Die Dachform bestimmt die passende Durchführung
Ob Flachdach, Satteldach oder stark geneigtes Dach: Die eigentliche Aufgabe bleibt dieselbe. Der Edelstahlschornstein muss durch sämtliche Dachschichten geführt werden, ohne dass brennbare Baustoffe unzulässig erwärmt werden oder später Wasser in die Konstruktion gelangt.
Die passende Dachdurchführung richtet sich deshalb unter anderem nach:
- Dachneigung
- Außendurchmesser des Schornsteins
- Dicke des gesamten Dachaufbaus
- Art der Dacheindeckung
- vorhandener Wärmedämmung
- Dampfbremse oder Luftdichtheitsebene
- Brandschutzklassifizierung des verwendeten Schornsteinsystems
Bei einem klassischen Ziegeldach wird häufig eine für einen bestimmten Neigungsbereich vorgesehene Dachverwahrung eingesetzt. Sie bildet den Übergang zwischen Schornstein und Dacheindeckung. Flexible Anschlussmaterialien können sich dabei an die Konturen der Dachziegel anpassen.
Bei einem Flachdach liegt die Schwierigkeit weniger in Dachpfannen als in der Abdichtungsebene. Hier muss der Anschluss so ausgeführt werden, dass Niederschlagswasser zuverlässig abgeführt wird und keine Schwachstelle in der Dachabdichtung entsteht.
Die Dachneigung muss zum Bauteil passen
Dachdurchführungen besitzen üblicherweise einen definierten Bereich zulässiger Dachneigungen. Ein Bauteil für ein nahezu flaches Dach eignet sich daher nicht automatisch für ein Dach mit 40 oder 50 Grad Neigung.
Vor der Bestellung sollten mindestens drei Maße bekannt sein:
- Dachneigung in Grad
- Außendurchmesser des Edelstahlschornsteins
- Stärke des Dachs vom Innenausbau bis zur äußeren Dacheindeckung
Gerade der dritte Punkt wird gern unterschätzt. Moderne Dächer können durch Sparren, Zwischensparrendämmung, Aufsparrendämmung, Lattung und weitere Schichten eine erhebliche Gesamtdicke erreichen. Standardlösungen reichen bei besonders hohen Dachaufbauten nicht zwangsläufig aus.
Beim Dachdurchbruch entscheidet das Schornsteinsystem über den Brandschutz
Ein Loch im Dach in ungefährer Rohrgröße auszusägen wäre bei einem Schornstein keine brauchbare Lösung. Entscheidend ist der vorgeschriebene Abstand zwischen dem Schornstein und brennbaren Baustoffen wie Sparren, Holzwerkstoffplatten oder Teilen der Dachkonstruktion.
Wie groß dieser Abstand sein muss, ergibt sich aus der Klassifizierung und den Herstellerangaben des jeweiligen Schornsteinsystems.
Ein Beispiel: Bei einem doppelwandigen Edelstahlschornstein kann die Kennzeichnung einen Abstand von 50 Millimetern zu brennbaren Baustoffen verlangen. Bei einem anderen System können 80 Millimeter oder ein anderes Maß vorgeschrieben sein. Das bedeutet nicht, dass einer dieser Werte grundsätzlich für Edelstahlschornsteine gilt.
Deshalb sollte die Planung immer beim tatsächlich eingesetzten System beginnen.
Warum gedämmte Dächer besondere Aufmerksamkeit brauchen
Bei einem normalen freien Abstand kann Luft rund um das Schornsteinrohr zirkulieren. Führt der Weg jedoch durch einen stark gedämmten Dachaufbau, verändert sich die Situation. Dämmstoffe, Folien und Holzbauteile liegen teilweise über viele Zentimeter dicht um den Durchdringungsbereich.
Für solche Konstruktionen gibt es geprüfte Wand-, Decken- und Dachdurchführungen. Sie schaffen einen definierten Brandschutzbereich um die Abgasanlage und können je nach Produkt auch für besonders dicke Dachaufbauten ausgelegt sein.
Wichtig ist dabei: Eine solche Durchführung darf nur innerhalb der vorgesehenen Einbaubedingungen verwendet werden. Maximale Einbaulänge, Temperaturklasse, Rohrdurchmesser und Aufbau müssen zusammenpassen.
Ein praktischer Prüfpunkt lautet daher:
Wie dick ist der Dachaufbau tatsächlich an genau der Stelle, an der der Schornstein hindurchgeführt wird?
Nicht nur die Stärke der Dämmung zählt. Entscheidend ist die gesamte Durchdringung.
Wie hoch muss der Edelstahlschornstein über das Dach hinaus?
Die benötigte Höhe wird nicht allein danach bestimmt, wie weit das Rohr optisch über den Dachziegeln steht. Für Feuerungsanlagen mit festen Brennstoffen gelten Anforderungen an die Lage und Höhe der Austrittsöffnung.
Bei Feuerungsanlagen, die nach dem 31. Dezember 2021 errichtet werden, muss die Schornsteinmündung grundsätzlich firstnah angeordnet werden und den First mindestens 40 Zentimeter überragen. Bei Dächern mit weniger als 20 Grad Neigung wird für diese Betrachtung ein fiktiver Dachfirst auf Grundlage einer Dachneigung von 20 Grad angesetzt.
Als firstnah gilt eine Position nicht allein deshalb, weil sich der Schornstein irgendwo in der oberen Dachhälfte befindet. Entscheidend sind die horizontalen und vertikalen Abstände zum First.
Zusätzlich müssen Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen in der Umgebung berücksichtigt werden. Bei Anlagen bis 50 Kilowatt muss die Mündung innerhalb eines Umkreises von 15 Metern deren Oberkanten grundsätzlich mindestens einen Meter überragen.
Für ältere Anlagen, wesentliche Änderungen und bestimmte Bestandsfälle können andere Regelungen gelten. Deshalb ist es riskant, ältere Zeichnungen oder pauschale Internetangaben auf einen Neubau zu übertragen.
Mehr Höhe bedeutet auch mehr Belastung
Aus den Anforderungen an die Mündung kann sich ein relativ langer Schornsteinabschnitt oberhalb des Dachs ergeben. Dieser Abschnitt wird durch Wind beansprucht. Je weiter der Schornstein frei über seine letzte Befestigung hinausragt, desto größer werden die Kräfte.
Deshalb müssen zwei Fragen getrennt betrachtet werden:
- Wie hoch muss die Mündung aus immissionsschutzrechtlicher Sicht sein?
- Wie kann diese Höhe statisch sicher umgesetzt werden?
Je nach System können zusätzliche Befestigungen, Dachhalter, Abspannungen oder spezielle statische Bauteile notwendig sein. Hersteller geben hierfür zulässige freie Aufbauhöhen und Befestigungsabstände vor.
Ein zwei Meter langer Abschnitt oberhalb des Dachs lässt sich deshalb nicht automatisch genauso montieren wie ein deutlich kürzerer.
Abdichtung: Regenwasser muss außen bleiben, Feuchtigkeit innen ebenfalls
Bei der Abdichtung gibt es zwei unterschiedliche Aufgaben. Außen muss Niederschlagswasser abgehalten werden. Innen darf die Luftdichtheits- beziehungsweise Dampfbremsebene des Dachs nicht einfach offen bleiben.
Beides wird häufig unter dem Begriff „Abdichten“ zusammengefasst, technisch handelt es sich jedoch um unterschiedliche Ebenen.
Bereich |
Aufgabe |
|---|---|
Äußere Dacheindeckung |
Niederschlag kontrolliert um die Durchführung ableiten |
Unterdeck- oder Unterspannbahn |
Eindringendes Wasser sicher weiterführen |
Wärmedämmung |
Wärmeverluste vermeiden, Brandschutzabstände einhalten |
Dampfbremse/Luftdichtheitsebene |
Feuchte Raumluft nicht unkontrolliert in die Dachkonstruktion gelangen lassen |
Schornsteindurchführung |
Wärmebeständigen und systemgerechten Übergang herstellen |
Bei einem Ziegeldach wird die äußere Durchführung so in die wasserführende Ebene integriert, dass Regen oberhalb aufgenommen und seitlich beziehungsweise nach unten weitergeleitet wird.
Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, nur die sichtbare Abdichtung über den Dachpfannen zu betrachten. Unterhalb der Ziegel befinden sich jedoch weitere Funktionsschichten des Dachs. Werden Unterspannbahn oder Dampfbremse einfach aufgeschnitten und nicht fachgerecht angeschlossen, können Feuchtigkeit, Zugluft und Wärmeverluste entstehen.
Dichtstoff allein ist keine Dachplanung
Silikon oder ein anderer Dichtstoff sollte nicht die eigentliche Konstruktion ersetzen. Bewegungen durch Temperaturwechsel, Wind und unterschiedliche Materialausdehnungen belasten solche Übergänge erheblich.
Eine dafür vorgesehene Dachverwahrung oder Dachdurchführung führt Wasser konstruktiv vom Schornstein weg. Dichtstoffe können Bestandteil eines Systems sein, sollten aber nicht die einzige Barriere gegen Regen darstellen.
Bei der Planung lohnt sich deshalb die Frage: Wohin läuft Wasser, das oberhalb der Durchführung auf das Dach trifft? Wenn die Antwort lediglich „zur Dichtmasse“ lautet, sollte der Aufbau noch einmal geprüft werden.
Diese Punkte sollten vor dem Dachausschnitt geklärt sein
Eine nachträgliche Korrektur am geöffneten Dach ist deutlich unangenehmer als eine zusätzliche Messung vor Beginn der Arbeiten. Vor dem Ausschnitt sollten daher alle wesentlichen Maße und Anforderungen vorliegen.
Eine sinnvolle Reihenfolge ist:
- Schornsteinsystem festlegen: Durchmesser, Temperaturklasse und erforderliche Abstände kennen.
- Feuerstätte einbeziehen: Leistungsdaten, Anschlussbedingungen und benötigte Schornsteinberechnung berücksichtigen.
- Verlauf bestimmen: Position im Gebäude und mögliche Konflikte mit Sparren oder anderen Bauteilen prüfen.
- Dachaufbau messen: Dachneigung und tatsächliche Durchdringungslänge ermitteln.
- Mündungshöhe bestimmen: First, umliegende Öffnungen und gegebenenfalls Nachbargebäude berücksichtigen.
- Statik prüfen: Freie Länge oberhalb der letzten Befestigung mit den Systemvorgaben abgleichen.
- Brandschutzlösung auswählen: Vorgeschriebene Abstände oder eine zugelassene Durchführung vorsehen.
- Abdichtung planen: Dachhaut, Unterdach und Luftdichtheitsebene getrennt betrachten.
Auch der Verlauf zwischen Sparren sollte früh geprüft werden. Ein Schornstein lässt sich nicht beliebig verschieben, sobald Wandanschluss, Feuerstätte und Dachöffnung festgelegt sind. Gleichzeitig darf ein Sparren nicht einfach ausgeschnitten werden, nur weil er genau im geplanten Weg liegt. Eingriffe in tragende Dachbauteile müssen konstruktiv beurteilt werden.
Die Abstimmung mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger vor der Montage kann deshalb unnötige Umbauten verhindern. Gerade bei ungewöhnlichen Dachformen, niedrigen Dachneigungen, großer Entfernung zum First oder nahen Fenstern ist eine pauschale Planung anhand weniger Standardmaße wenig sinnvoll.
Gute Planung beginnt unterhalb der Dachziegel
Eine funktionierende Dachdurchführung besteht nicht nur aus einem Edelstahlblech rund um das Rohr. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Schornsteinsystem, Dachkonstruktion, Brandschutz, Mündungshöhe, Befestigung und sämtlichen Abdichtungsebenen.
Besonders wichtig sind drei Punkte: Die Durchführung muss zur Dachneigung und zur Dicke des Dachaufbaus passen, die vorgeschriebenen Abstände zu brennbaren Baustoffen müssen eingehalten werden und die notwendige Höhe oberhalb des Dachs muss bereits vor der Montage bekannt sein. Wird anschließend auch die äußere Dachhaut sowie die innere Luftdichtheitsebene sauber angeschlossen, lässt sich die Durchführung dauerhaft und nachvollziehbar planen.







