Warum ein möglichst kurzer Abgasweg meist die bessere Lösung ist
Im Kaminofen entstehen heiße Abgase, die über das Ofenrohr in den Schornstein gelangen. Der Schornstein erzeugt dabei den notwendigen Förderdruck. Vereinfacht gesagt sorgt der Temperatur- und Dichteunterschied zwischen dem heißen Abgas und der Außenluft dafür, dass die Abgase nach oben transportiert werden.
Das Verbindungsstück zwischen Feuerstätte und Schornstein gehört zu diesem System. Jeder zusätzliche Meter Rohr und jede Richtungsänderung beeinflussen die Strömung.
Eine günstige Rohrführung sieht deshalb meist so aus:
- möglichst kurze Verbindung zwischen Ofen und Schornstein,
- zunächst ein ausreichend langer senkrechter Abschnitt, wenn es die Geräteplanung vorsieht,
- wenige Richtungsänderungen,
- keine unnötigen Versätze,
- passend dimensionierter Rohrquerschnitt,
- gut erreichbare Möglichkeiten zur Kontrolle und Reinigung.
Je länger das Ofenrohr wird, desto mehr Wärme kann das Abgas bereits vor dem Eintritt in den Schornstein verlieren. Gleichzeitig steigt der Strömungswiderstand. Beides kann bei einem knapp bemessenen Schornstein problematisch werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass eine längere Verbindung automatisch unzulässig ist. Entscheidend ist, ob die Kombination aus Kaminofen, Verbindungsstück und Schornstein unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen funktioniert.
Warum pauschale Meterangaben problematisch sind
Im Internet finden sich häufig Aussagen wie „maximal ein Meter Rauchrohr“ oder „höchstens drei Meter sind erlaubt“. Solche Zahlen solltest du nicht als allgemeine Vorschrift verstehen.
Ein Hersteller kann für ein bestimmtes Kaminofenmodell beispielsweise verlangen, dass ein horizontaler Abschnitt höchstens einen Meter beträgt. Für ein anderes Gerät können andere Bedingungen gelten.
Zusätzlich spielen unter anderem folgende Faktoren eine Rolle:
- wirksame Schornsteinhöhe,
- Schornsteinquerschnitt,
- Abgastemperatur,
- Abgasmassenstrom,
- notwendiger Förderdruck des Kaminofens,
- Durchmesser des Verbindungsstücks,
- Anzahl und Art der Bögen,
- Wärmedämmung und Bauart der Abgasanlage.
Bei ungewöhnlich langen oder komplexen Rohrführungen kann deshalb eine rechnerische Überprüfung der Abgasanlage erforderlich oder zumindest sehr sinnvoll sein.
Steigung statt langer waagerechter Strecken
Muss das Ofenrohr seitlich zum Schornstein geführt werden, wird die Verbindung häufig mit einer leichten Steigung in Richtung Schornstein geplant. Dadurch werden ungünstige lange waagerechte Strecken vermieden.
Eine einzige feste Prozentzahl für jeden Kaminofen gibt es dabei nicht.
Hersteller können konkrete Vorgaben machen. Bei verschiedenen Kaminöfen findet sich beispielsweise die Anforderung, einen etwa einen Meter langen seitlichen Rohrabschnitt mit ungefähr fünf Prozent Steigung auszuführen. Das entspricht rund fünf Zentimetern Höhenunterschied auf einen Meter Rohrlänge. Andere Geräte oder Abgassysteme können davon abweichende Anforderungen haben.
Ein Beispiel:
Der Rauchrohranschluss des Ofens befindet sich auf 120 cm Höhe. Der Schornsteinanschluss liegt 80 cm seitlich entfernt. Ist für diese Konstruktion eine Steigung vorgesehen, muss die Anschlussöffnung am Schornstein entsprechend höher liegen als der Ausgangspunkt der seitlichen Rohrstrecke.
Das klingt banal, wird aber bei der Planung eines neuen Wandfutters erstaunlich schnell übersehen. Sitzt die Anschlussöffnung erst einmal zu niedrig, lässt sich eine sinnvolle Steigung häufig nur noch durch einen anderen Ofenstandort oder bauliche Änderungen herstellen.
Erst senkrecht nach oben, dann zur Seite?
Bei vielen Kaminöfen ist eine Rohrführung mit einem senkrechten Abschnitt über dem Ofen technisch günstig. Einige Hersteller schreiben sogar eine bestimmte vertikale Mindeststrecke vor.
Der Vorteil: Die heißen Abgase können zunächst nach oben strömen, bevor sie umgelenkt werden.
Ob beispielsweise 40, 50 oder 60 Zentimeter benötigt werden, lässt sich aber nicht allgemein festlegen. Maßgeblich sind die Montageanleitung des konkreten Kaminofens und die geplante Gesamtkonstruktion.
Deshalb solltest du die Höhe des Schornsteinanschlusses nicht allein danach wählen, was optisch gut zum Ofen passt.
Bögen verursachen zusätzlichen Strömungswiderstand
Ein Rohrbogen verändert die Strömungsrichtung der Abgase. Dabei entstehen zusätzliche Druckverluste. Je stärker und häufiger die Abgase umgelenkt werden, desto ungünstiger kann die Verbindung werden.
Grob lässt sich die Planung so einordnen:
Rohrführung |
Strömungstechnische Einordnung |
|---|---|
Gerade, überwiegend senkrechte Verbindung |
besonders günstig |
Ein moderater Versatz |
meist gut planbar |
Zwei 45-Grad-Bögen |
häufig günstiger als abrupte Richtungswechsel |
Einzelner 90-Grad-Bogen |
höherer Strömungswiderstand |
Mehrere 90-Grad-Bögen und lange Zwischenstücke |
sollte besonders sorgfältig geprüft werden |
Mehrfach wechselnde Rohrführung |
nach Möglichkeit vermeiden |
45-Grad-Lösungen können strömungstechnisch günstiger sein als ein scharfer 90-Grad-Richtungswechsel. Das bedeutet aber nicht, dass jeder 90-Grad-Bogen problematisch oder grundsätzlich verboten wäre. Entscheidend bleibt die komplette Anlage.
Auch die Vorstellung, es dürften grundsätzlich „maximal zwei“ oder „maximal drei“ Bögen eingebaut werden, ist zu pauschal. Hersteller können Grenzen festlegen, und eine anspruchsvolle Rohrführung kann eine Berechnung erforderlich machen.
Ein zusätzlicher praktischer Punkt wird gern vergessen: Bögen sind Stellen, an denen sich Ruß und Ablagerungen sammeln können. Die Rohrführung muss daher so ausgeführt werden, dass das Verbindungsstück kontrolliert und gereinigt werden kann.
Schornstein, Rohrdurchmesser und Anschluss müssen zusammenpassen
Die geometrisch kürzeste Rohrführung hilft wenig, wenn Querschnitt und Schornstein nicht zum Kaminofen passen.
Der Ausgangspunkt ist zunächst der Rauchrohranschluss des Geräts. Viele Kaminöfen haben beispielsweise einen Anschluss von 130, 150 oder 160 Millimetern. Welcher Durchmesser vorgesehen ist, steht in den technischen Unterlagen.
Den Durchmesser unterwegs einfach zu verkleinern, nur weil das vorhandene Wandfutter kleiner ist, ist keine saubere Lösung. Eine Querschnittsänderung kann die Strömungsverhältnisse deutlich beeinflussen und muss technisch zulässig sein.
Für die Abstimmung werden unter anderem diese Daten betrachtet:
-
Rauchrohrdurchmesser des Kaminofens
-
notwendiger Förderdruck des Geräts
-
Abgastemperatur und Abgasmassenstrom
-
Länge und Verlauf des Verbindungsstücks
-
Schornsteinquerschnitt und wirksame Höhe
- vorhandene Umlenkungen und Anschlussbedingungen
Gerade bei älteren Schornsteinen sollte außerdem nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass ein neuer Kaminofen problemlos daran funktioniert. Moderne Geräte können aufgrund ihres höheren Wirkungsgrades andere Abgastemperaturen und Betriebsbedingungen haben als die frühere Feuerstätte.
Das Ofenrohr darf den Schornsteinquerschnitt nicht behindern
Beim Anschluss endet das Verbindungsstück am vorgesehenen Schornsteinanschluss. Das Rohr sollte nicht so weit hineingeschoben werden, dass es in den freien Querschnitt des Schornsteins hineinragt und dadurch den Abgasweg verkleinert.
Für einen fachgerechten Anschluss werden geeignete Anschlussbauteile beziehungsweise Wandfutter verwendet. Die Verbindung muss sicher sitzen und entsprechend der vorgesehenen Konstruktion ausgeführt werden.
Ebenso wichtig sind die erforderlichen Abstände zu brennbaren Baustoffen. Welche Abstände gelten, hängt unter anderem von der Rohrkonstruktion, ihrer Klassifizierung, möglichen Schutzmaßnahmen und der jeweiligen Einbausituation ab. Eine einzelne Zentimeterangabe lässt sich deshalb nicht auf jedes Ofenrohr übertragen.
Wann die Rohrführung genauer geprüft werden sollte
Eine einfache Standardinstallation lässt sich häufig schon anhand der Herstellerunterlagen und der vorhandenen Schornsteinsituation beurteilen. Bei bestimmten Konstruktionen sollte die Planung jedoch genauer betrachtet werden.
Das gilt insbesondere bei:
- ungewöhnlich langen Verbindungsstücken,
- mehreren Bögen oder starken Versätzen,
- langen nahezu horizontalen Abschnitten,
- geringer wirksamer Schornsteinhöhe,
- sehr großem oder sehr kleinem Schornsteinquerschnitt,
- Änderungen des Rauchrohrdurchmessers,
- einem neuen Kaminofen an einem älteren Schornstein,
- bereits bekannten Problemen mit dem Förderdruck.
In solchen Fällen kann eine wärme- und strömungstechnische Berechnung zeigen, ob der erforderliche Förderdruck tatsächlich zur Verfügung steht. Dabei werden nicht nur Schornsteinhöhe und Durchmesser berücksichtigt. Auch Rohrlängen, Formstücke und die technischen Daten der Feuerstätte fließen in die Betrachtung ein.
Für die Praxis bedeutet das: Den Ofen nicht zuerst an den gewünschten Platz stellen und anschließend versuchen, irgendwie den Schornstein zu erreichen. Sinnvoller ist es, Ofenstandort, Anschlussposition und Rohrführung gemeinsam zu planen.
Vor der ersten Nutzung einer neu errichteten oder wesentlich geänderten Feuerungsanlage erfolgt zudem die vorgeschriebene Überprüfung durch die zuständige bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin oder den bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger. Eine Abstimmung vor dem Einbau kann deshalb unnötige Änderungen an einem bereits montierten Anschluss vermeiden.
Eine einfache Rohrführung zahlt sich aus
Beim Verlegen des Ofenrohrs geht es weniger um eine einzelne zulässige Meterzahl als um das Zusammenspiel der gesamten Abgasführung. Kurze Wege, wenige Umlenkungen und eine zum Schornstein ansteigende seitliche Verbindung sind meist eine gute Ausgangsbasis. Konkrete Mindesthöhen, Höchstlängen oder Steigungen können jedoch vom jeweiligen Kaminofenhersteller vorgegeben werden.
Je komplizierter die geplante Rohrführung wird, desto wichtiger wird eine technische Prüfung. Besonders bei mehreren Bögen, langen seitlichen Strecken oder knappen Zugverhältnissen sollte nicht mit allgemeinen Faustregeln geplant werden. Ofen, Verbindungsstück und Schornstein müssen als zusammenhängende Feuerungsanlage funktionieren.






