Was eine Schornsteinverkleidung eigentlich leisten muss
Eine Verkleidung hat vor allem die Aufgabe, den über Dach liegenden Bereich gegen äußere Feuchtigkeit und Witterungseinflüsse zu schützen. Besonders ältere gemauerte Schornsteinköpfe können mit der Zeit Schäden an Fugen, Steinen oder Putzflächen entwickeln. Dringt dort Wasser ein und gefriert anschließend, können sich vorhandene Schäden weiter vergrößern.
Wichtig ist deshalb, zwischen einer Schutzmaßnahme und einer Reparatur zu unterscheiden. Bereits lockeres, gerissenes oder stark geschädigtes Mauerwerk sollte nicht einfach hinter einer neuen Bekleidung verschwinden. Der Untergrund muss tragfähig sein, bevor eine Unterkonstruktion oder ein Fertigkopf montiert wird.
Eine fachgerechte Konstruktion berücksichtigt mehrere Bereiche gleichzeitig:
- Schutz der Schornsteinoberfläche vor Schlagregen und Schnee
- kontrollierte Ableitung von Wasser am Übergang zum Dach
- ausreichende Belüftung hinter der Bekleidung
- geeignete und zum jeweiligen System passende Materialien
- sichere Ausbildung von Kanten und oberen Abschlüssen
- ausreichende Bewegungsmöglichkeit einzelner Schornsteinbauteile
- Zugang für Wartung, Reinigung und Kontrolle
Gerade der obere Abschluss verdient Aufmerksamkeit. Abdeckungen sollen verhindern, dass Niederschlag hinter die Verkleidung gelangt. Bei mehrschaligen Schornsteinen können sich Innenrohre bei Erwärmung ausdehnen. Eine Abdeckung darf solche vorgesehenen Bewegungen nicht ungewollt blockieren.
Material auswählen: Nicht nur die Optik entscheidet
Für Schornsteinverkleidungen kommen unterschiedliche Werkstoffe infrage. Welche Ausführung geeignet ist, hängt unter anderem vom vorhandenen Schornstein, der Unterkonstruktion, der Dachdeckung und den technischen Vorgaben des Systems ab.
Material |
Eigenschaften |
Worauf bei der Planung zu achten ist |
|---|---|---|
Naturschiefer |
langlebig, unempfindlich gegenüber vielen Witterungseinflüssen |
benötigt eine passende Unterkonstruktion und sorgfältige Kanten- und Anschlussdetails |
Faserzement |
vergleichsweise leicht, in unterschiedlichen Formaten erhältlich |
Befestigungsart und Unterbau müssen zum Plattensystem passen |
Titanzink |
gut für gefalzte Bekleidungen und Dachanschlüsse geeignet |
handwerklich saubere Falze und Materialverträglichkeit beachten |
Edelstahl |
korrosionsbeständig und für viele technische Anwendungen geeignet |
Befestigung und Ausführung müssen zum Schornsteinsystem passen |
Kupfer |
langlebiges Metall mit charakteristischer Oberflächenveränderung |
Kontakt und Wasserablauf zu anderen Metallen müssen berücksichtigt werden |
Fertigkopf |
vorgefertigte Lösung mit vergleichsweise schneller Montage |
muss für Abmessungen und Bauart des vorhandenen Schornsteins geeignet sein |
Bei der Wahl eines Metalls sollte außerdem betrachtet werden, welche anderen Metalle sich im Wasserlauf darunter befinden. Werden unterschiedliche Metalle ungünstig miteinander kombiniert, können elektrochemische Reaktionen Korrosion fördern. Das betrifft beispielsweise Verkleidungen, Anschlussbleche und Dachentwässerung.
Auch das Gewicht spielt eine Rolle. Eine massive Vormauerung stellt andere Anforderungen an den bestehenden Schornsteinkopf als dünne Platten oder Metallbleche. Deshalb sollte gerade bei älteren Anlagen zuerst der Zustand des vorhandenen Bauteils geprüft werden.
Brennbare Baustoffe nicht einfach voraussetzen
Bei Unterkonstruktionen werden teilweise Holzwerkstoffe oder Holzlatten eingesetzt. Ob und in welcher Form das bei einem konkreten Schornstein zulässig ist, hängt von dessen Bauart, Temperaturklasse und den erforderlichen Abständen ab.
Pauschale DIY-Regeln wie „Latten direkt an den Kamin schrauben“ sind deshalb keine verlässliche Grundlage. Angaben des Schornsteinherstellers und die für die Anlage geltenden technischen Anforderungen gehen hier vor.
Hinterlüftung schützt vor Feuchtigkeit hinter der Bekleidung
Eine Schornsteinverkleidung bekommt zwangsläufig Feuchtigkeit ab. Selbst wenn die sichtbare Oberfläche Regen zuverlässig abhält, kann hinter der Bekleidung Feuchtigkeit durch Kondensation, kleine Undichtigkeiten oder von unten eingetragene Luft entstehen.
Kann diese Feuchtigkeit nicht wieder austrocknen, bleibt sie zwischen Verkleidung und Schornstein eingeschlossen. Genau deshalb werden viele Bekleidungen als hinterlüftete Konstruktion ausgeführt.
Das Prinzip ist recht einfach: Zwischen Schornstein beziehungsweise Untergrund und äußerer Bekleidung bleibt ein definierter Luftzwischenraum. Luft kann dort zirkulieren und Feuchtigkeit abführen.
Ein möglicher Aufbau besteht beispielsweise aus:
- tragfähigem vorhandenen Schornsteinkopf,
- geeigneter Unterkonstruktion,
- gegebenenfalls erforderlicher Schutz- oder Unterdeckschicht,
- Hinterlüftungsraum,
- äußerer Bekleidung,
- wetterfestem oberen Abschluss.
Wie groß ein Hinterlüftungsraum auszuführen ist und welche Konstruktion verwendet werden darf, sollte nicht aus einer allgemeinen Internetanleitung übernommen werden. Bei einzelnen Schornsteinsystemen geben Hersteller konkrete Lösungen für örtlich hergestellte Bekleidungen oder Fertigköpfe vor.
Entscheidend ist zudem, dass der Luftweg nicht später versehentlich verschlossen wird. Dichtstoff, Mörtel oder nachträglich montierte Bleche können eine geplante Belüftung unwirksam machen.
Dachanschluss und obere Abdeckung sind entscheidende Details
Viele Feuchteschäden entstehen nicht mitten auf einer Verkleidungsfläche, sondern an Übergängen. Dazu gehören besonders der Anschluss zwischen Schornstein und Dach sowie die obere Kante der Bekleidung.
Am Dach muss Wasser so geführt werden, dass es weder hinter die Bekleidung noch unter die Dacheindeckung gelangt. Dafür werden abhängig von Dach und Material unter anderem Einfassungen, Anschlussbleche und geeignete Überdeckungen hergestellt.
Besondere Aufmerksamkeit benötigen vier Bereiche:
Die Vorderseite des Schornsteins:
Hier trifft vom Dach ablaufendes Wasser auf das Bauteil und muss seitlich weitergeleitet werden.
Die seitlichen Anschlüsse:
Sie müssen ausreichend unter beziehungsweise in die angrenzende Dachdeckung eingebunden sein.
Der rückwärtige Bereich:
Auf der höher gelegenen Dachseite kann sich besonders bei breiteren Schornsteinen Wasser sammeln. Die Ausführung muss es kontrolliert um den Schornstein herumführen.
Der obere Abschluss:
Er schützt den Aufbau vor Wasser, das von oben zwischen Verkleidung und Schornstein eindringen könnte.
Eine Abdeckplatte sollte witterungsbeständig sein und ausreichend über die Verkleidung hinausragen. Gleichzeitig muss sie so geplant werden, dass Öffnungen, Innenrohre oder andere funktionale Bestandteile des Schornsteins nicht beeinträchtigt werden.
Auch vermeintlich kleine Detailfehler können später teuer werden. Ein Zentimeter an der falschen Stelle kann bei starkem Regen mehr Ärger verursachen als ein Quadratmeter sauber montierte Verkleidungsfläche verhindert.
Reinigung, Prüfung und Reparatur müssen weiterhin möglich sein
Eine optisch geschlossene Verkleidung darf wichtige Funktionsbereiche nicht unzugänglich machen. Schornsteine müssen regelmäßig überprüft und je nach Anlage gereinigt werden. Auch spätere Kontrollen oder Reparaturen dürfen durch die Bekleidung nicht unnötig erschwert werden.
Dabei geht es nicht nur um die eigentliche Mündung. Je nach Bauart können beispielsweise Reinigungsöffnungen, Bauteilverbindungen oder andere kontrollierbare Bereiche relevant sein.
Vor der Ausführung sollte deshalb geprüft werden:
- Von wo erfolgt die reguläre Reinigung?
- Gibt es Öffnungen im Bereich des Schornsteinkopfes?
- Bleiben erforderliche Bauteile sichtbar beziehungsweise erreichbar?
- Muss eine Bekleidung für spätere Arbeiten teilweise demontierbar sein?
- Gibt es einen sicheren Zugang zum Schornstein auf dem Dach?
- Werden vorhandene Laufwege, Tritte oder Standflächen beeinträchtigt?
Besonders bei einer Sanierung lohnt es sich, diese Punkte vor Beginn mit dem zuständigen Schornsteinfeger und dem ausführenden Dachdecker beziehungsweise Schornsteinbauer abzustimmen.
Das verhindert beispielsweise, dass eine Verkleidung fertiggestellt wird und anschließend für eine vorgeschriebene Kontrolle wieder geöffnet werden muss.
Was du vor Beginn der Arbeiten prüfen solltest
Eine Schornsteinverkleidung ist kein Bauteil, das sinnvoll allein anhand seiner Außenmaße geplant werden kann. Eine kurze Bestandsaufnahme spart später viele Korrekturen.
Eine sinnvolle Reihenfolge sieht so aus:
1. Schornsteinsystem feststellen
Bei einem modernen Systemschornstein sind Hersteller und genaue Baureihe wichtige Informationen. Montageunterlagen enthalten häufig bereits Vorgaben für den Bereich über Dach.
2. Zustand des Schornsteinkopfes kontrollieren
Risse, lose Steine, beschädigte Fugen oder feuchte Bereiche sollten vor der Verkleidung geklärt werden.
3. Material und Unterkonstruktion zusammen planen
Nicht jede Bekleidung kann auf jedem beliebigen Untergrund befestigt werden.
4. Hinterlüftung berücksichtigen
Luftwege müssen bereits beim Aufbau eingeplant werden und dauerhaft frei bleiben.
5. Dachanschlüsse festlegen
Die Verkleidung und die Einfassung des Daches sollten konstruktiv zusammen gedacht werden.
6. Zugänglichkeit kontrollieren
Reinigung, Prüfung und Wartung müssen weiterhin möglich sein.
7. Technische Vorgaben abstimmen
Bei Unsicherheiten sollte die geplante Konstruktion vor der Ausführung mit den beteiligten Fachleuten geklärt werden.
Gerade beim Arbeiten auf dem Dach kommt außerdem die Absturzgefahr hinzu. Wer weder über geeignete Sicherungseinrichtungen noch über Erfahrung mit Dacharbeiten verfügt, sollte diese Arbeiten nicht als gewöhnliches Heimwerkerprojekt behandeln.
Gute Verkleidungen funktionieren auch hinter der sichtbaren Oberfläche
Eine Schornsteinverkleidung ist dann sinnvoll geplant, wenn sie nicht nur Regen abhält, sondern als vollständiger konstruktiver Aufbau funktioniert. Dazu gehören ein intakter Untergrund, passende Werkstoffe, eine funktionierende Hinterlüftung, sauber ausgeführte Dachanschlüsse und ein wetterfester oberer Abschluss.
Ebenso wichtig ist, dass notwendige Kontrollen und spätere Arbeiten möglich bleiben. Besonders bei bestehenden Schornsteinen sollte deshalb zuerst geklärt werden, welche Bauart vorhanden ist und welche Anforderungen der Hersteller beziehungsweise die konkrete Anlage stellt. Die sichtbar montierten Platten oder Bleche sind am Ende nur ein Teil der Konstruktion. Entscheidend sind meist die Details darunter und an den Übergängen.





