Welche Aufgabe Wandhalter und Konsole jeweils übernehmen
Wandhalter und Wandkonsole sehen nach einfachem Befestigungszubehör aus, erfüllen konstruktiv aber unterschiedliche Aufgaben.
Die Konsole beziehungsweise Wandstütze bildet bei vielen außen geführten Systemen den unteren Lastpunkt. Auf ihr sitzt beispielsweise eine Grundplatte, von der aus der senkrechte Schornstein aufgebaut wird. Sie muss damit einen erheblichen Teil der vertikalen Last aufnehmen.
Die Wandhalter oder Wandabstandshalter führen den Schornstein dagegen entlang der Fassade und nehmen vor allem seitliche Belastungen auf. Dazu gehören beispielsweise Windkräfte. Welche Kräfte tatsächlich übertragen werden müssen, hängt von der Konstruktion des jeweiligen Systems ab.
Eine typische Anlage kann vereinfacht so aufgebaut sein:
- Wandkonsole beziehungsweise tragende Unterkonstruktion
- Grundplatte oder Kondensatschale
- Reinigungselement
- Feuerungsanschluss
- senkrechte Längenelemente
- mehrere Wandhalter
- eventuell eine Zwischenstütze
- letzter Wandhalter
- frei stehender oberer Schornsteinabschnitt
- Mündungsabschluss
Dabei ist wichtig: Nicht jedes System wird über eine Wandkonsole getragen. Je nach Einbausituation kann der Aufbau beispielsweise auch auf einem Fundament oder einer Bodenstütze beginnen.
Die Befestigung muss zur Wand passen
Ein stabiler Wandhalter hilft wenig, wenn seine Verankerung ungeeignet ist. Bei der Planung muss deshalb auch der Wandaufbau bekannt sein.
Massiver Beton stellt andere Anforderungen als Hochlochziegel, Porenbeton oder eine Fassade mit Wärmedämmverbundsystem. Besonders bei gedämmten Außenwänden darf die Konstruktion nicht einfach nur in der Dämmschicht befestigt werden.
Je nach Wandaufbau können beispielsweise nötig sein:
- zugelassene Schwerlastanker,
- spezielle Befestigungen für Lochstein,
- Distanzmontagesysteme,
- Gewindestangen,
- tragfähige Abstandskonstruktionen,
- individuell nachgewiesene Befestigungen.
Dabei müssen auch die vom Schornsteinhersteller angegebenen Verankerungskräfte berücksichtigt werden. Gerade bei großen Wandabständen und langen freien Schornsteinabschnitten können diese Kräfte erheblich steigen.
Wandhalterabstände nicht nach einer pauschalen Meterregel festlegen
Im Handel und in Montagebeispielen findet man häufig Angaben wie „Wandhalter alle vier Meter“. Das kann bei bestimmten Systemen und Durchmessern tatsächlich zulässig sein. Daraus sollte aber keine allgemeine Regel gemacht werden.
Wie weit zwei Halter voneinander entfernt sein dürfen, ergibt sich aus den statischen Vorgaben des verwendeten Systems.
Ein Hersteller kann beispielsweise für kleinere Durchmesser einen Abstand von bis zu vier Metern erlauben, während bei anderen Durchmessern, Haltertypen oder Anlagenkonfigurationen geringere Werte gelten.
Relevant sind unter anderem:
Einflussfaktor |
Warum er für die Befestigung wichtig ist |
|---|---|
Schornsteindurchmesser |
Größere Rohrdurchmesser bieten dem Wind eine größere Angriffsfläche |
Wandabstand |
Mit zunehmendem Abstand entstehen größere Hebelwirkungen an der Befestigung |
Gesamthöhe |
Eine höhere Anlage kann zusätzliche Haltepunkte oder Zwischenstützen benötigen |
Haltertyp |
Normale und statisch verstärkte Halter besitzen unterschiedliche Einsatzbereiche |
Untergrund |
Die Verankerung muss die auftretenden Kräfte in das Gebäude übertragen |
Gebäudehöhe und Standort |
Die zu berücksichtigende Windbeanspruchung kann sich verändern |
Schornsteinführung |
Versätze und größere horizontale Strecken verändern die statische Situation |
Die Montageanleitung des gewählten Systems gehört deshalb bereits zur Planung auf den Tisch und nicht erst dann, wenn die ersten Rohrsegmente an der Fassade hängen.
Große Wandabstände verdienen besondere Aufmerksamkeit
Ein Wandhalter mit fünf Zentimetern Abstand zur Fassade wird statisch anders belastet als eine Konstruktion, die 30 oder 40 Zentimeter überbrücken muss.
Solche größeren Abstände entstehen beispielsweise durch:
- breite Dachüberstände,
- Vorsprünge in der Fassade,
- starke Wärmedämmungen,
- Regenrinnen,
- Gesimse,
- versetzte Gebäudeteile.
Bei manchen Systemen endet bei größeren Wandabständen der standardmäßig nachgewiesene Bereich. Dann können verstärkte Halter oder ein gesonderter statischer Nachweis notwendig werden.
Wer bereits weiß, dass der Schornstein weit von der eigentlichen Tragwand entfernt verlaufen muss, sollte diesen Punkt deshalb vor der Bestellung klären.
Die freie Höhe über dem letzten Wandhalter richtig einordnen
Besonders kritisch ist der obere Teil des Schornsteins. Als freie beziehungsweise freikragende Höhe wird vereinfacht der Abschnitt bezeichnet, der oberhalb des letzten wirksamen Haltepunkts ohne weitere seitliche Führung steht.
Bei verschiedenen gängigen doppelwandigen Edelstahlsystemen sind unter bestimmten Voraussetzungen freie Höhen um drei Meter vorgesehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Edelstahlschornstein grundsätzlich drei Meter frei stehen darf.
Die zulässige Länge hängt unter anderem ab von:
- System und Baureihe,
- Innendurchmesser,
- eingesetztem Wandhalter,
- Art der Rohrverbindungen,
- statischen Klemmbändern,
- Abstand der vorherigen Halter,
- Wandabstand,
- Windbeanspruchung.
Manche Systeme bieten für besondere Konstruktionen Lösungen mit vier oder sogar fünf Metern freier Höhe. Dafür werden beispielsweise statische Wandabstandshalter, zusätzliche Klemmbänder oder speziell berechnete Befestigungspunkte eingesetzt.
Die zusätzliche Höhe ist also keine kostenlose Reserve. Mit jedem weiteren frei stehenden Stück nimmt die Belastung der unteren Befestigung zu.
Warum der oberste Wandhalter so wichtig ist
Wind erzeugt am frei stehenden Rohr einen Hebel. Je länger dieser Hebel wird, desto höher werden die Kräfte, die der oberste Wandhalter und seine Verankerung aufnehmen müssen.
Ein vereinfachtes Beispiel:
Ragt ein Schornstein nur einen kurzen Abschnitt oberhalb des letzten Wandhalters heraus, ist die Beanspruchung vergleichsweise gering. Muss er wegen Dachgeometrie oder erforderlicher Mündungshöhe mehrere Meter weiter nach oben geführt werden, steigt die Belastung deutlich.
Deshalb sollte die erforderliche Schornsteinmündung möglichst früh feststehen. Sonst kann eine Planung, die an der Hauswand zunächst problemlos aussieht, im oberen Bereich plötzlich eine zusätzliche statische Lösung benötigen.
Wenn Konsole, Halter und Schornsteinhöhe nicht zusammenpassen
Probleme entstehen häufig nicht durch ein einzelnes falsches Bauteil, sondern weil mehrere Planungswerte nicht aufeinander abgestimmt wurden.
Ein Beispiel: Die Konsole wird im Erdgeschoss montiert, danach werden die Rohrsegmente mit großen Halterabständen entlang der Fassade geführt. Erst später stellt sich heraus, dass die Mündung wegen der Dach- und Gebäudesituation deutlich höher liegen muss als angenommen. Dadurch überschreitet der Abschnitt über dem letzten möglichen Wandhalter die für das System zulässige freie Höhe.
Dann gibt es mehrere mögliche Lösungswege.
Letzten Haltepunkt höher setzen
Wenn die Fassade beziehungsweise der Dachbereich eine Befestigung ermöglicht, kann der oberste Wandhalter weiter nach oben wandern. Dadurch verkürzt sich der frei stehende Abschnitt.
Zusätzliche Aussteifung einsetzen
Für manche Systeme stehen Kragarme, Dachhalter, Abspannungen oder spezielle Aussteifungslösungen zur Verfügung. Damit lässt sich eine größere Höhe technisch absichern.
Statisch verstärkte Bauteile verwenden
Einige Hersteller bieten besondere Wandhalter und Klemmbänder für größere freikragende Höhen an. Diese dürfen jedoch nur in der dafür vorgesehenen Systemkonfiguration eingesetzt werden.
Position des gesamten Schornsteins ändern
Bei schwierigen Dachüberständen kann es sinnvoller sein, die Schornsteinführung bereits weiter oben näher an eine tragfähige Gebäudefläche zu bringen. Das muss früh geplant werden, weil sich dadurch auch Anschlussführung und Wandabstände verändern können.
Ein beliebiges zusätzliches Metallprofil aus dem Baumarkt ist dagegen keine saubere Lösung für eine statisch nicht ausreichende Schornsteinbefestigung. Die Konstruktion sollte innerhalb der geprüften beziehungsweise vom Hersteller freigegebenen Systemlösung bleiben oder fachgerecht berechnet werden.
So lässt sich die Befestigung vor der Montage sinnvoll planen
Eine brauchbare Planung beginnt nicht mit der Frage, wie viele Wandhalter bestellt werden müssen. Zunächst werden die tatsächlichen Maße des Gebäudes benötigt.
Hilfreich ist folgende Reihenfolge:
1. Feuerstätte und Anschlussposition festlegen
Dadurch stehen Höhe und Lage des Wandanschlusses fest.
2. Verlauf des senkrechten Schornsteins bestimmen
Fenster, Dachüberstände, Balkone, Regenrinnen und andere Bauteile müssen berücksichtigt werden.
3. Erforderliche Mündungshöhe klären
Sie bestimmt, wie hoch der Schornstein insgesamt geführt werden muss. Die Anforderungen sollten vorab mit dem zuständigen bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abgestimmt werden.
4. Position der Konsole bestimmen
An dieser Stelle muss eine ausreichend tragfähige Befestigung möglich sein. Gleichzeitig sollte der erforderliche Abstand des Schornsteins zur Fassade berücksichtigt werden.
5. Wandaufbau prüfen
Bei Wärmedämmung oder weniger tragfähigem Mauerwerk muss geklärt werden, welches Befestigungssystem geeignet ist.
6. Wandhalter nach Herstellervorgabe verteilen
Erst jetzt lassen sich Anzahl und Position der benötigten Halter zuverlässig bestimmen.
7. Freie Höhe kontrollieren
Der Abstand zwischen letztem wirksamem Wandhalter und Schornsteinmündung wird mit dem zulässigen Wert des konkreten Systems verglichen.
8. Sonderkonstruktionen früh erkennen
Überschreitet die Planung einen Grenzwert, sollte vor der Montage eine passende Aussteifung oder statische Lösung festgelegt werden.
Noch wichtiger als einzelne Zentimeterwerte ist dabei die vollständige Betrachtung der Konstruktion. Ein anderer Durchmesser, ein größerer Wandabstand oder eine verlängerte Mündung kann aus einer Standardmontage schnell einen Sonderfall machen.
Befestigung zuerst planen, Rohrlänge danach
Bei einem Edelstahlschornstein gehören Schornsteinhöhe und Befestigung statisch zusammen. Die Konsole bildet bei vielen Fassadenanlagen die tragende Basis, während Wandhalter das Rohr entlang des Gebäudes führen und seitliche Kräfte aufnehmen. Besonders genau muss der Abschnitt oberhalb des letzten Halters betrachtet werden.
Meterangaben aus allgemeinen Montagebeispielen eignen sich dabei höchstens zur ersten Orientierung. Entscheidend sind die technischen Daten des konkret gewählten Systems einschließlich Durchmesser, Wandabstand und Befestigungsart.
Wer zuerst die erforderliche Mündungshöhe ermittelt und anschließend Konsole sowie Haltepunkte festlegt, erkennt problematische freie Höhen bereits auf dem Papier. Das ist erheblich einfacher, als eine fast fertig montierte Anlage nachträglich aussteifen zu müssen.






