1. Die Heizleistung muss zur Werkstatt passen
Einer der ersten Werte, die bei einem Werkstattofen ins Auge fallen, ist die Heizleistung in Kilowatt. Mehr Leistung bedeutet jedoch nicht automatisch, dass der Ofen besser für die eigene Werkstatt geeignet ist.
Wie viel Wärme tatsächlich benötigt wird, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Größe und Höhe des Raumes
- Dämmung von Wänden, Dach und Boden
- Anzahl und Größe von Fenstern
- Größe und Öffnungshäufigkeit von Türen oder Toren
- gewünschte Raumtemperatur
- Nutzung der Werkstatt
- Außentemperaturen am Standort
Eine kleine, gut gedämmte Werkstatt benötigt deutlich weniger Heizleistung als eine alte Halle mit ungedämmtem Dach und großem Sektionaltor.
Nicht nur auf die Quadratmeter schauen
Pauschale Angaben wie „1 kW für 10 m²“ sind höchstens eine sehr grobe Orientierung. Gerade bei Werkstätten können solche Faustformeln schnell danebenliegen.
Ein Beispiel:
Eine Werkstatt mit 40 m² Grundfläche und 2,50 Meter Raumhöhe hat rund 100 m³ Raumvolumen. Eine ähnlich große Werkstatt mit vier Meter Deckenhöhe kommt dagegen bereits auf etwa 160 m³. Obwohl beide Räume dieselbe Grundfläche haben, unterscheiden sie sich beim Heizbedarf deutlich.
Noch wichtiger ist die Gebäudequalität. Eine ältere, kaum gedämmte Werkstatt kann erheblich mehr Heizleistung benötigen als ein moderner, gut gedämmter Raum derselben Größe.
Deshalb sollte neben der Nennwärmeleistung auch der Wärmeleistungsbereich des Ofens betrachtet werden. Dieser zeigt, innerhalb welcher Leistungsspanne das Gerät sinnvoll betrieben werden kann.
Ein Ofen sollte möglichst nicht dauerhaft mit stark reduzierter Brennstoffmenge betrieben werden, nur weil seine maximale Leistung für den Raum eigentlich zu hoch ist. Eine passende Dimensionierung erleichtert einen sauberen und kontrollierten Betrieb.
2. Standort, Schornstein und Verbrennungsluft vorher klären
Ein Werkstattofen benötigt nicht nur einen freien Platz im Raum. Der Standort muss sowohl zur Abgasführung als auch zu den Anforderungen des jeweiligen Ofens passen.
Besonders wichtig sind drei Punkte.
Anschluss an den Schornstein
Der vorhandene Schornstein muss für die geplante Feuerstätte geeignet sein. Dabei spielen unter anderem folgende technische Daten eine Rolle:
- Durchmesser des Rauchrohranschlusses
- Abgastemperatur
- Abgasmassenstrom
- erforderlicher Förderdruck
- Höhe und Zustand des Schornsteins
Diese Werte unterscheiden sich von Modell zu Modell.
Dass bereits ein Schornstein vorhanden ist, bedeutet deshalb nicht automatisch, dass jeder Werkstattofen daran betrieben werden kann. Vor allem bei älteren Gebäuden sollte vor dem Kauf geprüft werden, ob Schornstein und Feuerstätte technisch zusammenpassen.
Ausreichende Verbrennungsluft
Bei der Verbrennung benötigt der Ofen kontinuierlich Sauerstoff. Viele Geräte beziehen diese Luft direkt aus dem Raum.
Problematisch kann das beispielsweise bei sehr dichten Gebäuden oder leistungsstarken Abluftanlagen werden. Auch Absauganlagen, Lüftungssysteme oder andere Geräte können die Druckverhältnisse im Gebäude beeinflussen.
Die erforderliche Luftversorgung sollte deshalb bereits bei der Planung berücksichtigt werden.
Schornsteinfeger frühzeitig einbeziehen
Eine neue oder wesentlich veränderte Feuerstätte muss vor beziehungsweise im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme geprüft werden.
Sinnvoll ist deshalb, den zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger nicht erst einzuschalten, wenn der Ofen bereits gekauft und aufgestellt wurde.
Vorher lassen sich beispielsweise folgende Fragen klären:
- Ist der geplante Standort geeignet?
- Kann der vorhandene Schornstein verwendet werden?
- Wo darf das Rauchrohr angeschlossen werden?
- Sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich?
- Welche Unterlagen werden für die Abnahme benötigt?
Gerade bei älteren Werkstattgebäuden kann diese Abstimmung spätere Umbauten vermeiden.
3. Sicherheitsabstände und Boden nicht unterschätzen
Ein Werkstattofen entwickelt nicht nur im Brennraum hohe Temperaturen. Auch Seitenflächen, Rückwand, Rauchrohr und der Bereich vor der Feuerraumtür können heiß werden.
Deshalb geben Hersteller für jedes Modell konkrete Mindestabstände zu brennbaren Bauteilen vor.
Das können beispielsweise sein:
- Holzwände
- Regale
- Werkbänke
- Möbel
- Holzverkleidungen
- gelagerte Materialien
Die erforderlichen Abstände sind nicht bei jedem Ofen identisch. Angaben aus der Bedienungs- und Montageanleitung des konkreten Modells sind daher maßgeblich.
Besonders wichtig ist das in Werkstätten, weil dort häufig deutlich mehr brennbares Material vorhanden ist als in einem normalen Wohnraum.
Kartons, Holzreste, Lacke, Verpackungen oder andere Materialien sollten nicht einfach neben dem Ofen gelagert werden.
Was gilt beim Fußboden?
Steht der Werkstattofen auf einem brennbaren Boden, kann eine geeignete nicht brennbare Unterlage erforderlich sein.
Bei Beton- oder Steinböden stellt sich dieses Problem häufig nicht in gleicher Weise. Trotzdem sollte geprüft werden, welche Anforderungen der Hersteller für das jeweilige Gerät vorgibt.
Auch vor der Feuerraumöffnung muss ausreichend Abstand zu brennbaren Materialien eingehalten werden. Beim Öffnen der Tür können Funken oder glühende Brennstoffteile aus dem Feuerraum gelangen.
Der vorgesehene Stellplatz sollte deshalb nicht erst nach dem Kauf festgelegt werden. Besser ist es, vorher die Maße des Ofens, die Sicherheitsabstände und den Verlauf des Rauchrohres gemeinsam zu betrachten.
4. Brennstoff, Feuerraum und Bedienung müssen zur Nutzung passen
Nicht jeder Werkstattofen darf mit jedem festen Brennstoff betrieben werden.
Welche Brennstoffe zulässig sind, ergibt sich aus der jeweiligen Herstellerfreigabe. Möglich sind je nach Gerät beispielsweise:
- Scheitholz
- Holzbriketts
- Braunkohlebriketts
Entscheidend ist immer die Freigabe für das konkrete Modell. Nur weil ein Brennstoff technisch in den Feuerraum passen würde, darf er dort nicht automatisch verbrannt werden.
Auch lackierte Holzreste, Spanplatten, behandeltes Bauholz, Verpackungen oder Abfälle gehören nicht in einen Holzofen.
Scheitholzlänge und Feuerraumgröße beachten
Gerade bei einem Werkstattofen kann ein großer Feuerraum praktisch sein, wenn regelmäßig Scheitholz verwendet wird. Trotzdem sollte die maximal zulässige Scheitlänge geprüft werden.
Ein größerer Feuerraum bedeutet außerdem nicht automatisch eine höhere zulässige Brennstoffmenge. Die vom Hersteller angegebenen Füllmengen und Betriebsanweisungen sollten eingehalten werden.
Zu viel Brennstoff kann den Ofen thermisch überlasten. Zu wenig Brennstoff oder dauerhaft stark gedrosselte Luftzufuhr können dagegen die Verbrennung verschlechtern.
Trockenes Holz ist entscheidend
Für einen sauberen Betrieb sollte nur geeignetes und ausreichend trockenes Brennholz verwendet werden.
Zu feuchtes Holz verbrennt schlechter, erzeugt weniger nutzbare Wärme und kann deutlich höhere Schadstoff- und Rußemissionen verursachen.
Als praktikabler Bereich gilt bei gut getrocknetem Scheitholz häufig eine Holzfeuchte von ungefähr 15 bis 20 Prozent. Kontrollieren lässt sich das mit einem einfachen Holzfeuchtemessgerät.
5. Zulassung und aktuelle Anforderungen prüfen
Die Bezeichnung „Werkstattofen“ ist kein Freifahrtschein für besonders einfache oder alte Ofentechnik. Auch solche Geräte müssen die geltenden Anforderungen für Feuerungsanlagen erfüllen.
Bei neuen Einzelraumfeuerungsanlagen für feste Brennstoffe muss über eine entsprechende Typprüfung nachgewiesen sein, dass die vorgeschriebenen Emissionswerte und Anforderungen eingehalten werden.
Beim Kauf sollte deshalb geprüft werden, welche Zulassungen und Herstellerunterlagen für das Gerät vorhanden sind.
Wichtige Dokumente können unter anderem sein:
- technische Daten des Ofens
- Bedienungs- und Montageanleitung
- Angaben zur Typprüfung
- Nachweise über die Einhaltung der geltenden Emissionsanforderungen
- Angaben zu zulässigen Brennstoffen
- Sicherheitsabstände
- Daten für die Schornsteinberechnung
Seit Anfang 2022 gelten für neu in Verkehr gebrachte Festbrennstoff-Einzelraumheizgeräte außerdem europäische Anforderungen an Energieeffizienz und Emissionen.
Bei gebrauchten oder älteren Werkstattöfen sollte besonders sorgfältig geprüft werden, ob das Gerät am geplanten Standort überhaupt noch betrieben beziehungsweise neu angeschlossen werden darf.
Ein sehr günstiger alter Ofen kann dadurch schnell uninteressant werden, wenn erforderliche Nachweise fehlen oder die gesetzlichen Grenzwerte nicht eingehalten werden.
Eine gute Auswahl beginnt vor dem eigentlichen Ofenkauf
Bei einem Werkstattofen sollte nicht zuerst die maximale Heizleistung oder der Preis entscheiden. Wichtiger ist, ob das Gerät technisch zum Gebäude und zum geplanten Einsatz passt.
Prüfe deshalb zunächst Raumgröße, Dämmung und gewünschten Wärmebedarf. Danach sollten Schornstein, Verbrennungsluft, Aufstellort und Sicherheitsabstände geklärt werden. Erst dann lohnt sich der Vergleich konkreter Modelle.
Achte zusätzlich darauf, welche Brennstoffe zugelassen sind und ob alle notwendigen technischen Unterlagen vorhanden sind. Besonders bei gebrauchten Geräten lohnt sich ein genauer Blick.
Wer den Schornsteinfeger bereits vor der Anschaffung einbindet, kann viele technische und rechtliche Fragen klären, bevor aus einem vermeintlich einfachen Ofenprojekt eine kleine Baustelle wird.










