Wo Wasser am Schornstein überhaupt eindringen kann
Ein Schornstein durchdringt die Dachfläche und ist oberhalb des Daches dauerhaft Regen, Wind, Frost und starken Temperaturunterschieden ausgesetzt. Dadurch gibt es mehrere Bereiche, an denen Feuchtigkeit eindringen kann.
Besonders relevant sind:
- Fugen zwischen den Mauersteinen des Schornsteinkopfs
- Übergänge zwischen Schornstein und Dachdeckung
- Anschluss- und Abdeckbleche
- Schornsteinabdeckungen oder Abdeckplatten
- beschädigte Verkleidungen des Schornsteinkopfs
- Risse im Putz oder in keramischen Bauteilen
- Bereiche hinter dem Schornstein, an denen Regenwasser schlecht abläuft
Ein wichtiger Hinweis ergibt sich häufig aus dem Zeitpunkt des Schadens. Wird eine Stelle unmittelbar nach kräftigem Regen nass, spricht vieles für von außen eindringendes Wasser. Tritt Feuchtigkeit dagegen unabhängig vom Wetter oder vor allem während des Heizbetriebs auf, muss zusätzlich Kondensat beziehungsweise eine Durchfeuchtung innerhalb der Abgasanlage geprüft werden.
Auch Wind spielt eine Rolle. Regen fällt nicht immer senkrecht auf ein Dach. Bei Schlagregen kann Wasser gegen seitliche Flächen des Schornsteins gedrückt werden und Schwachstellen erreichen, die bei ruhigem Regen trocken bleiben.
Wasser kann sich im Bauteil einen anderen Weg suchen
Der sichtbare Fleck zeigt deshalb nicht automatisch die Eintrittsstelle.
Wasser kann beispielsweise am Schornstein oberhalb der Dachfläche eindringen, einige Zentimeter oder sogar deutlich weiter innerhalb einer Fuge oder Dachkonstruktion wandern und erst im Dachboden sichtbar werden. Dadurch liegt die eigentliche Schadstelle mitunter oberhalb oder seitlich der feuchten Stelle.
Genau deshalb ist das einfache Abdichten der sichtbar nassen Stelle häufig keine dauerhafte Lösung.
Beschädigte Fugen und Schornsteinkopf prüfen
Bei einem gemauerten Schornstein ist der Bereich oberhalb des Daches besonders stark beansprucht. Regenwasser trifft direkt auf Mauersteine und Fugen. Gleichzeitig wechseln dort Temperaturen stärker als in geschützten Gebäudeteilen.
Mit zunehmendem Alter können Fugen auswaschen, porös werden oder sich stellenweise lösen. Kleine Risse reichen bereits aus, damit Wasser aufgenommen wird.
Problematisch wird das vor allem im Winter. Dringt Wasser in Fugen oder poröses Material ein und gefriert anschließend, dehnt es sich aus. Wiederholte Frost-Tau-Wechsel können vorhandene Schäden dadurch vergrößern.
Hinweise auf einen geschädigten Schornsteinkopf sind beispielsweise:
- deutlich ausgewaschene oder zurückliegende Fugen
- lose Mörtelstücke
- Risse im Mauerwerk
- abgeplatzte Steinoberflächen
- dauerhaft dunkle oder feuchte Bereiche
- Ausblühungen auf dem Mauerwerk
- beschädigter oder gerissener Putz
- offene Übergänge zu einer Schornsteinverkleidung
Bei verkleideten Schornsteinen liegt das eigentliche Mauerwerk dagegen nicht immer offen. Dann sollte auch geprüft werden, ob Platten, Bleche oder deren Befestigungen beschädigt sind und Wasser hinter die Verkleidung gelangen kann.
Auch die obere Abdeckung gehört zur Kontrolle
Eine Abdeckplatte soll den Schornsteinkopf vor direkter Bewitterung schützen und Wasser kontrolliert ableiten. Risse, offene Fugen oder ungünstige Anschlüsse können jedoch genau dort einen Eintrittsweg schaffen.
Bei einer Sichtprüfung sind deshalb unter anderem die Platte selbst, deren Randbereiche sowie sämtliche Durchführungen interessant.
Wasser sollte von der Oberseite weggeführt werden und nicht dauerhaft an den Außenflächen des Schornsteins herunterlaufen. Fehlt eine saubere Wasserableitung oder gelangt Niederschlag unter eine beschädigte Abdeckung, kann das Mauerwerk zunehmend durchfeuchten.
Dachanschluss und Verwahrung als Ursache erkennen
Der Übergang zwischen Schornstein und Dach ist konstruktiv anspruchsvoll. Zwei unterschiedliche Bauteile treffen aufeinander, gleichzeitig muss Niederschlagswasser sicher an diesem Bereich vorbeigeführt werden.
Bei geneigten Dächern übernehmen diese Aufgabe je nach Konstruktion beispielsweise Anschlussbleche, Verwahrungen und passend eingearbeitete Teile der Dachdeckung.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Seite des Schornsteins, die zum Dachfirst zeigt. Dort läuft Wasser von der höher gelegenen Dachfläche auf den Schornstein zu und muss seitlich daran vorbeigeführt werden.
Mögliche Schwachstellen sind unter anderem:
Bereich |
Möglicher Schaden |
Möglicher Hinweis |
|---|---|---|
Seitlicher Dachanschluss |
gelöstes oder beschädigtes Anschlussblech |
Feuchte nach Wind und Regen |
Firstseitiger Anschluss |
Wasser staut sich hinter dem Schornstein |
Nässe vor allem nach längerem Regen |
Übergang zum Mauerwerk |
Anschluss hat sich gelöst |
sichtbare Spalte oder gerissene Fuge |
Dachziegel neben dem Schornstein |
Ziegel gerissen oder verschoben |
lokal begrenzter Wassereintritt |
Unterdeckung |
Anschluss beschädigt oder nicht mehr dicht |
Feuchtigkeit unterhalb der Dachdeckung |
Metallteile |
Verformung, Korrosion oder offene Verbindung |
Wasser tritt bei bestimmten Windrichtungen auf |
Materialien bewegen sich durch Temperaturänderungen. Ein Anschluss muss diese Bewegungen aufnehmen können, ohne dass sich dabei offene Stellen bilden. Deshalb werden solche Details fachgerecht konstruiert und nicht einfach dauerhaft mit einer beliebigen Dichtmasse geschlossen.
Gerade ältere Reparaturen mit Silikon oder ähnlichen Materialien können ein Warnzeichen sein. Sie können kurzfristig Wasser fernhalten, ersetzen aber keine funktionierende Dachverwahrung.
Regenwasser oder Kondensat? Die Unterscheidung ist wichtig
Nicht jede Feuchtigkeit rund um einen Schornstein stammt vom Dach.
Bei der Verbrennung entsteht Wasserdampf. Kühlt das Abgas auf seinem Weg durch die Abgasanlage ausreichend stark ab, kann dieser Wasserdampf kondensieren. Bei bestimmten Heizsystemen gehört Kondensat sogar zum normalen Betrieb und wird gezielt abgeführt.
Bei älteren oder nicht passend ausgelegten Schornsteinen kann Feuchtigkeit dagegen problematisch werden. Besonders ungünstig ist es, wenn feuchte Abgase im Schornstein kondensieren und die Konstruktion dafür nicht geeignet ist.
Eine erste Einordnung kann über das Schadensbild erfolgen:
Eher Regenwasser:
- Feuchtigkeit tritt nach Regen oder Schnee auf.
- Starkregen verschlimmert das Problem.
- Windrichtung beeinflusst den Wassereintritt.
- Schäden befinden sich hauptsächlich im Bereich der Dachdurchdringung.
- Fugen, Bleche oder Dachziegel zeigen sichtbare Mängel.
Eher Kondensat oder Feuchtigkeit aus der Abgasanlage:
- Flecken entstehen auch während trockener Wetterperioden.
- Das Problem tritt verstärkt während des Heizbetriebs auf.
- Feuchtigkeit befindet sich innerhalb oder unmittelbar an der Schornsteinwand.
- Verfärbungen oder unangenehme Gerüche kommen hinzu.
- Der Schornstein weist bereits ältere Feuchte- oder Versottungsspuren auf.
Die Übergänge können allerdings fließend sein. Ein durch Regenwasser ausgekühlter und feuchter Schornstein kann zusätzlich Probleme mit Kondensation entwickeln. Umgekehrt kann eine vorhandene Durchfeuchtung die Beurteilung eines Dachanschlusses erschweren.
So lässt sich die Ursache Schritt für Schritt eingrenzen
Bei Feuchtigkeit am Schornstein bringt eine geordnete Prüfung meist mehr als das Abdichten auf Verdacht.
1. Wetter und Zeitpunkt dokumentieren
Notiere, wann Feuchtigkeit sichtbar wird. Hilfreich sind Angaben zu Regenmenge, Windrichtung und Heizbetrieb.
Fotos unmittelbar nach dem Auftreten des Schadens können ebenfalls helfen. Manche Flecken trocknen später wieder so weit ab, dass ihre Ausdehnung kaum noch erkennbar ist.
2. Dachboden kontrollieren
Ist der Schornstein im Dachraum zugänglich, lässt sich häufig erkennen, von welcher Seite die Feuchtigkeit kommt. Kontrolliert werden sollten nicht nur das Mauerwerk, sondern auch angrenzende Sparren, Lattung, Unterdeckbahn und Dämmung.
Feuchtes Holz oder nasse Dämmstoffe können zeigen, dass das Wasser über die Dachkonstruktion eindringt und nicht durch den Schornstein selbst.
3. Schornsteinkopf ansehen lassen
Oberhalb des Daches sollten Fugen, Mauerwerk, Verkleidung und Abdeckung geprüft werden. Gerade kleine Schäden lassen sich vom Boden aus kaum zuverlässig beurteilen.
Eigenständiges Klettern auf das Dach ist keine gute Fehlersuche. Neben der Absturzgefahr lassen sich Anschlussdetails ohne Erfahrung leicht falsch einschätzen oder zusätzlich beschädigen.
4. Dachanschluss kontrollieren
Bei einem vermuteten Wassereintritt über die Dachdurchdringung ist ein Dachdeckerbetrieb der passende Ansprechpartner. Er kann beurteilen, ob Dachdeckung, Unterdeckung, Anschlussbleche und Verwahrung fachgerecht funktionieren.
Bei Schäden am eigentlichen Schornstein oder Fragen zur Abgasanlage kann zusätzlich ein Schornsteinfegerbetrieb beziehungsweise ein Fachbetrieb für Schornstein- und Abgastechnik sinnvoll sein.
5. Nicht nur die sichtbare Stelle reparieren
Eine nasse Fuge im Dachboden einfach zu verschließen, kann den eigentlichen Wasserweg unangetastet lassen. Im ungünstigen Fall bleibt die Konstruktion dahinter feucht, während der Schaden zunächst unsichtbar wird.
Zuerst muss deshalb geklärt werden, wo Wasser eintritt. Erst danach lässt sich entscheiden, ob einzelne Fugen instandgesetzt, Anschlussbleche erneuert, Dachziegel korrigiert oder größere Bereiche des Schornsteinkopfs saniert werden müssen.
Warum eine frühe Prüfung sinnvoll ist
Ein einzelner feuchter Fleck wirkt zunächst oft harmlos. Wiederkehrende Feuchtigkeit kann jedoch Mörtel, Mauerwerk, Putz, Dämmstoffe und Holzteile des Dachstuhls belasten. Bleibt Wasser längere Zeit in der Konstruktion, können sich Schäden deutlich ausweiten.
Entscheidend ist daher die Unterscheidung zwischen Schornsteinkopf, Dachanschluss und Feuchtigkeit innerhalb der Abgasanlage. Tritt das Problem nur bei Regen auf, sollten Dachdeckung, Verwahrung und außenliegende Schornsteinflächen zuerst untersucht werden. Besteht die Feuchtigkeit unabhängig vom Wetter, gehört auch die Abgasanlage in die Prüfung. Eine saubere Ursachenanalyse ist meist günstiger als mehrere Reparaturversuche an den falschen Stellen.






