Was mit dem Förderdruck eigentlich gemessen wird
Beim Betrieb einer Feuerstätte erwärmen sich die Abgase. Die heißen Gase haben eine geringere Dichte als die kühlere Außenluft und steigen im Schornstein nach oben. Dadurch entsteht ein Druckunterschied, der den Abtransport der Abgase unterstützt und gleichzeitig Einfluss darauf hat, wie Verbrennungsluft in die Feuerstätte gelangt.
Dieser für den Betrieb verfügbare Druck wird im Zusammenhang mit Kaminöfen meist als Förderdruck oder Schornsteinzug bezeichnet. Angegeben wird er üblicherweise in Pascal, kurz Pa.
Ein höherer Zahlenwert bedeutet dabei nicht automatisch einen besseren Schornstein. Eine Feuerstätte benötigt einen bestimmten Förderdruck, auf den ihre Konstruktion und ihre Verbrennung abgestimmt sind.
Welcher Wert erforderlich ist, hängt vom jeweiligen Gerät ab. Bei manchen Kaminöfen liegt der Herstellerwert beispielsweise bei 10 Pa, bei anderen bei 12 Pa. Andere Geräte besitzen wiederum einen vorgegebenen Bereich oder einen zusätzlich genannten maximal sinnvollen beziehungsweise zulässigen Wert.
Deshalb sollte der gemessene Förderdruck nicht mit einem pauschalen Internetwert verglichen werden, sondern mit den technischen Angaben des konkret angeschlossenen Ofens.
Auch das Verbindungsstück zwischen Feuerstätte und Schornstein spielt eine Rolle. Bögen, Rohrlänge, Querschnitt und weitere Strömungswiderstände können den Druck beeinflussen, der tatsächlich an der Feuerstätte zur Verfügung steht.
So läuft eine Förderdruckmessung in der Praxis ab
Für eine belastbare Beurteilung reicht es nicht, irgendeinen Druckwert bei kaltem Ofen zu erfassen. Interessant ist vor allem, wie sich die Abgasanlage unter realistischen Betriebsbedingungen verhält.
Dazu wird mit einem geeigneten Druckmessgerät der Druckunterschied erfasst. Die Messung erfolgt abhängig von Anlage und Fragestellung an einer dafür geeigneten Stelle im Bereich des Abgaswegs. Besonders wichtig ist, dass der Betriebszustand während der Messung bekannt ist.
Bei der Beurteilung können unter anderem folgende Punkte eine Rolle spielen:
- Feuerstätte und Schornstein sind bereits ausreichend erwärmt.
- Der Ofen befindet sich in einem definierten Betriebszustand.
- Luftregler stehen in einer nachvollziehbaren Position.
- Türen und Fenster befinden sich in einem für den normalen Betrieb repräsentativen Zustand.
- Lüftungsanlagen oder Dunstabzugshauben werden berücksichtigt.
- Wetter und Außentemperatur werden bei der Interpretation mitgedacht.
- Der gemessene Wert wird mit den Herstellerdaten der Feuerstätte verglichen.
Gerade die Erwärmung des Schornsteins ist wichtig. Direkt nach dem Anzünden können sich andere Druckverhältnisse ergeben als während eines stabilen Abbrands. Ein kalter Schornstein besitzt zunächst einen geringeren thermischen Antrieb. Deshalb kann ein Ofen beim Start Schwierigkeiten zeigen und später trotzdem problemlos funktionieren.
Umgekehrt kann ein kräftig aufgeheizter Schornstein einen deutlich stärkeren Zug entwickeln als unmittelbar nach dem Anzünden.
Eine Messung ist deshalb immer mit der Frage verbunden: Unter welchen Bedingungen wurde dieser Wert ermittelt?
Zu niedriger oder zu hoher Förderdruck: Was der Messwert erklären kann
Abweichungen vom benötigten Förderdruck können verschiedene Betriebsprobleme erklären. Dabei sollte jedoch nicht vorschnell aus einem einzelnen Symptom auf den Schornstein geschlossen werden.
Messergebnis |
Mögliche Auswirkungen |
|---|---|
Förderdruck geringer als für die Feuerstätte erforderlich |
erschwertes Anheizen, schwacher Abbrand, verzögerter Abgastransport |
Förderdruck im vorgesehenen Bereich |
gute Voraussetzung für den bestimmungsgemäßen Betrieb der Feuerstätte |
Förderdruck deutlich höher als vorgesehen |
schneller Abbrand, schwer kontrollierbare Leistung, erhöhte Abgasverluste |
stark schwankender Förderdruck |
wechselndes Brennverhalten, mögliche Einflüsse durch Wind oder Druckverhältnisse im Gebäude |
Wenn der Schornstein zu wenig zieht
Ein geringer Förderdruck kann sich beispielsweise dadurch bemerkbar machen, dass das Feuer nur langsam in Gang kommt oder beim Öffnen der Feuerraumtür Rauch austritt.
Mögliche Ursachen reichen jedoch weit über die reine Schornsteinhöhe hinaus. Denkbar sind beispielsweise:
- ein kalter Schornstein,
- ungünstige Abmessungen der Abgasanlage,
- starke Widerstände im Rauchrohr,
- Verschmutzungen oder Verengungen,
- eine unzureichende Verbrennungsluftversorgung,
- Unterdruck im Gebäude,
- ungünstige Windverhältnisse.
Besonders in sehr dichten Gebäuden sollte die Verbrennungsluftversorgung mit betrachtet werden. Fehlt dem Ofen ausreichend Luft, kann ein Problem entstehen, das auf den ersten Blick wie schlechter Schornsteinzug wirkt.
Auch Dunstabzugshauben und andere Abluftanlagen verdienen Aufmerksamkeit. Sie können Druckverhältnisse im Gebäude verändern und dadurch die sichere Abgasabführung beeinflussen.
Auch zu viel Zug kann problematisch sein
Die verbreitete Vorstellung „Je stärker der Schornstein zieht, desto besser“ greift zu kurz.
Ein deutlich zu hoher Förderdruck kann den Abbrand beschleunigen. Das Holz verbrennt dann möglicherweise schneller als vorgesehen, die Leistung lässt sich schlechter regulieren und mehr Wärme kann mit den Abgasen in Richtung Schornstein verschwinden.
Je nach Feuerstätte kann der Hersteller deshalb neben einem erforderlichen Wert auch Grenzen oder Empfehlungen für einen höheren Förderdruck vorgeben.
Welche Maßnahmen bei einer Abweichung sinnvoll sind, lässt sich erst nach Betrachtung der gesamten Anlage entscheiden. Eine Drosselklappe, ein Zugbegrenzer oder Veränderungen am Schornstein sind keine universellen Lösungen, die allein anhand eines einzelnen Messwertes ausgewählt werden sollten.
Warum eine einzelne Messung nicht jede Zugstörung erklärt
Der natürliche Schornsteinzug ist keine konstante Größe. Er verändert sich mit den Betriebs- und Wetterbedingungen.
Einen wesentlichen Einfluss haben die Temperaturen. Je größer der Temperaturunterschied zwischen den Abgasen im Schornstein und der Außenluft ist, desto stärker kann der thermische Antrieb ausfallen. Deshalb kann sich derselbe Ofen an einem kalten Wintertag anders verhalten als an einem milden Herbstabend.
Hinzu kommen weitere Einflussgrößen:
Schornsteinhöhe und Querschnitt:
Sie bestimmen wesentlich mit, welche Druckverhältnisse entstehen und welche Strömungswiderstände überwunden werden müssen.
Abgastemperatur und Abgasmenge:
Verschiedene Feuerstätten geben unterschiedlich warme und unterschiedlich große Abgasmengen ab.
Rauchrohrführung:
Länge, Bögen und Querschnitt des Verbindungsstücks beeinflussen den Strömungswiderstand.
Wind:
Je nach Gebäude, Dachform, Schornsteinmündung und Windrichtung kann Wind den Abtransport unterstützen oder stören.
Druckverhältnisse im Gebäude:
Abluftgeräte, Lüftungsanlagen und eine sehr dichte Gebäudehülle können bei raumluftabhängigen Feuerstätten relevant werden.
Betriebszustand:
Anheizphase, Teillast und ein stabiler Abbrand sind nicht identisch. Ein einzelner Wert beschreibt daher immer nur den jeweiligen Messzustand.
Treten Probleme ausschließlich bei bestimmten Wetterlagen oder nur beim Anheizen auf, kann es sinnvoll sein, diese Beobachtungen bei der Untersuchung ausdrücklich mit einzubeziehen.
Messung und Schornsteinberechnung beantworten unterschiedliche Fragen
Eine Förderdruckmessung zeigt, welche Druckverhältnisse an einer bestehenden Anlage unter den jeweiligen Bedingungen tatsächlich vorliegen. Eine rechnerische Auslegung der Abgasanlage verfolgt dagegen einen anderen Ansatz.
Bei einer Schornsteinberechnung werden technische Daten der Feuerstätte und Eigenschaften der Abgasanlage zusammengeführt. Dazu gehören beispielsweise Abgasmassenstrom, Abgastemperatur, erforderlicher Förderdruck, Schornsteinhöhe, Querschnitt und Eigenschaften des Verbindungsstücks.
Das ist besonders bei Neuplanung, Gerätewechsel oder Veränderungen der Abgasanlage wichtig.
Vereinfacht gesagt:
Die Berechnung prüft, ob Feuerstätte und Abgasanlage rechnerisch zusammenpassen. Die Messung zeigt, was an der bestehenden Anlage unter konkreten Bedingungen tatsächlich passiert.
Beides kann sich sinnvoll ergänzen.
Zeigt beispielsweise eine Messung einen auffälligen Wert, muss anschließend geklärt werden, warum er entsteht. Umgekehrt bedeutet eine rechnerisch passende Anlage nicht, dass jedes Problem im späteren Betrieb ausgeschlossen ist. Veränderungen am Gebäude, Abluftgeräte, Verschmutzungen oder besondere Wetterbedingungen können zusätzlich Einfluss nehmen.
Was du aus dem Messergebnis mitnehmen solltest
Eine Förderdruckmessung ist vor allem ein Diagnosewerkzeug. Sie hilft zu prüfen, ob der an der Feuerstätte vorhandene Druck zu den technischen Vorgaben des Geräts passt. Ein bestimmter Pascalwert ist dagegen weder grundsätzlich gut noch grundsätzlich schlecht.
Besonders aussagekräftig wird die Messung, wenn gleichzeitig dokumentiert wird, in welchem Betriebszustand sich der Ofen befand und welche Randbedingungen herrschten. Bei auffälligen Ergebnissen sollte anschließend die gesamte Kette aus Verbrennungsluftversorgung, Feuerstätte, Rauchrohr und Schornstein betrachtet werden. So lässt sich besser unterscheiden, ob tatsächlich ein Zugproblem besteht oder ob die Ursache an einer anderen Stelle der Anlage zu suchen ist.





