Zuerst klären: Darf im Gartenhaus überhaupt ein Kaminofen betrieben werden?
Ob ein Kaminofen zulässig ist, hängt nicht allein von der Größe des Gartenhauses ab. Entscheidend sind unter anderem Standort, Nutzung, Landesbaurecht und gegebenenfalls Vorgaben aus einem Bebauungsplan.
Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen zwei Situationen:
Gartenhaus auf einem privaten Grundstück:
Hier greifen insbesondere das jeweilige Landesbaurecht, die Feuerungsverordnung des Bundeslandes sowie die bundesweiten immissionsschutzrechtlichen Anforderungen. Selbst wenn das Gartenhaus ohne Baugenehmigung errichtet werden durfte, kann die nachträgliche Installation einer Feuerstätte weitere Anforderungen auslösen. Ob eine Anzeige oder Genehmigung erforderlich ist, sollte deshalb bei der örtlichen Bauaufsicht geklärt werden.
Gartenlaube in einer Kleingartenanlage:
Hier kommen zusätzlich das Bundeskleingartengesetz, Pachtvertrag, Vereinssatzung und Gartenordnung ins Spiel. Das Bundeskleingartengesetz sieht Gartenlauben grundsätzlich in einfacher Ausführung vor; sie dürfen insbesondere nicht für dauerhaftes Wohnen eingerichtet sein. Ob Feuerstätten gestattet werden, kann zusätzlich durch die jeweilige Kleingartenordnung eingeschränkt oder ausgeschlossen sein.
Eine allgemeine Aussage wie „In einem Gartenhaus darf man einen Kaminofen einbauen“ greift deshalb zu kurz.
Vor der technischen Planung sollten vier Fragen beantwortet sein:
- Ist eine Feuerstätte an diesem Standort grundsätzlich zulässig?
- Gibt es Einschränkungen durch Bebauungsplan, Bauaufsicht, Pachtvertrag oder Verein?
- Kann ein vorschriftsmäßiger Schornstein realisiert werden?
- Ist das Gebäude selbst für die Aufstellung einer Feuerstätte geeignet?
Gerade der letzte Punkt wird bei einfachen Holzhäusern schnell unterschätzt.
Holzwände, Fußboden und Verbrennungsluft müssen zur Feuerstätte passen
Viele Gartenhäuser bestehen fast vollständig aus brennbaren Baustoffen: Holzboden, Holzständer, Wandverkleidung und Dachkonstruktion. Damit befinden sich rund um den Ofen wesentlich mehr empfindliche Bauteile als beispielsweise in einem massiv gemauerten Raum.
Sicherheitsabstände richten sich nach dem konkreten Ofen
Der Abstand zwischen Kaminofen und brennbaren Bauteilen sollte nicht pauschal aus einem Internet-Ratgeber übernommen werden. Vorrangig sind die für das jeweilige Ofenmodell vorgegebenen Mindestabstände.
Dabei können unterschiedliche Werte gelten:
- hinter dem Ofen,
- seitlich zum Ofen,
- im Strahlungsbereich der Feuerraumtür,
- zwischen Rauchrohr und brennbaren Bauteilen.
Fehlen geeignete Herstellerangaben, greifen bauordnungsrechtliche Mindestanforderungen. Deshalb sollte bereits bei der Auswahl des Ofens geprüft werden, wie viel freie Fläche tatsächlich erforderlich ist.
In einem Gartenhaus mit vielleicht zwölf oder fünfzehn Quadratmetern kann ein vermeintlich kompakter Kaminofen dadurch überraschend viel Stellfläche beanspruchen.
Auch ein Hitzeschutz an der Wand bedeutet nicht automatisch, dass beliebig nah an eine Holzwand gebaut werden darf. Entscheidend ist, ob die gewählte Konstruktion als geeignete brandschutztechnische Lösung anerkannt werden kann.
Ein Holzboden braucht Schutz vor Glut
Steht der Kaminofen auf einem brennbaren Boden, ist vor der Feuerraumöffnung eine nicht brennbare Schutzfläche notwendig.
Als verbreiteter Mindestbereich gilt:
- mindestens 50 cm vor der Feuerraumöffnung,
- mindestens 30 cm seitlich der Feuerraumöffnung.
Als Materialien kommen beispielsweise geeignete Glas-, Metall- oder Steinplatten infrage. Entscheidend sind neben der Nichtbrennbarkeit auch ausreichende Größe, Tragfähigkeit und eine sichere Ausführung.
Bei einem kleinen Gartenhaus sollte zudem geprüft werden, ob der Boden das Gewicht tragen kann. Kaminofen, Funkenschutzplatte und eventuell weitere Bauteile können zusammen einige hundert Kilogramm erreichen. Bei leichten Holzböden auf Punktfundamenten ist das keineswegs immer nebensächlich.
Der Ofen benötigt ausreichend Verbrennungsluft
Ein Holzfeuer verbraucht während des Betriebs kontinuierlich Sauerstoff. Deshalb muss eine ausreichende Verbrennungsluftversorgung sichergestellt sein.
Das verdient in einem Gartenhaus besondere Aufmerksamkeit. Kleine Räume besitzen wenig Luftvolumen und moderne Gartenhäuser können durch dichte Fenster und Türen überraschend wenig natürlichen Luftaustausch haben.
Je nach Feuerstätte und Gebäude kann die Lösung beispielsweise über eine ausreichend dimensionierte Außenluftöffnung oder über einen dafür geeigneten Außenluftanschluss erfolgen.
Nicht sinnvoll ist die Annahme, dass ein Gartenhaus wegen kleiner Undichtigkeiten zwischen Brettern grundsätzlich genug Verbrennungsluft liefert. Die Luftversorgung muss nachvollziehbar sichergestellt sein.
Der Schornstein ist bei kleinen Gebäuden oft die schwierigere Aufgabe
Für einen Kaminofen reicht kein beliebiges Metallrohr durch die Außenwand. Holzfeuerstätten benötigen eine geeignete Abgasanlage beziehungsweise einen dafür vorgesehenen Schornstein.
Bei Gartenhäusern wird häufig ein doppelwandiger Edelstahlschornstein außen am Gebäude eingesetzt. Er kann grundsätzlich eine praktikable Lösung sein, muss aber zur Feuerstätte und zur baulichen Situation passen.
Geprüft werden unter anderem:
Punkt |
Warum er wichtig ist |
|---|---|
Schornsteinquerschnitt |
Er beeinflusst den notwendigen Förderdruck und die sichere Abgasabführung. |
wirksame Schornsteinhöhe |
Ein sehr kurzer Schornstein kann zu unzureichendem Zug führen. |
Temperaturklasse |
Der Schornstein muss für die zu erwartenden Abgastemperaturen geeignet sein. |
Rußbrandbeständigkeit |
Bei Feuerstätten für feste Brennstoffe ist eine entsprechend geeignete Ausführung erforderlich. |
Abstand zu Holzbauteilen |
Besonders Wand- und Dachdurchführungen müssen brandschutzgerecht ausgeführt werden. |
Befestigung |
Hohe Außenabschnitte werden durch Wind erheblich belastet. |
Reinigungsmöglichkeit |
Schornstein und Verbindungsstück müssen zugänglich und reinigbar bleiben. |
Ein häufiger Planungsfehler besteht darin, zuerst den Ofenstandort festzulegen und anschließend zu überlegen, wo der Schornstein bleiben soll. Besser ist es, beide Komponenten gemeinsam zu planen.
Die Schornsteinmündung kann überraschend hoch werden
Für nach dem 31. Dezember 2021 neu errichtete Feuerungsanlagen für feste Brennstoffe gelten bundesweit besondere Anforderungen an die Ableitung der Abgase.
Grundsätzlich muss die Austrittsöffnung firstnah angeordnet werden und den Dachfirst mindestens 40 cm überragen. Bei flach geneigten Dächern wird für die Beurteilung ein fiktiver Dachfirst auf Grundlage einer Dachneigung von 20 Grad angesetzt. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine alternative Berechnung nach den hierfür vorgesehenen technischen Regeln möglich.
Hinzu kommt bei kleinen Feuerungsanlagen bis 50 kW eine weitere wichtige Vorgabe: Befinden sich innerhalb eines Umkreises von 15 Metern Fenster, Türen oder Lüftungsöffnungen, muss die Schornsteinmündung deren Oberkanten grundsätzlich um mindestens einen Meter überragen.
Das kann bei einem niedrigen Gartenhaus erhebliche Folgen haben.
Steht beispielsweise wenige Meter entfernt ein zweigeschossiges Wohnhaus mit Fenstern, kann nicht einfach ein kurzer Schornstein knapp oberhalb des Gartenhausdachs enden. Die erforderliche Mündungshöhe muss anhand der konkreten Bebauung bestimmt werden.
Gerade deshalb sollte die Schornsteinführung vor dem Kauf des Ofens geprüft werden.
Wand- und Dachdurchführungen brauchen besondere Aufmerksamkeit
Die kritischsten Stellen eines Schornsteins an einem Holzhaus sind häufig die Durchführungen durch Wand oder Dach.
Ein heißes Rauchrohr darf nicht einfach durch eine ausgesägte Öffnung in einer Holzwand geführt und der Zwischenraum anschließend mit beliebigem Dämmmaterial verschlossen werden.
Bei einer Wanddurchführung muss die Konstruktion unter anderem berücksichtigen:
- Temperatur des Abgases,
- Bauart des verwendeten Rohr- beziehungsweise Schornsteinsystems,
- vorgeschriebene Abstände zu brennbaren Baustoffen,
- geeignete nicht brennbare Dämm- und Bauteile,
- Herstellerangaben des Schornsteinsystems.
Für Durchführungen durch brennbare Bauteile existieren darauf abgestimmte Bauteile und Systeme. Sie verhindern, dass Holz in der Umgebung durch dauerhaft hohe Temperaturen kritisch erwärmt wird.
Das Problem ist nicht nur eine unmittelbar sichtbare Überhitzung. Holz kann sich durch langfristige thermische Belastung verändern und dadurch bei niedrigeren Temperaturen entzündlich werden. Eine Konstruktion, die bei den ersten Heizvorgängen unauffällig bleibt, ist deshalb nicht automatisch dauerhaft sicher.
Bei einer Durchführung durch das Dach kommen Abdichtung und konstruktiver Brandschutz zusammen. Gleichzeitig muss berücksichtigt werden, welche freie Höhe der Schornstein oberhalb seiner letzten Befestigung erreichen darf. Wird wegen umliegender Gebäude eine große Mündungshöhe benötigt, können zusätzliche Wandhalter, Abspannungen oder andere statische Maßnahmen erforderlich sein.
Vor dem ersten Feuer steht die Prüfung
Ein Kaminofen im Gartenhaus sollte nicht erst dann mit dem Schornsteinfeger besprochen werden, wenn Ofen und Edelstahlkamin bereits montiert sind.
Sinnvoller ist diese Reihenfolge:
-
Rechtliche Situation prüfen
Bauaufsicht, Grundstückssituation und bei Kleingärten zusätzlich Pachtvertrag beziehungsweise Gartenordnung klären. -
Standort und Ofen auswählen
Raumgröße, Leistung, Herstellerabstände und Verbrennungsluft berücksichtigen. -
Schornstein vorplanen
Querschnitt, Verlauf, erforderliche Höhe, benachbarte Fenster und Türen sowie Befestigung prüfen. -
Planung mit dem bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger abstimmen
So lassen sich ungeeignete Lösungen erkennen, bevor gebaut wird. -
Brandschutz fachgerecht ausführen
Besonders Boden, Wandbereiche, Rauchrohr und Wand- beziehungsweise Dachdurchführungen berücksichtigen. -
Feuerungsanlage prüfen lassen
Die erforderlichen Prüfungen müssen vor beziehungsweise im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme erfolgen.
Ein neu installierter Kaminofen muss außerdem die für neue Einzelraumfeuerungsanlagen geltenden Emissionsanforderungen erfüllen. Neben den deutschen Vorgaben für kleine Feuerungsanlagen sind bei aktuellen Geräten auch die europäischen Anforderungen an Festbrennstoff-Einzelraumheizgeräte relevant.
Die technischen Unterlagen des Ofens sollten deshalb vollständig vorhanden sein. Hersteller, Typ, Leistung, zulässige Brennstoffe und relevante Prüf- beziehungsweise Produktunterlagen werden spätestens bei der Beurteilung der Anlage wichtig.
Gute Planung beginnt nicht beim Loch in der Wand
Ein Kaminofen lässt sich in vielen Gartenhäusern realisieren, doch die geringe Gebäudegröße macht die Sache nicht automatisch einfacher. Holzwände und Holzböden verlangen sorgfältigen Brandschutz, der kleine Raum benötigt eine gesicherte Verbrennungsluftversorgung und der Schornstein muss trotz niedriger Dachhöhe alle Anforderungen erfüllen.
Besonders die notwendige Schornsteinhöhe kann darüber entscheiden, ob eine geplante Lösung sinnvoll umsetzbar ist. Deshalb lohnt es sich, zuerst Standort, Gebäudeumgebung und Abgasführung zu prüfen und erst danach ein konkretes Ofenmodell festzulegen. Bei einer Laube in einer Kleingartenanlage muss zusätzlich geklärt werden, ob Satzung und Pachtbedingungen eine solche Feuerstätte überhaupt zulassen.





