Wie ein wasserführender Kaminofen überhaupt Warmwasser bereitstellt
Ein normaler Kaminofen gibt den größten Teil seiner nutzbaren Wärme direkt an den Raum ab. Bei einem wasserführenden Modell sitzt zusätzlich ein Wärmetauscher im oder am Feuerraum. Durch ihn fließt Heizungswasser, das während der Verbrennung erwärmt wird.
Dieses erwärmte Heizungswasser gelangt üblicherweise nicht direkt zur Dusche. Stattdessen wird die Energie zunächst in einem Pufferspeicher gespeichert. Von dort kann sie für die Raumheizung oder über geeignete Speicher- und Wärmetauschertechnik für die Trinkwassererwärmung genutzt werden.
Dabei muss zwischen zwei Wasserkreisläufen unterschieden werden:
- Heizungswasser zirkuliert im geschlossenen Heizsystem und durch den wasserführenden Ofen.
- Trinkwarmwasser wird zum Duschen, Händewaschen oder Spülen verwendet.
- Die Wärmeübertragung zwischen beiden Bereichen erfolgt beispielsweise über einen Wärmetauscher, einen Kombispeicher oder eine Frischwasserstation.
Ein wasserführender Kaminofen ist daher Bestandteil einer gesamten Heizungsanlage. Nur weil ein Ofen als „wasserführend“ bezeichnet wird, bedeutet das noch nicht automatisch, dass die Anlage Warmwasser für Zapfstellen bereitstellen kann.
Wichtig ist außerdem die Leistungsverteilung des jeweiligen Modells. Ein Ofen mit beispielsweise 10 kW Gesamtleistung könnte einen größeren Anteil wasserseitig und einen kleineren Anteil direkt an den Raum abgeben. Andere Modelle geben deutlich mehr Wärme unmittelbar an den Aufstellraum ab.
Für den Sommerbetrieb macht dieser Unterschied einiges aus.
Im Sommer wird die Raumwärme schnell zum eigentlichen Problem
Im Winter ist die Wärmeabgabe des Kaminofens an den Wohnraum erwünscht. Außerhalb der Heizperiode kann dieselbe Energie unangenehm werden.
Ein wasserführender Kaminofen gibt trotz Wärmetauscher weiterhin einen Teil seiner Leistung als Strahlungs- und Konvektionswärme an seine Umgebung ab. Er lässt sich also nicht wie ein reiner Warmwassererzeuger betreiben, dessen Wärme vollständig im Speicher landet.
Ein vereinfachtes Beispiel zeigt das Problem:
Ein Kaminofen liefert während des Abbrands durchschnittlich 8 kW nutzbare Wärme. Davon gehen 5 kW an das Heizungswasser und 3 kW unmittelbar in den Aufstellraum.
Wird der Ofen zwei Stunden betrieben, entstehen rechnerisch:
- rund 10 kWh wasserseitige Wärme,
- gleichzeitig rund 6 kWh Wärme im Aufstellraum.
An einem kalten Novemberabend sind diese 6 kWh willkommen. Bei 24 °C Außentemperatur eher nicht.
Besonders deutlich wird das in gut gedämmten Gebäuden oder kleineren Wohnräumen. Dort reicht bereits eine vergleichsweise geringe zusätzliche Wärmemenge, damit die Raumtemperatur merklich steigt. Fenster zu öffnen, um die überschüssige Wärme wieder loszuwerden, macht den energetischen Vorteil der Warmwasserbereitung schnell zunichte.
Deshalb ist die wasserseitige Leistung eines Ofens für diese Frage mindestens genauso wichtig wie seine Gesamtleistung.
Übergangszeit und Hochsommer sind nicht dasselbe
Außerhalb der klassischen Heizperiode gibt es einen großen Unterschied zwischen einem kühlen Aprilabend und einem heißen Julitag.
In der Übergangszeit kann die Raumwärme durchaus genutzt werden. Wird es abends kühl und der Ofen wäre ohnehin in Betrieb, kann die gleichzeitig erzeugte Wärme im Pufferspeicher einen zusätzlichen Nutzen haben.
Im Hochsommer fehlt dieser zweite Nutzen meist vollständig. Dann wird der Wohnraum erwärmt, obwohl eigentlich nur Warmwasser benötigt wird.
Ob sich der Betrieb rechnet, hängt von der Alternative ab
Eine pauschale Aussage wie „Warmwasser mit Holz ist günstiger als mit Strom“ greift zu kurz. Entscheidend ist, welches System der Kaminofen ersetzen soll und wie effizient die gesamte Anlage arbeitet.
Ausgangssituation |
Sommerbetrieb des Kaminofens |
|---|---|
Ofen läuft an einem kühlen Abend ohnehin |
kann sinnvoll sein |
Warmwasser müsste sonst mit einem alten elektrischen Heizstab erzeugt werden |
kann wirtschaftlich interessant sein |
moderne Wärmepumpe übernimmt Warmwasser |
Kaminofen häufig weniger attraktiv |
Solarthermie deckt Warmwasser weitgehend ab |
zusätzlicher Holzabbrand meist unnötig |
PV-Strom steht für elektrische Warmwasserbereitung zur Verfügung |
Vergleich im Einzelfall nötig |
Ofen müsste an einem warmen Sommertag ausschließlich fürs Duschen angefeuert werden |
meist wenig überzeugend |
Neben dem Energiepreis spielen weitere Faktoren hinein.
Brennholz ist nicht die einzige eingesetzte Energie
Zum Betrieb eines wasserführenden Ofens können elektrische Verbraucher gehören, etwa Umwälzpumpen und Steuerungstechnik. Ihr Verbrauch ist im Verhältnis zur Feuerungsleistung meist klein, gehört aber zur Gesamtbetrachtung.
Wichtiger sind die Wärmeverluste der Anlage. Leitungen und Speicher geben laufend Wärme an ihre Umgebung ab. Je besser sie gedämmt sind, desto geringer fallen diese Verluste aus.
Ein sehr großer Speicher ist dabei nicht automatisch besser. Er kann viel Energie aufnehmen, besitzt aber auch eine größere Oberfläche und muss für eine nutzbare Warmwasserbereitung auf ausreichende Temperaturen gebracht werden.
Auch der Bedienungsaufwand hat einen Wert
Holz holen, Brennraum vorbereiten, Feuer entzünden, nachlegen und später Asche entfernen: Bei einer Holzfeuerung gehört Handarbeit zum System.
Im Winter wird dieser Aufwand häufig akzeptiert, weil gleichzeitig ein großer Teil der Raumheizung übernommen wird. Für eine einzelne Warmwasserladung im Sommer kann derselbe Aufwand unverhältnismäßig wirken.
Wer eigenes oder sehr günstig verfügbares Brennholz hat, bewertet die wirtschaftliche Seite möglicherweise anders als jemand, der ofenfertiges Scheitholz zukauft. Trotzdem sollte nicht nur der Brennstoffpreis betrachtet werden.
Der Pufferspeicher entscheidet mit über den Nutzen
Ein wasserführender Kaminofen liefert seine Energie nicht gleichmäßig nach aktuellem Warmwasserbedarf. Während des Abbrands entsteht über einen bestimmten Zeitraum eine vergleichsweise hohe Leistung. Ein Haushalt benötigt Warmwasser dagegen eher portionsweise.
Der Pufferspeicher übernimmt deshalb eine wichtige Aufgabe: Er nimmt die beim Abbrand entstehende Energie auf und stellt sie später zur Verfügung.
Gerade im Sommer sollte vor dem Anfeuern genug freie Speicherkapazität vorhanden sein.
Ist der Speicher bereits sehr warm und gleichzeitig keine Raumheizung aktiv, gibt es nur wenige Möglichkeiten, zusätzliche Energie sinnvoll unterzubringen. Die Anlage muss deshalb hydraulisch und regelungstechnisch für den jeweiligen Betrieb ausgelegt sein.
Zu einer fachgerechten Einbindung wasserführender Feuerstätten gehören außerdem sicherheitsrelevante Einrichtungen. Welche Komponenten erforderlich sind, richtet sich nach Gerät und Heizungsanlage. Änderungen an Betriebsweise, Regelung oder Hydraulik sollten deshalb nicht auf eigene Faust vorgenommen werden.
Pufferspeicher ist nicht gleich Warmwasserspeicher
Ein häufiger Denkfehler betrifft die Bezeichnung „Warmwasser“.
In einem klassischen Pufferspeicher befindet sich Heizungswasser. Dieses Wasser fließt nicht aus dem Wasserhahn.
Damit die gespeicherte Energie für Dusche und Waschbecken genutzt werden kann, braucht die Anlage eine entsprechende Trinkwasserbereitung. Möglich sind beispielsweise:
- ein separater Trinkwasserspeicher,
- ein Kombispeicher mit getrennten Bereichen,
- ein integrierter Wärmetauscher,
- eine Frischwasserstation.
Welche Lösung vorhanden ist, beeinflusst sowohl die nutzbare Warmwassermenge als auch Temperaturen und Verluste.
Bei Trinkwarmwasserspeichern kommt außerdem die Trinkwasserhygiene hinzu. Temperaturen sollten daher nicht einfach abgesenkt werden, nur um Brennstoff zu sparen. Die passende Einstellung hängt vom jeweiligen System und seiner Betriebsweise ab.
Wann Warmwasser aus dem Kaminofen außerhalb der Heizsaison sinnvoll sein kann
Es gibt durchaus Situationen, in denen der wasserführende Kaminofen auch im Frühjahr oder Herbst einen vernünftigen Beitrag leisten kann. Entscheidend ist, dass möglichst viel der erzeugten Energie tatsächlich benötigt wird.
Ein günstiger Fall sieht beispielsweise so aus:
- Am Abend sind die Außentemperaturen niedrig genug, dass etwas Raumwärme erwünscht ist.
- Der Pufferspeicher besitzt ausreichend freie Kapazität.
- In den nächsten Stunden besteht Warmwasserbedarf.
- Die reguläre Heizungsanlage müsste sonst ebenfalls Energie zur Warmwasserbereitung einsetzen.
- Der Kaminofen kann innerhalb seines vorgesehenen Leistungsbereichs betrieben werden.
Weniger sinnvoll wird der Betrieb, wenn der Wohnraum bereits warm ist, der Speicher fast vollständig geladen wurde oder eine andere Wärmequelle das Warmwasser mit geringem Aufwand bereitstellen kann.
Als praktische Orientierung hilft deshalb weniger die Frage „Ist noch Heizsaison?“ als diese:
Kann ich sowohl die Raumwärme als auch die wasserseitig erzeugte Energie sinnvoll verwenden?
Wenn beide Anteile benötigt werden, kann der Betrieb interessant sein. Wird nur die wasserseitige Wärme gebraucht und muss die Raumwärme anschließend über geöffnete Fenster abgeführt werden, spricht energetisch wenig für das Anfeuern.
Vor dem Sommerbetrieb lohnt sich ein Blick auf diese Punkte
Prüfe bei einer bestehenden Anlage:
- Wie hoch sind Gesamtleistung, wasserseitige Leistung und raumseitige Leistung des Ofens?
- Wie groß ist der Pufferspeicher?
- Wie wird daraus Trinkwarmwasser erzeugt?
- Welche Temperatur hat der Speicher vor dem Anheizen?
- Welche andere Wärmequelle übernimmt normalerweise die Warmwasserbereitung?
- Wie gut sind Speicher und Rohrleitungen gedämmt?
- Wird die entstehende Raumwärme tatsächlich benötigt?
- Welche Betriebsweise sieht der Hersteller für Ofen und Regelung vor?
Gerade die Leistungsdaten werden häufig unterschätzt. Zwei wasserführende Kaminöfen mit gleicher Gesamtleistung können sich im Verhältnis zwischen Wasser- und Raumleistung deutlich unterscheiden.
Für die Übergangszeit oft interessanter als für den Hochsommer
Die Warmwasserbereitung ist eine sinnvolle Zusatzfunktion eines wasserführenden Kaminofens, macht aus ihm jedoch keinen reinen Warmwassererzeuger. Seine Stärke liegt vor allem dann in der Kombination mehrerer Aufgaben: Der Wohnraum benötigt Wärme, der Pufferspeicher kann Energie aufnehmen und gleichzeitig steht Warmwasserbedarf an.
Deshalb kann der Betrieb an kühlen Tagen im Frühjahr oder Herbst gut in das Heizsystem passen. Im Hochsommer verschiebt sich die Bilanz. Dann muss der Ofen häufig ausschließlich wegen des Warmwassers betrieben werden, während seine Raumwärme unerwünscht ist.
Ob sich das wirtschaftlich lohnt, entscheidet letztlich das gesamte Heizsystem. Brennholzpreis, Speicherverluste, Ofenleistung und alternative Warmwasserbereitung gehören gemeinsam betrachtet.





