Warum die Zuordnung alter Schornsteinzüge schwierig sein kann
Ein Schornstein ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einem einzigen Abgasweg. Vor allem größere gemauerte Schornsteinköpfe können mehrere voneinander getrennte Züge enthalten. Diese verliefen ursprünglich beispielsweise zu verschiedenen Wohnungen, Küchenherden, Kachelöfen oder Heizungsanlagen.
Im Laufe mehrerer Jahrzehnte kann sich die Nutzung stark verändert haben. Feuerstätten wurden entfernt, Anschlussöffnungen zugemauert, neue Öffnungen hergestellt oder einzelne Züge saniert. Manchmal befindet sich innerhalb eines alten gemauerten Schachts inzwischen zusätzlich ein Edelstahl- oder Keramiksystem.
Typische Situationen im Bestand sind:
- mehrere nebeneinanderliegende Schornsteinzüge innerhalb eines Schornsteinkörpers
- alte, verputzte Anschlussstellen
- stillgelegte Feuerstätten in anderen Geschossen
- nachträglich eingezogene Innenrohre
- verfüllte oder teilweise verschlossene Schächte
- Schornsteinzüge mit unbekanntem Verlauf
- frühere Umbauten ohne verfügbare Dokumentation
Auch die Position einer Reinigungsöffnung gibt nicht immer sofort Klarheit. Liegen beispielsweise zwei oder drei Züge unmittelbar nebeneinander, können wenige Zentimeter darüber entscheiden, welchem Zug eine Öffnung tatsächlich zugeordnet ist.
Deshalb sollte eine neue Anschlussöffnung nicht allein anhand der vermuteten Lage hergestellt werden.
Erst Unterlagen und vorhandene Öffnungen prüfen
Bevor technische Prüfungen beginnen, lohnt sich eine kleine Bestandsaufnahme. Manchmal lässt sich die Zuordnung damit bereits deutlich eingrenzen.
Interessant sind insbesondere ältere Bauzeichnungen, Grundrisse oder Schornsteinpläne. Auch Unterlagen früherer Heizungsanlagen, Feuerstättenbescheide oder Informationen des zuständigen Schornsteinfegers können Hinweise auf vorhandene und bislang genutzte Abgaswege geben.
Allerdings solltest du historische Unterlagen nicht als alleinigen Nachweis betrachten. Ein Haus kann nach Erstellung der Zeichnungen mehrfach verändert worden sein.
Hilfreich ist deshalb ein Vergleich über mehrere Geschosse.
Den Schornstein von unten nach oben verfolgen
Prüfe, soweit zugänglich, wo sich der Schornsteinkörper befindet und welche Öffnungen vorhanden sind:
- Keller oder unterstes Geschoss
- geplantes Geschoss der neuen Feuerstätte
- darüberliegende Etagen
- Dachboden
- Schornsteinmündung
Gerade auf einem unverkleideten Dachboden lässt sich die Form des Schornsteins oft besser erkennen als in ausgebauten Wohnräumen.
Vorhandene Reinigungs- und Anschlussöffnungen können ebenfalls Hinweise liefern. Liegen Öffnungen über mehrere Stockwerke genau übereinander, spricht das für einen gemeinsamen Zugverlauf. Eine sichere Zuordnung ergibt sich daraus allerdings noch nicht zwingend.
Eine einfache Dokumentation mit Fotos und Maßangaben ist dabei überraschend hilfreich. Messe beispielsweise den Abstand einer Öffnung zu einer seitlichen Schornsteinwange oder einer angrenzenden Wand. Die gleichen Maße lassen sich anschließend in einem anderen Geschoss vergleichen.
Mit welchen Verfahren sich ein Schornsteinzug eindeutig bestimmen lässt
Bleiben nach der Sichtprüfung Zweifel, kann der Verlauf technisch geprüft werden. Welche Methode sinnvoll ist, hängt vom Aufbau und Zustand des Schornsteins ab.
Verfahren |
Wofür es hilfreich ist |
|---|---|
Sichtprüfung vorhandener Öffnungen |
Erste Orientierung zu Querschnitt und Verlauf |
Vergleich von Öffnungen und Maßen |
Zuordnung nebeneinanderliegender Züge |
Schornsteinkamera |
Untersuchung des inneren Verlaufs und möglicher Hindernisse |
Kontrollierte Rauchprüfung |
Feststellen, welche Öffnungen miteinander verbunden sind |
Prüfung von oben |
Zuordnung einzelner Zugöffnungen an der Mündung |
Eine Kamerainspektion kann besonders bei unbekanntem Bestand sinnvoll sein. Dabei lässt sich nicht nur der betreffende Zug identifizieren. Gleichzeitig können Hindernisse, Ablagerungen, Schäden, Querschnittsveränderungen oder alte Anschlussstellen sichtbar werden.
Auch eine kontrollierte Rauchprüfung kann bei der Zuordnung helfen. Rauch wird dabei gezielt in einen Bereich eingebracht und an anderen zugänglichen Stellen beobachtet. Solche Prüfungen sollten fachgerecht durchgeführt werden. Einfach Papier, Holz oder andere Materialien in einer unbekannten Öffnung zu verbrennen, ist keine geeignete Methode.
Bei mehreren nebeneinanderliegenden Zügen kann außerdem die Untersuchung von der Schornsteinmündung aus hilfreich sein. Von dort lässt sich feststellen, welche Öffnung zu welchem Schacht gehört. In Kombination mit Messungen an unteren Reinigungsöffnungen entsteht daraus eine recht verlässliche Zuordnung.
Wichtig ist jedoch: Die Identifikation des richtigen Zugs beantwortet erst die erste Frage. Danach muss geklärt werden, ob dieser Zug auch für die geplante Feuerstätte genutzt werden kann.
Frei bedeutet noch nicht geeignet
Ein unbenutzter Schornsteinzug klingt zunächst nach einem unkomplizierten Kandidaten. Technisch muss er trotzdem geprüft werden.
Ist der Querschnitt tatsächlich frei?
In lange stillgelegten Schächten können sich unter anderem Bauschutt, lose Mauerteile oder andere Fremdkörper befinden. Auch frühere Umbauarbeiten können den freien Querschnitt verändert haben.
Der Abgasweg muss ausreichend frei sein, damit Verbrennungsgase sicher abgeführt werden können.
Gibt es weitere Anschlüsse?
Eine zugemauerte Öffnung ist von außen möglicherweise kaum noch erkennbar. Sie kann sich in einer anderen Wohnung, hinter einer Wandverkleidung oder an einer Stelle befinden, an der früher ein Herd oder Ofen angeschlossen war.
Solche alten Öffnungen sind bei der Beurteilung des Schornsteins relevant. Besonders in Mehrfamilienhäusern sollte deshalb nicht davon ausgegangen werden, dass ein scheinbar leerer Zug ausschließlich zur eigenen Wohnung gehört.
Wie ist der bauliche Zustand?
Bei älteren gemauerten Schornsteinen spielen unter anderem Fugen, Innenflächen, Querschnitt und vorhandene Schäden eine Rolle. Je nach Zustand und geplanter Feuerstätte kann eine Sanierung des Schornsteins erforderlich werden.
Eine Möglichkeit ist beispielsweise der Einbau eines geeigneten Innenrohrsystems. Ob und welches System infrage kommt, hängt jedoch von Feuerstätte, Brennstoff, Abgastemperatur, vorhandener Geometrie und weiteren technischen Bedingungen ab.
Passt der Schornstein zur vorgesehenen Feuerstätte?
Nicht jeder vorhandene Zug funktioniert automatisch mit jedem Kaminofen.
Für die Planung sind beispielsweise relevant:
- wirksame Schornsteinhöhe
- Schornsteinquerschnitt
- Verlauf und mögliche Querschnittsänderungen
- geplante Feuerstätte
- Abgasstutzendurchmesser
- Abgastemperatur und Abgasmassenstrom
- notwendiger Förderdruck
- Länge und Führung des Verbindungsstücks
Im Zweifel kann eine Schornsteinberechnung erforderlich sein. Sie zeigt, ob Feuerstätte und Abgasanlage unter den vorgesehenen Bedingungen technisch zusammenpassen.
Vor dem Wanddurchbruch sollte die Anschlussplanung stehen
Ein häufiger Fehler besteht darin, zuerst eine Öffnung in den Schornstein zu stemmen und anschließend zu klären, ob dort überhaupt der richtige Zug liegt.
Sinnvoller ist die umgekehrte Reihenfolge:
1. Feuerstätte auswählen oder zumindest technisch festlegen
Abgasanschluss, Leistung und Herstellerdaten beeinflussen die weitere Planung.
2. Schornsteinzüge eindeutig zuordnen
Der vorgesehene Schacht sollte vom Anschlussbereich bis zur Mündung nachvollziehbar sein.
3. Bestehende Nutzung feststellen
Es muss bekannt sein, ob andere Feuerstätten oder Anschlüsse denselben Abgasweg betreffen.
4. Zustand und Querschnitt beurteilen
Ein lange ungenutzter Schacht sollte nicht ungeprüft wieder in Betrieb genommen werden.
5. Anschlussposition abstimmen
Erst danach lässt sich sinnvoll entscheiden, wo Wandfutter und Rauchrohranschluss sitzen sollen.
6. Ausführung und spätere Überprüfung berücksichtigen
Neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungsanlagen werden vor ihrer Inbetriebnahme durch den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger überprüft. Die konkreten Anforderungen ergeben sich aus der jeweiligen Anlage und den vor Ort geltenden Vorschriften.
Es lohnt sich deshalb, den geplanten Anschluss frühzeitig abzustimmen. Ein falsch gesetztes Wandfutter wieder zu verschließen und wenige Zentimeter daneben erneut zu bohren gehört eindeutig zu den Arbeiten, auf die man gut verzichten kann.
Erst eindeutig zuordnen, dann anschließen
Bei einem Altbauschornstein sollte eine sichtbare Öffnung nie automatisch als geeigneter Ofenanschluss betrachtet werden. Mehrere Züge, frühere Umbauten und verdeckte Anschlussstellen können die tatsächliche Situation deutlich komplizierter machen.
Am Anfang steht deshalb die Bestandsaufnahme über möglichst viele Geschosse. Reichen Zeichnungen, Maße und vorhandene Öffnungen nicht aus, können eine Kamerainspektion oder andere fachgerechte Prüfverfahren den Verlauf klären. Anschließend muss der ausgewählte Zug technisch beurteilt werden. Erst wenn Verlauf, Belegung, Zustand und Eignung geklärt sind, sollte die konkrete Anschlussstelle hergestellt werden.





