeführten Systemen sollen die Heizkörperthermostate im Referenzraum vollständig geöffnet sein. Sonst können zwei Regler gegeneinander arbeiten: Das Heizkörperventil begrenzt die Wärmeabgabe, während die Heizungsregelung versucht, anhand der Raumtemperatur den gesamten Heizkreis zu steuern.
Deshalb sollte man unterscheiden:
Heizkörperventil: beeinflusst den einzelnen Heizkörper.
Raumfühler: misst die Raumtemperatur für eine übergeordnete Regelung.
Heizungsregler: bestimmt beispielsweise Wärmeanforderung oder Vorlauftemperatur.
Heizkurve: legt bei witterungsgeführten Anlagen fest, welche Vorlauftemperatur bei welcher Außentemperatur benötigt wird.
Wenn diese Funktionen sauber zusammenspielen, kann der Kaminofen einen Teil der Raumheizung übernehmen, ohne dass andere Zimmer unbeabsichtigt auskühlen.
Woran Du erkennst, dass die Regelung angepasst werden sollte
Nicht jede etwas kühlere Zimmertemperatur während des Kaminbetriebs ist gleich ein Regelungsfehler. Auffällig wird es vor allem dann, wenn sich der Zusammenhang regelmäßig reproduzieren lässt.
Ein typisches Beispiel:
- Ohne Kaminofen werden alle Räume problemlos warm.
- Der Kaminofen wird angeheizt.
- Die Temperatur im Wohnzimmer steigt über den eingestellten Sollwert.
- Kurz danach werden die Heizkörper in anderen Räumen deutlich kühler.
- Dort sind die Thermostatventile weiterhin geöffnet.
- Nach dem Abkühlen des Wohnzimmers nimmt die Zentralheizung ihren normalen Betrieb wieder auf.
Dann spricht einiges dafür, dass die Raumtemperatur des Ofenzimmers die zentrale Regelung beeinflusst.
Bei der Prüfung sollte außerdem berücksichtigt werden, ob alle betroffenen Räume am selben Heizkreis hängen. Gebäude mit mehreren Heizkreisen können sich völlig anders verhalten. Beispielsweise kann eine Fußbodenheizung im Erdgeschoss getrennt von Heizkörpern im Obergeschoss geregelt werden.
Auch eine falsch eingestellte Heizkurve, klemmende Thermostatventile, ein fehlender hydraulischer Abgleich oder eine zu niedrige Vorlauftemperatur können dazu führen, dass einzelne Räume nicht ausreichend warm werden. Der Kaminofen ist also nicht automatisch die Ursache jedes Temperaturunterschieds.
Entscheidend ist die Rolle des Ofenzimmers im Heizsystem
Ein Kaminofen und eine Zentralheizung können problemlos parallel betrieben werden. Schwierigkeiten entstehen hauptsächlich dann, wenn das stark erwärmte Wohnzimmer gleichzeitig als maßgeblicher Referenzraum für mehrere andere Zimmer dient.
Bei witterungsgeführten Anlagen kann ein geringer oder abgeschalteter Raumeinfluss verhindern, dass die Ofenwärme den gesamten Heizkreis herunterregelt. Bei rein raumtemperaturgeführten Systemen kann dagegen ein anderer Referenzraum oder eine getrennte Regelung sinnvoller sein. Welche Variante technisch möglich ist, hängt vom vorhandenen Regler, der Heizungsanlage und der Aufteilung der Heizkreise ab.
Vor einer Änderung sollte daher zuerst geklärt werden, ob der Wohnzimmerfühler nur misst, die Heizkurve korrigiert oder tatsächlich über die Wärmeanforderung des gesamten Heizkreises entscheidet.





