Zuerst klären: Ist der vorhandene Querschnitt wirklich zu klein?
Bei einer Feuerstätte muss genügend Druck entstehen, damit die Verbrennungsgase sicher über den Schornstein abgeführt werden. Ein größerer Querschnitt ist dabei nicht automatisch besser. Auch ein zu großer Schornstein kann ungünstige Strömungs- und Temperaturverhältnisse verursachen.
Deshalb reicht es nicht, beispielsweise den Rauchrohranschluss eines Ofens mit dem vorhandenen Schornsteindurchmesser zu vergleichen.
Für die Beurteilung sind unter anderem wichtig:
- Art und Leistung der Feuerstätte
- Abgastemperatur
- Abgasmassenstrom
- notwendiger Förderdruck des Geräts
- wirksame Höhe des Schornsteins
- Länge und Verlauf des Verbindungsstücks
- Anzahl von Bögen und Umlenkungen
- Wärmedämmung und Innenoberfläche der Abgasanlage
- Betriebsweise der Feuerstätte
- mögliche Mehrfachbelegung des Schornsteins
Die wärme- und strömungstechnische Berechnung erfolgt bei vielen Anlagen nach den hierfür vorgesehenen technischen Regeln. Dabei wird geprüft, ob die Abgase unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen sicher abgeführt werden können.
Ein Beispiel zeigt, warum eine pauschale Betrachtung schwierig ist: Ein relativ kleiner, aber hoher und gut gedämmter Schornstein kann unter bestimmten Bedingungen ausreichend funktionieren. Ein größerer, sehr kurzer oder stark auskühlender Schornstein kann dagegen Probleme bereiten.
Hinzu kommt die Konstruktion des Ofens. Manche Feuerstätten benötigen einen höheren Förderdruck als andere. Angaben hierzu finden sich normalerweise in den technischen Unterlagen des Herstellers.
Welche Umbauten den vorhandenen Abgasweg vergrößern können
Steht nach der Berechnung fest, dass mehr Querschnitt benötigt wird, hängt die passende Lösung stark vom Aufbau des bestehenden Schornsteins ab. Bei gemauerten Zügen bestehen andere Möglichkeiten als bei modernen Systemschornsteinen mit Keramikrohr.
Eine grobe Einordnung:
Maßnahme |
Wann sie infrage kommen kann |
Wichtige Einschränkung |
|---|---|---|
Schornstein ausfräsen |
Gemauerter Schornstein mit ausreichend Wandstärke |
Standsicherheit und Brandschutz müssen erhalten bleiben |
Alte Innenschale entfernen |
Wenn ein früher eingebautes Rohr den Querschnitt reduziert |
Konstruktion muss dafür geeignet sein |
Schacht teilweise neu aufbauen |
Bei stark beschädigten oder ungünstigen Abschnitten |
Größerer baulicher Aufwand |
Separaten Außenschornstein errichten |
Wenn der bestehende Zug nicht sinnvoll angepasst werden kann |
Standort und Mündung müssen geplant werden |
Neuen Schornsteinzug herstellen |
Bei umfangreichen Umbauten oder Sanierungen |
Eingriff in Gebäude und Dach erforderlich |
Gemauerte Schornsteine ausfräsen
Bei älteren gemauerten Schornsteinen kann unter bestimmten Voraussetzungen Material von der Innenwand entfernt werden. Dafür werden spezielle Fräsgeräte von oben in den Schornstein geführt.
Ziel ist es, den inneren Querschnitt gleichmäßig zu vergrößern. Anschließend kann beispielsweise genügend Platz für ein neues Innenrohr entstehen.
Wie viel Material entfernt werden darf, lässt sich jedoch nicht pauschal festlegen. Entscheidend sind unter anderem:
- Wandstärke des bestehenden Schornsteins
- Zustand des Mauerwerks
- Verlauf des Schornsteinzugs
- vorhandene Versätze
- statische Funktion
- angrenzende brennbare Bauteile
- notwendige Feuerwiderstandseigenschaften
Einfach mehrere Zentimeter Mauerwerk abzutragen, ohne den Aufbau genau zu kennen, wäre entsprechend riskant.
Gerade bei alten Gebäuden können außerdem unbekannte Reparaturen, eingemauerte Bauteile oder unterschiedlich starke Schornsteinwände vorhanden sein.
Alte Innenrohre oder Einbauten entfernen
Nicht immer ist der ursprüngliche Schornstein selbst zu klein. Manchmal wurde sein Querschnitt bei einer früheren Sanierung verkleinert.
Das kann beispielsweise durch eine eingezogene Innenschale oder ein altes Rohr geschehen sein. Soll nun eine andere Feuerstätte angeschlossen werden, reicht der verbleibende Platz möglicherweise nicht mehr aus.
In geeigneten Fällen können solche alten Einbauten entfernt werden. Spezialisierte Betriebe nutzen dafür Fräs-, Bohr- oder Ausschlagverfahren.
Anschließend muss erneut geprüft werden, wie der Schornstein weiter genutzt wird. Häufig wird nach einer solchen Erweiterung ein neues Innenrohr aus einem dafür geeigneten Werkstoff eingesetzt.
Das vorhandene Mauerwerk wird also nicht zwangsläufig selbst zum endgültigen Abgasweg.
Warum ein größeres Innenrohr nicht einfach in jeden Schacht passt
Eine häufige Idee ist, den bisherigen Einsatz einfach durch ein Rohr mit größerem Durchmesser zu ersetzen. Dabei wird allerdings schnell die Außenabmessung des neuen Systems vergessen.
Zwischen einem Innenrohr und der umgebenden Schachtwand können konstruktiv notwendige Abstände erforderlich sein. Auch Muffen, Verbindungsstellen oder Dämmungen benötigen Platz.
Ein Schacht mit beispielsweise 180 Millimetern freier Breite kann deshalb nicht automatisch ein Innenrohr mit nahezu identischem Außendurchmesser aufnehmen.
Zusätzlich können vorhandene Versätze zum Problem werden. Ein Schornstein wirkt von außen gerade, kann innerhalb des Gebäudes aber leicht verzogen sein.
Bei der Planung werden deshalb normalerweise nicht nur die sichtbaren Maße betrachtet. Häufig sind zusätzliche Untersuchungen sinnvoll, etwa:
- vorhandenen Schornsteinquerschnitt aufnehmen,
- Verlauf des Zuges kontrollieren,
- vorhandene Innenrohre und Einbauten bestimmen,
- Zustand der Schornsteinwände prüfen,
- benötigten Systemdurchmesser berechnen,
- erforderlichen Einbauraum des neuen Systems berücksichtigen.
Erst danach lässt sich beurteilen, ob Fräsen, Ausbauen oder ein anderer Weg sinnvoll ist.
Ein weiterer Punkt: Eine Sanierung mit Innenrohr verkleinert den nutzbaren Abgasquerschnitt gegenüber dem Rohbauschacht. Soll beispielsweise nachträglich ein Edelstahl- oder Keramiksystem eingebaut werden, muss der Schacht daher genügend Platz bieten.
Wann ein neuer Schornstein sinnvoller ist als eine Erweiterung
Nicht jeder bestehende Schornstein lässt sich wirtschaftlich vergrößern. Bei komplizierten Gebäuden kann ein neuer Abgasweg deutlich einfacher sein.
Das gilt beispielsweise, wenn der vorhandene Schornstein:
- sehr stark verzogen ist,
- zu wenig Wandstärke besitzt,
- baulich beschädigt ist,
- ungünstig durch mehrere Geschosse geführt wird,
- bereits mehrfach verändert wurde,
- keinen ausreichend großen Querschnitt für die benötigte Sanierung bietet.
Eine mögliche Alternative ist dann ein neuer doppelwandiger Schornstein an der Außenwand.
Das kann besonders interessant sein, wenn die gewünschte Feuerstätte ohnehin an einer Außenwand steht. Statt den bestehenden Zug umfangreich umzubauen, wird ein separater Abgasweg hergestellt.
Allerdings muss auch dieser geplant werden. Befestigungen, Abstände zu brennbaren Bauteilen, Dachüberstände und die Lage der Mündung müssen berücksichtigt werden.
Bei größeren Sanierungen kann wiederum ein neuer Schornsteinzug innerhalb des Gebäudes sinnvoll sein. Diese Variante verursacht meist deutlich mehr Bauarbeiten, bietet dafür aber größere Freiheit bei Querschnitt und Position.
Welche Lösung wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt stark vom Gebäude ab. Bei einem kurzen gemauerten Schornstein kann eine Erweiterung überschaubar sein. Bei einem komplizierten, mehrgeschossigen Schacht kann ein neuer Außenschornstein weniger Eingriffe verursachen.
Umbauten am Schornstein vorher abstimmen
Der Schornstein gehört sicherheitstechnisch zur Feuerungsanlage. Veränderungen am Querschnitt sollten deshalb nicht erst nach Abschluss der Arbeiten geprüft werden.
Sinnvoll ist eine klare Reihenfolge:
1. Feuerstätte festlegen
Für die Berechnung werden technische Daten des konkreten Geräts benötigt. Eine grobe Angabe wie „Holzofen mit etwa 8 kW“ reicht für eine endgültige Planung häufig nicht aus.
2. Bestehende Abgasanlage aufnehmen
Dazu gehören unter anderem Höhe, Innenmaße, Material, Verlauf und vorhandene Anschlüsse.
3. Schornsteinberechnung durchführen
Damit wird geprüft, welcher Querschnitt für die vorgesehene Kombination tatsächlich erforderlich ist.
4. Umbauvariante festlegen
Erst jetzt lässt sich sinnvoll zwischen Fräsen, Entfernen vorhandener Einbauten, Sanierung oder Neubau entscheiden.
5. Umsetzung mit dem zuständigen Bezirksschornsteinfeger abstimmen
Bei neu errichteten oder wesentlich geänderten Feuerungsanlagen ist vor der Nutzung eine entsprechende Überprüfung vorgesehen.
Gerade deshalb lohnt es sich, die geplante Lösung frühzeitig zu besprechen. Ein technisch machbarer Umbau ist noch nicht automatisch für jeden Schornstein und jede Feuerstätte die passende Ausführung.
Was bei einem zu kleinen Querschnitt wirklich entscheidet
Ein zu enger Schornstein bedeutet nicht automatisch, dass die gewünschte Feuerstätte ausgeschlossen ist. Zuerst sollte geklärt werden, welchen Querschnitt die konkrete Anlage tatsächlich benötigt.
Ist eine Erweiterung erforderlich, bieten gemauerte Schornsteine teilweise überraschend viele Möglichkeiten. Fräsen, das Entfernen alter Innenschalen oder eine anschließende Sanierung können zusätzlichen Platz schaffen. Die vorhandene Wandstärke und Konstruktion setzen diesen Verfahren jedoch klare Grenzen.
Wenn der alte Zug baulich ungeeignet ist, kann ein neuer Schornstein die sinnvollere Lösung sein. Entscheidend ist daher weniger die Frage, wie viel Material technisch entfernt werden kann, sondern welcher Abgasweg anschließend sicher und berechenbar zur Feuerstätte passt.






