Erst klären, warum der Schornstein zu wenig Zug entwickelt
Der natürliche Schornsteinzug entsteht vor allem durch den Temperatur- und Dichteunterschied zwischen den warmen Abgasen und der Außenluft. Vereinfacht gesagt: Die warmen Abgase steigen im Schornstein nach oben und erzeugen dabei den notwendigen Unterdruck, der neue Verbrennungsluft durch die Feuerstätte nachströmen lässt.
Wie gut das funktioniert, hängt von mehreren Faktoren gleichzeitig ab. Dazu gehören unter anderem die wirksame Schornsteinhöhe, der Querschnitt, die Abgastemperatur, der Verlauf des Rauchrohrs und die Verbrennungsluftversorgung.
Hinweise auf ein Zugproblem können sein:
- Das Holz lässt sich nur schwer entzünden.
- Das Feuer wird nach kurzer Zeit wieder schwach.
- Beim Öffnen der Feuerraumtür tritt regelmäßig Rauch aus.
- Die Scheibe verrußt ungewöhnlich schnell.
- Der Ofen funktioniert bei bestimmten Wetterlagen deutlich schlechter.
- Das Problem tritt besonders bei einem kalten Schornstein auf.
Nicht jedes dieser Symptome beweist allerdings einen schwachen Schornsteinzug. Feuchtes Holz, verschmutzte Rauchgaswege, falsch bediente Luftregler oder Ablagerungen im Schornstein können sehr ähnliche Beschwerden verursachen.
Besonders aufschlussreich ist, wann das Problem entsteht. Funktioniert der Ofen beispielsweise bei Windstille problemlos und macht bei bestimmten Windrichtungen Schwierigkeiten, spricht das eher für ungünstige Strömungsverhältnisse an der Schornsteinmündung. Bestehen die Probleme dagegen praktisch bei jedem Wetter, sollte die gesamte Abgasanlage betrachtet werden.
Auch Veränderungen am Gebäude spielen eine Rolle. Neue, dichtere Fenster oder Lüftungs- und Abluftanlagen können die Luftverhältnisse im Haus verändern. Bei raumluftabhängigen Feuerstätten muss ausreichend Verbrennungsluft nachströmen können. Ein Rauchsauger sollte nicht dazu dienen, ein ungelöstes Problem mit der Luftversorgung zu kaschieren.
Was ein Schornsteinaufsatz leisten kann – und was nicht
Unter dem Begriff Schornsteinaufsatz werden verschiedene Konstruktionen zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise Windabweiser, spezielle Zugverbesserer und drehende oder strömungsoptimierte Aufsätze.
Sie arbeiten normalerweise ohne elektrischen Antrieb. Ihre Aufgabe besteht darin, die Strömungsverhältnisse an der Schornsteinmündung günstig zu beeinflussen.
Das kann sinnvoll sein, wenn Wind am Gebäude ungünstige Druckverhältnisse erzeugt. Dachform, benachbarte Gebäude, Bäume oder die Lage des Schornsteins können dazu führen, dass Luftströmungen direkt auf die Mündung drücken oder dort starke Schwankungen verursachen.
Ein geeigneter Aufsatz kann solche Einflüsse reduzieren und den natürlichen Schornsteinzug stabilisieren.
Situation |
Schornsteinaufsatz eher sinnvoll? |
|---|---|
Zugprobleme hauptsächlich bei Wind |
häufig eine mögliche Lösung |
Starke Schwankungen je nach Windrichtung |
kann sinnvoll sein |
Schornsteinmündung liegt in ungünstiger Strömungszone |
Prüfung lohnt sich |
Schornstein grundsätzlich zu kurz |
eventuell andere Maßnahmen erforderlich |
Schornsteinquerschnitt passt nicht zur Feuerstätte |
normalerweise keine vollständige Lösung |
Fehlende Verbrennungsluft im Gebäude |
nein |
Wichtig ist außerdem die Unterscheidung zwischen einer einfachen Regenabdeckung und einem konstruktiv zur Zugbeeinflussung vorgesehenen Aufsatz. Eine Abdeckung schützt in erster Linie die Mündung. Sie verbessert den Zug nicht automatisch und kann bei ungeeigneter Ausführung sogar zusätzliche Strömungswiderstände verursachen.
Auch drehende Aufsätze sind keine Universalantwort. Ihre Wirkung hängt unter anderem von Wind, Ausführung und Einbausituation ab. Besteht das Problem schon bei ruhigem Wetter, sollte nicht einfach angenommen werden, dass ein windbetriebener Aufsatz die Ursache beseitigt.
Wann ein elektrischer Rauchsauger die bessere Lösung sein kann
Ein Rauchsauger arbeitet aktiv. Ein elektrisch betriebener Ventilator an der Schornsteinmündung erzeugt zusätzlichen Unterdruck im Abgasweg. Dadurch hängt die Unterstützung deutlich weniger davon ab, ob gerade günstiger Wind herrscht.
Das macht solche Systeme interessant, wenn der natürliche Zug regelmäßig nicht ausreicht oder sich kaum stabilisieren lässt.
Mögliche Einsatzsituationen sind beispielsweise:
- ein kurzer Schornstein mit begrenztem natürlichem Förderdruck,
- schwieriges Anheizen bei kalter Abgasanlage,
- Rauchprobleme beim Öffnen der Ofentür,
- ungünstige oder wechselnde Strömungsverhältnisse,
- Feuerstätten, deren benötigter Förderdruck auf natürlichem Weg nicht zuverlässig erreicht wird.
Je nach System läuft der Rauchsauger dauerhaft oder wird gezielt beim Anheizen und Nachlegen zugeschaltet. Andere Anlagen können den erzeugten Unterdruck regeln.
Gerade hier ist die richtige Dimensionierung wichtig. Mehr Saugwirkung ist nicht automatisch besser. Ein zu hoher Förderdruck kann die Verbrennung ebenfalls beeinflussen und beispielsweise dazu führen, dass Brennstoff schneller abbrennt als vorgesehen.
Hinzu kommen praktische Punkte, die bei einem passiven Aufsatz kaum eine Rolle spielen: Der Rauchsauger benötigt Strom, enthält bewegliche Bauteile und muss zugänglich bleiben. Rotor beziehungsweise Laufrad können mit Ruß und anderen Verbrennungsrückständen verschmutzen und müssen entsprechend der Herstellerangaben kontrolliert und gereinigt werden.
Auch die zulässige Abgastemperatur und der vorgesehene Brennstoff sind zu beachten. Ein Gerät, das für eine bestimmte Feuerstättenart entwickelt wurde, darf nicht allein wegen passender Abmessungen für jede beliebige Anlage verwendet werden.
Rauchsauger und Aufsatz direkt gegenübergestellt
Welche Variante sinnvoller ist, hängt weniger vom Preis oder vom äußeren Aufbau ab als von der Ursache des Problems.
Schornsteinaufsatz |
Elektrischer Rauchsauger |
|---|---|
arbeitet überwiegend mit vorhandenen Luftströmungen |
erzeugt aktiv zusätzlichen Unterdruck |
benötigt normalerweise keinen Strom |
benötigt Stromversorgung |
interessant bei windbedingten Problemen |
interessant bei dauerhaft unzureichendem Zug |
vergleichsweise einfache Technik |
Motor, Ventilator und gegebenenfalls Regelung |
Wirkung hängt stark von Einbausituation und Wetter ab |
Förderwirkung gezielter beeinflussbar |
geringerer technischer Wartungsbedarf |
regelmäßige Kontrolle und Reinigung nötig |
kann natürlichen Zug stabilisieren |
kann fehlenden Förderdruck aktiv bereitstellen |
Eine Zwischenlösung kann außerdem eine Änderung des Schornsteins selbst sein. Bei einem zu niedrigen wirksamen Schornstein kann beispielsweise eine fachgerecht geplante Verlängerung infrage kommen. Bei einem ungeeigneten Querschnitt kann eine Sanierung beziehungsweise Anpassung sinnvoller sein als zusätzliche Technik an der Mündung.
Genau deshalb sollte die Entscheidung nicht erst beim Zubehör beginnen. Die sinnvollste Maßnahme kann am Ende auch heißen: weder Aufsatz noch Rauchsauger.
Vor der Nachrüstung sollte das gesamte System geprüft werden
Bei wiederkehrenden Problemen ist eine Zugmessung beziehungsweise eine fachliche Bewertung der Abgasanlage sinnvoll. Bei Bedarf kann zusätzlich berechnet werden, ob Feuerstätte und Schornstein hinsichtlich Förderdruck, Temperatur und Querschnitt zusammenpassen.
Für die Prüfung sind unter anderem folgende Punkte relevant:
- Feuerstätte: Welchen Förderdruck gibt der Hersteller für den Betrieb vor?
- Schornstein: Stimmen Höhe, Querschnitt und Bauart mit der Feuerstätte überein?
- Rauchrohr: Gibt es ungünstige Längen, Bögen, Verengungen oder Undichtigkeiten?
- Abgasweg: Sind Schornstein und Rauchrohr frei von Ablagerungen oder Hindernissen?
- Verbrennungsluft: Kann genügend Luft in den Aufstellraum beziehungsweise zur Feuerstätte gelangen?
- Gebäudetechnik: Arbeiten Dunstabzug, Wohnraumlüftung oder andere Abluftgeräte im selben Luftverbund?
- Wetterabhängigkeit: Besteht das Problem ständig oder nur bei bestimmten Windrichtungen und Wetterlagen?
Ein einfacher Praxistest kann Hinweise liefern, ersetzt aber keine fachliche Beurteilung. Wird das Brennverhalten beispielsweise deutlich besser, sobald ein Fenster geöffnet wird, sollte die Verbrennungsluftversorgung genauer betrachtet werden. Das bedeutet nicht automatisch, dass dauerhaft über ein geöffnetes Fenster geheizt werden sollte.
Auch bei einem neu geplanten Rauchsauger sollte der zuständige Schornsteinfeger früh einbezogen werden. Die Abgasführung gehört zur sicherheitsrelevanten Feuerungsanlage. Ob ein bestimmtes Bauteil mit der vorhandenen Feuerstätte und Abgasanlage verwendet werden kann, muss deshalb für die konkrete Anlage geklärt werden.
Die Ursache entscheidet über die richtige Technik
Ein Schornsteinaufsatz eignet sich vor allem dann als Ansatz, wenn äußere Luftströmungen den natürlichen Zug stören oder starke Schwankungen verursachen. Ein elektrischer Rauchsauger kann dagegen zusätzlichen Unterdruck erzeugen und kommt deshalb eher bei dauerhaft oder regelmäßig zu geringem Förderdruck infrage.
Beide Lösungen sollten jedoch erst nach der Ursachenprüfung gewählt werden. Ein falscher Schornsteinquerschnitt, fehlende Verbrennungsluft oder eine ungünstige Abgasführung werden durch Zubehör an der Mündung nicht automatisch behoben. Wer zuerst Feuerstätte, Schornstein, Luftversorgung und Wetterabhängigkeit prüft, kann wesentlich gezielter entscheiden, welche technische Maßnahme tatsächlich sinnvoll ist.






