Wasserführender Kaminofen: Wärme im ganzen Haus

Wasserführender Kaminofen: Wärme im ganzen Haus

Ein Kaminofen gibt seine Wärme normalerweise vor allem an den Raum ab, in dem er steht. Bei einem wasserführenden Modell ist das anders: Ein Teil der erzeugten Energie wird an Heizungswasser übertragen und kann dadurch auch anderen Räumen oder der Warmwasserbereitung zugutekommen. Das klingt zunächst nach einer einfachen Erweiterung des Kaminofens, technisch steckt dahinter jedoch ein vollständiges Heizsystem mit mehreren Komponenten.

Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie viel Kilowatt der Ofen insgesamt leistet. Ebenso wichtig sind die Aufteilung zwischen Raum- und Wasserleistung, der Wärmebedarf des Gebäudes, ein passender Speicher und die fachgerechte Einbindung in die vorhandene Heizung. Wird der Ofen zu groß gewählt oder die Anlage ungünstig geplant, kann es im Wohnzimmer schnell zu warm werden, obwohl die Heizungsanlage an anderer Stelle noch Wärme benötigt. Richtig geplant kann ein wasserführendes System dagegen mehrere Aufgaben übernehmen und vorhandene Wärmeerzeuger sinnvoll ergänzen.

Wie verteilt ein wasserführender Kaminofen seine Wärme?

Im Inneren eines wasserführenden Kaminofens befindet sich ein wasserführender Wärmetauscher, häufig auch als Wassertasche bezeichnet. Während der Holzverbrennung erwärmt der Ofen nicht nur den Aufstellraum. Ein Teil der Verbrennungswärme wird auf das Heizungswasser übertragen.

Die Gesamtleistung des Geräts lässt sich deshalb in zwei Bereiche aufteilen:

  • raumseitige Leistung: Wärme, die direkt an den Aufstellraum abgegeben wird
  • wasserseitige Leistung: Wärme, die über das Heizungswasser in das Heizsystem gelangt

Ein Ofen mit beispielsweise 10 kW Gesamtleistung könnte konstruktionsbedingt einen größeren Teil davon wasserseitig bereitstellen und einen kleineren Teil direkt an den Raum abgeben. Wie die Verteilung tatsächlich ausfällt, steht in den technischen Gerätedaten und unterscheidet sich erheblich von Modell zu Modell.

Das Heizungswasser wird anschließend nicht einfach unmittelbar zu sämtlichen Heizkörpern geschickt. In vielen Anlagen gelangt die Energie zunächst in einen Pufferspeicher. Von dort kann sie bedarfsgerecht für Heizkörper, Fußbodenheizung oder weitere Heizkreise genutzt werden.

Damit wird der Kaminofen Teil eines größeren Systems statt einer reinen Wärmequelle für einen einzelnen Raum.

Der Pufferspeicher macht die Wärme zeitlich nutzbar

Holz lässt sich nicht so fein regeln wie eine moderne Gasheizung oder Wärmepumpe. Ist ein Abbrand gestartet, entsteht über einen bestimmten Zeitraum Wärme. Gleichzeitig schwankt der Wärmebedarf eines Hauses ständig.

Genau hier kommt der Pufferspeicher ins Spiel.

Er nimmt überschüssige Wärme des Kaminofens auf und gibt sie später an die Heizungsanlage weiter. Dadurch müssen Erzeugung und Verbrauch nicht exakt zur selben Zeit stattfinden.

Ein vereinfachtes Anlagenprinzip sieht so aus:

Kaminofen → Wärmetauscher → Heizungswasser → Pufferspeicher → Heizkreise

Der Pufferspeicher kann außerdem verschiedene Wärmeerzeuger miteinander verbinden. Beispielsweise kann neben dem Kaminofen eine Wärmepumpe, Solarthermieanlage oder bestehende Heizungsanlage eingebunden sein.

Wie groß der Speicher sein muss, lässt sich allerdings nicht mit einer einzigen Faustformel für jedes Gebäude beantworten. Entscheidend sind unter anderem:

  • Leistung und Bauart der Feuerstätte
  • wasserseitige Leistung
  • Brennstofffüllmenge
  • vorhandenes Heizsystem
  • Wärmebedarf des Gebäudes
  • gewünschte Betriebsweise
  • Herstellervorgaben
  • hydraulisches Anlagenkonzept

Bestimmte Feuerungsanlagen mit flüssigem Wärmeträger unterliegen zudem konkreten Anforderungen an Wärmespeicher. Ob diese Vorgaben für das jeweilige Gerät gelten, hängt unter anderem davon ab, wie die Feuerstätte rechtlich und technisch eingeordnet wird. Die Speichergröße sollte deshalb Teil der Anlagenplanung sein und nicht erst nach dem Ofenkauf entschieden werden.

Warum die richtige Leistungsaufteilung wichtiger als möglichst viele Kilowatt ist

Bei einem normalen Kaminofen steht häufig die benötigte Heizleistung des Aufstellraums im Mittelpunkt. Bei einem wasserführenden Gerät reicht diese Betrachtung nicht aus.

Angenommen, ein gut gedämmtes Wohnzimmer benötigt an einem Wintertag nur wenig zusätzliche Heizleistung. Der ausgewählte Ofen gibt jedoch einen großen Anteil seiner Gesamtleistung direkt in diesen Raum ab. Dann kann dort schnell eine unangenehm hohe Temperatur entstehen, obwohl ein Teil der Wärme eigentlich für das restliche Gebäude gedacht war.

Darum sollte neben der Gesamtleistung immer die Verteilung betrachtet werden.

Kennwert

Bedeutung für die Planung

Gesamtleistung

gesamte nutzbare Wärmeleistung des Ofens

Raumleistung

Wärme, die direkt im Aufstellraum ankommt

Wasserleistung

Wärme, die dem Heizsystem zur Verfügung gestellt wird

Wärmebedarf

bestimmt, wie viel Heizleistung Gebäude und Räume tatsächlich benötigen

Speicherfähigkeit

beeinflusst, wie viel überschüssige Energie zwischengespeichert werden kann

Gerade in gut gedämmten Gebäuden kann eine niedrige Raumleistung interessant sein. Ein großer wasserführender Ofen ist also nicht automatisch besser als ein kleineres Gerät.

Auch die Vorstellung, mit einem Kaminofen zwangsläufig jederzeit das gesamte Haus beheizen zu können, greift zu kurz. Das funktioniert nur, wenn Gebäude, Leistung, Speicher, Heizflächen, Nutzungsverhalten und Anlagenkonzept zueinander passen.

Je nach Auslegung übernimmt die Feuerstätte daher unterschiedliche Rollen: Sie kann die Hauptheizung unterstützen, während der Übergangszeit einen größeren Anteil übernehmen oder Teil eines Systems mit mehreren Wärmeerzeugern sein.

Für die Installation reicht ein Ofenrohr allein nicht aus

Ein wasserführender Kaminofen benötigt neben einem geeigneten Schornstein einen Anschluss an das wassergeführte Heizsystem. Planung und Montage sind deshalb erheblich umfangreicher als bei einem gewöhnlichen Kaminofen.

Zum System können unter anderem gehören:

  1. wasserführende Feuerstätte
  2. Pufferspeicher
  3. Umwälzpumpe
  4. Rohrleitungen
  5. Regelung
  6. Rücklaufanhebung
  7. Ausdehnungsgefäß
  8. erforderliche Sicherheitsbauteile
  9. Verbindung zur bestehenden Heizungsanlage

Weshalb eine Rücklaufanhebung sinnvoll ist

Das Wasser, das aus dem Heizsystem zum Ofen zurückkehrt, darf bei vielen Anlagen nicht dauerhaft zu kalt sein. Die Rücklaufanhebung sorgt dafür, dass die vorgesehene Rücklauftemperatur erreicht wird.

Das schützt den Wärmeerzeuger vor ungünstigen Betriebsbedingungen und unterstützt einen sauberen Anlagenbetrieb. Welche Temperaturen einzuhalten sind, richtet sich nach dem jeweiligen Gerät und seinen Herstellervorgaben.

Sicherheit bei einer Überhitzung

Scheitholz hört nicht innerhalb weniger Sekunden auf zu brennen, nur weil gerade keine Heizwärme mehr gebraucht wird. Auch bei einer Störung der Umwälzung kann daher weiterhin Wärme entstehen.

Wasserführende Feuerstätten benötigen deshalb ein passendes Sicherheitskonzept. Je nach Bauart und Anlage gehören dazu beispielsweise Einrichtungen zum Schutz vor Überhitzung sowie weitere vorgeschriebene Sicherheitskomponenten.

Diese Punkte sind kein Bereich für improvisierte Eigenlösungen. Hydraulik, Sicherheitseinrichtungen, Schornstein und Feuerstätte müssen als gemeinsames System geplant werden. Vor der Installation sollte außerdem geklärt werden, ob die vorgesehene Feuerstätte und der Schornstein zusammenpassen und welche Anforderungen am konkreten Standort gelten.

Wann sich das System sinnvoll einsetzen lässt

Ein wasserführendes Modell kann interessant sein, wenn der Ofen regelmäßig betrieben werden soll und die erzeugte Energie nicht nur in einem einzelnen Raum gebraucht wird.

Besonders relevant kann das Konzept sein, wenn:

  • bereits eine wassergeführte Zentralheizung vorhanden ist,
  • ein geeigneter Platz für den Pufferspeicher vorhanden ist,
  • der Ofen regelmäßig genutzt werden soll,
  • die Wärme tatsächlich in mehreren Bereichen des Gebäudes benötigt wird,
  • sich das Gerät sinnvoll mit weiteren Wärmeerzeugern kombinieren lässt.

Weniger überzeugend kann die Lösung sein, wenn der Kamin nur an wenigen Abenden im Jahr genutzt wird. Die zusätzliche Hydraulik, Regelung und Installation müssen schließlich unabhängig von der späteren Betriebsdauer installiert werden.

Auch die Holzversorgung gehört in die Betrachtung. Wer regelmäßig einen nennenswerten Anteil der Gebäudeheizung mit Scheitholz decken möchte, benötigt ausreichend trockenes und geeignetes Brennholz sowie Lagerfläche. Holz sollte nur in der vom Hersteller vorgesehenen Qualität und Menge verbrannt werden. Feuchtes Holz und ein falsch geführter Abbrand verschlechtern die Verbrennung und erhöhen die Schadstoffemissionen.

Ein weiterer Punkt ist der Bedienaufwand. Scheitholz muss gelagert, zum Ofen gebracht und von Hand nachgelegt werden. Asche und Feuerstätte benötigen regelmäßige Pflege. Ein wasserführender Kaminofen automatisiert die Wärmeverteilung, nicht jedoch das Nachlegen des Brennstoffs.

Was bei der Planung am Ende zählt

Bei einem wasserführenden Kaminofen entscheidet weniger die größte verfügbare Heizleistung als ein stimmiges Gesamtkonzept. Raum- und Wasserleistung müssen zum tatsächlichen Bedarf passen, der Speicher muss sinnvoll dimensioniert und die vorhandene Heiztechnik korrekt eingebunden werden.

Wer das Gerät regelmäßig nutzt, kann einen Teil der Holzenergie über das Heizungswasser auch außerhalb des Aufstellraums verwenden. Die Technik bringt allerdings zusätzliche Komponenten, Platzbedarf und Planungsaufwand mit sich. Vor dem Kauf sollte deshalb nicht nur das gewünschte Ofenmodell betrachtet werden. Sinnvoller ist eine Planung, die Feuerstätte, Schornstein, Hydraulik, Speicher, vorhandene Heizung und Wärmebedarf gemeinsam berücksichtigt.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ein wasserführender Kaminofen auch Warmwasser erzeugen?

Ja, das ist grundsätzlich möglich. Dafür muss die Heizungsanlage entsprechend aufgebaut sein, beispielsweise über einen geeigneten Speicher oder eine passende Frischwasserlösung. Das konkrete Konzept hängt von der vorhandenen Anlage ab.

Funktioniert der Ofen bei einem Stromausfall?

Die Flamme eines Scheitholzofens benötigt nicht zwingend Strom, Pumpen und Regelung des wasserführenden Systems jedoch meist schon. Bei ausgefallener Wärmeabfuhr darf deshalb nicht einfach weitergeheizt oder neu angeheizt werden. Der Betrieb setzt die vom Hersteller vorgeschriebene Versorgung und funktionsfähige Sicherheitseinrichtungen voraus. Für einen laufenden Abbrand gelten die Störungsanweisungen des konkreten Systems; dieses Vorgehen sollte der Fachbetrieb bei der Einweisung erklären.

Kann ein wasserführender Kaminofen mit einer Wärmepumpe kombiniert werden?

Grundsätzlich können beide Wärmeerzeuger innerhalb eines geeigneten hydraulischen Systems zusammenarbeiten. Ob das im Einzelfall technisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt unter anderem von Speicher, Regelung, Heizflächen und Gebäude ab.

Braucht ein wasserführender Kaminofen einen besonderen Schornstein?

Nicht zwangsläufig einen speziellen Schornsteintyp. Der vorhandene Schornstein muss aber für die konkrete Feuerstätte geeignet sein. Querschnitt, Höhe, Abgastemperatur und weitere technische Bedingungen spielen dabei eine Rolle.

Wie oft muss ein wasserführender Kaminofen gewartet werden?

Neben den Arbeiten am Schornstein sollte die Feuerstätte entsprechend den Herstellerangaben gereinigt und gewartet werden. Bei wasserführenden Anlagen kommen zusätzliche Komponenten wie Pumpen, Regelung und Sicherheitseinrichtungen hinzu, deren Zustand ebenfalls kontrolliert werden sollte.

Kann ich einen normalen Kaminofen nachträglich wasserführend machen?

Eine improvisierte Nachrüstung mit einem beliebigen Wärmetauscher ist keine sinnvolle Lösung. Die Feuerstätte und ihre wasserführenden Komponenten müssen als dafür vorgesehenes System ausgelegt und zugelassen sein. Wer Wasserleistung benötigt, sollte daher ein entsprechend konstruiertes Gerät einsetzen.

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