Warum ein Schornsteinbrand Schäden hinterlassen kann
Bei einem Schornsteinbrand entzünden sich brennbare Ablagerungen im Inneren des Schornsteins. Häufig handelt es sich um Ruß oder besonders hartnäckige teerartige Ablagerungen, die sich beispielsweise bei ungünstiger Verbrennung bilden können.
Während des Brandes wird der Schornstein erheblich stärker thermisch beansprucht als im normalen Heizbetrieb. Ein System, das im Alltag Abgase sicher ableitet, kann dadurch an einzelnen Stellen beschädigt werden.
Mögliche Folgen sind beispielsweise:
- Risse in keramischen Innenrohren oder gemauerten Bereichen
- beschädigte oder gelockerte Fugen
- Verformungen oder Materialveränderungen an Metallbauteilen
- gelöste Verbindungen
- Undichtigkeiten im Abgasweg
- abgeplatzte oder geschädigte Oberflächen
- verbliebene Ruß- und Brandrückstände
- Schäden an Reinigungsverschlüssen oder Anschlussstellen
- thermische Belastungen an angrenzenden Bauteilen
Nicht jeder Brand verursacht solche Schäden. Umgekehrt lässt sich aus einem äußerlich unauffälligen Schornstein aber nicht sicher schließen, dass im Inneren alles intakt geblieben ist.
Besonders relevant sind verdeckte Bereiche. Ein Riss im Innenrohr oder eine undichte Verbindung ist vom Heizraum aus unter Umständen überhaupt nicht zu erkennen. Deshalb beginnt die Prüfung zwar meist mit einer Besichtigung, kann aber je nach Befund deutlich weitergehen.
Diese Bereiche sollten nach dem Brand kontrolliert werden
Die Untersuchung beschränkt sich sinnvollerweise nicht auf die Stelle, an der der Brand bemerkt wurde. Der komplette Abgasweg kann betroffen sein – von der Feuerstätte beziehungsweise dem Verbindungsstück bis zur Schornsteinmündung.
Sichtprüfung und Reinigung
Zunächst wird geprüft, in welchem Zustand sich der Schornstein befindet. Dabei können unter anderem Reinigungsöffnungen, Anschlussstellen, zugängliche Schornsteinflächen und die Mündung kontrolliert werden.
Auch verbliebene Ablagerungen spielen eine Rolle. Nach einem Rußbrand können sich gelöste Rückstände im Schornstein befinden oder den freien Querschnitt beeinträchtigen. Eine Reinigung schafft deshalb nicht nur einen freien Abgasweg, sondern verbessert auch die Möglichkeit, die Innenflächen anschließend zu beurteilen.
Geprüft werden können unter anderem:
Bereich |
Worauf geachtet wird |
|---|---|
Schornsteininneres |
Risse, Ablagerungen, Abplatzungen und Veränderungen der Oberfläche |
Reinigungsöffnungen |
Zustand, Verschluss und erkennbare thermische Schäden |
Feuerstättenanschluss |
Risse, Lockerungen und Veränderungen an der Anschlussstelle |
Verbindungsstück |
Verformung, Beschädigung und sichere Verbindung |
Schornsteinmündung |
sichtbare Schäden und Zustand der Bauteile |
angrenzende Bereiche |
Anzeichen ungewöhnlich hoher Temperatureinwirkung |
Die Reinigung allein ist allerdings noch keine Aussage darüber, ob der Schornstein wieder sicher genutzt werden kann.
Angrenzende Bauteile nicht vergessen
Bei einem intensiven Brand ist außerdem wichtig, was außerhalb des eigentlichen Abgaswegs passiert ist. Schornsteine führen durch Decken, Dachkonstruktionen und teilweise direkt an brennbaren Baustoffen vorbei.
Deshalb können beispielsweise Bereiche an Deckendurchführungen, Dachkonstruktionen oder Verkleidungen genauer betrachtet werden. Auffällige Verfärbungen, verschmorte Baustoffe oder andere Spuren einer starken Wärmebelastung sollten nicht ignoriert werden.
Auch wenn die Feuerwehr während des Einsatzes keine Brandausbreitung festgestellt hat, ersetzt das nicht automatisch die spätere technische Beurteilung des Schornsteins.
Wann Kamera- und Dichtheitsprüfung sinnvoll werden
Nach einer ersten Kontrolle entscheidet das Schadensbild darüber, ob zusätzliche Untersuchungen erforderlich sind. Nicht jeder Schornstein muss nach jedem Brand mit sämtlichen verfügbaren Prüfverfahren untersucht werden. Umgekehrt sollte bei begründetem Verdacht nicht allein auf eine oberflächliche Besichtigung vertraut werden.
Kamerauntersuchung für schwer einsehbare Bereiche
Mit einer Schornsteinkamera lässt sich die Innenseite über größere Abschnitte kontrollieren. Das ist vor allem hilfreich, wenn ein mehrschaliges System oder ein Innenrohr vorhanden ist und Schäden von den Reinigungsöffnungen aus nicht zuverlässig beurteilt werden können.
Dabei können beispielsweise sichtbar werden:
- Längs- oder Querrisse
- beschädigte Rohrverbindungen
- Abplatzungen
- verschobene Elemente
- Veränderungen an Fugen
- auffällige Oberflächen
- Hindernisse oder größere Ablagerungsreste
Eine Kamera liefert allerdings eine optische Beurteilung. Sie beantwortet nicht automatisch jede Frage zur Dichtheit oder zur konstruktiven Sicherheit.
Dichtheitsprüfung bei entsprechendem Verdacht
Besteht die Möglichkeit, dass Risse oder beschädigte Verbindungen die sichere Abgasführung beeinträchtigen, kann zusätzlich eine Prüfung der Dichtheit erforderlich werden. Welche Methode geeignet ist, richtet sich unter anderem nach Bauart und Betriebsweise der Abgasanlage.
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht, ob der Schornstein von außen geschlossen aussieht. Abgase müssen innerhalb des dafür vorgesehenen Systems sicher abgeführt werden. Undichtigkeiten können insbesondere innerhalb eines Gebäudes problematisch sein.
Eine solche Prüfung sollte deshalb nicht pauschal als Pflicht nach jedem Schornsteinbrand dargestellt werden. Sie ist vielmehr ein mögliches Untersuchungsmittel, wenn Zustand, Bauweise oder festgestellte Schäden eine genauere Überprüfung erforderlich machen.
Vom Befund bis zur Freigabe: So geht es weiter
Nach den Untersuchungen gibt es grundsätzlich mehrere mögliche Ergebnisse.
Kein relevanter Schaden festgestellt:
Sind Abgasweg, Anschlüsse und betroffene Bauteile in einem ordnungsgemäßen Zustand, kann eine Wiederinbetriebnahme möglich sein. Wann tatsächlich wieder geheizt werden darf, sollte mit dem zuständigen Fachbetrieb beziehungsweise dem zuständigen Schornsteinfeger abgestimmt werden.
Schaden vorhanden, aber reparierbar:
Werden beispielsweise Risse, beschädigte Innenrohre oder problematische Anschlussstellen festgestellt, müssen diese fachgerecht instand gesetzt werden. Abhängig von der Konstruktion kann eine punktuelle Reparatur ausreichen oder eine Schornsteinsanierung erforderlich werden.
Zustand zunächst nicht eindeutig:
Manchmal lässt sich bei der ersten Besichtigung nicht zuverlässig entscheiden, ob ein Schaden vorliegt. Dann können weiterführende Untersuchungen notwendig werden, bevor über Reparatur oder Weiterbetrieb entschieden wird.
Wird die Abgasanlage im Zuge der Reparatur wesentlich verändert oder saniert, können anschließend weitere Prüfungen beziehungsweise eine Abnahme erforderlich sein. Welche formalen Schritte gelten, hängt unter anderem von der konkreten Maßnahme und den landesrechtlichen Vorgaben ab.
Eine sinnvolle Reihenfolge sieht deshalb so aus:
- Feuerstätte nach dem Brand zunächst nicht wieder benutzen.
- Schornstein und Abgasweg fachlich kontrollieren lassen.
- Brand- und Rußrückstände entfernen lassen.
- Bei Bedarf Innenbereiche per Kamera untersuchen.
- Bei Verdacht auf Undichtigkeiten geeignete Prüfungen durchführen.
- Festgestellte Schäden reparieren oder den Schornstein sanieren lassen.
- Nach größeren Änderungen erforderliche Kontrollen beziehungsweise Abnahmen klären.
- Erst anschließend den regulären Heizbetrieb wieder aufnehmen.
Wichtig ist außerdem die Ursache des Brandes. Wurden starke Ruß- oder Teerablagerungen festgestellt, sollte nicht nur der entstandene Schaden betrachtet werden. Auch Brennstoff, Verbrennung, Bedienung und Reinigungsintervalle können überprüft werden. Sonst bleibt das Problem bestehen, das zum Brand beigetragen hat.
Nicht jeder Brandfall ist gleich
Der Begriff „Schornstein nach einem Brand“ kann zwei verschiedene Situationen beschreiben. Zum einen kann der Schornstein selbst gebrannt haben, weil sich Ablagerungen entzündet haben. Zum anderen kann ein Gebäude- oder Dachbrand den Schornstein von außen geschädigt haben.
Bei einem Gebäudebrand können andere Belastungen hinzukommen: Bauteile können sich verschoben haben, Befestigungen können beschädigt sein und Löschmaßnahmen oder eindringendes Wasser können zusätzliche Folgen verursachen. Dann reicht es erst recht nicht, ausschließlich in den Schornsteinzug zu schauen.
Auch die Bauweise verändert die Beurteilung. Ein älterer gemauerter Schornstein mit gemörtelten Fugen stellt andere Prüfanforderungen als ein mehrschaliges System mit keramischem Innenrohr oder eine metallische Abgasanlage.
Deshalb gibt es keine seriöse pauschale Aussage nach dem Muster: „Nach einer Reinigung darf wieder geheizt werden.“ Der tatsächliche Zustand entscheidet.
Erst prüfen, dann wieder heizen
Nach einem Schornsteinbrand ist Zurückhaltung sinnvoll, auch wenn anschließend zunächst alles normal aussieht. Entscheidend ist, ob der Abgasweg weiterhin dicht, frei und konstruktiv in Ordnung ist und ob angrenzende Bauteile Schaden genommen haben.
Die erste Besichtigung liefert dafür die Grundlage. Je nach Ergebnis können Reinigung, Kamerauntersuchung, Dichtheitsprüfung oder eine genauere Begutachtung einzelner Bauteile folgen. Werden Schäden entdeckt, müssen sie vor dem weiteren Betrieb behoben werden. Besonders nach einer Sanierung oder größeren Veränderung sollte außerdem geklärt werden, welche formale Prüfung erforderlich ist. Ein vorschnelles Probefeuer ist dagegen kein geeignetes Verfahren, um einen möglicherweise geschädigten Schornstein zu testen.





