Edelstahlschornsteine – Eigenschaften, Montage und Pflege

Edelstahlschornsteine – Eigenschaften, Montage und Pflege

Ein vorhandener gemauerter Schornstein ist nicht immer nutzbar. Manchmal fehlt er komplett, liegt auf der falschen Gebäudeseite oder sein Querschnitt passt nicht zur geplanten Feuerstätte. In solchen Fällen kommt häufig ein Edelstahlschornstein ins Spiel. Besonders doppelwandige Systeme können außen an der Fassade montiert werden und machen dadurch einen zusätzlichen Schornsteinzug möglich, ohne einen massiven Schornstein durch das gesamte Gebäude bauen zu müssen.

Ganz so simpel wie „Rohr an die Wand und Ofen anschließen“ ist die Sache allerdings nicht. Durchmesser, Schornsteinhöhe, Dämmung, Wanddurchführung, Befestigung und die Position der Mündung müssen zur Feuerstätte und zum Gebäude passen. Auch Sicherheitsabstände zu brennbaren Bauteilen spielen eine wichtige Rolle. Wer einen Edelstahlschornstein plant, sollte deshalb nicht nur auf dessen Länge schauen, sondern das komplette Abgassystem betrachten. Das hilft nicht nur beim sicheren Betrieb, sondern verhindert auch teure Änderungen nach der Montage.

Was zeichnet einen Edelstahlschornstein aus?

Ein Edelstahlschornstein besteht aus einzelnen modularen Bauteilen, die zu einer vollständigen Abgasanlage zusammengesetzt werden. Dazu gehören beispielsweise Längenelemente, Bögen, Wandhalter, Reinigungsöffnungen, Konsolen, Wanddurchführungen und das Mündungselement.

Für Kamin- und Pelletöfen kommen häufig doppelwandige Systeme zum Einsatz. Dabei verläuft das Abgas durch ein inneres Edelstahlrohr. Darum befindet sich eine Wärmedämmung, die wiederum von einem äußeren Edelstahlmantel umschlossen wird.

Diese Konstruktion hat einen wichtigen technischen Grund: Die Dämmung begrenzt die Abkühlung der Abgase. Dadurch können sich die für den Betrieb notwendigen Strömungsverhältnisse günstiger entwickeln und die Gefahr unerwünschter Kondensation wird reduziert.

Einwandig und doppelwandig sind nicht dasselbe

Die beiden Varianten erfüllen unterschiedliche Aufgaben:

Ausführung

Häufiger Einsatz

Einwandiges Edelstahlrohr

beispielsweise bei der Sanierung oder Auskleidung vorhandener Schächte

Doppelwandiger Edelstahlschornstein

als eigenständige, gedämmte Abgasanlage, häufig an der Außenwand

Doppelwandiges Verbindungsstück

Verbindung zwischen Feuerstätte und Schornstein in besonderen Einbausituationen

Welche Ausführung benötigt wird, hängt daher nicht allein davon ab, welcher Brennstoff verwendet wird.

Entscheidend sind unter anderem:

  • Art und Leistung der Feuerstätte
  • Abgastemperatur
  • notwendiger Förderdruck
  • Brennstoff
  • Betriebsweise
  • erforderlicher Schornsteinquerschnitt
  • Verlauf der Abgasanlage
  • Anforderungen an Feuchte- und Rußbrandbeständigkeit

Gerade bei Feuerstätten für Holz muss ein dafür geeigneter Schornstein auch die möglichen Beanspruchungen eines Rußbrandes berücksichtigen. Bei modernen Feuerstätten können zudem relativ niedrige Abgastemperaturen auftreten. Dann werden Feuchte- und Korrosionsbeständigkeit des Systems ebenfalls wichtig.

Der Begriff „Edelstahl“ allein sagt deshalb noch nicht, ob ein bestimmtes System für einen bestimmten Ofen geeignet ist. Ausschlaggebend ist die Klassifizierung des jeweiligen Schornsteins.

So wird ein Edelstahlschornstein geplant und montiert

Eine häufige Variante ist die Montage an einer Außenwand. Dabei führt zunächst das Verbindungsstück vom Ofen zur Wand. Nach der geeigneten Wanddurchführung verläuft der gedämmte Schornstein außen senkrecht nach oben.

Die genaue Konstruktion richtet sich jedoch nach dem Gebäude und dem verwendeten Schornsteinsystem.

Ein typischer Aufbau kann beispielsweise aus folgenden Komponenten bestehen:

  1. Anschluss an die Feuerstätte
  2. Verbindungsstück zum Schornstein
  3. geeignete Wanddurchführung
  4. Feuerungsanschluss am senkrechten Schornstein
  5. Reinigungselement im unteren Bereich
  6. Wandkonsole oder tragende Konstruktion
  7. gedämmte Schornsteinelemente
  8. Wandhalter zur Stabilisierung
  9. gegebenenfalls Bögen und Zwischenstützen
  10. Schornsteinmündung

Bei der Planung entscheidet sich bereits, ob die spätere Anlage zuverlässig funktioniert. Ein zu kleiner oder zu großer Querschnitt kann genauso problematisch sein wie eine ungünstige Schornsteinhöhe.

Warum der Durchmesser berechnet werden sollte

Es gibt keinen universellen Schornsteindurchmesser, der automatisch zu jedem Kaminofen passt.

Die erforderlichen Abmessungen hängen unter anderem von der Abgastemperatur, dem Abgasmassenstrom, dem benötigten Förderdruck und der wirksamen Schornsteinhöhe ab. Auch Bögen und längere Verbindungsstücke beeinflussen die Strömungsverhältnisse.

Deshalb kann beispielsweise ein Ofen mit einem Rauchrohranschluss von 150 Millimetern nicht automatisch mit jedem beliebigen Schornstein derselben Nennweite kombiniert werden.

Bei anspruchsvolleren Situationen wird eine Querschnittsberechnung durchgeführt. So lässt sich prüfen, ob der Schornstein unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen den notwendigen Förderdruck bereitstellen kann.

Wanddurchführungen brauchen besondere Aufmerksamkeit

Besonders sorgfältig muss gearbeitet werden, wenn die Abgasführung durch eine Außenwand mit brennbaren Bestandteilen führt.

Das betrifft beispielsweise Konstruktionen mit Holzständern, Dämmstoffen oder anderen temperaturempfindlichen Materialien. Hier darf nicht einfach ein Ausschnitt hergestellt und das Rohr hindurchgeführt werden.

Erforderlich ist eine für die jeweilige Konstruktion geeignete Durchführung. Die notwendigen Abstände ergeben sich aus dem verwendeten Schornsteinsystem, dessen Klassifizierung und den baulichen Gegebenheiten.

Eine allgemeine Zentimeterangabe wäre deshalb irreführend. Je nach System können die geforderten Abstände deutlich voneinander abweichen.

Welche Regeln bei Höhe, Abstand und Befestigung wichtig sind

Bei einem außen geführten Edelstahlschornstein fällt schnell auf, dass ein erheblicher Teil der Konstruktion oberhalb des letzten Wandhalters liegen kann. Dort wirken Windkräfte auf das Rohr.

Hersteller geben deshalb unter anderem vor:

  • maximale Abstände zwischen Wandhaltern
  • zulässige freie Höhe oberhalb der letzten Befestigung
  • erforderliche Konsolen und Stützen
  • Grenzen für seitliche Versätze
  • zulässige Schornsteinhöhen

Diese Vorgaben sind Bestandteil der statischen Planung des Systems und sollten nicht durch Erfahrungswerte ersetzt werden.

Auch Bögen sind nicht beliebig einsetzbar. Ein möglichst gerader und senkrechter Verlauf ist aus strömungstechnischer Sicht meistens günstiger. Muss beispielsweise ein Dachüberstand umgangen werden, können zugelassene Bögen verwendet werden. Je nach Aufbau kann anschließend eine zusätzliche Stützung notwendig werden.

Die Schornsteinmündung lässt sich nicht frei positionieren

Für neue Feuerungsanlagen mit festen Brennstoffen gelten in Deutschland besondere Anforderungen an die Ableitung der Abgase.

Bei Anlagen, die nach dem 31. Dezember 2021 errichtet werden, muss die Schornsteinmündung grundsätzlich firstnah angeordnet werden und den First mindestens 40 Zentimeter überragen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann eine abweichende Höhe anhand einer speziellen Berechnung bestimmt werden.

Zusätzlich spielen Fenster, Türen und Lüftungsöffnungen in der Umgebung eine Rolle. Bei Feuerungsanlagen bis 50 kW muss die Austrittsöffnung beispielsweise in einem Umkreis von 15 Metern die Oberkanten entsprechender Öffnungen grundsätzlich um mindestens einen Meter überragen.

Für ältere oder wesentlich geänderte Anlagen bestehen teilweise andere Regelungen.

Dazu kommen Anforderungen aus dem jeweiligen Landesrecht sowie die technische Situation vor Ort. Gerade bei einem Edelstahlschornstein an der Außenfassade sollte die geplante Position deshalb vor der Bestellung mit der zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegerin oder dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abgestimmt werden.

Das kann einen ziemlich ärgerlichen Klassiker verhindern: Der Schornstein ist montiert und anschließend stellt sich heraus, dass er höher geführt oder an einer anderen Stelle angeordnet werden muss.

Pflege und Reinigung: Edelstahl braucht weniger Arbeit, aber nicht keine

Ein Edelstahlschornstein ist im normalen Betrieb vergleichsweise pflegearm. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Abgasanlage sich selbst überlassen werden kann.

Die gesetzlich vorgeschriebenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten bleiben bestehen. Welche Arbeiten in welchen Zeiträumen erfolgen müssen, steht im jeweiligen Feuerstättenbescheid. Die Intervalle können abhängig von Brennstoff, Nutzungsweise und Anlage unterschiedlich sein.

Neben diesen Arbeiten lohnt sich auch eine gelegentliche Sichtkontrolle.

Achte beispielsweise auf:

  • sichtbare Beschädigungen
  • ungewöhnliche Verfärbungen
  • lockere Befestigungen
  • Veränderungen an Wandhaltern und Konsolen
  • Feuchtigkeit im Bereich von Verbindungen
  • Auffälligkeiten am Kondensatablauf, sofern vorhanden
  • Beschädigungen an Dach- oder Wanddurchführungen

Nach starken Unwettern kann ebenfalls ein kurzer Blick auf die außen sichtbaren Bauteile sinnvoll sein.

Die Außenfläche richtig reinigen

Auf der äußeren Edelstahloberfläche können sich mit der Zeit Staub, Umweltschmutz und Ablagerungen sammeln. Für die Reinigung reichen normalerweise Wasser, ein weiches Tuch und ein geeignetes mildes Reinigungsmittel.

Aggressive oder scheuernde Mittel sind keine gute Idee. Auch ungeeignete metallische Reinigungswerkzeuge können die Oberfläche beschädigen oder Fremdpartikel eintragen.

Bei stärkeren Ablagerungen sollte geprüft werden, welche Reinigungsmittel der Hersteller für die verwendete Edelstahloberfläche freigibt.

Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen optischer Pflege und der eigentlichen Schornsteinreinigung. Ablagerungen im Inneren der Abgasanlage gehören in den Bereich der vorgeschriebenen Kehrarbeiten.

Wo Edelstahlschornsteine ihre Stärken haben – und wo nicht

Edelstahlsysteme sind besonders interessant, wenn ein bestehendes Gebäude nachträglich eine zusätzliche Abgasanlage benötigt. Durch die modulare Konstruktion lassen sie sich an viele bauliche Situationen anpassen.

Trotzdem sind sie nicht automatisch für jedes Gebäude die einfachste Lösung.

Vorteil

Was dabei bedacht werden muss

Nachträgliche Montage möglich

Verlauf und Mündung müssen zum Gebäude passen

Geringes Gewicht

Sichere Befestigung bleibt zwingend erforderlich

Modularer Aufbau

Komponenten müssen zum selben zugelassenen System passen

Außenmontage häufig möglich

Fassadenmaterial und Wanddurchführung müssen berücksichtigt werden

Verschiedene Durchmesser erhältlich

Dimensionierung muss zur Feuerstätte passen

Korrosionsbeständige Materialien verfügbar

Werkstoff und Klassifizierung müssen zur Betriebsweise passen

Bei einem geraden Fassadenverlauf kann die Umsetzung vergleichsweise übersichtlich sein. Dachüberstände, Balkone, angrenzende Fenster, brennbare Fassadenbestandteile oder ungewöhnliche Dachformen machen die Planung dagegen schnell anspruchsvoller.

Auch eine sehr kurze Schornsteinhöhe kann problematisch werden. Der Schornstein muss schließlich nicht nur Abgase irgendwie nach draußen bringen. Er muss zusammen mit der Feuerstätte unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen funktionieren.

Gute Planung ist wichtiger als möglichst viele Einzelteile

Ein Edelstahlschornstein bietet gerade bei nachträglich eingebauten Kamin- oder Pelletöfen viele Möglichkeiten. Entscheidend ist jedoch das Gesamtsystem. Feuerstätte, Querschnitt, Höhe, Wanddurchführung, Befestigung und Mündung müssen miteinander harmonieren.

Vor der Bestellung sollte deshalb geklärt sein, wo der Schornstein verlaufen kann und welche Anforderungen am Gebäude gelten. Die Abstimmung mit dem zuständigen Schornsteinfegerbetrieb gehört sinnvollerweise an den Anfang der Planung und nicht ans Ende.

Ist die Anlage fachgerecht dimensioniert und montiert, bleibt der Pflegeaufwand überschaubar. Sichtkontrollen und die vorgeschriebenen Kehr- und Überprüfungsarbeiten sorgen anschließend dafür, dass Veränderungen oder Ablagerungen rechtzeitig erkannt werden.

Gut zu wissen

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Kann ein Edelstahlschornstein rosten?

Geeigneter Edelstahl ist sehr korrosionsbeständig, aber nicht grundsätzlich gegen jede chemische und äußere Belastung immun. Entscheidend sind die verwendete Edelstahlqualität, die Betriebsbedingungen und Umwelteinflüsse.

Kann man einen Edelstahlschornstein nachträglich an ein Haus bauen?

Ja. Genau dafür werden doppelwandige Systeme häufig eingesetzt. Ob und wo die Montage möglich ist, hängt unter anderem von Fassade, Dach, Fenstern, Abständen und der vorgesehenen Feuerstätte ab.

Muss ein Edelstahlschornstein vom Schornsteinfeger abgenommen werden?

Eine neu errichtete oder wesentlich geänderte Feuerungsanlage muss vor der regulären Nutzung die vorgeschriebenen Prüfungen durchlaufen. Deshalb sollte das Vorhaben bereits vor der Montage mit der zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfegerin oder dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abgestimmt werden.

Kann ein Edelstahlschornstein durch einen Dachüberstand geführt werden?

Das ist mit geeigneten Systemkomponenten grundsätzlich möglich. Dabei müssen jedoch Brandschutzabstände, eine geeignete Dachdurchführung, Abdichtung und gegebenenfalls zusätzliche Befestigungen berücksichtigt werden.

Wie lange hält ein Edelstahlschornstein?

Eine feste Lebensdauer lässt sich nicht seriös angeben. Sie hängt unter anderem von Edelstahlqualität, Brennstoff, Abgastemperatur, Feuchtebelastung, Betriebsweise, Montage und Umwelteinflüssen ab. Fachgerecht eingesetzte Systeme sind für eine langfristige Nutzung ausgelegt.

Braucht ein Pelletofen einen anderen Edelstahlschornstein als ein Kaminofen?

Nicht zwingend, aber die Anforderungen können sich unterscheiden. Pelletöfen können beispielsweise andere Abgastemperaturen, Druckverhältnisse und Abgasmassenströme haben. Das ausgewählte Schornsteinsystem muss deshalb ausdrücklich für die jeweilige Feuerstätte und Betriebsweise geeignet sein.

Passend zum Thema

Passende Kategorien

Gezielt ausgewählt

Passende Auswahl

Weiterlesen

Weitere Ratgeber